Kann man 15jährigen überhaupt noch erziehen?

Hallo „Miterzieher“!

Die Situation:
Mutter lebt mit 15-jährigem Sohn seit 13 Jahren getrennt und alleinerziehend. Beide mindestens durchschnittlich intelligent, geordnete soziale Verhältnisse, sie arbeitet im Bereich Erziehung.
Der Sohn ist der Mutter inzwischen körperlich überlegen, aber nicht aggressiv.

Das Problem:
Der Sohn reagiert fast überhaupt nicht mehr auf Ihre „Wünsche“:

  • Anwesenheit (er kommt abends einfach Stunden zu spät heim)
  • Verhalten gegenüber Erwachsenen (Lehrern)
  • Rauchen
  • Freundeskreis
  • Diät (er leidet unter Übergewicht)
  • Mithilfe im Haushalt

Es gab inzwischen mehrfach Polizeikontakt wegen Kleinigkeiten (Feuerwerk NACH Sylvester etc.)
Ausserdem mehrfacher Schulausschluss (Hauptschule) bei guten Noten (evtl. unterfordert?)

Kontakt zum Vater (wohnt 500km entfernt) hat der Junge fast täglich per Telefon, ausserdem verbringt er sämtliche Schulferien bei ihm. Der hat jedoch ähnliche Probleme mit ihm wie die Mutter.

Massnahmen wie Hausarrest, Entzug von Handy, Fernseher, Computer und Telefon stören ihn zwar und er leidet darunter - ändert aber sein Verhalten nicht. Es gibt seit Monaten kaum eine Woche, wo nichts schiefgeht.

Die Mutter ist am Ende ihrer Kräfte.
Ihr macht zu schaffen, dass auch die Schulpsychologen Forderungen an Sie stellen, von denen keiner weiß, wie man diese beim Sohn durchsetzen kann.
Sie überlegt schon, alle Erziehungsversuche einzustellen und dem Sohn alles zu erlauben („vogelfrei“), aber die Konsequenzen alleine tragen zu lassen. Quasi nur noch ne WG mit dem eigenen Kind - kann das gutgehen?
Oder gibts bessere Ideen?
Was tun?
Danke für jeden Tip!

Timsy

hallo,

„erziehen“ kann man wohl nicht mehr, aber angesichts der tatsache, dass jeder glücklich sein will könnte in betracht gezogen werden, dass das verhalten ein hilferuf ist.

da hilft sicher eine professionelle beratung von leuten, die sich mit jugendarbeit auskennen.
mal bei der awo oder so fragen…

grüße
tilli

Hallo Timsy,

ich kann dir nur sagen, was mir so als Mutter pubertierender Brut durch den Kopf geht… Ob du damit was anfangen kannst?

Was sofort bei mir rüber kommt: Da ist permanenter Kampf. Krampf-Kampf. Unter dem leidest du, darunter wird mit Sicherheit aber auch dein Sohn leiden. Krampf-Kampf übrigens auch deshalb, weil ich deiner Aufzählung wirklich wichtige Sachen sehe, aber auch welche, die „Kleinigkeiten“ sind oder wo du im Zweifel an den Punkt kommen musst: das ist seine Sache, soll er mit den Konsequenzen leben. Außerdem ist mir noch aufgefallen, dass die „Strafmaßnahmen“ zwar klassisch sind, aber im Zweifel nur wenig Kausalzusammenhang zur „Tat“ haben. Das ist immer schlecht.

Wir hatten hier eine ähnliche Situation. Nicht ganz so krass, aber die gleiche Richtung. Ich habe mir dann erst einmal meine Liste selber vorgenommen und sortiert:

  1. was sind Sachen, die mich wirklich stören, belasten, wo es MEINE GRENZE betrifft?
  2. was sind Sachen, die halt anderer Lebenswandel sind, die mir vielleicht nicht schmecken, die ich aber fressen muss? (zumindest in so einer Akutzeit)
  3. Was sind Sachen, die wirklich Existenzgefährdend werden können?
  4. Was sind Sachen, über die ich mich eigentlich nur noch aufrege, weil ich mich im Moment über alles aufrege :wink:?

Und jetzt muss erst einmal Kopf und Bauch im Duett ran:
zu 4: bewusst machen, verinnerlichen und in Zukunft ignorieren und die Klappe halten…
zu 2: bewusst machen, verinnerlichen und in Zukunft ignorieren und die Klappe halten…
zu 1: Formuliere deine Grenze ganz klar. Erst einmal für dich selbst, dann auch gegenüber deinem Sohn. Durchaus mit Begründung, warum - aber ohne Grauzone.
zu 4: Hier ist ein Gespräch fällig (wahrscheinlich nicht das erste) s.u.

Mal an einem Beispiel: Du wirst das Rauchen nicht verhindern können. Was du aber sagen kannst: ICH will in MEINEN RÄUMEN davon nicht belästigt werden. Das heißt: wenn überhaupt in deinem Zimmer, dann am offenen Fenster, so dass der Gestank nicht reinzieht. Funktioniert das nicht, dann musst du vor die Tür gehen.

Auch das Thema Übergewicht ist sein Problem. Du kannst vernünftige Kost anbieten - was er damit macht, muss er selber sehen. (Allerdings sei schon angemerkt, dass er das Übergewicht sich „angelebt“ hat zu einer Zeit, als dein Einfluss noch größer war :wink:)

Mithilfe im Haushalt? Mach eine Liste der Sachen, die zu tun sind. Jeder Tätigkeit bekommt nach Aufwand Punkte. (Bspw. Spülen 2, Mülleimer rausbringen 1, Staubsaugen 3). Er kann aussuchen, was er macht (Anteil vorher festlegen) - aber er muss machen. Sonst stellst du im gleichen Atemzug deine Tätigkeiten für ihn ein (bspw. kein Essen kochen, nicht mehr waschen, etc.) Diese Liste hat mehrere Vorteile: Die Brut sieht mal, was da so alles zusammenkommt - und es ist Mitentscheidung drin.

Tonfall? Wo ist deine Grenze? Wenn er sich im Ton vergreift, dann ist das Gespräch sofort beendet. Schmeiß ihn aus dem Raum oder geh selber. Ohne (eigene) Diskussion. Wenn du mit den Lehrern einigermaßen kannst, dann kann man ggf. Strategien angleichen.

Das alles dann vorbereitet mit einem Gespräch. Bleib bei dir. Sag (möglichst sachlich), dass deine Grenze erreicht ist, dass dich das belastet. Sag, was dich genau belastet (gefiltert s.o. nur die wichtigen Sachen). Dann erst mal hören, wie er die Situation sieht. Dann darf er auch sagen, was ihm auf den Keks geht. Und dann mit ihm gemeinsam Vereinbarungen schließen. Wobei du halt für deinen Teil, deine Grenzen schon Vorschläge haben solltest. Er soll für seine Sachen kommen. (ggf. auch 1, 2 Tage Zeit lassen). Inklusive Konsequenzen festlegen. Die müssen aber stimmig und realistisch sein. Und dann ganz wichtig: zwar konsequent sein, aber auch Zeit lassen, dass das wirkt.

Und im Zweifel extern mal Hilfe holen. Erst einmal für dich selber.

LG Petra

Danke!

„erziehen“ kann man wohl nicht mehr, aber angesichts der
tatsache, dass jeder glücklich sein will könnte in betracht
gezogen werden, dass das verhalten ein hilferuf ist.

Das ist richtig.

da hilft sicher eine professionelle beratung von leuten, die
sich mit jugendarbeit auskennen.
mal bei der awo oder so fragen…

Bisherige Gespräche mit Schulpsychos und SPZ waren geprägt von Kritik, aber keine konstruktiven, wirksamen Vorschläge.
Awo hab ich noch nicht probiert, übers Jugendamt denke ich nach.

Hallo Timsy,
Petras Hinweise, die ich gut finde, möchte ich nur um einen Punkt ergänzen:
Hör Dich mal um, ob es bei Euch in der Nähe eine Familienberatungsstelle gibt. Schulpsychologen sind ja ganz nett, aber nur in eine Richtung agierend (zumindest nachdem, was Du schreibst).

Bei einer Familienberatung ist das etwas anders. Auch ausgebildetes, psychologisch geschultes Personal, aber mit dem Ansatz, der Familie - in dem Falle Dir und Deinem Sohn zu helfen.

Ich drücke Euch die Daumen, dass Ihr gemeinsam die Situation in den Griff bekommt. Aber es ist bei 15jährigen verdammt schwer, da der Einfluß im schulischen/außerhäuslichen Bereich ernorm ist und schon aufgrund des zeitlichen Faktors stärker wirkt als Deine Bemühungen, den Sohn letztendlich auch zu seinem Vorteil zu beeinflussen.

MfG BM

Hallo Petra!

Dankeschön für deine ausführlichen Tips.
Zur Klarstellung: ich bin nicht die Mutter, sondern seit nem Jahr deren Lebensgefährte. Und in gewisser Hinsicht erinnert mich die harte Linie des Jungen an meine eigene Jugend :smile:

Funktioniert das nicht, dann musst du vor die
Tür gehen.

Dann ist die Mutter mehrmals täglich vor der Tür. Er wird nicht gehen, er ist schwerer, größer und stärker als seine Mutter.
Was dann?

Mithilfe im Haushalt? Mach eine Liste der Sachen, die zu tun
sind. Jeder Tätigkeit bekommt nach Aufwand Punkte. (Bspw.
Spülen 2, Mülleimer rausbringen 1, Staubsaugen 3). Er kann
aussuchen, was er macht (Anteil vorher festlegen) - aber er
muss machen. Sonst stellst du im gleichen Atemzug deine
Tätigkeiten für ihn ein (bspw. kein Essen kochen, nicht mehr
waschen, etc.) Diese Liste hat mehrere Vorteile: Die Brut
sieht mal, was da so alles zusammenkommt - und es ist
Mitentscheidung drin.

Nicht kochen und nicht waschen ist ne gute Idee. Allerdings wird dann ein abschliessbarer Kühlschrank nötig sein, sonst „verhungert“ die Mutter.

Tonfall? Wo ist deine Grenze? Wenn er sich im Ton vergreift,
dann ist das Gespräch sofort beendet. Schmeiß ihn aus dem Raum
oder geh selber. Ohne (eigene) Diskussion. Wenn du mit den
Lehrern einigermaßen kannst, dann kann man ggf. Strategien
angleichen.

Genau so läuft seit Langem. Sie geht raus. Und er vergreift sich unverändert ständig im Ton, Tendenz schlechter werdend.
Beispiel:
Er kommt viel zu spät heim, hat seine kleinen Jobs NICHT erledigt und beginnt das Gespräch ohne „Hallo“ lautstark mit „Wann gibts denn endlich Essen!“
Dann beendet sie sofort das Gespräch, Essen gibts dann auch keins mehr. Ihm gehts schlecht dabei, aber das ändert sein Verhalten nicht im Geringsten. Das ist es, was mich verblüfft.

Und im Zweifel extern mal Hilfe holen. Erst einmal für dich
selber.

Über Awo und Jugendamt denken wir grad nach - oder gibts noch bessere Adressen?

Timsy

Hallo Timsy,

was ist „Erziehung“? Was verstehst Du in diesem Fall darunter - konkret?

Erziehung ist m. E. keine Momentaufnahme oder -aufgabe und sie endet weder mit einem bestimmten Alter, noch ist irgendjemand von dieser Aufgabe befreit.

Sicherlich ist die Organisation eines geregelten und (in gewisser Weise) friedlichen Miteinanders mit einem pubertierenden anders, als mit einem Kleinkind oder einem jungen erwachsenen Kind: Die Regn, regelungen und Absprachen müssen halt altersgemäß sein, sonst ist das Kleinkind überfordert, der Pubi rebelliert und ein junger Erwachsener fühlt sich nicht angesprochen.

Darüberhinaus gilt m. E., dass Erziehung immer auch „Vorbild leben“ heißt - was ich also vom anderen erwarte, muss ich im Zweifel selbst zu tun bereit sein.

Aus Deienr Fallbeschreibung entnehme ich, dass die Kiste weitgehend vergeigt ist: Beide Parteien laufen auf ausgelatschen Wegen - in unterschiedliche Richtung. Einzig in einem Punkt ticken vermutlich beide gleich: Sie fühlen sich in der Situation unwohl und überfordert. Wenn die mutter im Kontakt mit Schulpsychologen steht, könnte sie sich dort ggf. auch nach Hilfe, Unterstützung erkundigen . . .

Abschließend kann ich mir einen Spruch ncht verkneifen, der mir beim lesen Deines Postings unweigerlich durch den Kopf schoß: Lehrers Kinder und Müllers Vieh, gedeihen selten oder nie.

hm,

spz?
das jugendamt würde ich nicht einschalten und ich glaube, im falle eines „kummers“ sind die auch nicht die richtigen.

diakonie, familienbildungsstätten, pro famila und ähnliche könntest du noch anrufen.

lg
tilli

Hallo Timsy,

Zur Klarstellung: ich bin nicht die Mutter, sondern seit nem
Jahr deren Lebensgefährte. Und in gewisser Hinsicht erinnert
mich die harte Linie des Jungen an meine eigene Jugend :smile:

Kannst du aus diesem Umstand irgendetwas nützliches für die Situation ziehen? Nicht, dass du jetzt den Superpädagogenretter machst. Das ist Job der Eltern (oder Externer)… Aber - bist du vielleicht extern und akzeptiert genug, dass du mal ein Gespräch unter Männern führen kannst? Gerade vor dem Hintergrund, dass du selber auch kein Unschuldslamm warst? Um mal zu hören, was in dem Jungen eigentlich tickt und wie er sich das so vorstellt… Hilfreich finde ich bei solchen Gespräche eigentlich immer, wenn man die bei einem Spaziergang macht. Dann kann man auch mal ne Weile nebeneinander hergehen, ohne das etwas gesagt werden muss. Irgendwo weit weg im Wald, wo man auch mal aus der Haut fahren darf :wink:

Funktioniert das nicht, dann musst du vor die
Tür gehen.

Dann ist die Mutter mehrmals täglich vor der Tür. Er wird
nicht gehen, er ist schwerer, größer und stärker als seine
Mutter.
Was dann?

Heyho! Interpretiere ich da jetzt rein? Was hat denn die Größe damit zu tun? Oder ist doch körperliche Aggression im Spiel?

Ansonsten war meiner auch schon mit 15 ein Kleiderschrank (zumindest mir körperlich überlegen). Das hat doch nix mit der eigenen Souveränität zu tun. (sollte es zumindest)

Das Spiel ist einfach: Findet die Diskussion in seinem Zimmer statt, dann geht sie. Findet sie in Gemeinschaftsräumen statt, notfalls auch - findet sie in ihrem Zimmer statt, muss klar sein, dass die eigenen Räume respektiert werden. (Das gilt natürlich auch für das Zimmer des Sohnemanns! Auch der muss da Hoheitsrecht haben - und notfalls Muttern rausschmeißen dürfen.)

Und ja. Ich würde im Zweifel lieber ein Dutzend Mal am Tag um den Block rennen, als ewig Krampfdiskussionen zu führen, die rein gar nix bringen! Übrigens ist um den Block laufen ein gutes Stichwort: unsere haben sich inzwischen auch angewöhnt, schon freiwillig mal ne Runde rauszugehen, wenn sie richtig aufgewühlt sind. Hinterher kann man wesentlich besser reden…

Nicht kochen und nicht waschen ist ne gute Idee. Allerdings
wird dann ein abschliessbarer Kühlschrank nötig sein, sonst
„verhungert“ die Mutter.

Dann lässt Muttern eben den Kühlschrank leer! Hier geht es darum, dass man eine gerade, konsequente Linie reinbringt. Muttern kann sich auch mal ein Brötchen ums Eck kaufen - und mal eine zeitlang nur einkaufen, was richtig gekocht werden muss. (Also nicht x Joghurtbecher und Bockwürste parat haben). Wenn Sohnemann dann gezwungen ist, selber richtig zum Kochtopf zu greifen, hätte das auch einen pädagogischen Wert :wink:

Beispiel:
Er kommt viel zu spät heim, hat seine kleinen Jobs NICHT
erledigt und beginnt das Gespräch ohne „Hallo“ lautstark mit
„Wann gibts denn endlich Essen!“
Dann beendet sie sofort das Gespräch, Essen gibts dann auch
keins mehr. Ihm gehts schlecht dabei, aber das ändert sein
Verhalten nicht im Geringsten.

Das liegt m.E. aber eher an der allgemeinen Krampfkampfsituation. Deshalb hatte ich ja auch gesagt, das muss eingebettet sein.

Beispiel zurück: Was heißt „zu spät kommen“. Woher stammt die Uhrzeit? Hatte das festsetzen dieser Uhrzeit einen wirklich nötigen Grund (siehe mein anderer Beitrag - Punkte 1-4). Wenn ja, dann muss das im gemeinsamen Gespräch klar gemacht werden - und dann soll er sagen, wie er sich die Lösung vorstellt. Wenn nein, dann künftig solche Uhrzeiten nicht mehr festsetzen. Immer eingebettet in eine Gesamtlinie. Es hilft nix, nur an einzelnen Rädchen zu drehen. Bei so einem Krampf muss ein deutlicher Schnitt her.

Wichtig ist aber, dass das GEMEINSAM kommen muss. Der Junge ist zu alt, als dass man ihm DIE Lösung vorgibt. Außerdem soll er ja in die Verantwortung kommen. Dazu gehört, ihm klarzumachen, dass er auch Verantwortung für die Gesamtsituation trägt. - Allerdings sollte man ihm auch deutlich machen, dass man auch selbst Verantwortung trägt und muss sich dann auch als Mutter mal bewegen.

LG Petra

Vernunft
Hallo!

Der Sohn ist der Mutter inzwischen körperlich überlegen, aber
nicht aggressiv.

Ich störe mich sehr an diesem Hinweis. Zielt er darauf ab, dass die Mutter nun ihre Forderungen, wie sie es früher manchmal getan hat, nun nicht mehr körperlich durchsetzen kann?
Beispiel: Wenn er nicht zum Essen kommt, ihn in die Küche zu zerren geht jetzt nicht mehr.
Wenn es darum gehen sollte: Konflikte kann man nur nachhaltig lösen, wenn sie mit Vernunft erzielt werden. Solange er nicht versteht, wieso es richtig ist, zum Essen zu kommen, wird er sein Verhalten nicht ändern. Und als Mutter muss man sich auch immer wieder die Frage stellen:
IST es überhaupt richtig, zum Essen zu kommen?
Kann ich erwarten, dass er seine Tätitgkeit unterbricht, weil ich jetzt essen möchte?
Wie würde ich selber reagieren, wenn er gekocht hätte und möchte, dass ich zum Essen erscheine?

  • Anwesenheit (er kommt abends einfach Stunden zu spät heim)
  • Verhalten gegenüber Erwachsenen (Lehrern)
  • Rauchen
  • Freundeskreis
  • Diät (er leidet unter Übergewicht)
  • Mithilfe im Haushalt

Das einzige, was wirklich hilft ist die Frage zu stellen, inwiefern er sein Verhalten selber als richtig sieht.
Findest du es in Ordnung, so spät nach Hause zu kommen? Ich möchte gerne, dass du um X Uhr zu Hause bist. Was sagst du dazu?
Was soll mit dem Mülleimer passieren, wenn er voll ist? Soll ich ihn auch noch rausbringen, obwohl ich schon das und das und das und das mache?
Bist du dir des Gesundheitsrisikos, das durch Rauchen entsteht, bewusst? Wenn ja, wieso tust du es dennoch?
Bei all diesen Diskussionen auch immer selbstkritisch sein. Beim Rauchen stelle ich gerne (Ich bin absoluter Nichtraucher!) die Gegenfrage: Bist du dir der Lebensgefahr bewusst, in die du dich beim Auto fahren begibst? Wenn ja, wieso fährst du dennoch Auto?

Eigentlich kommt man überall nur mit vernunftbasierter Argumentation weiter und Bestrafungen, gerade wenn sie überhaupt nicht kausal mit dem Verstoß verbunden sind, sind eher kontraproduktiv.

Es gab inzwischen mehrfach Polizeikontakt wegen Kleinigkeiten
(Feuerwerk NACH Sylvester etc.)

Daran sehe ich überhaupt kein Problem, da ich keine Antwort auf die Frage gefunden habe, wieso man Feuerwerk nicht auch nach Silvester benutzen kann. Wenn du eine Antwort hast, kannst du ja versuchen, sie deinem Sohn näher zu bringen.

Ausserdem mehrfacher Schulausschluss (Hauptschule) bei guten
Noten (evtl. unterfordert?)

Es kommt immer auf den Einzelfall an. Wieso wurde er ausgeschlossen? Warum war dieses Verhalten falsch?

Die Mutter ist am Ende ihrer Kräfte.

Das kommt leider manchmal mit Kindern vor.
Gib trotzdem nicht auf!

Gruß
Paul

Danke, Paul!

Der Sohn ist der Mutter inzwischen körperlich überlegen, aber
nicht aggressiv.

Ich störe mich sehr an diesem Hinweis. Zielt er darauf ab,
dass die Mutter nun ihre Forderungen, wie sie es früher
manchmal getan hat, nun nicht mehr körperlich durchsetzen
kann?

Nein, weder gab noch gibt es körperliche Gewalt. Noch.
Aber möglicherweise hat sein Respekt nachgelassen mit seiner zunehmenden körperlichen Stärke?
Ich dachte, das gehört zum Gesamtbild, deshalb hab ichs geschrieben.

Das einzige, was wirklich hilft ist die Frage zu stellen,
inwiefern er sein Verhalten selber als richtig sieht.
Findest du es in Ordnung, so spät nach Hause zu kommen? Ich
möchte gerne, dass du um X Uhr zu Hause bist. Was sagst du
dazu?

So liefs noch bis vor wenigen Monaten, einigermassen akzeptabel sogar.
Wenns das noch funktionieren würde, würde ich hier nicht posten.

Was soll mit dem Mülleimer passieren, wenn er voll ist? Soll
ich ihn auch noch rausbringen, obwohl ich schon das und das
und das und das mache?

Seine Antwort: Schweigen, Schulterzucken, Abwarten, bis die Situation vorbei geht, aber nix änderen, nix tun, sich nicht bewegen.

Bist du dir des Gesundheitsrisikos, das durch Rauchen
entsteht, bewusst? Wenn ja, wieso tust du es dennoch?
Bei all diesen Diskussionen auch immer selbstkritisch sein.

Es gibt keine Diskussionen, nur Monologe. Er ist nicht interessiert an Gesprächen. Ab und zu stellt er ne Forderung auf: „Ich hab Hunger“, „Ich will brauch mein Handy/ PC/ xy“. Aber egal ob die Forderung erfüllt, „diskutiert“ oder abgelehnt wird - sein Verhalten ist monoton „daneben“

Beim Rauchen stelle ich gerne (Ich bin absoluter
Nichtraucher!) die Gegenfrage: Bist du dir der Lebensgefahr
bewusst, in die du dich beim Auto fahren begibst? Wenn ja,
wieso fährst du dennoch Auto?

Hier leider sinnlos- keine Antwort zu erwarten.
(Meine Antwort wäre übrigens: "Weil ich abwäge zwischen Risiko und Nutzen und das Ergebnis lässt mich Auto fahren. Gerechtfertigte Angst errrechnet sich aus dem Produkt von „worst case“ und Wahrscheinlichkeit des „worst case“. Sorry für OT)

Eigentlich kommt man überall nur mit vernunftbasierter
Argumentation weiter

Früher ja, hier und heute eben im geschilderten Fall nicht mehr, s.o.

und Bestrafungen, gerade wenn sie
überhaupt nicht kausal mit dem Verstoß verbunden sind, sind
eher kontraproduktiv.

Sehe ich genau so. Was aber fehlt sind wirksame Alternativen.

Es gab inzwischen mehrfach Polizeikontakt wegen Kleinigkeiten
(Feuerwerk NACH Sylvester etc.)

Daran sehe ich überhaupt kein Problem, da ich keine Antwort
auf die Frage gefunden habe, wieso man Feuerwerk nicht auch
nach Silvester benutzen kann.

Ich sehe das Problem, dass die Mutter lange Gespräche und Verhöre mit der Polizei und Kosten hat (Ordnungswidrigkeit). Darauf hat sie einfach keine Lust mehr. Ob das Gesetz sinnvoll ist oder nicht sei dahingestellt.

Die Mutter ist am Ende ihrer Kräfte.

Das kommt leider manchmal mit Kindern vor.
Gib trotzdem nicht auf!

Danke! Ich werd hier und überall nach ner Lösung suchen - BEIDE sind mir sehr wichtig.
Leider sind fast alle bisherigen Tips nicht anwendbar, weil sie Kooperation und Reaktion seitens Kind voraussetzen.
Aber ich kann kaum glauben, das wir die einzigen sind mit diesem Problem!?!?
Wenn doch, dann wird es wohl auf Bitte um fremde Hilfe hinauslaufen (AWO? Jugendamt?)

Grüße!

Timsy

spz?

Sozialpädiatrisches Zentrum

das jugendamt würde ich nicht einschalten und ich glaube, im
falle eines „kummers“ sind die auch nicht die richtigen.

Danke, das ist auch mein Verdacht. Die Idee der Mutter war, der Polizei ggf. zuvorzukommen, dann wenn die Entwicklung so weiterläuft, wird sich der Polizeikontakt des jungen Mannes „verstärken“.
Dann soll das Jugendamt wissen, dass die Mutter nicht desinteressiert ist.

diakonie, familienbildungsstätten, pro famila und ähnliche
könntest du noch anrufen.

Danke - das hört sich gut an.
Ein Problem wird aber sein, dass die Mutter ihre Arbeit verlieren wird, wenn sie ausser SPZ noch weitere Beratungsnachmittage braucht. Mal sehen, vielleicht gibts auch was am Abend.

Dankeschön!

Timsy

immer der andere!
Hallo!

Jeder Einzelfall ist wichtig und da ich dabei nicht vor Ort sein kann, kann ich dir von so weit weg leider keinen direkten Rat mehr geben.
Ich kann nur sagen, dass meine Mutter mir das Leben vor ein paar Jahren sehr anstrengend gemacht hat, weil sie nicht Vernunftbasiert argumentiert hat.
Sie würde wahrscheinlich in ähnlicher Form das gleiche von mir sagen.
Es gab viele Streite, emotionale Ausbrüche, Türenknallen und Tagelanges ignorieren. Es wurde sich Müll, der angeblich jedes Mal vom anderen verursacht worden war, gegenseitig in die Zimmer geworfen. Es wurde die Stereo-Anlage mitten in der Nacht aus Protest voll aufgededreht (NICHT von mir, sondern von meiner Mutter :smile: ) und auch sonst ging es manchmal drunter und drüber.
Aber nach einiger Zeit hat sich das dann irgendwann gelegt. Ich habe akzeptiert, dass ich meine Mutter nicht mehr wirklich ändern kann und sie hat das gleiche anerkannt. Jetzt funktioniert es einigermaßen in gegenseitigem Respekt, wenn es auch immer wieder brenzlig wird. Dies liegt natürlich aber immer am anderen :smile:

Gruß
Paul

1 „Gefällt mir“

Danke, Paul!

Bei mir wars nicht viel besser, aber wir haben alle irgendwie die Kurve gekriegt.
Das unterscheidet uns von diesem Fall - leider.
Aber noch ist nix verloren :smile:
Grüße!

Timsy

Hallo Timsy,
offenbar ist der erste Schritt schon sehr schwierig: das Gespräch. Das der Junge dazu keine Lust hat, ist doch verständlich, denn es ist für ihn ja unbequem, sich mit Vorwürfen auseinander zu setzen. Er ist sich sicher bewusst, dass man von seinem Verhalten nicht begeistert ist, also möchte er nicht drüber reden. Aber es muss sein.

Deshalb denke ich, die Mutter sollte ihm nur ganz kurz in etwa folgendes sagen: „Ich bin nicht bereit, in dieser familiären Spannung weiterzuleben. Wir müssen über Änderungen reden. Überlege dir, was dir wichtig ist und wann du zu einem Gespräch bereit bist. Du hast … Tage Zeit dazu, wenn du bis dahin nicht bereit bist zu reden, schraube ich meinen Service für dich auf null.“

Allerdings muss die Mutter auch bereit sein, die Konsequenz des Null-Services durchzuziehen. Damit meine ich nichts einkaufen, nichtswaschen etc. Für einen 15jährigen ist ein Streik als Druckmittel für Verhandlungen ja durchaus bekannt.

Im Gespräch müssen beide Seiten ihre Wünsche äußern dürfen. Als vorteilhaft sehe ich es dabei an, nicht dem anderen etwas vorzuwerfen „du ärgerst mich, indem du deine Sachen im Flur rumschmeißt“ sondern die eigenen Empfindungen auszudrücken: „mir gefällt es nicht, wenn Sachen rumfliegen, ich brauche mehr Ordnung im Flur“ - es geht zwar um die gleiche Sache, beleuchtet aber aus einer anderen Sicht.

Über den Inhalt des Gespräches haben andere schon genug geschrieben. Ich find das ganz toll, was Pomeranze geschrieben hat.

Kopf hoch, nicht aufgeben!
Jette

doch,

sowas gibts auch abends.

dazu sind die leute ja da!
es kann voll sein, aber wenn es wirklich dringend ist, findet sich jemand.

alles gute
tilli

p.s. man kann das JA auch diskret anrufen, ob es schlau ist, der polizei zuvorzukommen.

Hallo,

ich kenne dies als „übliches und normales“ Verhalten eines 15-jährigen gegenüber der Mutter, unabhängig vom „Familienstand“ (Alleinerziehend, Familie, Vater, Mutter).

Zur Klarstellung: ich bin nicht die Mutter, sondern seit nem
Jahr deren Lebensgefährte.

Hast du Einfluss auf den Jungen? Dass er dich ernst nimmt, respektiert?
Inwiefern unterstützt du die Mutter? Wohnst du mit ihr zusammen?

Du hast sehr wenig über dich und deine Rolle geschrieben. Das macht es schwierig für konkretere Antworten. Hälst du dich raus? Wenn ja, aus welchen Gründen?

Gruß
Der Franke

‚Null-Service‘ - Massnahme
Danke, Jette!

Deshalb denke ich, die Mutter sollte ihm nur ganz kurz in etwa
folgendes sagen: „Ich bin nicht bereit, in dieser familiären
Spannung weiterzuleben. Wir müssen über Änderungen reden.
Überlege dir, was dir wichtig ist und wann du zu einem
Gespräch bereit bist. Du hast … Tage Zeit dazu, wenn du bis
dahin nicht bereit bist zu reden, schraube ich meinen Service
für dich auf null.“

Du bestätigst, dass wir auf dem richtigen Weg waren: du schreibst verblüffend genau, wie solche Gespräche gelaufen sind. Warst du dabei? :smile:

Allerdings muss die Mutter auch bereit sein, die Konsequenz
des Null-Services durchzuziehen. Damit meine ich nichts
einkaufen, nichtswaschen etc. Für einen 15jährigen ist ein
Streik als Druckmittel für Verhandlungen ja durchaus bekannt.

Soweit waren wir noch nicht, aber nahe Null. Den totalen „Null-Service“ werde ich nochmal vorschlagen. Das bedeutet für die beiden nebeneinender in der selben Wohnung zu leben, wie ne WG. Er kann Küche und Bad und Waschmaschine benutzten, aber nicht seine Mutter…
Ob sie das durchhält, wenn er evtl. ungewaschen und dreckig zur Schule geht, weiß ich nicht. Sie meint, er würde seine Wäsche schon selbst waschen. Mal sehen…

Grüße!
Timsy

Hallo Franke!

ich kenne dies als „übliches und normales“ Verhalten eines
15-jährigen gegenüber der Mutter, unabhängig vom
„Familienstand“ (Alleinerziehend, Familie, Vater, Mutter).

Teilweise sicher richtig, aber nicht alle Jungs kämpfen mit Schulausschlüssen und haben öfters mit der Polizei zu tun.
Das ist schon „Oberliga“, oder?

Zur Klarstellung: ich bin nicht die Mutter, sondern seit nem
Jahr deren Lebensgefährte.

Hast du Einfluss auf den Jungen? Dass er
dich ernst nimmt, respektiert?

Schwierige Frage, ich bin nicht sicher.
Er respektiert mich im Moment, aber ich stelle ja auch kaum Forderungen und er profitiert ja auch gelegentlich von mir (Fragen zum Handy oder PC, Ausflüge, Schifahren…)

Inwiefern unterstützt du die Mutter? Wohnst du mit ihr
zusammen?

Nein, wie wohnen leider (wegen Job) noch nicht zusammen. Sie wohnen eine Stunde von mir entfernt. Ich verbringe die meisten Wochenenden bei den beiden und noch einen Abend während der Woche. Der Junge ist aber viel unterwegs. Mit der Mama telefoniere ich täglich über den aktuellen Stand :smile:

Du hast sehr wenig über dich und deine Rolle geschrieben. Das
macht es schwierig für konkretere Antworten. Hältst du dich
raus? Wenn ja, aus welchen Gründen?

Ich halte mich raus, stimmt. Ich hab angeboten, an den Schul-, Polizei- und Psychogesprächen teilzunehmen, aber sie hat meine Angebote bisher noch nicht angenommen. Vielleicht um mich und unsere Beziehung zu schonen. Ich denke nicht, dass ich ein unangenehmer Begleiter für sie wäre, besonders wenn die „Gegenseite“ (Lehrer) mit 5 Mann oder mehr antritt.
Ich will und werde sie aber auch nicht drängen - mein Angebot gilt nach wie vor.
Bei direkten Konflikten Mutter vs. Sohn in meiner Anwesenheit habe ich gelegentlich versucht zu deeskalieren. Letztes Wochenende hab ich nach so ner Situation zum ersten mal allein mit ihm gesprochen, vermutlich mit wenig Erfolg. Ich hab erzählt und gefragt, er hat wie immer wenig gesagt. Hab ihm geschildert, dass er mit dem Angebot seiner Mutter, nicht mehr miteinander zu leben, sondern nur noch nebeneinander schlechter fährt und ich es ablehnen würde und lieber etwas kooperativer sein würde.
Kann sein, dass er es ein paar Tage probiert, aber mehr erwarte ich ehrlich gesagt nicht.
Ich will mich jedenfalls nicht aufdrängen, sonden beiden das Gefühl vermitteln, dass sie jederzeit mit allen Fragen und Sorgen zu mir kommen können - ich hab in solchen Dingen wahnsinnig breite Schultern und die Ruhe weg. Mir ist klar, dass es der Mutter und damit mir nur dann gut gehen kann, wenns dem Jungen gut geht.
Deshalb poste ich hier.

Grüße!

Timsy

Hallo Builder!

Danke für deinen Post.

was ist „Erziehung“? Was verstehst Du in diesem Fall darunter

  • konkret?

Das Verhältniss zwischen Mutter und Sohn wieder soweit normalisieren, dass beide (oder besser wir drei) damit leben können.
Das ist derzeit immer wieder in Frage gestellt.

Erziehung ist m. E. keine Momentaufnahme oder -aufgabe und sie
endet weder mit einem bestimmten Alter, noch ist irgendjemand
von dieser Aufgabe befreit.

Richtig - wir sind auch gerne bereit, Erziehung an uns Erziehern selbst zu üben. Was mein Post hier auch zeigt. Uns fehlt nur das Können, die Kenntnis, wie sowas in diesem uns schwierig erscheinenden Fall geht.

Darüberhinaus gilt m. E., dass Erziehung immer auch „Vorbild
leben“ heißt - was ich also vom anderen erwarte, muss ich im
Zweifel selbst zu tun bereit sein.

IMHO sind wir (die Mutter und ich) in diesem Punkt ganz gut. Aber nicht gut genug?

Aus Deienr Fallbeschreibung entnehme ich, dass die Kiste
weitgehend vergeigt ist: Beide Parteien laufen auf
ausgelatschen Wegen - in unterschiedliche Richtung. Einzig in
einem Punkt ticken vermutlich beide gleich: Sie fühlen sich in
der Situation unwohl und überfordert.

Völlig richtig, so ist es - leider.

Wenn die mutter im Kontakt mit Schulpsychologen steht, könnte sie sich dort ggf. auch nach Hilfe, Unterstützung erkundigen . . .

Ist in Arbeit. Aber so mancher Psychologe hat kein Geschick im Umgang mit Menschen…

Abschließend kann ich mir einen Spruch ncht verkneifen, der
mir beim lesen Deines Postings unweigerlich durch den Kopf
schoß: Lehrers Kinder und Müllers Vieh, gedeihen selten oder
nie.

Anmerkung:
Die Mutter ist keine Lehrerin, sonst wäre ich vermutlich nicht mit ihr zusammen. Ich hab sowas wie ne „Lehrerallergie“.
Der Spruch entspricht zu 50% meinen Erfahrungen - von Vieh hab ich allerdings keine Ahnung :smile:

Grüße!

Timsy