Joggen, warum klappt es nicht?

Hallo ihr Sportler! Ich mache seit Jahren Powerwalking und esse irgendwie ziemlich normal. Aber davon ist auch nicht nur ein Kilogramm geschwunden wie bei meinen Mitläuferinnen. Mein Mann riet mir zum Joggen. Seit 4 Wochen jogge ich also. Langsam und mäßig. Mit Mühe und Not schaffe ich jetzt 30 Minuten, aber Glücksgefühle stellen sich nicht ein und ich bin immer froh, wenn ich fertig bin. Mache ich was falsch? Gibt es Menschen, die vielleicht gar nicht zum Joggen geboren sind und ich mich vielleicht immer quäle? Oder gibt es Hoffnung, daß ich auch bald Spaß dran habe? Musik habe ich schon auf den Ohren, daran liegt es also nicht. Gruß Enni

Hallo Enni,
dein Vorhaben ist schon von vornherein zum Scheitern verurteilt, weil du Sport treibst, um abzunehmen und nicht, weil dir „dein“ Sport Spaß macht!
Abnehmen kann man nur, wenn man entweder seine Ernährung umstellt (keine Diät!), wobei Sport durchaus unterstützend wirkt, oder wenn man regelmäßig, sprich nahezu täglich, Ausdauersport treibt - und das mindestens 1 Stunde lang.
Geh also erst einmal in dich und überlege, was für ein Sport-Typ du denn überhaupt bist. Treibst du lieber allein Sport oder fühlst du dich in der Gruppe wohler? Wenn du „Einzelkämpfer“ bist: Welcher Ausdauersport würde dir denn am meisten zusagen? Vielleicht fühlst du dich ja auf einem Heimtrainer wohler? Wenn du lieber in der Gruppe sportelst, wäre ein Fitness-Studio oder ein Sportverein zu empfehlen. Die meisten Sportvereine bieten z.B. Aerobic, Step-Aerobic, Thai-Bo oder Lauftreffs an. Aber auch gymnastische Übungen wie Pilates, BBP sind nicht zu verachten, um zu einem geschmeidigen Körper zu gelangen.

Viel Erfolg!
Red

Huhu Red,
also Pilates mache ich auch schon seit 2 Jahren, vorher immer Aerobic.
Die frische Luft macht mir schon Spaß und walken eigentlich auch. Es ist eben so, daß alle Fachleute immer sagen, daß es zum Abnehmen eben meist nur mit Joggen klappt. Deswegen will ich es auch. Wie gesagt, ich ernähre mich normal und koche auch nicht fett, dazu kenne ich mich viel zu gut mit Nährstoffen etc. aus. Aber einige Kilos möchte ich halt loswerden…der Kick fehlt halt oder diese Glückshormone. Wann kommen die??? Enni

Hallo Enni!
Die Glückshormone nennt man Endorphine und sind körpereigene Drogen. Wer intensiv bis zur Erschöpfung Sport treibt und so langsam an seine körperlichen Grenzen stößt, bekommt auf einmal noch einen Kick. Der Körper schüttet Endorphine aus, Erschöpfung und Schmerzen sind wie weggeblasen. Die Jogger bekommen ihren „zweiten Wind“, auch bekannt als „runners high“.
Um dieses Gefühl zu erleben, muss man aber wirklich schon an seine körperlichen Grenzen stoßen und die können mit 30 Minuten joggen definitiv nicht erreicht werden und mit Walken schon gar nicht. Es ist meines Erachtens aber auch nicht erstrebenswert, denn der Körper gewöhnt sich an diese Art Doping und wird regelrecht süchtig danach. Du musst also wieder bis zur Erschöpfung joggen, um das Glücksgefühl zu erleben und die Entzugserscheinungen zu vermeiden.
Wenn du dann z.B. wegen Krankheit längere Zeit nicht mehr joggen kannst, leidest du unter regelrechten Entzugserscheinungen, die sogar bis zu einer Depression führen können. Viele Hochleistungssportler sind davon betroffen.
Treibe also lieber in Maßen regelmäßig eine Ausdauersportart, die dir liegt und versuche deine Ernährung umzustellen. Das muss ja nicht radikal sein. Mein Kumpel z.B. nimmt seit 2 Wochen keinen Zucker mehr zu sich, egal ob im Tee, Kaffee oder sonst wo. Sogar seinen heißgeliebten Eistee hat er aus der Wohnung verbannt. Auch trinkt er sein abendliches Bier nicht mehr, nur noch ab und zu ein Glas Rotwein. Allein durch diese doch recht simple Ernährungsumstellung hat er in den 2 Wochen 5 kg abgenommen.

Grüße
Red

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Hallo Enni,
Du läufst also weil Dein Mann es Dir geraten hat!!
Das ist die shlechteste Motivation die es gibt. Du mußt laufen weil Du es willst, dann kommt auch der Spaß und die Motivation. Danach klappt das auch mit dem Glücksgefühl. Eine frage noch wo läufst Du? IM Park? in der Stadt ? Im Wald?
Ich würde es mal ohne dieser Musik probieren und im Wald laufen. Dann kannst Du auch mal die Umwelt wahrnehmen und bekommst mal mit wie schön es ist, wenn man die Vögel hört und sieht und auch mal andere Tiere zu gesicht bekommt. Ich persönlich finde es eine absolut widerliche neumodische Erscheinung mit Walkman (tschuldigung heist ja jetzt MP 3 player:wink: ) zu laufen. Du hörst nicht Deine eigen Atmung, du kannst nicht in deinen Körper hören und fühlen wie es ihm geht usw. Also probier es mal so und velleicht macht es dann mehr Spaß. Ansonsten mit dem Abnehemn kann ich Dir nur raten dich nicht auf irgendwelche Normen usw. zu konzentrieren, sondern jeder Körper ist anders. Versuch es mal mit meßen des Körperumfangs an bestimmten „Problemstellen“. Oft ist es so, dass man am Anfang nicht abnimmt an Gewicht, sondern nur Fettzellen durch Muskeln ersetzt werden. Dadurch bleibt das Gewicht gleich, aber der Fettanteil sinkt.
Also viel Spaß weiterhin und ich hoffe Dir geholfen zu haben.
Gruß RainerS

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Hallo Enni,

ich habe vor einigen Monaten mit dem Joggen angefangen.
Da ich es öfters erfolglos ausprobiert hatte (dazu muss ich sagen: ich bin schlank und tanze intensiv Salsa, bin daher ziemlich fit), habe ich mir einen Personal Trainer genommen, der mit mir ein paar mal gelaufen ist und mir Ratschläge gegeben hat. Er war auch überhaupt nicht teuer, noch dazu ein Heilpraktiker, so dass meine Zusatz-KK einiges an Kosten übernommen hat.

Der Fehler, den die meisten begehen, ist zu schnell zu laufen. Man bildet sich als Anfänger ein, man wäre langsam… am Anfang, mit dem PT, habe ich mich gewundert, dass uns sogar die Walker überholt haben.
Betreits das allererste Mal bin ich 50 Min. gelaufen! Jetzt schaffe ich problemlos eine Stunde mit einem etwas höherem Tempo.

Ich bin keine begeisterte Läuferin udn es kostet mich jedesmal Überwindung, mich umzuziehen und bei dem blöden Wetter rauszugehen und zu laufen. Es tut aber an sich sehr gut, so zwinge ich mich imer wieder dazu.
Sport - außer intensivem Tanztraining - hat mir noch nie Spaß gemacht, ich sehe aber ein, dass er für di Gesundheit notwendig ist.

Wenn du ohnehin immer Walking gemacht hast, dürfte dir das Laufen mit der Zeit auch mehr Spaß machwen, wenn du die Erfolge siehst. Vielleicht lässt du dich am Anfang auch von einem Profi beraten (egal, wie sehr sich dein Mann auskennt, ein Sportwissenschaftler weiß es höchstwahrscheinlich besser).

Viel Erfolg,
M.

loslassen & weiterlaufen…
hallo enni,

über die wirkung von fehlgesteuertzer motivation, der sucht, die der kick beim extremen laufen nach sich ziehen kann hat man dich hier ja schon informiert.

bei mir ist es so, dass sich dieser kick bisweilen auch nicht einstellt, als ich anfing weitere strecken zu laufen dauerte es sehr lange, bis ich akzeptiert habe, dass das ‚bischen wohlfühlen‘ danach, oder dabei wohl das ist, was alle welt mit runners high bezeichnet. das ist die rein körperliche seite, der kick nimmt auch an stärke zu, wenn du die grenze weiter ausdehnst.

der andere kick ist das was passiert, wenn du beim laufen einfach loslässt, diese doofen beiträge hier, die ratschläge deines mannes, dein ziel (…weg=ziel)… etc., das gefühl ist nicht so sehr von der belastung abhängig (ich aber kann zb. mehr loslassen, wenn ich mich mehr aufs laufen, also auf die geschwindigkeit, konzentriere). und es ist auch weniger ein gefühl, und high klingt zu billig…es ist der ‚flow‘ (=aufgehen im tun, dabei im gleichgewicht zwischen anforderung und eigenen fähigkeiten, mit leichter überforderung) so würde ich es nennen.

und der hilft dir nicht nur kilos abzunehmen, die sind dann nämlich auch gar nicht mehr so wichtig…die geschwindigkeit übrigens auch nicht!

hth,

stefan

Hi,

Dazu vielleicht etwas aus der Praxis.
Vor ungefähr joggten hier auf Wanderweg zwei Schwestern rum, damals 28 und 30 Jahre, leicht moppelig, so um die 70kg.
Da schlossen sie sich dem örtlichen Lauftreff an, dort wurde ihnen erstmal ein Pulser verordnet und sie liefen immer wacker im sogenannten „Fettverbrennungsbereich“. Das ging so zwei Jahre, sie nahmen ungefähr 4 kg ab.
Da wurde es der älteren zu langweilig und sie ging in die Laufgruppe eines nahen Sportvereines. Der Trainer nahm ihr erstmal den Pulser weg, machte mit ihre einige Testläufe und scheuchte sie dann 2 mal die Woche um die Laufbahn oder zu einem harten Crosslauf ins Gelände.
Ihr machte es richtig Spaß, sie begann richtig systematisch zu trainieren, tauchte auch immer häufiger bei Laufveranstaltungen auf, wurde auch immer schneller, damit besser.
Letzten soinntag hat sie dann die 40-Minutengrenze über 10km geknackt und wiegt jetzt 54 kg und das Laufen macht ihr richtig Spaß, ihre jüngere Schwester moppelt immer noch im „Fettverbrennungsbereich“ mit ihren Mitstreiterinnen und 65kg auf den Rippen über den Wanderweg, aber man sieht ihr an, richtig Spaß machts ihr nicht, deswegen ohne Spaß und ein wenig größere Anstrengung klappts in der Regel auch nicht so doll mit dem Abnehmen.

CU

Axel

P.S. die Zahlen habe ich von der älteren der beiden, der ich am Sonntag nach dem Lauf gratulierte, auch zu ihrer Topfigur:wink:

Hallo Axel,
ich glaube, solche Super-Zeiten sind nicht für jede(n) realistisch. Recht hast Du, wenn Du darauf hinweist, dass man Trainingsanreize setzen muss. Die können aber individuell sein - z. B. auch 10 km/60 Minuten.

Ich selber laufe sehr laaaangsam, aber stetig und häufig, und ich glaube damit halte ich mein Gewicht in Schach. Jedenfalls so leidlich …

Pulsuhr benutze ich auch nur ab und zu, um mal zu sehen, wo ich so liege. Ich habe „mein“ richtiges Tempo inzwischen im Gefühl.

Wie schon in vorherigen Beiträgen gesagt, macht Joggen - auch in meinem Mikey-Mouse-Tempo - schon irgendwie „süchtig“. Ich würde aber eher sagen, der so entstehende „Drang zu Laufen“ ist mehr ein zurückgewonnenes natürliches Bewegungsbedürfnis als eine „Sucht“.
Für mich persönlich ist ein MP3-Player auch nur eine Notlösung. Mir bringt es mehr, im Lauftreff mitzulaufen. Lauftreffs gibt es überall, nachzulesen unter www.lauftreff.de (da ist auch ein Verweis auf Schweizer Vereine!!)

Meine Motivation, den Schweinehund zu besiegen, ist, dass ich die Leute vom Lauftreff sehen will, mich beim Laufen unterhalten will etc. Wenn ich dann erst mal unterwegs bin, habe ich null Probleme mit der Motivation mehr. Da kommt dann auch der Haken mit dem Trainingsanreiz: Wenn langsamere Leute als ich mitlaufen, begleite ich diese in ihrem Tempo. Erstens aus fair-play-Gründen und zweitens aus Geselligkeit. Da gibt’s dann natürlich keinen Trainingsanreiz.

Und das „Glücksgefühl“ ist bei mir eher eine rundum-Zufriedenheit, wenn ich mein Laufpensum hinter mir habe.

Beim Laufen baut man natülich auch Muskeln auf, und die wiegen (sogar mehr als Fett). Daher ist eine Gewichts-Stagnation schon erklärlich.

Für alle Leute wie Enni und mich (ich möchte uns mal „einfache Spaß-Läuferinnen“ nennen), die sich von solchen Wettkampfzeiten eher verschrecken als motivieren lassen, veröffentliche ich ein Lauftagebuch unter www.laufen-am-main-online.de.tf

Kannst ja mal reinschauen, Enni!

Gruss aus Frankfurt

Christine