Leider hatte ich noch keine Gelegenheit einmal selbst nach Jerusalem zu reisen. Allerdings habe ich auf einer Karte gesehen, dass sich innerhalb des Tempels eine Moschee befindet.
Mich wuerde interessieren, wie dies aus juedischer Sicht bewertet wird und inwiefern ggf. eine Ableitung auf verschiedene verschiedene alt- und neutestamentlicher Beschreibungen (Dan 11,31; Mat 24,15; Mk 13,14) herangezogen werden kann, oder ob eine solche Vermutung gaenzlich abwegig ist.
Liege ich falsch in der Vermutung, dass der Tempel doch eigentlich juedisches Heiligtum ist und die Errichtung einer Moschee in seiner Mitte fuer viele Juden eine Provokation darstellt, die ihre Entsprechung z. B. im Bau einer Synagoge in Zentrum Mekkas finden wuerde?
Ich wuerde mich um eine nicht-politische Antwort, in deren Verlauf es nicht auf Sharon und Arafat kommt. Mich interessieren lediglich die Gruende, biblische Verbindungen und die Gefuehle der hiervon unmittelbar betroffenen Menschen.
ich hoffe Deine Frage löst hier nicht gleich wieder die üblichen Meinungsauswürfe (Diskussion ist das nicht!) aus, die es immer zum Thema Israel gibt.
Der dritte jüdische Tempel wurde 70 nach Christus von den Römern nach einem niedergeschlagenen jüdischen Freiheitskampf zerstört und bis auf die Grundmauern geschliffen.
Der Tempelberg ist in drei großen Schriftreligionen ein heiliger Ort:
Judentum: Zentrum des religiösen und politischen Lebens seit König David
Christentum: Wirkungsstätte Jesu
Islam: Ort, von dem Mohammed in den Himmel auffuhr (nach Mekka und Medina drittheiligster Ort).
Die beiden Moscheen Felsendom und Al-Aksa (ich glaube im 7. und 11. Jahrhundert n.Chr.) wurden dort errichtet, als es kein jüdisches Staatsgebiet mehr gab. Nach der Wiederetablierung des israelischen Staates wurde im Sechstagekrieg zwar das moslemische Ostjerusalem erobert, trotzdem ist der Tempelberg komplett in der Hand der moslemischen Verwaltung.
Der Spiegel brachte vor ein paar Monaten hierzu eine sehr interessante Titelgeschichte.
Angesichts dieser Historie ist Deine Fragestellung vielleicht überdenkenswert.
Grüße,
Phil
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Und Selbskorrektur: Es war natürlich nicht der dritte Tempel, der zerstört wurde, sondern der zweite. Der dritte wird erst bei Wiederkunft des Messias errichtet werden.
Der dritte jüdische Tempel wurde 70 nach Christus von den
Römern nach einem niedergeschlagenen jüdischen Freiheitskampf
zerstört und bis auf die Grundmauern geschliffen.
das war der zweite und nicht der dritte.
Islam: Ort, von dem Mohammed in den Himmel auffuhr (nach Mekka
und Medina drittheiligster Ort).
dass sich innerhalb des Tempels eine Moschee
befindet.
nicht innerhalb des tempels, aber im tempelbezirk.
Liege ich falsch in der Vermutung, dass der Tempel doch
eigentlich juedisches Heiligtum ist und die Errichtung einer
Moschee in seiner Mitte fuer viele Juden eine Provokation
darstellt, die ihre Entsprechung z. B. im Bau einer Synagoge
in Zentrum Mekkas finden wuerde?
damit liegst du ganz und gar nicht falsch.
das ist auch der grund, warum eine lösung der jerusalemfrage derart in utopischer ferne liegt.
Ich wuerde mich um eine nicht-politische Antwort, in deren
Verlauf es nicht auf Sharon und Arafat kommt.
Ich wuerde mich um eine nicht-politische Antwort, in deren
Verlauf es nicht auf Sharon und Arafat kommt. Mich
interessieren lediglich die Gruende, biblische Verbindungen
und die Gefuehle der hiervon unmittelbar betroffenen Menschen.
Da würde ich mich gerne mit einer weiteren Frage anhängen.
Offenbar hatte der Tempelberg Jahrhunderte lang für die Juden keine nennenswerte Bedeutung. Die jüdische Gemeinde in Jerusalem war im Gegensatz zu den jüdischen Gemeinden in anderen arabischen Staaten relativ klein bis nicht existent. Was hat sich an religiösen Inhalten im Judentum verändert, dass dies plötzlich irgendwann wieder anders wurde ? Oder beruht diese Veränderung lediglich auf politischen Ursachen ?
Islam: Ort, von dem Mohammed in den Himmel auffuhr (nach Mekka
und Medina drittheiligster Ort).
jerusalem ist im koran nicht erwähnt.
klar, wenn du nach „jerusalem“ suchst, wirst du’s nicht finden. ich hab jetzt keine Zeit, ausführlicher zu antworten, aber:
„Gepriesen sei Der, Der seinen Diener des Nachts von der unverletzlichen Moschee (Mekka) zur fernsten Moschee (Al-Aksa) führte, deren Umgebung Wir gesegnet haben, um ihm einige von Unseren Zeichen zu zeigen. Wahrlich, Er ist der Hörende, der Schauende.“ (Sura 17:Vers 1)
Das ist die Stelle im Koran, wo das oben genannte Ereignis beschrieben wird.
„Gepriesen sei Der, Der seinen Diener des Nachts von der
unverletzlichen Moschee (Mekka) zur fernsten Moschee (Al-Aksa)
führte, deren Umgebung Wir gesegnet haben, um ihm einige von
Unseren Zeichen zu zeigen. Wahrlich, Er ist der Hörende, der
Schauende.“ (Sura 17:Vers 1)
Das ist die Stelle im Koran, wo das oben genannte Ereignis
beschrieben wird.
die klammern stehen nicht dabei, nehme ich an, und das bauwerk ist erst NACH der niederschrift dieses textes benannt worden.
dazu eine geschichte.
ein wanderer kommt an einem bauernhof vorbei. er sieht eine holzscheune mit einer aufgemalten zielscheibe, in deren exaktem mittelpunkt ein winziger pfeil steckt. der wanderer bewundert die kunst dieses schützen und fragt den bauern, wer der schütze war. der bauer meint: „ich wars. ich habe den pfeil in die scheune geschossen und dann die zielscheibe drumrumgemalt.“
Offenbar hatte der Tempelberg Jahrhunderte lang für die Juden
keine nennenswerte Bedeutung.
natürlich nicht. keine nennenswerte bedeutung!
immerhin wird täglich für die rückkehr nach jerusalem gebetet, die betrichtung ist jerusalem, und einmal pro jahr heißt es: „nächstes jahr [feiern wir] in jerusalem!“
„Gepriesen sei Der, Der seinen Diener des Nachts von der
unverletzlichen Moschee (Mekka) zur fernsten Moschee (Al-Aksa)
führte, deren Umgebung Wir gesegnet haben, um ihm einige von
Unseren Zeichen zu zeigen. Wahrlich, Er ist der Hörende, der
Schauende.“ (Sura 17:Vers 1)
Das ist die Stelle im Koran, wo das oben genannte Ereignis
beschrieben wird.
die klammern stehen nicht dabei, nehme ich an, und das bauwerk
ist erst NACH der niederschrift dieses textes benannt worden.
nichts davon „steht“ irgendwo. Es ist eine Übersetzung! ‚Mekka‘ ist eine sehr realtitätsnahe „Interpretation“, „Al-Aksa“ steht so im Arabischen. Davon abgesehn, Jerusalem war zu der Zeit bekannt, Mohammad (sas) hat die Örtlichkeit Händlern beschrieben, die das bestätigt haben. Ausserdem haben die Muslime am Anfang auch in Richtung Jerusalem gebetet.
dazu eine geschichte.
ein wanderer kommt an einem bauernhof vorbei. er sieht eine
holzscheune mit einer aufgemalten zielscheibe, in deren
exaktem mittelpunkt ein winziger pfeil steckt. der wanderer
bewundert die kunst dieses schützen und fragt den bauern, wer
der schütze war. der bauer meint: „ich wars. ich habe den
pfeil in die scheune geschossen und dann die zielscheibe
drumrumgemalt.“
wiederum, ich glaub’ ich weiss, worauf du hinauswillst, aber du kannst keineswegs behaupten, die Muslime hätten nicht im Vornherein von Jerusalem gewusst, bevor sie (als Staat) hinkamen…
jüdische liturgie war gemeint.
wer das betet? religiöse juden
ich wollte auf die bedeutung jerusalems hinweisen, und den
(nichtexistierenden) tempel.
Was ist denn das Bedeutsame dieses nicht existierenden Tempels für die religiösen Juden ? Und beten sie heute immer noch so ? Wenn ja, warum ?
Wenn es demjenigen ernst ist, kann er ja hingehen. Das konnter
er übrigens auch schon vor Schaffung des Staates Israel.
wie einfach die einwanderung in das osmanische reich, das
britische mandatsgebiet etcpp. war weiß ich nicht. anscheinend
aber nicht so kinderleicht.
Anfang des 20. Jhds, als die ersten Juden Palästina wieder besiedelten, war der Andrang auch nicht so furchtbar groß. Darum wundert mich ja diese Bedeutsamkeit von Jerusalem. Daher meine Frage, ob die reale Bedeutung von Jerusalem immer schon so groß war wie heute. Schließlich unterliegt sowas ja auch politischen Strömungen. Ein paar europäische Christen meinten ja auch schon mal, Jerusalem von den „Heiden“ zurückerobern zu müssen.
Was ist denn das Bedeutsame dieses nicht existierenden Tempels
für die religiösen Juden ?
daß der dritte errichtet werden soll, der tempeldienst wieder aufgenommen, die verstreuten gesammelt usw usf.
manche würden das sofort tun, manche meinen, dazu müßte erst der messias kommen. ( mir ist letzteres lieber, das erspart trouble, immerhin steht ausgerechnet dort eine moschee. )
Und beten sie heute immer noch so ?
ja.
Wenn ja, warum ?
sollest du vielleicht einen rabbiner fragen weiß nicht warum. weil es eben teil der religion ist.
Anfang des 20. Jhds, als die ersten Juden Palästina wieder
besiedelten, war der Andrang auch nicht so furchtbar groß.
„die ersten wieder“? das gebiet war ständig von juden besiedelt, nur halt dünn.
Darum wundert mich ja diese Bedeutsamkeit von Jerusalem.
jerusalem war königssitz (nach hebron), ort des größten heiligtums, geistiges zentrum. es ist wie mekka im islam, wie byzanz für das ostchristentum, wie rom für katholiken… was ist daran verwunderlich? ich finde es eher „verwunderlich“, daß der islam die stadt für sich beansprucht.
… ich habe mich schon kurz nach dem Posten des Artikels selbst korrigiert (siehe unten) aber durch eine andere „ich weiss es auch besser“-Meinung ein paar Stunden später ist das entsprechende Posting nach unten gewandert…
Da würde ich mich gerne mit einer weiteren Frage anhängen.
Offenbar hatte der Tempelberg Jahrhunderte lang für die Juden
keine nennenswerte Bedeutung.
Datafox hat ja schon angedeutet, dass dem nicht so ist. Der Unterschied ist nur und der hat auch heute noch seine Gültigkeit, dass für uns der 2. Tempel als verloren gilt und wir auf den Bau des dritten Tempels warten. Aber schon wie bei den ersten geschieht dieses erst durch Wahl G’ttes.
Ähnliches galt bisland auch für das Land Israel, was sich aber durch die Gründung des Staates etwas verschoben hat, worüber es auch im Judentum unterschiedliche Ansichten gibt.
Was hat sich an religiösen Inhalten im Judentum verändert,
dass dies plötzlich irgendwann wieder anders wurde ? Oder
beruht diese Veränderung lediglich auf politischen Ursachen ?
Was wurde denn so gross anders?
Das einzige was ich erkennen kann, ist die sekuläre Ausrichtung auf Jerusalem als Ort der Geschichte im Rahmen der Staatsgründung. Hierdurch erhielten dann auch Fromme Juden die Möglichkeit zur Tempelaussenmauer zu gelangen (war früher einer gefährliche und anstrengende Reise) und dort zu beten.
Daneben gab es einige Jahrzehnte vor dem Zionismus innerhalb der europäischen Juden eine Bewegung welche die Juden in Israel massiv unterstützt haben und dort recht viel aufgebaut haben, auch und gerade in Jerusalem.
Mich wuerde interessieren, wie dies aus juedischer Sicht
bewertet wird […]
Ähnlich wie datafox muss man historisch sehen, dass der Tempelbezirk erst nach Mohamends Tod von Muslimen bebaut wurde. Vorher gab es dort noch keine ferne Mosche. Aber dieses ist Angelegenheit der Moslime sich dieses zu erklären. Mich stört das nicht weiter, solange sie dort friedlich beten und den Ort entsprechend nutzen.
Sollte der Moschiach kommen, dann werden alle erkennen, wer recht hatte und je nach dem, werden alle moslimischen Gebäude dort wieder abgerissen oder wir Juden werden unsere Lügen erkennen
Liege ich falsch in der Vermutung, dass der Tempel doch
eigentlich juedisches Heiligtum ist und die Errichtung einer
Moschee in seiner Mitte fuer viele Juden eine Provokation
darstellt, die ihre Entsprechung z. B. im Bau einer Synagoge
in Zentrum Mekkas finden wuerde?
Ja, hier liegst Du völlig falsch. Das siehst Du schon daran, dass nach der Eroberung Jerusalems (durch Israel) der Tempelbezirk wieder komplett in moslemische Verwaltung übergeben wurde (vorher war dieses unter der syrischen Besetzung nicht so). Hierdurch haben alle Moslime wieder die Möglichkeit erhalten, dort zu beten.
Fromen Juden ist das Betreten des Tempelbergs als heiliger Ort streng verboten.