Hallo Fritz,
genau das ist es, was ich mit meinem knappen Kommentar meinte: Du hast partout recht.
Deine nahezu beleidigend herabwürdigende Mail an mich:
„Weißt du, Oranier,
keiner dieser Einwände hier trifft das, was ich schrieb.
Du plabberst wirr drauf los!“
findest du nicht einmal entschuldigenswert, obwohl ich dir und anderen erneut zeige, dass meine Einwände eine durchaus sachliche Grundlage hatten. Stattdessen suchst du in einem anderen Beitrag von mir nach vermeintlichen Fehlern, die du „wirre Spekulationen“ nennst, um deine Invektive gegen mich rechtfertigen zu können, obwohl diese ursprünglich gar nicht auf diesen Beitrag bezogen war.
Das ganze finde ich ausgesprochen bedauerlich, und zwar aus folgendem Grunde: Wir liegen in den besprochenen Fragen inhaltlich gar nicht so weit auseinander, denn meine Kommentare waren überhaupt nicht kontradiktorisch gemeint, sondern ergänzend. Will sagen: Wenn du schreibst, Ministerin sei „selbstverständlich“ die richtige Form, dann wird das ja von mir, bezogen auf „richtige Form“, natürlich vernünftigerweise nicht in Zweifel gezogen, sondern das „Selbstverständliche“ wird durch meinen Kommentar sozusagen historisch relativiert. Das mag man nun für einen interessanten Hinweis halten und mich vielleicht sogar dafür loben oder nicht und es unkommentiert lassen, aber da nochmals eins draufzusetzen mit „Für mich ist das selbstverständlich“, ist völlig überflüssig und, entschuldige bitte, eine rechthaberische Attitüde, die eines solchen Experten, wie du es ja völlig außer Frage bist, eigentlich unwürdig ist.
Die Bezeichnungen „Ministra“ bzw. „Kanzleria“ sind von mir selber als spekulative Rekonstruktionen der lateinischen femininen Formen gekennzeichnet. Das muss man nicht noch eigens mit dem Attribut „wirr“ versehen, auch wenn man den Sinn nicht einsieht.
Die Ausgangsfrage: „Kanzlerkandidatin“ oder „Kanzlerinkandidatin“? kann man ja entweder versuchen bündig zu beantworten mit der „richtigen“ Form, oder man kann sich die Frage stellen: Woher kommt die Unsicherheit? Ob meine, zugegeben knappen, Hinweise zur patriarchalen Form der Sprache als Reflex der patriarchalen Form der Gesellschaft einleuchtend sind oder nicht, mögen andere entscheiden. Und jedem steht es frei zu denken: „Der ist wirr im Kopf“. Ob man das dann schreibend andeutet, ist eine Geschmacks- oder Charakterfrage.
Wer meint, aus meiner Darlegung die abstruse Auffassung herauslesen zu müssen, das Suffix „-in“ sei falsch oder in den letzten Jahren erst entstanden, soll das tun. Wer sich damit auseinandersetzen möchte, ob bzw. inwiefern diese Sprachbildung unter anderem „Das Deutsch als Männersprache“ situiert, kann das ja anhand dieses, m.E. jenseits von Realitätsnähe oder Realitätsferne der „Lösungen“ immer noch gewinnbringend zu lesenden, Titels von Luise Pusch, zustimmend oder ablehnend, tun.
Grüße
oranier
