Dem stimme ich nicht ganz zu
Hallo Claren
Nach meiner Vorstellung gibt es für Gelassenheit keinen
Muskel, den man trainieren kann. Und ich stelle mir vor, dass
man sich selbst nicht austricksen kann. Geübte Gelassenheit
ist aufgesetzt. Was macht man denn mit dem aufkommenden Ärger?
Verstehen wir vorlaeufig unter Gelassenheit die Faehigkeit, in
unangenehmen Situationen relativ wenig negative Gefuehle zu
empfinden, dann ist das Einueben von Gelassenheit im Wesentlichen
eine Gefuehlserziehung. Und typische Gefuehle koennen wir dadurch
langsam veraendern, indem wir geeignete Gedanken und Verhaltensweisen
einueben. Waere das nicht moeglich, koennte jeder Psychotherapeut
einpacken. Geuebte Gelassenheit ist vielleicht am Anfang aufgesetzt,
aber wenn sich gewisse Reaktionsmuster einschleifen, dann wird sie
allmaehlich natuerlich und Bestandteil der Persoenlichkeit.
Den aufkommenden Aerger kann man durch geeignete Gedanken und
Verhaltensweisen beruhigen.
So sollte man doch eher beobachten, was einen in Wallungen
bringt, und vorallem auch warum?
Und genau dieses Beobachten und dessen Analyse ist der erste Schritt
zum Erlernen der Gelassenheit.
Ja überhaupt, wieviel Gelassenheit soll es denn sein? Warum
und wen stört Aufregung?
Soviel, dass man sich wohlfuehlt. Wer sich mehr Gelassenheit
wuenscht, der fuehlt sich offensichtlich nicht wohl, d.h. sein Ich
ist unzufrieden mit den unbewussten Steuerungsmechanismen, die den
Aerger und die Aufregung ausloesen.
Besteht denn nicht die Gefahr bei
zuviel Gelassenheit seine Wahrnehmungsfähigkeiten zu
vernachlässigen, und außerdem arrogant oder ignorant zu
wirken, weil man auf Situationen unangemessen reagiert, auch
wenn es die eigenen Nerven noch so schont?
Die Gefahr besteht, ist aber gering. Meistens ist ein gelassener
Mensch gluecklicher und (auch dadurch) angenehmer fuer seine Umwelt.
Wenn jemand jeden Tag ins Fitness-Studio geht und sich Muskeln
antrainiert, dann tut er es des Aussehens wegen oder um seine
Kräfte zu stärken. Er könnte aber auch sich als Gesamtheit in
seinem Umfeld sehen, seinen Alltag so umgestalten, dass er
nicht nur gesund aussieht, sondern auch gesund agiert und
reagiert. Da gibt es eventuell nicht so große Muskeln, was
aber seiner Lebensqualität keinen Abbruch tut.
Stimmt, Krafttraining ist zur psychischen Gesundheit nicht
erforderlich. Sollte es jemandem so vorkommen, dann ist seine psych.
Gesundheit bereits angeschlagen. Aber ich weiss nicht, was das mit
dem Thema zu tun hat.
Kann man Gelassenheit lernen? Ich glaube dann, wenn man für
seine Verhältnisse unangemessen auf bestimmte Situationen
reagiert, und sich auf die Suche nach seinem persönlichen Maß
an Gelassenheit und Erregung macht.
Womit wir uns einig waeren. Ich weise aber darauf hin, dass du noch
im oberen Teil deines Beitrages die Moeglichkeit, Gelassenheit zu
erlernen in Abrede stellst.
Liebe Gruesse, Tychi