Hallo,
Populistischer Unsinn ist, wenn man unter bewußtem Ignorieren
der von Claudia geschilderten Fakten Beispiele wie Autofahren
und Terrorismus zum Vergleich heranzieht. Das sind nicht mal
die üblichen Totschlagargumente (außer man fährt jemanden auf
der Autobahn tot).
Welche Fakten ignoriere ich denn? Ich hab ja nach Fakten gefragt, Claudia konnte mir keine liefern.
Wenn ich den ersten Bericht von Claudia richtig verstehe, hat
der junge Mann bereits mehrfach Mädchen mißbraucht und nach
einem Jahr Therapie die erstbeste Gelegenheit wieder genutzt.
Nicht die „erstbeste“, sondern (ich hab den Bericht auch gesehen)
eine, die seine ziemlich dämlichen Eltern ihm grob fahrlässig
verschafft haben. Das ändert nichts an der Beurteilng des jungen
Mannes, ändert aber etwas an der Beurteilung der Gesamtsituation.
Der Junge sagt selbst, von ihm ginge eine stetige Gefahr aus. Er
sagt selbst, er darf nicht in entsprechende Situationen kommen. Er
sagt selbst, er muss unter ständiger Beobachtung stehen. Der Skandal
ist, dass seine Eltern das wussten, und ihn dann noch mit der kleinen
Schwester allein gelassen haben, an einem Wochenende zur
Familienheimfahrt, die ich grundsätzlich für richtig und wichtig halte.
Und dann noch die Aussage der sog. Therapeuten: „…wenn 10
Jahre nichts passiere, hat man wenigstens den Erfolg, dass 10
Jahre Ruhe war.“ Von Fachleuten, die offensichtlich keine
Mittel und Wege finden. Da werden Richter schlecht beraten.
Das Zitat ist aus dem Zusammenhang gerissen. Das wurde so gesagt, ja,
auf die Frage hin, ob es Garantien für „Heilung“ gebe (die es nie geben
kann) und ob Therapien trotzdem der richtige Ansatz sind (was sie sind,
weil sie ein besseres Ergebnis als Wegsperren liefern). Vor dem
Hintergrund ist die Aussage etwas nüchtern, aber korrekt.
Ich halte übrigens nicht die Dauer der Haftstrafe für
ausschlaggebend. Eine „geschlossene Therapiegruppe“ im
Anschluß wäre wichtig und sinnvoll.
Genau das ist das, was auch passiert und auch dort angerissen wurde.
Was Claudia will, ist Kindesmißbrauch gaaaanz furchtbar finden (was er auch ist und was man auch finden darf), schlimmer als einen Mord, schlimmer als Geiselnahme, Erpressung, Folter usw. usf. Schlimmer als jedes andere Verbrechen, und deshalb jemanden der einen Übergriff begangen hat (was als Begriff ein sehr weites Spektrum abdeckt) generell für immer wegsperren.
Und genau diese Haltung nenne ich haarsträubend. Ich sehe
durchaus die emotionalen Mechanismen, die jemanden dazu bringen,
sowas zu denken, aber mit Sachlichkeit, Logik, Argumenten und vor
allem Gerechtigkeit hat das rein gar nichts mehr zu tun.
Eben genauso wie bei dem komischen Typen, der grad Innenminister ist.
Das scheint aber symptomatisch für unsere Zeit zu sein - kaum schreit
einer „Kinderporno“ oder „Terrorismus“ schalten die Leute ihr Hirn aus,
ohne mal nachzuschauen, was eigentlich wirklich abgeht.
Gruß,
Malte
Team: Metadiskussion entfernt