Ist dieser Satz richtig?

Heute in der SZ (leicht gekürzt):
„Gerhardt müsste zurückstecken, wenn Stoiber das Amt für sich reklamiert.“

Müsste es nicht heißen „… wenn Stoiber das Amt reklamierte/reklamieren würde?“

Oder wird „wenn“ hier im Sinne von „sobald“ verwendet?

Fragt André

Ja!

Heute in der SZ (leicht gekürzt):
„Gerhardt müsste zurückstecken, wenn Stoiber das Amt für sich
reklamiert.“

Der Satz ist in Ordnung. Beachte bitte, dass das Verb hier nicht „reklamieren“ heißt, sondern „für sich reklamieren“.
Und das bedeutet: Er beansprucht etwas (hier: das Amt) für sich.

Müsste es nicht heißen „… wenn Stoiber das Amt
reklamierte/reklamieren würde?“

Auch das ist nicht falsch, aber ungewöhnlich und bedeutet etwas anderes als der obige Satz.
Nämlich: Er beanstandet und kritisiert das Amt, die Einrichtung, den Umfang, die Aufgabe des Amtes, oder die Art der Amtsführung.

Man reklamiert sonst den Zustand einer Ware oder eine fehlerhafte Dienstleistung.

Oder wird „wenn“ hier im Sinne von „sobald“ verwendet?

Das hat hier keine Bedeutung für die Bedeutung des Satzes.

Sagt Fritz

„Gerhardt müsste zurückstecken, wenn Stoiber das Amt für sich
reklamiert.“

Der Satz ist okay. Durch den Indikativ im Bedingungssatz lässt der Verfasser die Frage offen, wie wahrscheinlich es ist, dass Stoiber tatsächlich das Amt für sich reklamiert.

"… wenn Stoiber das Amt

reklamierte/reklamieren würde?"

(Ich gehe davon aus, dass du ‚für sich‘ einfach vergessen hast)
In dieser Version drückt der Konjunktiv II aus, dass es unwahrscheinlich ist, dass Stoiber es wirklich tut.

Sorry, Fehler gemacht…
Sorry Fritz, hab mich vertippt. Natürlich sollte es heißen „für sich reklamieren“. Also noch einmal:

A müsste zurückstecken, wenn B das Amt für sich reklamiert.

oder

A müsste zurückstecken, wenn B das Amt für sich reklamierte.

Muss hier nicht Konditional walten?

Fragt noch einmal
André

Ja, so!

Dann war ja smokassi schon aufmerksamer als ich. Und er hat auch die Frage richtig geklärt.

Muss hier nicht Konditional walten?

Meiner Ansicht nach schon, aber smokassi hat auch Recht, wenn er den Indikativ als möglich bezeichnet. Man müsste hier wissen, für wie wahrscheinlich der Autor des Satzes es hält, dass Stoiber nach Berlin will.

Da ich das für unwahrscheinlich halte, ziehe ich die Fassung mit dem Konjunktiv II vor.

Ist aber bloß mein Zweicentstück. :wink:

Fritz

(Ich gehe davon aus, dass du ‚für sich‘ einfach vergessen
hast)

ja habe ich.

In dieser Version drückt der Konjunktiv II aus, dass es
unwahrscheinlich ist, dass Stoiber es wirklich tut.

Ist das wirklich so? Drückt es nicht auch aus, dass es eben noch nicht sicher ist, ob Stoiber es tut?
Nach deiner Erklärung sind beide Sätze grammatikalisch korrekt, sagen aber etwas anderes aus, richtig?

Grüße
André

Die Frage „ist dieser Satz richtig?“ ist misszuverstehen. Richtig muss es heißen „Ist dieser Satz richtig?“ - GROSSES I

Fragt André

antwortet CF FJ

Heute in der SZ (leicht gekürzt):
„Gerhardt müsste zurückstecken, wenn Stoiber das Amt für sich
reklamiert.“

Müsste es nicht heißen „… wenn Stoiber das Amt
reklamierte/reklamieren würde?“

Oder wird „wenn“ hier im Sinne von „sobald“ verwendet?

stimmt schon,

„sobald“ impliziert die erfuellung.
„falls“ unterstuetzt die vermutung.

das ist allerdings nicht ausschlaggebend fuer den satz.

mir waere allerdings ein konjunktiv im 2. satz lieber. rein inhaltlich…
wobei mich der satz ueberhaupt ziemlich anstaeubert…

Fragt André

Hallo,

Müsste es nicht heißen „… wenn Stoiber das Amt
reklamierte/reklamieren würde?“

Die Frage wurde ja schon beantworte, eine Sache fehlte allerdings. „reklamierte“ ist hier nicht der richtige Konjunktiv II, weil er deckungsgleich mit dem Imperfekt ist. In diesem Fall kommt die Version mit „würde“ dran.

Ich hab ne strenge Geschichtslehrerin, die auch noch Deutschlehrerin ist und mit recht auf dem Konjunktiv pocht… (ich sag nur: „Hitler hat gesagt…“)
Aber das ist eine andere Anwenung des Konjunktiv.

Lena

Hallo,

Müsste es nicht heißen „… wenn Stoiber das Amt
reklamierte/reklamieren würde?“

Die Frage wurde ja schon beantworte, eine Sache fehlte
allerdings. „reklamierte“ ist hier nicht der richtige
Konjunktiv II, weil er deckungsgleich mit dem Imperfekt ist.
In diesem Fall kommt die Version mit „würde“ dran.

Ich glaube, da liegst du falsch. „reklamierte“ ist zwar auch Imperfekt, aber die Konstruktion mit „würde“ wird doch nur angewandt, wenn der Satz sonst missverständlich wäre. Das ist hier aber nicht der Fall. Also geht auch „reklamierte“.
Denkt
André

In dieser Version drückt der Konjunktiv II aus, dass es
unwahrscheinlich ist, dass Stoiber es wirklich tut.

Ist das wirklich so? Drückt es nicht auch aus, dass es eben
noch nicht sicher ist, ob Stoiber es tut?

Man unterscheidet drei Arten von Bedingungssätzen: Indefinitus, Potentialis und Irrealis. Alle drei können sich auf die Gegenwart oder die Vergangenheit beziehen. Der Indefinitus (der mit dem Indikativ) gibt keine Aussage über die Wahrscheinlichkeit, der Potentialis (meistens mit „sollte“,z.B. „wenn Stoiber …reklamieren sollte“) deutet die Möglichkeit an und der Irrealis (Konjunktiv II/„würde“) die Unwahrscheinlichkeit.

Nach deiner Erklärung sind beide Sätze grammatikalisch
korrekt, sagen aber etwas anderes aus, richtig?

Ja. Es geht nur darum, ob oder für wie wahrscheinlich es der Verfasser
hält, dass der Bedingungssatz tatsächlich eintritt.

Ich glaube, da liegst du falsch. „reklamierte“ ist zwar auch
Imperfekt, aber die Konstruktion mit „würde“ wird doch nur
angewandt, wenn der Satz sonst missverständlich wäre. Das ist
hier aber nicht der Fall. Also geht auch „reklamierte“.

Hm, ich dachte, diese Regelung wäre verbindlich! Abgesehen davon: Ich finde schon, dass hier die Imperfektform fehl am Platz ist. Ist halt schon was missverständlich, aber das ist Geschmacksfrage :wink: Manche stehn ja auf den reinen Konjunktiv in jeder Situation…

Ich glaube, da liegst du falsch. „reklamierte“ ist zwar auch
Imperfekt, aber die Konstruktion mit „würde“ wird doch nur
angewandt, wenn der Satz sonst missverständlich wäre. Das ist
hier aber nicht der Fall. Also geht auch „reklamierte“.

Hm, ich dachte, diese Regelung wäre verbindlich! Abgesehen
davon: Ich finde schon, dass hier die Imperfektform fehl am
Platz ist.

Die Frage nach Imperfekt stellt sich hier aber nicht, weil der Satz mit „wenn“ beginnt. Das schließt sich gegenseitig aus.

Ist halt schon was missverständlich, aber das ist
Geschmacksfrage :wink:

Nö. Weder - noch.

Gruß Gudrun

das tut weh
Hallo Lena,

Ich hab ne strenge Geschichtslehrerin, die auch noch
Deutschlehrerin ist und mit recht auf de m Konjunktiv pocht…

ich denke, Deine Lehrerin hätte hier auf den Akkusativ gepocht.

Gruß Gudrun

Hallo,

Müsste es nicht heißen „… wenn Stoiber das Amt
reklamierte/reklamieren würde?“

Die Frage wurde ja schon beantworte, eine Sache fehlte
allerdings. „reklamierte“ ist hier nicht der richtige
Konjunktiv II, weil er deckungsgleich mit dem Imperfekt ist.
In diesem Fall kommt die Version mit „würde“ dran.

Ich hab ne strenge Geschichtslehrerin, die auch noch
Deutschlehrerin ist und mit recht auf dem Konjunktiv pocht…

meine hatte null ahnung von rechtsschreibung/grammatik…an mir diehst du noch die spaetfolgen.

(ich sag nur: „Hitler hat gesagt…“)

was meinst du damit?

Aber das ist eine andere Anwenung des Konjunktiv.

Lena

Hi,

Die Frage nach Imperfekt stellt sich hier aber nicht, weil der
Satz mit „wenn“ beginnt. Das schließt sich gegenseitig aus.

Warum?

Also, ich meine, was hat das gute „wenn“ denn mit dem Imperfekt am Hut? Es gibt doch genug Sätze mit „wenn“ und Imperfekt; als regelartige Begründung kann man dieses Argument nicht nehmen.

Die einzige Begründung wäre, dass der erste Teil des Satzes, Gerhardt müsste zurückstecken , ein Imperfekt (eigentlich) ausschließt.

Aber es gibt ja auch sowas wie Sprachästhetik. Auch Ciceros Bandwurmsätze sind alle sehr richtig - verständlicher aber nicht unbedingt. Das meinte ich mit Geschmack.

Gruß,

Lena

Hallo,

(ich sag nur: „Hitler hat gesagt…“)

was meinst du damit?

Das wurde uns als Beispiel gegeben, was passieren kann, wenn man eben nicht „konjunktiviert“:

Hitler schreibt in einem Brief: „Alle Juden sind zu vernichten!“

Wenn du das jetzt wiedergeben willst, ist es ja meistens nicht deine Meinung. Deshalb muss es heißen:

Hitler schrieb, alle Juden seien zu vernichten.

Nimmt man im zweiten Teil des Satzes Indikativ, würde man es selber als Tatsache ansehen.

Schon Hitler war der Meinung, dass alle Juden zu vernichten sind.

Stör dich nicht am drumherum (dass-Satz usw.). Das hört sich jedenfalls schon deutlich anders an als die Konjunktivversion.
Allerdings geht es hier nicht um Bedingungen ( wenn xyz, dann abc ), sondern um die indirekte Rede.

Lena

Hmmmmm!! Ich sage da jetzt mal nichts weiter zu als „m und n liegen auf der Tastatur nebeneinander“ und „Offtopic“.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Auch Hi,

Die Frage nach Imperfekt stellt sich hier aber nicht, weil der
Satz mit „wenn“ beginnt. Das schließt sich gegenseitig aus.

Warum?

Also, ich meine, was hat das gute „wenn“ denn mit dem
Imperfekt am Hut?

ich war hier etwas ungenau, sorry, weil ich den Indikativ des Imperfekts meinte, der bei „reklamierte“ identisch mit dem Konjunktiv II des Imperfekts ist.
Um Mißverständnisse zu vermeiden, wird in solchen Fällen der Konjunktiv II mit „würde“ gebildet. Soweit sind wir uns einig, richtig?

Ich meine aber, daß es im vorliegenden Beispiel keine Mißverständnisse geben kann, weil „reklamierte“ in einem mit „wenn“ beginnenden Satz immer Konjunktiv II ist.

„Wenn“ + Indikativ Imperfekt gibt es meines Wissens nicht.
(Es regnete, wenn ich nachhause ging. -->kann nicht richtig sein!)

Es gibt doch genug Sätze mit „wenn“ und
Imperfekt; als regelartige Begründung kann man dieses Argument
nicht nehmen.

Sind diese Sätze dann nicht automatisch Konjunktiv II?
Bitte Beispiele, was Du damit meinst.

Die einzige Begründung wäre, dass der erste Teil des Satzes,
Gerhardt müsste zurückstecken , ein Imperfekt
(eigentlich) ausschließt.

Das wäre eine weitere Begründung, daß der Indikativ des Imperfekts ausgeschlossen ist, unabhängig davon, mit welcher Konjunktion der zweite Satzteil beginnt.

Aber es gibt ja auch sowas wie Sprachästhetik. Auch Ciceros
Bandwurmsätze sind alle sehr richtig - verständlicher aber
nicht unbedingt. Das meinte ich mit Geschmack.

Ich hatte Deinen Geschmack so verstanden, daß Du beim Konjunktiv II unbedingt „würde“ haben wolltest, auch wenn es gar nicht erforderlich ist.

Gruß Gudrun

Ich meine aber, daß es im vorliegenden Beispiel keine
Mißverständnisse geben kann, weil „reklamierte“ in einem mit
„wenn“ beginnenden Satz immer Konjunktiv II ist.

„Wenn“ + Indikativ Imperfekt gibt es meines Wissens nicht.
(Es regnete, wenn ich nachhause ging. -->kann nicht richtig
sein!)

Wie wär’s mit: Stoiber stotterte, wenn er reklamierte. (Iteratives wenn)

Sind diese Sätze dann nicht automatisch Konjunktiv II?
Bitte Beispiele, was Du damit meinst.

s.o.