Ist unser Geschmack trainierbar?

Hallo,

hab mal eine Frage: Ich hab gehört, dass, wenn man etwas oft genug isst, ein bestimmtes Nahrungsmittel auch schmeckt. Würde auch erklären, wieso Indios Spinnentiere uä. essen und sich ev. vor „zivilisiertem“ Essen ekeln. (und umgekehrt!)

Nun, das hieße ja, ich würde von jetzt an, sagen wir, jeden Tag etwas essen, das mir nicht schmeckt und ab irgendwann würde es mir tatsächlich schmecken?

Umkehrschluss: Wenn ich etwas zu oft hintereinander esse, mag ich es ja auch irgendwann nicht mehr sehen. Von daher müsste es also stimmen.

Was haltet ihr davon?

Ah ja: Wie entwickelt sich der Geschmack? Warum ist er von Mensch zu Mensch verschieden? Eine Sache der Gene, der Kindheit oder so?

Nun denn, ich hoffe auf einige Antworten!

Grüße,

Jerry


Ernaehrungsberater sehen es so:

Ernährungsberatung Dr. med. Peter Marko und Silvia Marko

E-mail: [email protected] (Fragen, Bemerkungen, Anregungen)

Geschmack - Wie er entsteht, wie verändert man ihn?

Unser Geschmack entwickelt sich bereits im Mutterleib.

Bereits im Mutterleib übertragen sich Geruch und Geschmack der Speisen, welche die Mutter konsumiert, auf das Kind.

Wahrscheinlich verbinden sich Geruchs- und Geschmacksempfinden mit den Erlebnissen des Kindes. Immer wenn es sich wohlfühlt, wird es auch den ihn umgebenden Geruch und Geschmack angenehm empfinden.

Zwar bevorzugt das Kleinkind leicht süssliche Geschmacksrichtungen und meidet saure, zu salzige oder bittere Speisen, es ist aber sonst weitgehend unvoreingenommen. Deswegen verwundert es nicht, dass Kleinkinder ihren Kot in den Mund nehmen und zu verspeisen versuchen. Den Ekel bringen ihm erst seine Erzieher bei.

Geruchs- und Geschmacksempfinden sind kultur- und familienbedingt.

Bald beginnt das Kind sich nach erwachsener Art zu ernähren. Diese jedoch unterscheidet sich in den verschiedenen Erdteilen und Kulturen wesentlich. (Es ist gut zu wissen, dass sich weniger als ein Drittel der Menschheit nach unserer westlichen Weise ernährt!). Wenn wir in Vietnam aufgewachsen wären, würden wir Würmer, Ratten oder Heuschrecken wie Köstlichkeiten mit Lust essen. Wenn sie nicht auf unserer Speisekarte stehen, so hängt dies weder mit ihrem Geschmack noch mit ihrem Nährwert (kann u.U. höher als bei unseren Speisen sein) zusammen, vielmehr damit, dass bei uns zu wenige und zu dünne Würmer vorkommen, sodass man für das Sammeln einer Mahlzeit mehr Energie verbrauchen würde, als sie enthielte.

Geruchs- und Geschmacksempfinden sind also kultur- und familienbedingt und schwierig zu ändern. Wir hängen sehr daran, was und wie unsere Mutter gekocht hat. Eher kulturelle als individuelle Einflüsse verändern unser Essverhalten.

Chinesische Restaurants oder McDonalds haben heute einen grösseren Einfluss auf unsere Essgewohnheiten als der Rat eines Freundes oder Arztes aus gesundheitlichen Gründen.

Das Geruchs- und Geschmacksempfinden zu ändern, ist möglich!

Unsere Neugier, unsere Lust nach Neuem, Unbekanntem, manchmal auch Notwendigem kann eine Esstradition auch verändern.

Nach einer gewissen Zeit können wir uns an neue Speisen und deren Geschmack gewöhnen, sie sogar besonders mögen, auch wenn wir gelegentlich gern zu den alten, gewohnten Speisen zurückkehren.

Manche Menschen sind (auch) in diesem Bereich anpassungsfähiger als andere.

gruss

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Hallo!
Mit den kompetenten Ausführungen von Dizarus kann ich da nicht mithalten, nur mit Eigenerfahrung: Ich hab 3 Schwestern, wir sind zusammen aufgewachsen, gekocht hat Mutti: ich war schon als kleines Kind wild auf total scharf und salzig, meine zweite Schwester in eine pathologisch Süße und meine jüngste lieb es eher lind. Da die Umweltbedingung (= „traininertes“ Essen) für uns drei gleich waren, dürfte da doch sehr viel Veranlagung mitspielen.
Was das „Training“ anbelangt: Ich steh, wie gesagt, auf eher fettes, scharfes und salziges Essen. Mit Geduld und Ausdauer und schrittweiser Reduktion (sehe ich als Training) funktioniert es aber auch, dass mir etwas weniger Fettes und Versalzenes wieder schmeckt. Das dauert aber und Rückfälle sind vorprogammiert *gggg*.
Liebe Grüße
BB

Hallo!

Das ist lustig: wir sind auch drei Schwestern und bei uns ist es aehnlich: die aelteste Schwester mags lind (wir sagen fad), ist unheimlich heikel, probiert kaum was neues, die zweite Schwester mags rassisch und scharf und ganz wenig suess, und ich mag’s suess und ‚babbisch‘ und manchmal auch scharf.
Aber zur Frage: ich weiss, dass man zumindest Salzgeschmack trainieren kann. Einfach eine Woche lang ein kleines bissel weniger Salz nehmen (bei allem), die Woche drauf weiter reduzieren usw. Man ernaehrt sich ein ganzes Stueck gesuender. Einziger Nachteil: nach vier Wochen hat man echt Probleme in einem normalen Restaurant zu essen (von Macs und anderen Fastfoods ganz zu schweigen): alles schmeckt versalzen!
Elke

Salzsüchtig :wink:
Hallo Elke!
Die Story mit unseren Schwesterleins ist echt lustig!
Das mit dem Salz weiss ich, danke, ich hab es mal erfahren, als ich ein Monat im Krankenhaus inkarniert war und die mir partout kein zusätzliches Salz genehmigt haben. Hat sich aber glücklicherweise bald wieder gelegt *lach*.
Eine große Genugtuung für mich war auch, dass man unlängst draufgekommen ist, dass scharfes Essen 1. gesund (Verdauung, Gelenke etc.) ist und 2. auch die Geschmacksnerven schärft (huch, wie doppelsinnig), denn als ich klein war hieß es immer: Du kannst ja gar nix mehr schmecken und den Magen ruinierst Du Dir auch!
Viele liebe Grüße von der Futterfront
Birgit *diesichjetztaufeinsalzigesundscharfesletschofreut*)

und wie ist das mit sauer?
Ich hab schon oft gehört, dass vor allem Kinder zwischen 10 und 14 total auf Saures stehen (ich hab das heute noch…). Gibt es da einen wissenschaftlichen Hintergrund?

Trilli

Geschmack kann ruiniert werden
Zum ersten besteht Geschmack aus zwei Teilen, zum einenüber die Zunge (sauer, salzig, süß, bitter); das Feinempfinden macht aber eher der Geruch, also das was beim Essen in die Nase steigt. Die Empfindungen, die dabei entstehen entscheiden im Endeffekt, ob jemanden etwas schmeckt oder nicht.

Geschmack wird antrainiert, ist man aber erstmal geprägt, läßt es sich nur sehr schwer ändern. Wer eben kein Spinat mag, dem kann schon beim Geruch/Geschmack schlecht werden.

Einige Spitzenköche versuchen aber in Schulen Kindern den Geschmack zu trainieren. Kinder sollen dabei lernen, wie frische hochwertige Produkte schmecken, weil mittlerweile viele Menschen einen „verdorbenen“ Geschmack haben. Ihnen schmeckt z.B. die Konservenbohnen besser als die Frischen. Oder selbstgemachter Erdbeerjoghurt wird als unecht eingestuft und aromatisierter Joghurt (ohne nur einen Hauch Orginalfrucht) als echt. Durch die vielen zugesetzten Aromen kann man sich den Geschmack verderben, weil der in dem Überschuß an Geschmacksempfinden abstumpft und man die feinen Sachen nicht mehr erschmeckt. So wie man eben nach viel Parfümgeruch auch nicht mehr viel riechen kann.

halo,

durch unsere zivilisationsnahrung werden unsere gescmacksknospen auf der zunge betäubt, was am hohen salzgehalt unserer speisen liegt. deshalb verlieren wir immer mehr das bedürfnis nach frischen und gesunden nahrungsmitteln. schon eine geringe reduzierung des salzes in unseren speisen ermöglicht lustvolleres und geschmacklicheres essen. es schmeckt dann eben nicht mehr fast alles nur nach salz.

mfg
Technotrax