Ich verstehe ja Deinen Wunsch, Kaffee nicht als Droge zu
benennen, obwohl die Abhängigkeit vom Muntermacher Kaffee etwa
so wie von Zigaretten, Cannabis oder Alkohol zu bewerten ist.
Jeder hat halt seine Lieblings-Droge(n) und möchte sie
verharmlosen.
Nun, lieber Branden,
auch das ist beinah eine Verharmlosung (?!)…, wenn auch eine konstruktive, erleichtert sie doch sinnvoll die Fortsetzung des Gesprächs, falls…, ja „falls“ der „Andere“ dazu willens und in der Lage ist, was, wie Du hier erleidend erfährst, eben nicht immer „der Fall“ ist…
(Wenn ich Pech habe, wird mir der Nach-Poster mir unter die Nase reiben, daß auch mein Beitrag eine Verharmlosung ist…, so würde sich halt der Reigen erweitern…)
Es ist nämlich so, daß alle Drogen, auch die von Dir erwähnten, Veränderungen der Wahrnehmungs- und Urteilsfähigkeit und des Sozialverhaltens ab einem (variablen) Grad der Abhängigkeit bedingen, wenn auch in sehr unterschiedlichem Ausmaß, in unterschiedlicher Ausprägung; und mit unterschiedlichen Veränderungen der Hirn-Struktur korrelierend; wobei hinzu noch die von Dir bereits erwähnten individuellen Unterschiede kämen.
Gemeinsam bliebe wohl unter dem Strich, daß der Abhängige, in diesem Fall der Koffein- und/oder Nikotinabhängige, kaum seine Abhängigkeit wird erfassen können, noch größere Schwierigkeiten im betreffenden Urteilsbereich haben wird und „nöcher“ größere im Wahrnehmen und Abwägen von etwaigen Schädigungen, beträfen sie nun nur ihn, oder wie eigentlich die Regel, auch andere.
Ein Anekdötchen zum Schlüßchen:
Vor dreißig Jahren supervidierte ich gemeinsam das akademische und nicht-akademische Personal einer psychotherapeutischen Klinik (letzte ohne spezifischen Behandlungsschwerpunkt).
Wie nicht schwer zu verstehen, war den Patienten verboten, innerhalb der Klinik Alkohol zu trinken.
Das Personal rauchte durch die Bank exzessiv, trank noch (noch??!!) exzessiver Kaffee. In Verdacht hatt’ ich auch bei nicht wenigen Kollegen Medikamenten-Abusus.
Ich hatte Mühe, das Verbot des Rauchens und Kaffee-Trinkens während der Supervisionssitzungen durchzusetzen.
Einige der 24-Stunden-Patienten schlugen vor, ihnen den Genuß von einer bestimmten Marke alkoholfreien Biers zu erlauben (es war ein heißer Sommer), von der bekannt war, daß der Restalkohol völlig vernachlässigbar war, der Geschmack trotzdem hervorragend. In ihrer Konstruktivität schlugen sie weiter vor, Patienten mit Alkoholproblemen von dieser Erlaubnis auszunehmen, das Trinken auf einen eher isolierten gut kontrollierbaren Hausbereich zu beschränken, zu welchem die Patienten mit Alkohol-Problemen keinen Zugang gehabt hätten. Im Auge hatten sie wohl einen möglichen Anreiz durch Anschein.
Die Erlaubnis wurde barsch verweigert: „Bier sei Bier“.
Mein Versuch, diese aggressive Verweigerung vorsichtig in Zusammenhang mit dem aggressiven „internen“ Drogenkonsum zu setzen, führte zu einem heftigen „Drogisten“-Aufstand, in dessen mehrwöchigen Verlauf das Supervisions-Experiment von der Klinik gänzlich abgeblasen wurde…
abifiz
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