Hallo,
Hier möchte ich einwerfen, dass zwar Hoffnung in Sicht ist,
aber diese Arbeiten sollten genauso wie jede andere
wissenschaftliche Arbeit gesehen werden. Man ist unterwegs. Zu
hohe Hoffnungen (neudeutsch Hypes) gibt und gab es oft,
genauso oft wie die anschließende Ernüchterung gab und geben
wird. Leider schlägt diese Ernüchterung oft genug in eine
Technikfeindlichkeit um.
Weshalb schlägt sich eine Ernüchterung in eine Technikfeindlichkeit um??
Ich weiß nur noch, daß Einstein mit anderen Wissenschaftlern
dem amerikanischen Präsi einen Brief geschrieben haben, in dem
sie um den Verzicht für den A-Bombeneinsatz gebeten haben.
Das ist richtig. Aber du vergisst ein früheres Schreiben, in
dem zum Bau derselben aufgefordert wurde.
Nein, nicht vergessen, sonder nicht wissen!
Garantieren kann das keiner. Aber, z.B. die Mobilität hat auch
negative Auswirkungen auf die Umwelt. Und trotzdem erscheint
es unserer Gesellschaft wertvoller, die Mobilität aufrecht zu
erhalten, als auf jeglichen Straßen/Schienen/Luft-Verkehr zu
verzichten. Hier gilt es abzuwägen, wieviel Verkehr
verträglich ist. Genauso ist es bei der Gentechnik. Man muß
sich die Frage stellen, wo der Nutzen überwiegt, wo nciht.
Genauso wie bei der Verkehrspolitik ist es auch bei der
Gentechnik, daß unterschiedliche Standpunkte existieren, daß
eine öffentliche Diskussion stattfindet. Das ist auch gut so.
Aber ein Totalverbot für Gentechnik scheint mir deutlich zu
weit gegriffen.
Ein Totalverbot wird es sicherlich nicht geben, und darauf bin ich auch nicht aus. Aber wenn ich nur an das Tankerunglück vor der franz. Küste denke, bei dem sich die Firmen (für die die Fracht bestimmt war) nach Tagen immer noch nicht sicher sind, ob das Schiff jetzt giftige Chemikalien geladen hat oder nicht, dann kommt mir das so vor, als ob die Menschheit noch nicht den Kinderschuhen entwachsen ist. Un dann sollen wir die Verantwortung für die Ergebnisse der Genforschung übernehmen?? Ich weiß nicht.
Daß eines klar wird: auch ich hätte nichts dagegen, wenn
verschiedene Krankheiten durch die Genforschung ausgerottet
bzw. geheilt werden könnten.
Ehrlich gesagt, halte ich die Gentechnik in der Medizin für
ein ethisch wesentlich schwierigeres Thema, als Gentechnik
beim Ackerbau.
Man kann heute sehr viele Erbkrankheiten, aber auch z.B.
Virusinfektionen mit Methoden der Gentechnik sehr sicher
diagnostizieren. Nur was tun wenn der Befund da ist? Was tun
mit einem ungeborenen Kind, dessen Erbinformation eine spätere
schwere Krankheit erwarten läßt?
Was tun, wenn das werdende Kind nicht voll den Erwartungen der
Eltern entspricht? Wo liegen hier die Grenzen zwischen
machbaren und vertretbarem?
Die verschwimmen!
Doch wenn wir damit unbekannt
Risiken eingehen, frage ich mich, welchen Sinn das haben soll.
Kolumbus ging unbekannte Risiken ein, Cook ebenso wie Marco
Polo. Wer Neuland entdecken will und damit auch neue Wege
öffnen will, muß unbekannte Risiken eingehen. Das gilt für
einzelne Entdecker genauso, wie für eine Gesellschaft als
ganzes. Zu große risikoscheu bedeutet in einer sich wandelnden
Welt nicht nur Stagnation, sondern Rückschritt. Unsere Aufgabe
ist es daher, verantwortungsvoll vorwärts zu gehen.
Klar, aber daß das Risiko von Kolumbus, Cook oder sonstwem größtenteils sein eigenes bzw. das seiner Begleiter war. Bei der Gentechnik verteilt sich das Risiko auf alle Menschen!
Wolfgang