Kanzlerkandidatin

Hallo liebe Experten,

aus gegebenem Anlass hört man ja nun überall von der „Kanzlerkandidatin“ (also Frau Merkel). Allerdings: Ist das denn überhaupt richtig? Frau Merkel will doch wohl (so nehme ich an) Kanzler in werden und nicht Kanzler.
Müsste es dann nicht Kanzlerinkandidatin heissen, oder gibt es tatsächlich eine (Sonder-)Regelung, dass man bei solchen Komposita die weibliche Endung nur an das letzte Glied anhängt?

Grüße,

Anwar

hallo anwar,

frau merkel bewirbt sich für das amt des kanzlers. jenes ist geschlechtsneutral. kanzl er kandidat_in_ ist also richtig.

gruß
ann

Was heisst das genau „geschlechtsneutral“?
Wird es dann heissen „Unser Kanzler Frau Merkel ist …, er hat … gemacht.“?
Oder trotzdem noch „Unser Kanzler Frau Merkel ist …, sie hat … gemacht.“

Aber kann man auch „die Kanzler“ sagen? („Die deutsche Kanzler is voll krass, eh!“)

Gruss
Dirk, der sich nicht sicher ist, ob geschlechtsneutral das richtige Wort ist, und nicht dumm sterben will.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo, Dirk, Ann und Anwar

Was heisst das genau „geschlechtsneutral“?

In den Zeiten, da sich die Femministinnen noch nicht in die Grammatik eingemischt hatten, galt die Endung -er im Plural sowohl für Männer und Frauen. Das Wort war indifferent oder „geschlechtsneutral“. Letzteres verwende ich in diesem Zusammenhang nicht.

Vom „Kanzler“ im Singular kann man das meiner Meinung nach nicht sagen, denn da gibt es die Femininform „Kanzlerin“.
Sicher heißt das Amt „Kanzler“, aber wenn es eine Frau innehat, so ist sie selbstverständliche eine „Kanzlerin“.
Ebenso heißen die Ämter der Regierungsmitglieder „Minister“, aber wenn dies Ämter von Frauen inngehabt werden, sind sie selbstverständlich „Ministerinnen“.

Wird es dann heissen „Unser Kanzler Frau Merkel ist …, er
hat … gemacht.“?

Sicher nicht!

Oder trotzdem noch „Unser Kanzler Frau Merkel ist …, sie hat
… gemacht.“

Eher so!

Ich vermute aber - wie oben schon gesagt -, es wird heißen: „Unsere Kanzlerin Frau Merkel ist …, sie hat … gemacht.“
So wie es eben auch „Frau Ministerin Künast“ heißt.

Aber kann man auch „die Kanzler“ sagen? („Die deutsche Kanzler
is voll krass, eh!“)

Neee! Ganz und gar nicht!

Gruß Fritz

aus gegebenem Anlass hört man ja nun überall von der
„Kanzlerkandidatin“ (also Frau Merkel). Allerdings: Ist das
denn überhaupt richtig? Frau Merkel will doch wohl (so nehme
ich an) Kanzler in werden und nicht Kanzler.
Müsste es dann nicht Kanzlerinkandidatin heissen, oder gibt es
tatsächlich eine (Sonder-)Regelung, dass man bei solchen
Komposita die weibliche Endung nur an das letzte Glied
anhängt?

Karl Valentin hätte diese Frage sicher beantworten können:
[…]
K.V.: Semmelnknödeln heißt´s.
L.K.: Ich hab ja gsagt Semmelknödel.
K.V.: Nein, Semmelnknödeln.
L.K.: Nein, man sagt schon von jeher Semmelknödel.
K.V.: Ja, zu einem - aber zu mehreren Semmelknödel sagt man Semmelnknödeln.
L.K.: Aber wie tät man denn zu einem Dutzend Semmelnködel sagen?
K.V.: Auch Semmelnknödeln - Semmel ist die Einzahl, daß mußt Ihnen merken, und Semmeln ist die Mehrzahl, das sind also mehrere einzelne zusammen. Die Semmelnknödeln werden aus Semmeln gemacht, also aus mehreren Semmeln, du kannst nie aus einer Semmel Semmelnknödeln machen.
L.K.: Machen kann man´s schon.
K.V.: Jaja, machen schon, aber wenn du aus einer Semmel zehn Semmelnknödeln machen täts, dann würden die Semmelnknödeln so klein wie Mottenkugeln. Dann würde das Wort Semmelknödeln schon stimmen. Weil s´bloß aus einer Semmel sind. Aber solang die Semmelnknödeln aus mehreren Semmeln gemacht werden, sagt man unerbitterlich: Semmelnknödeln.
[…]

SCNR
Schorsch

Hallo Fritz,

In den Zeiten, da sich die Femministinnen noch nicht in die
Grammatik eingemischt hatten,

Das klingt ein wenig süffisant, so, als wäre der linguistische Blick auf die patriarchale Konstruktion der Sprache eine unangemessene Einmischung in die hehren Gefilde der Grammatik.

galt die Endung -er im Plural
sowohl für Männer und Frauen. Das Wort war indifferent
oder „geschlechtsneutral“.

Ich kenne keine feministische Linguistin, die dies hätte revidieren wollen.

Vom „Kanzler“ im Singular kann man das meiner Meinung nach
nicht sagen, denn da gibt es die Femininform „Kanzlerin“.
Sicher heißt das Amt „Kanzler“, aber wenn es eine Frau
innehat, so ist sie selbstverständliche eine „Kanzlerin“.
Ebenso heißen die Ämter der Regierungsmitglieder „Minister“,
aber wenn dies Ämter von Frauen inngehabt werden, sind sie
selbstverständlich „Ministerinnen“.

So selbstverständlich, wie du das hier darstellst, ist bzw. war das historisch keineswegs. Im Zusammenhang mit der Amtseinführung der ersten Frau als Familienministerin in ein Adenauer-Kabinett, einer Frau Schwarzkopf, gab es eine heftige kontroverse Diskussion unter Politikern, Journalisten und Sprachwissenschaftlern, ob sie nun als „Frau Minister“ oder als „Frau Ministerin“ anzusprechen sei. dies ist damals nur zugunsten von „Frau Ministerin“ entschieden worden, weil sie selber entschiedenen Wert auf die feminine Form gelegt hat, die jedoch für die Ohren der Öffentlichkeit seinerzeit ausgesprochen befremdlich klang.

Aber kann man auch „die Kanzler“ sagen? („Die deutsche Kanzler
is voll krass, eh!“)

Neee! Ganz und gar nicht!

siehe hierzu in meiner Antwort oben die Vorschläge von Luisa Pusch!

Gruß
oranier

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Hallo Dirk,

Was heisst das genau „geschlechtsneutral“?

seit dem Feminismus nennt man solche „geschlechtsneutralen“ Wörter generische Maskulina. Die Sprachkritikerinnen waren nämlich der Meinung, die Wörter seien eben nicht neutral, sondern es sei eine Unverschämtheit, dass man die männliche Form eines Nomens benutzt, um gemischte Gruppen oder Gruppen unbekannter Zusammensetzung zu beschreiben, und behauptet, die Frauen seien jeweils „mitgemeint“. Die radikalen Feministinnen wären also womöglich der Meinung, Merkel – um Gottes Willen nicht „Frau“ Merkel – bewerbe sich um das „Amt der Kanzlerin/des Kanzlers“ (andere Schreibweisen denkbar). Diese Kritik hat dazu geführt, dass wir heute in vielen Fällen die Beidnennung praktizieren.

Wird es dann heissen „Unser Kanzler Frau Merkel ist …, er hat … gemacht.“?

Rein theoretisch, quasi androzentrisch gedacht, wäre das grammatikalisch richtig. Das Wort „Kanzler“, egal ob dahinter eine Frau oder ein Mann steckt, ist männlichen Genus, wird also durch das Pronomen „er“ wiederaufgenommen. Man schreibt ja auch „das Mädchen“ und bezieht sich, zumindest in unmittelbarer Folge, mit „es“ darauf. Allerdings stoße ich mich viel mehr daran, Angela Merkel als „Kanzler“ in spe zu bezeichnen, wenn es doch das Wort „Kanzlerin“ gibt, das ich zu lesen hoffe.

Aber kann man auch „die Kanzler“ sagen? („Die deutsche Kanzler is voll krass, eh!“)

Das war mal ein Vorschlag der Linguistin Luise Pusch, wenngleich sie ihn selbst als verrückt bezeichnete. Sie wollte das Genus dem Sexus ohne Movierung (Kanzler → Kanzler_in_) anpassen, in dem sie Folgendes vorschlug: Es wird immer dasselbe Wort benutzt. Wenn das Geschlecht irrelevant oder unbekannt ist, kommt der Artikel „das“ davor, z. B. „Unsere Uni sucht ein Professor.“ Bei bekanntem Geschlecht kommt entweder der männliche oder der weibliche Artikel davor, bei unverändertem Wort, also „Er ist der Kanzler.“ und „Sie möchte die Kanzler werden.“ Gar nicht so schlecht, oder? :wink:

Gruß
Christopher

Kompromissvorschlag
Hallo Fritz

den allgemeinen Vermutungen möchte ich noch eine Variante anfügen,
die im Falle von Frau Merkel nach meiner bescheidenen Meinung passend
wäre: Kanzlei

Duckundweg
Heinz

Kanzleria-Kandidatin
Hallo,
Die Frage von anwar ist ein kluger Einwand, und so einfach wie Ann kann man es sich mit der Antwort nicht machen.
Selbstverständlich bewirbt sich Angela Merkel um das Amt der Kanzlerin. Das „Amt“, oder besser: die politische Funktion, existiert nicht als Abstraktum, losgelöst von der Person, die sie ausübt, und infolgedessen wäre „Kanzlerinkandidatin“ korrekt.

Das ganze Dilemma mit den femininen Bezeichnungen in unserer Sprache rührt von der patriarchalischen gesellschaftlichen Tradition. In der Sprache werden Bezeichnungen nur für etwas entwickelt, was es gibt, und wo es die entsprechenden weiblichen Vertreterinnen von bestimmten Funktionen nicht gab, wurden halt nur maskuline Bezeichnungen entwickelt.
Dabei ist eigentlich die an alles Mögliche angehängte Endung „-in“ schon eine sprachlich wenig organische Hilfskonstruktion. Das Wort „Minister“ ist so aus dem Lateinischen übernommen, und die adäquate feminine Form wäre eigentlich „Ministra“, und nicht „Ministerin“.

Beim Wort „Kanzler“ ist es noch komplizierter: Das Herkunftswort „cancellarius“, das ursprünglich den Kanzleivorsteher eines Fürsten kennzeichnet, ist wahrscheinlich gar nicht ursprünglich lateinisch, sondern wohl eine Analogiebildung, wie sie im Mittelalter beliebt war.
Sonst müsste die „Kanzlerin“ eigentlich richtiger „Kanzleria“ oder so ähnlich heißen.

Die Sprachwissenschaftlerin Luise Pusch hat seinerzeit eigentlich sinnfällige Vorschläge zur Auflösung von „Deutsch als Männersprache“ gemacht, die sich aber nicht durchsetzen konnten, da die Sprachbildung anderen Regeln folgt als der Logik von Linguistinnen.
Danach hätte es tatsächlich geheißen: „das Kanzler“ (geschlechtsneutrale Funktionsbezeichnung), „der Kanzler“ (männlicher Amtsinhaber), „die Kanzler“ (weibliche Amtsinhaberin), Mehrzahl: „die Kanzler“ (geschlechtsneutral für beide Geschlechter).

Ich komme jedesmal in Verlegenheit, wenn ich jemandem mitteilen möchte, dass Hannah Arendt meine Lieblingsphilosophin ist, denn eigentlich ist sie mein Lieblingsphilosoph, was sich zwar merkwürdig anhört, aber korrekter ist, denn ich bevorzuge sie unter den weiblichen und männlichen Philosophinnen bzw. Philosophen.

Grüße
oranier

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Hallo, Oranier,

In den Zeiten, da sich die Femministinnen noch nicht in die
Grammatik eingemischt hatten,

Das klingt ein wenig süffisant, so, als wäre der linguistische
Blick auf die patriarchale Konstruktion der Sprache eine
unangemessene Einmischung in die hehren Gefilde der Grammatik.

Das liegt aber ganz an deinen Ohren.

galt die Endung -er im Plural
sowohl für Männer und Frauen. Das Wort war indifferent
oder „geschlechtsneutral“.

Ich kenne keine feministische Linguistin, die dies hätte
revidieren wollen.

Schade! Und doch wird in manchen Publikationen die Form „ÄrztInnen“ u. ä. gedruckt, also eine andere Pluralform als die früher übliche.

So selbstverständlich, wie du das hier darstellst, ist bzw.
war das historisch keineswegs.

Ich halte es heute für selbstverständlich!

Im Zusammenhang mit der
Amtseinführung der ersten Frau als Familienministerin in ein
Adenauer-Kabinett, einer Frau Schwarzkopf, gab es eine heftige
kontroverse Diskussion unter Politikern, Journalisten und
Sprachwissenschaftlern, ob sie nun als „Frau Minister“ oder
als „Frau Ministerin“ anzusprechen sei.

Geh noch ein paar Jahrhunderte weiter zurück und es gab gar keine Ministerinnen und selbst Frauenrollen im Theater wurden von Männern gespielt.

siehe hierzu in meiner Antwort oben die Vorschläge von Luisa
Pusch!

Halt ein Jux!

Gruß
Fritz

Hoi zusammen!

„DER“ Kanzler ist wohl deshalb männlich, weil es bisher noch keine Weibchen auf dem Posten gab.

Man stelle sich vor, bisher wären nur Frauen „Kanzlerin“ gewesen…
wetten, dass wir jetzt nicht darüber streiten würden, ob der männliche Kanzlerin wohl doch eher „Kanzler“ heissen würde???

Hebammen waren immer weiblich, bis einige Männer diesen Beruf ergreifen wollten.
Seltsam, dass sie sich nicht dem „Geschlechtsneutralen“ Begriff „Hebamme“ unterwerfen wollten, sondern jetzt als „Geburtshelfer“ unterwegs sind.

Die weibliche Domäne der „Sekretärin“ ist demnach auch geschlechtsneutral… sobald ein Mann den Beruf ergreift, wird er die „geschlechtsneutrale“ Berufsbezeichnung ändern.

Oder sind nur männliche Berufe geschlechtsneutral???
Sollte das daran liegen, dass Frauen sehr lange Zeit nichtmal „Bürgerrechte“ hatten und damit auch keine Berufe ergreifen durften (von wenigen Ausnahmen abgesehen?? Grüsse an die Hebammen) ???

Frau Merkel ist Kanzlerinkandidatin… aber DAS würde ich auch nicht aussprechen wollen… weder… noch :smile:

Grüsse aus dem Bergischen
Ulli

Deine Vergleiche hinken (oder muss es heissen ‚hinkinnen‘?).

Hebammen waren immer weiblich, bis einige Männer diesen Beruf
ergreifen wollten.

Die Amme ist eine Mutter, die ein fremdes Kind stillt. Die Hebamme laut Wikipedia die „Großmutter, die das Neugeborene vom Boden aufhebt“. Hier geht es also nicht um geschlechtsneutrale Bezeichnungen, sondern um einen Begriff, der tatsächlich das Geschlecht der bezeichneten Person meint.

Die weibliche Domäne der „Sekretärin“ ist demnach auch
geschlechtsneutral… sobald ein Mann den Beruf ergreift,
wird er die „geschlechtsneutrale“ Berufsbezeichnung ändern.

Jaaa, heute gibt es auch Sekretärinnen. Den Sekretär aber, nicht nur als Möbelstück, gab es schon zu Zeiten, als Frauen im Büro noch völlig undenkbar waren. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Mann die Berufsbezeichnung Sekretär als ehrenrührig empfände. Er hängt sich allerdings gerne so einen kleinen schmückenden Vorsatz vor, um sich so z. B. zum Staats- oder Generalsekretär zu mausern.

Gruss
Schorsch

Ammin, Witwin, Hexin

Die Amme ist eine Mutter, die ein fremdes Kind stillt. Die
Hebamme laut Wikipedia die „Großmutter, die das Neugeborene
vom Boden aufhebt“. Hier geht es also nicht um
geschlechtsneutrale Bezeichnungen, sondern um einen Begriff,
der tatsächlich das Geschlecht der bezeichneten Person meint.

Nur am Rande: Amme ist eines der wenigen deutschen Wörter, wo die Femininform ursprünglich ist.
In diesem Fall gibt es sogar nur diese.

Witwe und Hexe sind auch ursprünglich feminin und von diesen wird die Maskulinform abgeleitet.
Deshalb sind die Formen in der Titelzeile unsinnig.

Gruß Fritz

Nur am Rande: Amme ist eines der wenigen deutschen
Wörter, wo die Femininform ursprünglich ist.

und es gibt doch eine reihe von tiernamen, die auch entweder die gesamte gattung ODER das weibchen im besonderen bezeichnen: „die enten“ bestehen möglichweise auch aus erpeln und „die katzen“ auch aus katern, obwohl „die ente“ und „die katze“ auch das weibchen bezeichnen.

also gibts auch im deutschen ein generisches feminin.

seh ich das richtig?

gruß
dataf0x

Hallo Fritz,
Wenn du es so lieber magst, ein wenig ausführlicher:

In den Zeiten, da sich die Femministinnen noch nicht in die
Grammatik eingemischt hatten…

Was soll denn das, bitteschön, heißen? Man kann die Grammatik richtig oder falsch anwenden, sie vielleicht auch zu modifizieren oder zu verändern suchen, sie wissenschaftlich erforschen oder beschreiben. „sich einmischen“ hat den Ruch des Illegitimen.
Mein Kommentar:

Das klingt ein wenig süffisant

war ganz vorsichtig und doppelt modal ausgedrückt („klingt“ statt „ist“; „ein wenig“).

Das liegt aber ganz an deinen Ohren.

„Das liegt „auch“ an meinen Ohren“ akzeptiere ich sofort, das ist nämlich bei jeder Kommunikation so. „Das liegt „ganz“ an deinen Ohren“ heißt: Wenn es zwischen uns mit der Verständigung nicht klappt, liegt es nicht an meinem tadellosen Ausdruck, sondern an deiner unzureichenden Rezeption.

galt die Endung -er im Plural
sowohl für Männer und Frauen. Das Wort war indifferent
oder „geschlechtsneutral“.

Ich kenne keine feministische Linguistin, die dies hätte
revidieren wollen.

Schade! Und doch wird in manchen Publikationen die Form
„ÄrztInnen“ u. ä. gedruckt, also eine andere Pluralform als
die früher übliche.

Diese unsägliche Schreibweise stellt m.E. tatsächlich eine illegitime Orthographie, jedoch nicht eigentlich Grammatik dar, sofern hier nur einfach die weibliche Form generalisiert wird, was völlig legitim ist und teilweise bei Bezeichnungen von Berufen, in denen Frauen zahlenmäßig dominieren, z.B. „Erzieherinnen“ entsprechend angewendet wird.
Als Versuch, „Ärzte“ und „Ärztinnen“ zusammenzufassen ist die Form monströs. Sie wurde aber nach meiner Kenntnis nicht von Linguistinnen ins Spiel gebracht, sondern von Taz-Redakteuren eingeführt und von einigen anderen Medien, wie gewerkschaftlichen Lehrerzeitungen, übernommen.

So selbstverständlich, wie du das hier darstellst, ist bzw.
war das historisch keineswegs.

Ich halte es heute für selbstverständlich!

Das mag sein und steht dir zu, tangiert aber nicht die Berechtigung meines Hinweises. Die von mir beschriebene Diskussion um die Bezeichnung für die erste Bundesministerin habe ich selber erlebt, samt dem entsprechenden folgenden Paradigmenwechsel, dass etwas, das vor kurzem (in meinem Zeithorizont) noch alles andere als selbstverständlich war, sich nunmehr so eingebürgert hat, dass es nun scheinbar selbstverständlich ist.
Mich deswegen hunderte Jahre zurück zu verweisen, ist doch wohl, freundlich interpretiert, einigermaßen deplaziert.

Geh noch ein paar Jahrhunderte weiter zurück und es gab gar
keine Ministerinnen und selbst Frauenrollen im Theater wurden
von Männern gespielt.

siehe hierzu in meiner Antwort oben die Vorschläge von Luisa
Pusch!

Halt ein Jux!

Das ist von ihr, einer habilitierten und anerkannten Linguistin, keineswegs als Jux verstanden worden, und ihre entsprechenden Untersuchungen sind konsistent und durchdacht. Man muss ihre Vorschläge nicht teilen, sie schlicht als „Jux“ zu bezeichnen ist doch reichlich ignorant.

Sei bitte so nett und trage einen Dissens, wo du es für richtig hältst, hier mit mir aus und schreibe mir keine privaten Schmäh-Briefe per Mail! („Du plabberst wirr drauf los!“) Auch wenn dir meine Kommentare nicht einsichtig oder genehm erscheinen: Ich plappere nicht wirr und plabbere schon gar nicht.
Schöne Grüße
oranier

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Hoi zusammen!

„DER“ Kanzler ist wohl deshalb männlich, weil es bisher noch
keine Weibchen auf dem Posten gab.

Hallo,
aus dem reichhaltigen österreichischen Erfahrungsschatz: Dr. Susanne Riess-Passer war eine Zeit lang Vizekanzlerin in Österreich (über ihre politische Qualitäten äußere ich mich hier nicht). Das Gesetz (z.B. Art. 69 B-VG) spricht vom „Vizekanzler“. Was die Praxis betrifft, gab es keine einheitliche Linie, Riess-Passer wurde abwechselnd als „Vizekanzlerin“ oder als „Frau Vizekanzler“ bezeichnet. Unterm Strich war’s aber schlicht und ergreifend egal. Dass die Person, die das Amt des Vizekanzlers bekleidet hat, weiblich war, hatte auf das Amt keine Auswirkung.
Ein anders Beispiel: der deutsche „Ministerpräsident“ entspricht dem österreichischen „Landeshauptmann“. In zwei österreichischen Bundesländern sind Frauen „Landeshauptmänner“ (Waltraud Klasnic in der Steiermark und Gabi Burgstaller in Salzburg). Und es ist doch vollkommen wurscht, interessiert ernsthaft keine/n Salzburger/in oder Steirer/in und hat auch keinerlei Auswirkungen auf Frau Klasnic und Frau Burgstaller (die übrigens verschiedenen Parteien angehören), ob sie nun als „Frau Landeshauptmann“, „Landeshauptfrau“ oder sonst irgendwie bezeichnet werden. Ich habe gehört, dass Klasnic als „Frau Landeshauptmann“ und Burgstaller als „Landeshauptfrau“ angesprochen werden möchte. Das wird man dann auch respektieren. Entscheidend sind aber nur die Funktionen, die diese Personen ausüben, genau wie die ihrer männlichen Amtskollegen in den anderen Bundesländern.
Ich glaube/fürchte, dass Frau Merkel Eure Bundeskanzler/in wird. „Der Kanzler“ als Amt ist männlich, was aber nichts mit der Weiblichkeit der Person „Merkel“ zu tun hat. Ich würde sie einfach mal fragen, wie sie angesprochen werden möchte, und das würde ich dann akzeptieren. Als Jurist sehe ich hier keinen Anlaß für legistische Maßnahmen.
Ich glaube übrigens nicht, dass die sprachliche Neutralisierung von Geschlechtern irgendetwas mit Emanzipation zu tun hat.
Liebe Grüße,
Peter

  • der unlängst als „Mitglied/in“ bezeichnet wurde :wink:
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der Löwe, die Katze, das Pferd
Hallo, Datafox!

also gibts auch im deutschen ein generisches feminin.
seh ich das richtig?

Sieht so aus.

Nun wäre es vielleicht interessant zu schauen, welche Tiere feminin sind, welche maskulin bzw. neutum.

Der Löwe, der Fuchs, der Bär, der Esel, der Hund, der Wolf, der Adler, der Rabe, der Falke, der Käfer, der Hecht …

Die Ente, die Gans, die Eule, die Möwe, die Maus, die Hyäne, die Giraffe, die Ziege, die Ameise, die Fliege, die Forelle, …

Das Pferd, das Rind, das Schaf, das Känguru, das Kamel, das Zebra, … Vögel und Fische fallen mir keine ein

Bei Grimm gibt es in seiner Grammatik eine Einteilung:
„Das masculinum scheint das frühere, größere, festere, sprödere, raschere, das thätige, bewegliche, zeugende; das femininum das spätere, kleinere, weichere, stillere, das leidende, empfangende; das neutrum das erzeugte, gewirkte, stoffartige, generelle, unentwickelte, kollektive, das stumpfere, leblose.“

Was immer das bedeutet!

Gruß Fritz

Hallo, Oranier!

Sei bitte so nett und trage einen Dissens, wo du es für
richtig hältst, hier mit mir aus

Das wird mir nicht möglich sein.

und schreibe mir keine privaten Schmäh-Briefe per Mail!

Deine Ausführungen zu den Femininformen wie Ministra und Kanzleria sind in meinen Ohren wirre Spekulationen. Und wenn ich das so nenne, schmähe ich nicht.
Dies gilt auch für deine Kennzeichnung des Suffixes -in.

Dabei ist eigentlich die an alles Mögliche angehängte Endung „-in“ schon eine sprachlich wenig organische Hilfskonstruktion.

Das ist eine gewaltige Verkennung der Sachlage.
Ich kenne noch Leute, die Frauen mit dem Suffix -in am Nachnamen ansprechen, vor allem verheiratete. So wie seinerzeit Schiller sein Drama: Luise Millerin nannte.

Auch hast du Puschs Reformforschläge nicht ganz korrekt wieder gegeben, denn der Plurals sollte ein -s angehängt bekommen.
der Lehrer mask.
die Lehrer fem.
die Lehrers Plural.

Und du erwähntest selber, dass Frau Pusch diesen Vorschlag zwar ernsthaft machte, aber an dessen Durchführung nicht ersthaft glaubte.

Die -Innen-Schreibung wurde meines Wissens im Umfeld der feministischen Linguistinnen (Pusch, Trommel-Plötz und wer weiß ich) hervorgebracht und dann von Zeitungen aufgegriffen. Aber das kann auch anders sein.

Auch dir schöne Grüße
Fritz

Hoi Peter!

  • der unlängst als „Mitglied/in“ bezeichnet wurde :wink:

Dazu passt, dass die Frauenbeauftragte von Heilbronn vor Jahren allen Ernstes den Vorschlag machte, neben der Milchmädchenrechnung auch die Milchbubenrechnung zu verwenden, wenn man von einem männlichen Rechner spricht.

Gruß Fritz

Yin und Yang
Guten Morgen,
das

Bei Grimm gibt es in seiner Grammatik eine Einteilung:
"Das masculinum scheint das frühere, größere, festere,
sprödere, raschere, das thätige, bewegliche, zeugende; das
femininum das spätere, kleinere, weichere, stillere, das
leidende, empfangende;

erinnert doch stark an die Philosophie des Yin und Yang.
Also der Idee, daß alles was ist immer ein mehr oder weniger von zwei Aspekten des Universums in sich hat.
Dem Yang: eher männlich, eher hell, eher hart, eher aktiv, eher in Bewegung, eher oben und nach oben und deshalb auch eher groß, eher laut und eher nach außen usw.
Dem Yin: eher weiblich, eher dunkel, eher kalt, eher weich, eher schleimig, eher unten und nach unten, deshalb eher klein, eher leise und eher nach innen usw.

Wobei in der chinesischen Medizin tatsächlich nicht gewertet wird was besser ist und außerdem davon ausgegangen wird, daß es beides nicht in Absolutheit, sondern nur in Realtion gibt(weswegen ich immer „eher“ geschrieben habe).

Schönes Wochenende
Gruß
Kerstin

das neutrum das erzeugte, gewirkte,

stoffartige, generelle, unentwickelte, kollektive, das
stumpfere, leblose."

Was immer das bedeutet!

Gruß Fritz

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