Da habe ich geschrieben, daß ich
körperliches Training für bedeutender als technisches Können
halte.
Überspitzt wäre also ein Zehnkämpfer besser dran als ein
Karateka?
Ungefähr darauf läuft es hinaus.
Natürlich kann aber auch ein Karateka in guter körperlicher Verfassung sein, und dann ist seine Technik sicher sehr von Vorteil.
Der Vergleich muß deshalb notwendigerweise zwischen
einem technisch guten und schlecht trainierten und einem
körperlich gut trainierten und technisch nicht so guten
Kämpfer stattfinden.
Du, der einzig sinnvolle Vergleich ist der zwischen einem
Boxer, der 10 Jahre trainert und einem Karateka, der mit
gleicher Intensität 10 Jahre trainiert - alles andere halte
ich für - sorry - Schwachsinn.
Vielleicht halten wir endlich einmal fest, daß dies kein Vergleich zwischen Boxern und Karatekämpfern, sondern zwischen körperlich gut und technisch nicht so gut trainierten und umgekehrten Kämpfern sein soll.
Den Boxer und den Karateka habe ich als Beispiele ausgewählt, weil ich beobachtet zu haben glaube, daß die Trainingsmethoden jeweils diese Fähigkeiten fördern.
Was bringt es, wenn ich 10 km laufen kann aber nicht schlagen?
Der Ansatz ist ein völlig anderer. Boxer müssen lernen, sich
im Zweifel 12 x 3 Minuten (Frauen 10 x 2 Minuten) mit Puffern
(Handschuhe) zu bearbeiten.
Was ich jetzt nicht verstehe, ist der von Dir vermittelte
Eindruck, Boxer haben keine gute Technik!
Haben sie natürlich, aber sie haben vergleichsweise grobere, ungenauere Ziele (was wegen der Handschuhe auch übehraupt nicht anders möglich ist). Dafür können sie ohne Handschuhe einen Gegner meist auch mit einem Schlag gegen den Wangenknochen oder den Bauch ausschalten.
Die _ideale_ Shotokantechnik (im Goyu Ryu bspw. sieht das
völlig anders aus) beendet einen Kampf.
Dem wollte ich nicht widersprechen.
Karate wurde entwickelt, um einen Gegner OHNE sportlichen
Hintergrund zu besiegen, im Zweifel also mit schweren oder gar
tödlichen Verletzungen - das Ganze völlig OHNE Regeln.
Jetzt kann man darüber streiten, ob Shotokan eine reine
SPORTart ist (was ich verneinen würde) - das ganze Paket
Karate ist es nicht.
Vielleicht ist der falsche Eindruck entstanden, ich wolle Karate oder Shotokan-Karate als kampfuntauglich ausweisen.
Mein Anliegen war, die meiner Meinung nach vorhandene hohe Bedeutung von Körperkraft und Kondition gegenüber gekonnter Technik zu verdeutlichen.
Im Shotokan-Karate wird zumindest in deutschen Vereinen beim Training in aller Regel hoher Wert auf das Erlernen der Techniken gelegt, während Grundlagentraining kaum oder überhaupt nicht betrieben wird, bzw. sich in ein paar Minuten Laufen und ein paar Liegestützen zum Trainingsanfang erschöpft. Das habe ich selbst erlebt, es deckt sich mit Erzählungen anderer. Ähnliches wurde mir vom Taekwondo berichtet, entsprechendes habe ich auch schon vielfach gelesen.
In 99 von 100 Fällen wird es einem technisch guten, aber körperlich schwachen Kämpfer nicht gelingen, einen verheerenden Gyaku-Tsuki ins Zwerchfell des Gegners zu rammen. Als nächstes schlägt der starke, technisch nicht so gute Gegner eine eisenharte Gerade gegen den Kopf des ersten, die statt der Schläfe nur die Wange trifft, aber dennoch ist das Jochbein im Arsch.
Das ignoriere ich nicht. Zunächst einmal ist ein schwerer,
starker Gegner grundsätzlich nicht so einfach auf den Boden zu
bringen wie ein leichter, schwacher.
Meine Erfahrung ist, dass der Gegner schneller fällt, wenn er
schwerer ist, da man als Leichtgewicht in der Regel schneller
ist (habe BEIDES am eigenen Leib erlebt)
Eivverstanden, ich sagte ja zu Anfang auch, daß nicht nur Kraft, sondern auch Kondition und Geschwindigkeit von Bedeutung seien.
Wenn beide gleich gewandt sind, wird aber der leichtere eher fallen.
Außerdem entscheidet am
Boden auch wieder meistens die Kraft,
Das sehe ich anders.
Der Satz war noch nicht zuende, das solltest du nicht unterschlagen.
Ein Stier wird jeden noch so perfekten Aikido- Jiu-Jitsu- und
Karateka und auch jeden Kickboxer einfach gegen die Wand
drücken.
Im Idealfall rennt der Stier vorbei, da die Jungs ausweichen
*g*
Für den Stier gibt es Toreros, Kampfkünste wurden entwickelt,
um gegen Menschen zu kämpfen.
Das ist geschenkt. Weiter unten schreibst du ja, daß du den Sinn des Vergleichs verstanden hast.
Vielelicht macht dieses übertriebene Beispiel
deutlich, was ich mit dem Stellenwert von körperlichen
Voraussetzungen gegenüber technischem Können ausdrücken
wollte.
Ich glaube so langsam zu erkennen, was Du genau meinst.
Ich stimme Dir auch bei „Anfängern“ zu. Bei Meistern der
Fächer sehe ich es allerdings völlig anders, da die meisten
Künste von der Philosophie keine Kondition erfordern.
Da ich die Philosophien nicht kenne, kann ich hierzu nichts schreiben. Es wäre aber interessant zu wissen, wie diese Meister mangelnde athletische Voraussetzungn ausgleichen.
denke aber
unter anderem an die Fixier- und Transportgriffe, die die
Polizei anwendet
Unter anderem EIN Grund, warum Polizisten i.d.R. nich alleine
auftreten, wenn sie Festnahmen tätigen.
Das widerspricht aber nicht meiner Aussage, daß es nämlich Hebeltechniken sind, die nicht aus der Bewegung und auch nicht zwingend unter Ausnutzung gegnerischer Kraft stattfinden.
Ich habe im JJ nicht derartiges gesehen…
Jiu-Jitsu gilt als eine Grundlage für die Nahkampfschule der Polizei, so in etwa habe ich es von Polizisten schon gehört.
Ostlandreiter