Jesus - der Sohn Gottes

Hallo peet,
auch wenn wir mittlerweile einsam sind, versuche ich weniger undeutlich zu sein:wink:

Nämlich um die Frage, wer denn überhaupt authentischer
Vertreter einer Kultur sein könnte?

Ich glaube, jeder. So unterschiedlich Menschen einer Kultur
auch sind, ergibt sich für einen interessierten
Gesprächspartner eine Möglichkeit, aus einer Summe der
Erfahrungen Folgerungen zu machen, also nicht zu voreilig
sein.

Hier muss ich zurück auf die Ausgangfrage kommen: Datafox hat sich, zumindest habe ich sie so verstanden, dagegen ausgesporchen, sich schulisch (bzw. allgemein theoretisch) mit anderen Kulturen/Religionen auseinanderzusetzen. Sie fordert, ausschließlich auf authentische Erfahrungen zu setzen.
Dagegen bezweifle ich tatäschlich grundsätzlich, dass es die Fähigkeit und Bereitschaft gibt, sich mit anderen auseinanderzusetzen, wenn man nicht von Kindesbeinen an zur Weltoffenheit (und das implziert auch die Zur-Kenntnis-Nahme, dass es etwas anderes gibt) erzogen worden ist.
Wenn ich nun datafox’ Rat annehme, mich in eine fremde Kultur begebe, die ich vorher noch nicht kannte und mit der ich mich um der Authentizität willen auch nicht auseinandersetze, komme ich also beispielseise nach Deutschland, um z.B. deutsche Christen kennenzulernen. Wenn mir nicht schon vorher klar ist, dass auch dies ein weites Fels ist, und ich schnappe mir dann quasi den erstbesten Deutschen, könnte ich ein arg einseitiges Bild bekommen. Auch hier geht es darum zu erkennen, dass die Summe immer mehr ist als ihre Teile.

Hier betonst du selbst, deine Beobachtungen seien einseitig.
Besonders auffällig ist für mich das Wort „erschrocken“.
Vielleicht kommst du damit weiter. :smile:

Ich weiß jetzt nur nicht, wohin ich kommen soll?
Genau darum geht es mir ja, nämlich Einseitigkeiten zu vermeiden. Du wirst gemerkt haben, dass ich von datafox’ Bericht über das israelische Schulwesen nicht begeistert bin, andererseits entsprich es nicht meinen eigenen Erfahrungen. Ich hatte datafox’ Beschreibungen als kulturellen Autismus bezeichnet und wollte unter Hinweis auf meine Erfahrungen darauf hinweisen, dass ich dazu zwar theoretisch stehe, allerdings es in der Realität vielleicht nicht so ist. Man kann das Spiel dann weitertreiben: Ich habe bislang ausschließlich mit Universitätsangehörigen in Israel zu tun gehabt, die natürlich nur ein kleiner Ausschnitt der israelischen Gesellschaft sind. Meine Erfahrungen sind völlig andere als das, was datafox, die ja schließlich in Isreal lebt, sie beschreibt. So sind meine dortigen Kollegen alle Juden sowohl aus wissenschaftlicher, aber auch aus religiöser Neugier am Christentum interessiert (wie umgekehrt). Wer ist nun also der authentische Vertreter, könnte man fragen, und hätte ich in irgendeiner Weise nun einen Grund, datafox die Kenntnis abzusprechen?
Falls Du das liest, datafox: Habe ich natürlich nicht, denn schließlich lebe ich nicht in Israel, kenne persönlich nur recht wenig Repräsentanten und gebe ehrlich zu, dass mir auch der Mut fehlt, länger als drei Wochen in Israel zu sein…
Hier aber z.B. ist es vielleicht auch wichtig, dass ich mich über Isreal auch informiere: Denn auch meine Lebenssituation ist in keiner Weise vergleichbar mit der eines Israeli… so kann ich im Nahostkonflikt vieles nicht verstehen, versuche aber gerade im (theoretischen, denn praktisch habe ich noch nichts wirklich Schlimmes erlebt) Wissen (!) darum nicht zu urteilen.

Grüße,
taju

Hallo taju!

auch wenn wir mittlerweile einsam sind, versuche ich weniger
undeutlich zu sein:wink:

Das ist sehr nett von dir. :smile:

die
Summe immer mehr ist als ihre Teile.

Mit dem ersten Punkt sind wir also fertig, hier stimme ich dir uneingeschränkt zu. :smile:

Hier betonst du selbst, deine Beobachtungen seien einseitig.
Besonders auffällig ist für mich das Wort „erschrocken“.
Vielleicht kommst du damit weiter. :smile:

Ich weiß jetzt nur nicht, wohin ich kommen soll?

Das kennst du bestimmt in deinem Beruf. Erkenntnisse kommen nicht immer auf geraden Wegen und nicht immer können sie im voraus eingeplant werden, auch wenn man das so haben möchte. :smile:

Genau darum geht es mir ja, nämlich Einseitigkeiten zu
vermeiden. Du wirst gemerkt haben, dass ich von datafox’
Bericht über das israelische Schulwesen nicht begeistert bin,
andererseits entsprich es nicht meinen eigenen Erfahrungen.
Ich hatte datafox’ Beschreibungen als kulturellen Autismus
bezeichnet und wollte unter Hinweis auf meine Erfahrungen
darauf hinweisen, dass ich dazu zwar theoretisch stehe,
allerdings es in der Realität vielleicht nicht so ist. Man
kann das Spiel dann weitertreiben: Ich habe bislang
ausschließlich mit Universitätsangehörigen in Israel zu tun
gehabt, die natürlich nur ein kleiner Ausschnitt der
israelischen Gesellschaft sind. Meine Erfahrungen sind völlig
andere als das, was datafox, die ja schließlich in Isreal
lebt, sie beschreibt. So sind meine dortigen Kollegen alle
Juden sowohl aus wissenschaftlicher, aber auch aus religiöser
Neugier am Christentum interessiert (wie umgekehrt). Wer ist
nun also der authentische Vertreter, könnte man fragen, und
hätte ich in irgendeiner Weise nun einen Grund, datafox die
Kenntnis abzusprechen?

Hier würde ich mit deiner Erlaubnis anmerken, dass du dazu schon alles gesagt hast, nämlich oben, mit der Summe. Die bunte und sehr wirdersprüchliche Meinungsszene in Israel, im Judentum überhaupt, soll nicht abschrecken, sondern neugierig machen. Bei euch beiden funktioniert das ja, und eure unterschiedlichen Blicke dürfen auch unterschiedlich sein.

Ich meinte mit meiner Frage bezüglich der israelischen Kinder den - für meine Begriffe - merkwürdigen Wunsch, einen Ratschlag zu geben, wo man höchstens eine Hälfte der Situation im Blick hat. Das war der erste Schritt. Nach meiner Rückfrage dazu erfolgte eine - für mich nicht weniger merkwürdige - Rückname eines jeglichen Wunsches einen Ratschlag zu geben. Anschliessend hast du - das wäre schon der dritte Schritt in der Reihenfolge - aus deinen eigenen Erfahrungen gefolgert, dass die von dir gerade noch mit Erziehungstipps umworbenen Kinder eigentlich „gut und auch differenziert über die
Situation informiert sind“. Das hat dich - der vierte Schritt! - „erschrocken“ (anstatt zu erfreuen).

Verstehst du, was ich meine? :smile:

Viele Grüße

Hallo,

Hier würde ich mit deiner Erlaubnis anmerken, dass du dazu
schon alles gesagt hast, nämlich oben, mit der Summe. Die
bunte und sehr wirdersprüchliche Meinungsszene in Israel, im
Judentum überhaupt, soll nicht abschrecken, sondern neugierig
machen. Bei euch beiden funktioniert das ja, und eure
unterschiedlichen Blicke dürfen auch unterschiedlich sein.

Ich meinte mit meiner Frage bezüglich der israelischen Kinder
den - für meine Begriffe - merkwürdigen Wunsch, einen
Ratschlag zu geben, wo man höchstens eine Hälfte der Situation
im Blick hat.
Das war der erste Schritt. Nach meiner Rückfrage
dazu erfolgte eine - für mich nicht weniger merkwürdige -
Rückname eines jeglichen Wunsches einen Ratschlag zu geben.

Daran erkennt man die Schwierigkeiten eines schriftlichen Dialogs.
Zunächst: Meine Antwort auf datafox war gar nicht so motiviert, dass es mir um Isreal ging, sondern um das Grundsätzliche Ihrer Äußerung (und dazu stehe ich auch weiter).
Mit ist dann, dadurch, dass datafox das Beispiel Isreal einbracht hatte und ich mit meiner Frage (die ja zunächst von dir Infrage-gestellt wurde) zu sehr in ein konkretes Feld komme und diese konkrete Situation (Israel) sicherlich auch gesellschaftspolitisch Antworten geben muss, die ich gar nicht beurteilen kann.

Anschliessend hast du - das wäre schon der dritte Schritt in
der Reihenfolge - aus deinen eigenen Erfahrungen gefolgert,
dass die von dir gerade noch mit Erziehungstipps umworbenen
Kinder eigentlich „gut und auch differenziert über die
Situation informiert sind“. Das hat dich - der vierte Schritt!

  • „erschrocken“ (anstatt zu erfreuen).

Mit „erschrocken“ meinte ich etwas anderes: Nicht die Überraschung (denn bevor ich datafox Posting las, wußte ich nichts von dieser schulpolitischen Grundsatzentscheidung), sondern: Es hat mir aufgezeigt, in welcher Lebensrealität ein 7jähriges Kind in Israel aufwächst, eben nicht nur mit medialer Gewalt, sondern ganz konkret erfahrbarer. In diesem Fall war der Cousin eines Mitschülers schwer verletzt worden bei einem Selbstmordattentat. Dieses Kind ging zwar betroffen, aber auch gut informiert und rationalisierend mit der Situation um. Ich glaube datafox hat mal in einem anderen Brett darüber geschrieben, wie anders der Umgang mit Terror in Israel ist - dieser andere Umgang, erlebt bei einem Kind(!), hat mich nicht nur erschrocken, sondern erschüttert.

Verstehst du, was ich meine? :smile:

Ich denke schon, auch warum ich es vorher nicht verstanden habe:wink:
Nur zur Verdeutlichung: Die von datafox beschrieben schulpolitische Entscheidung in Israel kann ich nach wie vor nicht nachvollziehen (eben aber vielleicht auch aufgrund Unkenntnis genauerer Gründe), ich habe mich auch noch nie dafür interessiert, woher die Kinder meiner Freunde auch über mein Christsein recht gut informiert waren oder auch über die deutsche Geschichte. In diesem Einzelfall ist jedenfalls, so denke ich, die "Vorab"information dieser Kinder geglückt, natürlich sind auch ihre Vorstellungen über das Christentum für mich manchmal kurios, aber umso herrlicher können wir miteinander lachen.
Aber genauso, wie ich für vermessen halten würde, meinen Kollegen jetzt für die Erziehung seiner Kinder zu loben, wäre es, durch Israel zu marschieren und dort zu kritisieren. Aber neugierig (!) auf eine genauere Begründung bin ich dennoch.
Grüße,
Taju

Hallo taju,

über deine Antwort habe ich mich sehr gefreut. So kann man viel klären und sich gut verständigen. :smile:

Beste Grüße