Hallo,
@Wiz: Bin nicht sicher, ob ich alles verstanden habe, aber
das, worum es mir grundsätzlich geht, schon.
Wenn Du noch Fragen hast, gerne per PM. Das sind Dinge, die man nicht unbedingt in voller epischer Breite in einem Forum darstellen muss, auch wenn dies in Teilbereichen für die eigene psychische Hygiene ganz hilfreich sein kann. Eine gute Anlaufstelle hierfür ist auch http://www.krebskompass.de mit einem sehr guten Forum.
Ich weiß, dass es Sache meiner Mum ist und hoffe, dass sie /
wir an einen Arzt geraten, der uns bei ihrer Entscheidung
helfen wird.
Natürlich ist die letztendliche Entscheidung alleine Sache des Betroffenen, aber was ich ja schon schrieb: Sie sollte auf Grundlage umfassender Kenntnis des Sachverhaltes erfolgen, und dabei kann man als Angehöriger viel helfen. Sei es, dass man Informationen einholt, Dinge diskutiert, oder einfach nur aktiv zuhört, die richtigen Fragen stellt, …
Und man kann als Angehöriger insbesondere auch dazu beitragen die nötige Vorsorge zu treffen. Die finale Diagnose löst oft aus, dass die Betroffenen meinen, jetzt alles einfach nur noch geschehen lassen zu müssen. Gerade dies führt dann aber oft genau in die so gefürchtete Situation eines Ausgeliefertseins gegenüber Ärzten und Apparatemedizin. Daher ist es ganz wichtig schnellstmöglichst die Dinge zu regeln und zu klären, die zu regeln und zu klären sind, denn wenn es dann soweit ist, braucht man seine ganze Kraft und Zeit für den persönlichen Beistand.
Insbesondere sollte man auch ganz aktiv behandelnde Ärzte aussuchen, mit denen den Krankheitsverlauf und die möglichen kurativen und palliativen Maßnahmen besprechen. Wenn eine Pflege zuhause gewünscht ist, sollte rechtzeitig ein geeigneter Pflegedienst gefunden und dessen Finanzierung sichergestellt werden. Bei häuslicher Versorgung ist ein Hausarzt in der Nähe, der auch Hausbesuche macht, einfach Gold wert. Ist ggf. eine ambulante Hospizversorgung möglich, oder stellt ein stationäres Hospiz eine Alternative dar, auf wen kann man zurückgreifen wenn man selbst mal jemanden zum Reden braucht, welche Vertrauenspersonen des Betroffenen sollten einbezogen werden, …
Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Testament, Regelung der ganz banalen Dinge, Fragen stellen, solange man sie noch stellen kann, sind eigentlich klar und liegen auf der Hand, werden aber doch immer wieder vernachlässigt.
So schlimm und traurig so eine Situation auch ist, und so verständlich der erste Schock: Man kann soviel dafür tun, die Angelegenheit in die richtigen Bahnen zu leiten, und dabei ganz viel erreichen. Und insbesondere wenn es dann soweit ist, ist es ein ganz wunderbares und beruhigendes Gefühl in der Überzeugung leben zu dürfen, einem Angehörigen am Ende seines Lebens ganz viel gegeben und geholfen zu haben.
Wir bekamen nach dem Tod meines Vaters vor ziemlich genau einem Jahr einen sehr tröstlichen Brief des behandelnden Chefarztes, der darin zum Ausdruck brachte, wie sehr er es bewundere, dass unsere Familie sich so intensiv in allen Belangen eingebracht habe, und dass dies leider die absolute Ausnahme sei. Ich denke nicht, dass diese Ausnahme darin begründet liegt, dass Angehörige sich nicht einbringen wollen, sondern dass es eher daran liegt, dass viele Angehörige nicht wissen wo und wie sie sich einbringen können. Dass wir so eine große Ausnahme darstellten lag sicher auch daran, dass ich sehr in dem Thema „drin“ bin, unseren örtlichen Hospizverein berate und alle paar Wochen Vorträge über Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten, etc. halte und regelmäßig mit Betroffenen und Angehörigen in solchen Situationen zu tun habe. Ich habe daher die sonst oft anzutreffende falsche Scheu im Umgang mit diesen wichtigen Fragen verloren. Daher kann ich andere Familien auch nur dazu ermutigen, eine aktive Rolle in so einer Situation zu übernehmen.
Gruß vom Wiz