Und noch eine Frage: Mit welchen Problemen genau hatte die Weimar Republik zu kämpfen und wie konnte sie diese lösen?
Inflation --> Einführung der neuen Währung auf Zeit (warum eigentlich nur auf Zeit? Damit es nicht so peinlich aussieht wenn das Projekt scheitern sollte?) Haben die Politiker angeordnet Geld einfach zu drucken damit sie die hohen Reparationskosten für die Alliierten bezahlt werden konnten, oder hatte das andere Gründe?
Kommunismus --> ?
noch andere Problem?
Danke an die Experten
Helga
Hallo Helga
Die meisten Probleme der Weimarer Republik wurden gar nicht gelöst. Deswegen gab es ja eine so starke Fluktuation an Kanzlern. Als sie sich nicht mehr zu helfen mussten und aufgrund der innenpolitschen Lage wurde Adolf Hitler als Kanzler eingesetzt.
Die größten innenpolitischen Problem waren die vielen Parteien im Reichstag, damals gab es die 5% Klausel nicht und es konnte jede Partei die auch nur ein paar Stimmen bekommen hat in den Reichstag einziehen. Dies führte dazu, daß keine wirklich regierungsfähige Koalition zustande kam. Was auch ein Problem war, daß der Kanzler die Möglichkeit hatte die Regierung auszusetzen und über das Parlament hinweg alleine entscheidungen treffen konnte. Das wurde teilweise auch sehr ausgiebig genutz. Auch waren die Fronten innerhalb des Reichstages zu unterschiedlich und verhärtet. Die Kommunisten wollten etwas völlig anderes als die DAP oder SPD. Die sind überhaupt nicht auf einen gemeinsamen Nenner gekommen. Zu dieser Zeit war es auch nicht ganz unüblich, daß sich jede Partei die es sich leisten konnte eine kleine Privatarmee unterhielt (z.B. SA der NSDAP) mit der intensive Straßenschlachten ausgetragen wurden. Damals hatte das Wort Wahlkampf noch die wirkliche Bedeutung von „KAMPF“.
Außenpolitisch kamen als Probleme die Bürden des Versailer Friedensvertrages dazu und die Weltwirtschaftskrise, die der Weimarer Republik auch nicht gerade sehr hilfreich zu gute kamen.
Horst
Ok das gibt mir ja viele Informationen, danke dir Horst!
Hätte mich bloß ein bischen genauer ausdrücken sollen: Es geht um die ahre 1918-23, und wie die Weimar Republik es schaffte bis dahin zu überleben! War ja schon so eine Messers´ Schneide-Geschichte!
Und noch eine Frage: Mit welchen Problemen genau hatte die
Weimar Republik zu kämpfen und wie konnte sie diese lösen?
Hallo Helga,
Probleme: 1. hätten wir da einmal die hohen Reparationsforderungen der Siegermächte des I.WK
2. fehlte es an einer demokratischen Tradition, (anders als 1945, wurde Dtschl. damit ziemlich allein gelassen.),und die Demokratisierung wurde auch nur halbherzig eingeführt.Z.B.fehlte sie in der Verwaltung, im Heer und der Justiz völlig.
Da lief noch alles wie zu Kaisers.
3. wurden wirtschaftsträchtige Gebiete(Schlesien,Saarland) an Polen und Frankreich abgetreten.
Alle Kolonien, gingen verloren.
Dazu eine sehr hohe Arbeitslosigkeit
Putschversuche der linken wie rechten Parteien.
Besetzung des Rhein-Ruhrgebiets mit anschließendem Generalstreik.
Dann von 1919-1932 14 Kanzler die sich kaum länger als ein Jahr hielten.
Schließlich noch Weltwirtschaftskrise(an die die W.Rep. nicht schuld war) und der soziale Abstieg der Arbeiterklasse und so weiter.
Das alles kann selbst einen gesunden Staat das Genick brechen und für die damalige junge Rep. waren es mehr als Kinderkrankheiten.
zumal auch die Siegermächte ,allen voran Frankreich, meinten, Dtschl. sei noch nicht genug gestraft.
Inflation --> Einführung der neuen Währung auf Zeit (warum
eigentlich nur auf Zeit? Damit es nicht so peinlich aussieht
wenn das Projekt scheitern sollte?)
Die Einführung der Renten Mark war ein Übergangswährung(nicht auf Probe).
Sie wurde 1:1.000.000.000.000 getauscht, und zwar genau zu dem Zeitpunkt, als die Reichsmark einen Devisenkurs von 1 US-Dollar : 4,2Billionen RM erreicht hatte.
Mit der einfachen Streichung von 12 Nullen, hatte man nun wieder den alten Dollarkurs, wie vor Kriegsbeginn.
Die Rentenmark wurde anders als normalerweise durch Goldreserven(die waren nämlich so gut wie nicht mehr vorhanden), durch Sachwerte gestützt, die einen Goldwert von 3,2 mrd.Goldmark(nicht verwechseln mit der RM) entsprachen.
Auch war die RentM. kein „gesetzliches Zahlungsmittel“,d.h. keiner MUSSTE eine Zahlung in dieser Währung annehmen, aber sie wurde in der Bev. so gut angenommen(Landwirte und Industrien aktzeptierten keine Papiermark mehr), das man vom "Wunder der RentM.sprach.
Am 30.08.24 wurde dann zusätzlich die Reichsmark 1:1 eingeführt.
angeordnet Geld einfach zu drucken damit sie die hohen
Reparationskosten für die Alliierten bezahlt werden konnten,
oder hatte das andere Gründe?
Einfach ausgedrückt: ja.
Naja, ein bisschen komplizierter war es schon.
Kommunismus --> ?
Kommunismus-was?
In der Bev. wie Reg. bestand eine Kommunismusfurcht.
Unter keinen Umständen wollte man kommunistisch werden(ausser die Kommunisten,natürlich)
noch andere Problem?
Haufenweise!
grüsse borthi
Hallo,
es gab einen Haufen Probleme. Da waren zunächst die hohen Reparationszahlungen, die zerstörte Wirtschaft (wichtige Gebiete abgetreten, in anderen Gebieten demontiert) und die daraus resultierenden wirtschaftlichen Probleme. Wobei auch das natürlich noch alles vereinfacht ist, denn z.B. Grundbesitz verlor ja nicht an Wert. Die Inflation traf also als Wertverlust zwar die breite Masse, stabilisierte aber andererseits die Besitzverhältnisse der Reichen, deren Werte ja nicht nicht Geld irgendwo rumlagen.
Deutschland hatte keine demokratische Tradition. Aber erschwerend kam ja hinzu, dass äußere Einflüsse auch nicht unbedingt immer demokratischer Natur waren. Amerika selbst war demokratisch, aber nahm wenig Einfluß auf die deutsche Innenpolitik. England vertrat eine ähnliche Haltung. Die Franzosen hatten ihre eigenen Probleme und D kam ja sehr stark mit der franz. Armee in Berührung, die in ihrer Grundhaltung nicht gerade ein Musterbeispiel für Demokratie war. Aber einer der stärksten und weitgehend unterschätzten Einflüße ging ja von der katholischen Kirche aus. Nicht nur, dass die Zentrumspartei als eine der starken politischen Kräfte katholisch und gleichzeitig konservativ war (konservativ bis hin zum Monarchismus). Auch von den Kanzeln wurde ja nicht gerade Demokratie gepredigt. Und die Kommunismusangst, die man ja in der Kurie durchaus teilte, führte immer wieder dazu, dass die Leute, die wir später als Nazis kennen sollten, immer wieder mit Leuten am Tisch saßen, die wir später als Kardinäle, päpstliche Geheimkämmerer oder in einem Fall auch als Papst sehen sollten.
Das nur als Ergänzung und sicher nicht vollständig.
Gruß
Peter B.
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Hallo Helga,
die bereits dargelegten Phänomene werden in einem bekannten Bild von George Grosz gut komprimiert:
http://www.srprojects.de/Kl10c_2006/Weimar_Zwanziger…
Freundliche Grüße
rotmarder
Und noch eine Frage: Mit welchen Problemen genau hatte die
Weimar Republik zu kämpfen und wie konnte sie …
Danke das war ein sehr guter Hinweis! Das perfekte Schlusswort für meinen essay! 