Hallo,
stimmt das Gerücht, das Joghurt gesund ist für die Magen/Darmflora, und hilft, diese (wenn sie z.B. nach der Einnahme von Antibiotikum geschädigt ist) wieder aufzubauen? Oder ist das ein Ammenmärchen?
Viele Grüße
Anaxi
Hallo,
stimmt das Gerücht, das Joghurt gesund ist für die Magen/Darmflora, und hilft, diese (wenn sie z.B. nach der Einnahme von Antibiotikum geschädigt ist) wieder aufzubauen? Oder ist das ein Ammenmärchen?
Viele Grüße
Anaxi
Auch hallo.
stimmt das Gerücht, das Joghurt gesund ist für die
Magen/Darmflora, und hilft, diese (wenn sie z.B. nach der
Einnahme von Antibiotikum geschädigt ist) wieder aufzubauen?
Oder ist das ein Ammenmärchen?
Das scheint wohl kein Ammenmärchen zu sein: http://www.wissenschaft.de/sixcms/detail.php?id=174471
Quelle: http://www.wissenschaft.de/sixcms/list.php?page=wiss…
HTH
mfg M.L.
Hi!
Joghurt soll sogar gut für die Mundflora sein und Karies vorbeugend wirken. Natürlich dann ungesüßt.
Bye
Tara
Hallo Anaxi!
Das stimmt auf alle Fälle, nur müßtest du, wenn du Antibiotika nimmst, mind. 3 KILORAMM Joghurt essen, damit es das erzielt.
Aus dem Grund verschreiben die Ärzte immer so Kapseln dazu (Omniflora, Bioflora…), die Milliarden dieser Bakterien beinhaltet und so effektiver und wirksamer die Darmflora wieder aufbauen.
LG
Nicola
Hallo,
pauschal sollte man sicher nicht mit ‚ja‘ antworten, aber an der Sache ist einiges dran.
Einen sehr positiven Effekt auf die Darmflora (der Magen ist nicht mit Mikroorganismen besiedelt; Ausnahme Helicobacter-Infektionen) haben probiotische Joghurts, denen Lactobacillen zugesetzt sind. Solche Probiotika haben offenbar nicht nur einen prophylaktischen Effekt sondern sind nach Antibiotika-Therapien gut geeignet, um den Anteil der möglicherweise vorhandenen, durch die Antibiotikagabe geförderten Pilze zu reduzieren und die normale Darmflora zu normalisieren. Allerdings enthalten probiotische Joghurts nur einen kleinen Teil der im Darm vorkommenden Bakterienarten. Der Rest, der in den Joghurts nicht vorhanden ist, wird sich entweder von selbst aus den zurückgebliebenen Bakterien normalisieren oder durch die Nahrungsaufnahme bei gesunder, ausgewogener Ernährung rasch wieder einstellen.
Positive Effekte wird man aber nicht bei allen Joghurts haben, Probiotische sollten es schon sein. Die weiter unten beschriebene zusätzliche Einnahme von Kapseln mit Bakterien kann man machen, dürfte aber im Normalfall keinen wesentlich besseren Effekt haben als der Verzehr von probiotischen Joghurts. Solche Kapseln sind bei schwer geschädigter Darmflora sinnvoll. Schwere Schäden der Darmflora hat man nach normalen Antibiotika-Behandlungen, die vielleicht mit Durchfällen einhergehen, nur selten. Aber Schaden tun die Kapseln im Regelfall auch nicht.
Viele Grüße,
Oliver
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Moin,
Lactobacillen
Überstehen die denn überhaupt unbeschadet den Verdauungsprozess durch Speichel und Magen ?
Gruß
Marion
hallo oliver,
es gibt aber keine unabhängige studie, die den nachweis erbringt, daß eine wirksamkeit erreicht wird, bzw. die mikroorganismen überhaupt im darm ankommen.
strubbel
d:open_mouth:)
Hi Hi,
es kommen jede Menge Bakterien lebend durch den Magen, man denke da z.B. an Salmonellen, Campylobacter, Listerien, Cholera-Vibrionen, Staphylococcus aureus etc., etc. denen das ohne weiteres gelingt in den Darm zu gelangen.
Lacto’s sind von ihren Ansprüchen her sogar einen leicht sauren pH gewöhnt, was denen die Magenpassage noch erleichtert.
Die Frage der Studien: gründliche, den Anforderungen an eine klinische Studie entsprechende Untersuchungen gibt es m.W. nicht, nur Studien mit kleinen Patienten- bzw. Probandengruppen. Es gibt in letzter Zeit aber eine Reihe von wissenschaftlichen Projekten, die zeigen, dass Bakterien in Probiotika zumindest in vitro (also im Labor/Reagenzglas) positive Effekte auf Zellkulturen und negative Effekte auf andere Bakterien und Pilze zeigen.
In der Tat ist die Wirksamkeit der Probiotika nicht unumstritten, das sollte man vielleicht noch erwähnen. Aber sie schaden auf jeden Fall nicht.
Viele Grüße,
Oliver
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Danke
Moinmoin,
wieder was gelernt.
Gruß
Marion
Darmflora (viel text)
hallo oliver,
diese zusammenfassung fand ich noch:
Darmflora
Der Darm eines Erwachsenen hat die enorme Ausdehnung von 150-200 m2. Die Hautoberfläche ist dagegen mit 2 m2 vergleichsweise klein.
Besiedelt wird der Gastrointestinaltrakt von ca. 100 Billionen Keimen, also rund 10mal mehr als unser Körper Zellen hat. Man geht davon aus, dass es sich um etwa 400-500 verschiedene Keimarten handelt. Die genaue Zusammensetzung der Darmflora des Menschen und die Funktion aller darin lebenden Mikroorganismen ist jedoch nicht bekannt.
Mit der Nahrung verspeiste Keime werden größtenteils durch die Magensäure abgetötet. Magen und Duodenum sind daher mit weniger als 10 hoch 3 kolonienbildenden Einheiten (KBE, entspricht lebenden Bakterien) pro Milliliter relativ keimarm. Meist handelt es sich um säuretolerante Lactobacillen oder Streptokokken „auf der Durchreise“ (Transienten). Der Dünndarm stellt die Übergangszone zum üppig besiedelten Kolon dar, der 10 hoch 11 bis 10 hoch 12 KBE/ml enthält. Etwa die halbe Trockenmasse der Fäzes besteht aus ausgeschiedenen Mikroben.
Früher wurde angenommen, die Kolonflora sei mit der Fäzesflora identisch. In den Fäzes sind die (sauerstoffempfindlichen) Anaerobier 100 bis 1000mal häufiger als die (sauerstoffbenötigenden) Aerobier. An der Darmwand kommen die beiden Gruppen hingegen im Verhältnis von 1 : 1 bis 10 : 1 vor. Infolge des mit dem Blut angelieferten Sauerstoffs, der durch die Darmschleimhaut ins Darmlumen diffundiert, herrschen an der Darmwand ideale Bedingungen für sauerstoffverbrauchende Aerobier wie E. coli. Sie gewinnen daraus ihre Energie. Dadurch entsteht im Lumen ein sauerstofffreies Milieu, das die Ansiedelung strikt anaerober Mikroorganismen begünstigt.
Darmflora des Säuglings
Der Säugling wird keimfrei geboren. Innerhalb weniger Tage erfolgt die Besiedelung des Magen-Darm-Traktes über die Mundhöhle. Sie wird weitgehend von der Keimflora der Mutter und dem mikrobiellen Milieu der Geburtshilfeabteilung bestimmt. Die Art der Säuglingsnahrung (Muttermilch oder Flaschenmilch) übt einen starken Einfluss auf die Zusammensetzung während der ersten Lebensmonate aus. Beim Brustkind dominieren mit etwa 90% die Bifidobakterien. Bei Flaschenkindern etabliert sich schnell eine komplex zusammengesetzte Mikroflora, die durch einen deutlich höheren Anteil an Clostridien charakterisiert ist. Während der ersten Lebensjahre nimmt die Darmflora an Komplexität zu. Erst allmählich siedeln sich Mikroben an, die Bilirubin metabolisieren oder Mucin abbauen. Im Alter von einem Jahr wandern neue Mikroorganismen ein, die beispielsweise Cholesterin in Koprostanol umwandeln.
Funktion der Darmflora
Der Mensch lebt mit seiner Mikroflora in Symbiose. Beide Partner ziehen ihren Nutzen aus dieser Gütergemeinschaft: Der Mensch stellt den Speisebrei bereit, seine Symbionten produzieren zahlreiche für ihn essentielle Stoffe. Biologisch aktive Amine etwa beeinflussen den Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel des Menschen. Die Mikroben bilden Vitamine, von denen der Mensch allerdings nur Vitamin K und Folsäure resorbiert. Die Vitaminproduktion ist neben der Versorgung mit Eiweiß der Grund dafür, dass manche Tiere Kot fressen. Vegetarisch lebende Gorillas decken damit ihren Vitamin B12-Bedarf. Ratten versorgen sich so mit Biotin und Pantothensäure. Zu den weiteren Aufgaben der Symbionten gehört die Entgiftung toxischer Nahrungsbestandteile (Antinutritiva).
Ihre Hauptaufgabe besteht jedoch in der Abwehr unerwünschter Mikroorganismen und der Aufrechterhaltung eines intakten Immunsystems: Zum einen besiedeln sie die Darmwand so dicht, dass Eindringlinge sich nicht mehr festsetzen können, zum anderen bekämpfen sie mit kurzkettigen Fettsäuren und antibiotisch wirksamen Bacteriocinen eindringende Pathogene. Allerdings kann es unter dem Einfluss von Schock, Darmkrankheiten oder Medikamenten zur Wanderung von Mikroorganismen aus der Darmflora in die Blutbahn kommen.
Die frommen Wünsche der Juristen
Bornemann P: Probiotische Lebensmittel zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Zeitschrift für das gesamte Lebensmittelrecht 1998/25/S.478-486
Am Markterfolg der Probiotika gibt es keinen Zweifel, umso mehr an ihrer rechtlichen Zulässigkeit. Probiotische Produkte sind Lebensmittel des allgemeinen Verzehrs, die keinen Sonderstatus in Anspruch nehmen können. Da sie sich an alle Verbraucherkreise wenden, können sie nicht zu den diätetischen Lebensmitteln gezählt werden, die nur für eine besondere Ernährung bestimmt sind (§1 Abs.1 DiätVO). Deshalb findet hier insbesondere §17 des Lebensmittel- und Bedarfsgegenstände-Gesetzes (LMBG) Anwendung.
Der Autor nennt zunächst einige Kriterien, die probiotische Produkte erfüllen müssen:
Die Bakterien müssen die Magen-Darm-Passage lebend überstehen.
Sie müssen bis zum Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums noch in ausreichender Anzahl im Lebensmittel vorhanden sein. Die Bundesforschungsanstalt für Ernährung vermutet, dass mindestens 105 lebende Keime pro Gramm Joghurt erforderlich sind.
Die Bakterien müssen in der Lage sein, sich im Dickdarm anzusiedeln und die vorhandene Darmflora günstig zu beeinflussen.
Nach § 17 Abs. 1 Nr. 5a LMBG dürfen Lebensmitteln keine Wirkungen zugeschrieben werden, die ihnen nach den Erkenntnissen der Wissenschaft nicht zukommen. Zum Beweis reicht jedoch schon „eine wissenschaftliche Einzelmeinung, die nicht bestritten wird“. Die Wirkung muss dann „von einer wissenschaftlich qualifizierten Persönlichkeit nach wissenschaftlich allgemein anerkannten und nachprüfbaren Methoden festgestellt worden sein“.
Wer ist beweispflichtig? Der Lieferant der probiotischen Kulturen. Da die Molkerei die Angaben des Lieferanten nicht nachprüfen kann, „muss sich der Hersteller auf derartige Auskünfte verlassen können“. Seitens der Lebensmittelüberwachung sei es jedenfalls unzulässig, die Vorlage entsprechender Beweise zu verlangen.
Gesäuerter Leichenschmaus
Bärwald G, d’Heureuse I: Gibt es „probiotische Lebensmittel?“. Gordian 1997/97/S.167-171
Damit genügend Bakterien ihren Zielort lebend erreichen, müssen sie zunächst einmal in ausreichender Zahl verspeist werden. Bereits das stellt die Hersteller vor Probleme: Denn die angeblich so robusten Mikroben machen oft schon im Lebensmittel schlapp.
Während der deutsche Gesetzgeber keine Anforderungen an probiotische Joghurts stellt, ist in der Schweiz ein Mindestgehalt an lebenden Keimen gefordert. Fermentierte Sauermilchprodukte müssen im Alpenland mindestens 10 hoch 6 lebende Keime pro Milliliter enthalten, um sich „probiotisch“ nennen zu dürfen.
Forscher des Fachbereiches Lebensmittelwissenschaft und Biotechnologie der TU Berlin untersuchten den Lebendkeimgehalt von sechs verschiedenen Joghurts aus deutschen Regalen. Laut Etikett sollten sie Lactobacillus acidophilus, L. casei, L. Goldin Gorbach oder „LA 7“ enthalten. In vier Produkten fanden sie nur 10 hoch 3 bis 10 hoch 4 Keime pro ml. In den beiden anderen waren gar keine lebenden Keime mehr enthalten. Schuld am Bakteriensterben ist offensichtlich der pH-Wert der Sauermilchprodukte. Joghurt säuert während der Lagerung nach, so dass sein Keimgehalt unaufhaltsam sinkt.
Nach Überlegungen der Autoren führt der Verzehr der untersuchten Produkte dazu, dass bestenfalls ein probiotischer Keim einer Million anderer Keime der schon ansässigen Darmflora gegenübersteht. „Diese Relation würde eventuell noch homöopathischen Ansprüchen genügen.“
Anmerkung: Die Säuerung darf nicht unter pH 4,5 durchgeführt werden, damit Bifidobakterien überleben (Brunner JC, Dissertation ETH Nr. 9982, Zürich 1992). Es erscheint unwahrscheinlich, dass Bakterien, die nicht mal die Joghurtsäure aushalten, die Magensäure überstehen. Der Magensaft hat einen pH von 0,9-1,5.
Durchgefallen
Saltzmann JR et al: A randomized trial of Lactobacillus acidophilus BG2FO4 to treat lactose intolerance. American Journal of Clinical Nutrition 1999/69/S.140-146
Jeder zehnte Deutsche leidet an einer Lactoseintoleranz. Die Betroffenen haben einen Mangel am Enzym b-Galactosidase (Lactase), das benötigt wird, um den Milchzucker zu spalten. Die Folgen sind Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall nach dem Verzehr von Lactose (EU.L.E.N-SPIEGEL 1996/H.4). Häufig führt das dazu, dass Lactoseintolerante Milch und Milchprodukte meiden.
Probiotische Kulturen sollen auch in dieser Bevölkerungsgruppe den Umsatz der Molkereiwirtschaft ankurbeln: Man hoffte, dass die einmal im Intestinaltrakt angesiedelten robusten Mikroben den Dünndarm mit dem fehlenden Enzym versorgen. Als besonderer Hoffnungsträger galt eine Kultur namens Lactobacillus acidophilus BG2FO4. Sie hat nicht nur eine besonders hohe Lactaseaktivität, sondern war unter 21 getesteten Milchsäurebakterien die Spezies, die sich in in-vitro-Modellen am besten an menschliche Darmzellen heftete.
Ein Versuch mit 18 Freiwilligen zeigte jedoch, dass sich derartige Reagenzglasversuche in vivo nicht immer bestätigen: Die Lactosemalabsorber nahmen eine Woche lang zweimal täglich die probiotische Joghurtkultur ein. Bei 8 Testpersonen wurde darüber hinaus die Sekretion von Magensäure medikamentös verhindert, um den verzehrten Mikroben das Überleben zu erleichtern. Nach dem Verzehr von Milchzucker wurde der Wasserstoffgehalt in der Ausatemluft gemessen, welcher ein Indiz für die schlechte Verdauung des Zuckers darstellt. Die Erwartungen wurden schwer enttäuscht: Die Probanden hatten nach der Behandlung genausoviel Wasserstoff im Atem wie vor der Behandlung, unabhängig davon, ob viel oder wenig Magensäure gebildet wurde. Die Autoren schließen desillusioniert, dass die Strategie, die Darmflora zu verändern, bei Lactasemangel nicht wirkungsvoll zu sein scheint.
Cholesterinsenkung: Windei
de Roos NM et al: Yoghurt enriched with Lactobacillus acidophilus does not lower blood lipids in healthy men and women with normal to borderline high serum cholesterol levels. European Journal of Clinical Nutrition 1999/53/S.277-280
Die Werbung suggeriert zahlreiche gesundheitliche Wirkungen probiotischer Milchprodukte, von denen die meisten jeglicher wissenschaftlichen Grundlage entbehren. So sollen probiotische Joghurts unter anderem den Blutcholesterinspiegel senken. Ein randomisierter, placebo-kontrollierter Test einer niederländischen Forschergruppe zeigte allerdings nicht das gewünschte Ergebnis. 78 Männer und Frauen, die normale bis leicht erhöhte Cholesterinspiegel aufwiesen, verzehrten täglich 500 ml „normalen“ Joghurt oder einen Joghurt, der mit 109 bis 1010 probiotischen Bakterien (Lactobacillus acidophilus L1) angereichert war. Weder nach drei noch nach sechs Wochen zeigten sich zwischen den beiden Gruppen Unterschiede im Gesamtcholesterin oder im Gehalt an HDL-Cholesterin. Auch die Triglyceridwerte änderten sich nicht.
Ruinierte Darmflora
Bouhnik Y et al: Effects of bifidobacterium sp. fermented milk ingested with or without inulin on colonic bifidobacteria and enzymatic activities in healthy humans. European Journal of Clinical Nutrition 1996/50/S.269-273
Ein erklärtes Ziel der Probiotikaeinnahme ist es, pathogene Bakterien aus dem Darm zu vertreiben. Teilweise muß allerdings auch die „gute“ darmeigene Bifidoflora dran glauben. Das legt zumindest eine französische Studie mit 12 Freiwilligen nahe, die eigentlich den Unterschied zwischen dem Verzehr von probiotischen Bifidobakterien alleine oder zusammen mit Inulin untersuchen wollte. Die Testpersonen erhielten 12 Tage lang täglich Joghurtbakterien mit 18 g Inulin oder Plazebo. Untersucht wurde, ob sich die Zahl der ausgeschiedenen Bifidobakterien veränderte.
Es stellte sich heraus, dass die probiotischen Bifidobakterien nur so lange ausgeschieden wurden, wie sie auch gegessen wurden. Es fand also auch bei Zusatz von Präbiotika keine Besiedelung des Darms durch die verspeisten Bakterien statt. Positiv fiel auf, dass die Aktivität der b-Glucuronidase, ein Enzym, das bei der Darmkrebs-entstehung eine Rolle spielen soll, durch die Einnahme der Mikroben reduziert werden konnte. Bei gleichzeitiger Gabe des Präbiotikums Inulin blieb dieser Effekt jedoch aus.
Der entscheidende Befund war, dass die probiotischen Bifidobakterien die körpereigene Flora weitgehend verdrängten. Nach dem Absetzen erholte sie sich nur noch teilweise, so dass beim Verzehr probiotischer Produkte von einer Schädigung der Darmflora ausgegangen werden muss.
Anmerkung: Das erschreckende Ergebnis wird in einer Firmenschrift bestätigt, die Nestlé an Ärzte verteilt. Eine ungenannte Anzahl von Probanden verzehrte drei Wochen lang die firmeneigenen La1-Milchprodukte. Tatsächlich wurde dabei eine zehnfache Zunahme von fäkalen Lactobacillen gefunden. 10 Tage nach Absetzen des Joghurts war die Zahl der ausgeschiedenen Milchsäurebakterien allerdings geringer als vor dem Verzehr der Nestlé-Produkte (Nestlé Milchfrischprodukte GmbH: Probiotische Milchprodukte. Eine Darstellung wissenschaftlicher Zusammenhänge. Frankfurt, ohne Jahr). Unter diesen Umständen erscheint die aggressive Vermarktung von probiotischer Säuglingsmilch bedenklich.
Mikroben auf Abwegen
Spillmann H: Probiotika und probiotische Mikroorganismen: Lebensmittel oder Heilmittel? - ein Vergleich. Deutsche Molkerei-Zeitung 1997/H.12/S.515-522
Berg RD: Translocation and the indigenous gut flora. In: Fuller R: Probiotics. The scientific basis. London 1992/S.55-85
Wo Wirkungen sind, sind meistens auch Nebenwirkungen. Hans Spillmann von der ETH Zürich gehört zu einer Riege von Wissenschaftlern, die den probiotischen Produkten kritisch gegenübersteht und auch auf die möglichen Nachteile hinweist, so auch auf eine mögliche Wanderung (Translokation) von Bakterien.
Bereits vor mehr als 100 Jahren wurde beobachtet, dass Bakterien aus dem Intestinaltrakt durch die Darmschleimhaut in den Körper gelangen können, wo sie sich in Leber, Milz und Niere festsetzen. Eine solche Wanderung von Mikroben findet jedoch normalerweise nur in geringem Maße statt. Die wenigen Bakterien, die ihren Standort wechseln, werden vom menschlichen Immunsystem vernichtet. Allerdings kann unter bestimmten Bedingungen eine gesteigerte Translokation stattfinden. So bringen Antibiotika das mikrobielle Gleichgewicht im Darm durcheinander. Nach ihrem Absetzen kann es zu übermäßigem bakteriellem Wachstum kommen, was auch mit vermehrten Bakterienwanderungen einhergeht. Auch immunsuppressive Stoffe, Endotoxämie, hämorrhagischer Schock, Verletzungen und Entzündungen der Darmschleimhaut, Eiweißmangelernährung, Leukämie, Diabetes und Allergien fördern die Translokation.
Besonders bei Personen mit einem geschwächten Immunsystem könnten die einwandernden Mikroben zum Problem werden. Da sie speziell daraufhin selektiert werden, dass sie sich in den Schleimhäuten festsetzen, ist denkbar, dass die probiotischen Bakterien sich an Organe anheften und Entzündungen hervorrufen.
Bakterien vom Designer
Havenaar R, Huis In’t Veld JHJ: Probiotics: A general view. In: Wood BJB: The lactic acid bacteria. London 1992/Vol.1/S.151-170
Bislang haben die Lebensmittel- und Futtermittelhersteller die idealen probiotischen Bakterien noch nicht gefunden. Entweder die gesundheitlichen Vorteile der Mikroben lassen sich nicht nachweisen oder aber die Kleinstlebewesen sind nicht robust genug, um lebend in den Darm zu gelangen und sich dort anzusiedeln. Der Suche müde legen die Gentechnologen Hand an: Um Probiotika nach Maß zu fabrizieren, versuchen sie, jene Gene zu isolieren, die für eine gute Haftung der Bakterien an den Schleimhäuten und für die Besiedelung des Darmes verantwortlich sind, um sie anschließend in geeignete probiotische Bakterien einzuschleusen.
Bei Lactobacillus acidophilus ist das vor über zehn Jahren bereits gelungen: Aus Schweinekot stammende Mikroben wurden gentechnisch so modifiziert, dass sie sich auch im Mäusedarm wohlfühlten und vermehrten.
Bevor die Technik beim Menschen angewandt wird, ist nicht nur mehr Forschungsarbeit zu leisten, es müssen auch ethische Bedenken zerstreut werden. Denn wer will schon gezielt Rinder-, Schweine-, oder Mäusebakterien in seinem Körper ansiedeln und durchfüttern.
spannend, oder?
strubbel
4:open_mouth:)
Hi Strubbel!
Wahrscheinlich wirst Du auch diesem Autor die Unabhängikeit abstreiten, aber zumindest ins Ärzteblatt hat er’s geschafft.
http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=4…
Gruß
Peter
xx:stuck_out_tongue_winking_eye:o
Hallo, Strubbel,
kann durchaus sein.
Als ich nach einer heftigen Antibiotikabehandlung (Bronchitis) recht heftig von Durchfall geplagt wurde, stellte allerdings der Joghurt ziemlich schnell wieder normale Verhältnisse auf dem Klo her.
Mir ist der wissenschaftliche Beweis ziemlich egal, wenn mir etwas empirisch hilft.
Grüße
Eckard
hallo eckard,
auch wenns dir egal ist:
das beweist nichts, der körper hätte es genauso ohne joghurt geschafft.
iss den joghurt lieber unter der prämisse:
„oh, der is aber lecker, den esse ich jetzt auf“ und freue dich, welchen genuss du hast.
dann wird dein darm vor lauter freude noch schneller gesund.
strubbel
Y:open_mouth:)
hi peter,
interessant, wenn auch mit 200 patienten wenig aussagefähig.
wichtig in diesem zusammenhang, daß von probiotischem joghurt nicht die rede ist.
wussten die patienten, ob sie johurt, oder etwas anderes bekamen?
wenn ja, ist der ganze versuch kritisch zu werten.
strubbel
V:open_mouth:)
Hi Strubbel,
auch wenn ich Deine kritische Haltung gegenüber den Probiotika nicht ganz teile: die zitierte Studie scheint ja wirklich in der einen oder anderen Hinsicht zu ‚hinken‘. Es heißt, die Pat. bekamen entweder den Joghurt oder oder keine entsprechende Nahrungsergänzung. Damit weiss ja eigentlich der Patient, der Joghurt bekommt, dass er eine Ergänung zu seiner Nahrung erhält (gesetzt er hat die Studiendokumentation/Aufklärung gelesen). Insofern bricht ja ein ganz wesentlicher Teil der Studie, die Verblindung, weg. Sinn gemacht hätte die Sache m.E. nur, wenn man einer Gruppe probiotischen Joghurt (also mit entsprechenden Bakterien wie Lacto’s und Bifido’s) gegeben hätte, während man der anderen Gruppe ‚normalen‘ Joghurt angedreht hätte (der aber natürlich auch Bakterien enthält). Abgesehen davon ist bei einer Gruppe von gesamt ‚nur‘ 202 Hanseln der Unterschied von 12 zu 24 zwar o.K. (und je nach Statistik wohl auch signifikant), aber auch nicht der Hit.
Es bleibt also weiter spannend.
Oliver
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yepp!
hi oli,
genauso isses.
die wirkungen, die angeblich probiotika haben sollen (übrigens ursprünglich aus vaginalflora isoliert), erreichten versuche in der gleichen relevanz mit normalem joghurt.
schließlich ist das ja ein naturprodukt. natur muß imho nicht verschlimmbessert werden.
jedenfall im bereich nahrung.
strubbel
#
)
Hi Strubbel!
Ich habe nie behauptet, daß dieses probiotische Zeugs empfehlenswert ist. Was die Studiengröße angeht: hast Du Deinen eigenen Text http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarticl… gelesen?
„Ein Versuch mit 18 Freiwilligen… 78 Männer und Frauen … Das legt zumindest eine französische Studie mit 12 Freiwilligen …“ Wenn Du schon als Retter des Studiendesigns auftreten willst, so solltest Du selbst auch nicht jeden Kindergartenversuch hier aufführen, nur weil er Deine Position stützt.
Gruß
Peter
(_!_)OO