Hallo Fritz,
Wenn du es so lieber magst, ein wenig ausführlicher:
In den Zeiten, da sich die Femministinnen noch nicht in die
Grammatik eingemischt hatten…
Was soll denn das, bitteschön, heißen? Man kann die Grammatik richtig oder falsch anwenden, sie vielleicht auch zu modifizieren oder zu verändern suchen, sie wissenschaftlich erforschen oder beschreiben. „sich einmischen“ hat den Ruch des Illegitimen.
Mein Kommentar:
Das klingt ein wenig süffisant
war ganz vorsichtig und doppelt modal ausgedrückt („klingt“ statt „ist“; „ein wenig“).
Das liegt aber ganz an deinen Ohren.
„Das liegt „auch“ an meinen Ohren“ akzeptiere ich sofort, das ist nämlich bei jeder Kommunikation so. „Das liegt „ganz“ an deinen Ohren“ heißt: Wenn es zwischen uns mit der Verständigung nicht klappt, liegt es nicht an meinem tadellosen Ausdruck, sondern an deiner unzureichenden Rezeption.
galt die Endung -er im Plural
sowohl für Männer und Frauen. Das Wort war indifferent
oder „geschlechtsneutral“.
Ich kenne keine feministische Linguistin, die dies hätte
revidieren wollen.
Schade! Und doch wird in manchen Publikationen die Form
„ÄrztInnen“ u. ä. gedruckt, also eine andere Pluralform als
die früher übliche.
Diese unsägliche Schreibweise stellt m.E. tatsächlich eine illegitime Orthographie, jedoch nicht eigentlich Grammatik dar, sofern hier nur einfach die weibliche Form generalisiert wird, was völlig legitim ist und teilweise bei Bezeichnungen von Berufen, in denen Frauen zahlenmäßig dominieren, z.B. „Erzieherinnen“ entsprechend angewendet wird.
Als Versuch, „Ärzte“ und „Ärztinnen“ zusammenzufassen ist die Form monströs. Sie wurde aber nach meiner Kenntnis nicht von Linguistinnen ins Spiel gebracht, sondern von Taz-Redakteuren eingeführt und von einigen anderen Medien, wie gewerkschaftlichen Lehrerzeitungen, übernommen.
So selbstverständlich, wie du das hier darstellst, ist bzw.
war das historisch keineswegs.
Ich halte es heute für selbstverständlich!
Das mag sein und steht dir zu, tangiert aber nicht die Berechtigung meines Hinweises. Die von mir beschriebene Diskussion um die Bezeichnung für die erste Bundesministerin habe ich selber erlebt, samt dem entsprechenden folgenden Paradigmenwechsel, dass etwas, das vor kurzem (in meinem Zeithorizont) noch alles andere als selbstverständlich war, sich nunmehr so eingebürgert hat, dass es nun scheinbar selbstverständlich ist.
Mich deswegen hunderte Jahre zurück zu verweisen, ist doch wohl, freundlich interpretiert, einigermaßen deplaziert.
Geh noch ein paar Jahrhunderte weiter zurück und es gab gar
keine Ministerinnen und selbst Frauenrollen im Theater wurden
von Männern gespielt.
siehe hierzu in meiner Antwort oben die Vorschläge von Luisa
Pusch!
Halt ein Jux!
Das ist von ihr, einer habilitierten und anerkannten Linguistin, keineswegs als Jux verstanden worden, und ihre entsprechenden Untersuchungen sind konsistent und durchdacht. Man muss ihre Vorschläge nicht teilen, sie schlicht als „Jux“ zu bezeichnen ist doch reichlich ignorant.
Sei bitte so nett und trage einen Dissens, wo du es für richtig hältst, hier mit mir aus und schreibe mir keine privaten Schmäh-Briefe per Mail! („Du plabberst wirr drauf los!“) Auch wenn dir meine Kommentare nicht einsichtig oder genehm erscheinen: Ich plappere nicht wirr und plabbere schon gar nicht.
Schöne Grüße
oranier