Karriere + Familie = Möglich? Was denkt ihr!

Hi Leute

ich mache jetzt mein Abitur und stehe vor einer Kreuzung: Lehramt studieren oder Mathematik (mit Schwerpunkt VWL).

Da ich früher wenig familiäres erlebt habe (kein Vater, Mutter ständig weg), ist es mir eigendlich wichtig, eine Familie im späteren Leben zu haben. Nur heutzutage muss man als ´´moderner Performer´´ nur arbeiten und hat sehr wenig Zeit für die Familie (aus meiner Sicht).

Doch, wie seht ihr das? Ist es möglich einen super Job bei der Bank (z.b. Aktuar etc.) zu haben aber trotzdem für die Familie da zu sein oder müsst ihr mich vom Gegenteil überzeugen?

Währe sehr froh, wenn ihr mir bei meinen Problemen helfen würdet mit vielen Antworten :smile:

Hi,
tja… wenn du dich für einen „Superjob“ entscheidest, musst du dich „richtig reinknien“.
Familie kannst du abhaken bis du eine hohe Position ereicht hast, die dir eine freie Zeiteinteilung ermöglicht.

Bank ist heutzutage übrigens nicht mehr so „die sichere Arbeitsstelle“ wie noch vor eingien Jahren. Nur die „Oberen“ bleiben von den Kündigungswellen verschont.

Als Lehrer hast du eigentlich optimale Möglichkeiten für eine Familie.
Nach der „Pflichtzeit“ kannst du dir den Rest des tages oft frei einteilen… was nicht bedeutet, dass du dann frei hättest *g*

Dafür hast du natürlich als Konsequenz zu berücksichtigen, dass du es nie zu „Reichtum“ bringen wirst.

Du hast also nur die Wahl:
„dicke Kohle“ und VIELLEICHT später mal Zeit für Familie… oder „genügsam leben“ und alle Freuden von Familie & co. genießen.

Gruß
BigJohn

Danke für deine Antwort,

eine super Einstellung hast du.

Hi

ich verstehe Deine Frage nicht. Du vergleichst doch Äpfel mit Birnen. Entscheide Dich erstmal für was Du Dich geeignet fühlst. Das sind zwar beides Berufsbilder die mit Mathe zu tun haben, aber doch komplett unterschiedlich. Spass sollte der Job ein bisschen machen.

Ausserdem kannst Du noch als Mathematiker bei Behörden unterkommen.

Karriere und Familie ist kaum möglich ohne Beziehungen.

Ich rate Dir schon im Studium Netzwerke aufzubauen und zu pflegen, andere Studierende (Tutoren), Profs, Praktika…etc.

LG
Thomas

Hallo,

ich kann die Ausführungen im Thread leider nicht teilen. Meiner Meinung nach ist es sehr wohl möglich Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen.

Dass das nicht klappt hat meiner Meinung vor allem mit einem falschen Verständnis von Karriere und schlechten Zeitmanagement zu tun. Wer Karriere mit viel arbeiten gleichsetzt, für den führen Karriere und Familie selbstverständlich zu einem Widerspruch. Selbst wenn wir nicht darüber streiten müssen, dass eine 38 Stunden Woche kein Maß für gehobene Berufe ist, bin ich nicht der Meinung, dass man 100 Stunden pro Woche arbeiten muss um erfolgreich zu sein.

Meiner Meinung nach hat Karriere und Leistung durchaus auch etwas mit Qualifikation zu tun. Sprich, ich hoffe die Positionen, die ich bekleide und bekleiden werden nicht nur deshalb zu bekommen, weil ich dafür alles andere inkl. meiner eigenen Gesundheit vernachlässige, sondern weil ich am besten dafür qualifiziert bin. Ich persönlich möchte mir die Freiheit nehmen soetwas auch bei einem Bewerbungsgespräch zu erwähnen.

Der Rest der Geschichte ist eine Frage des Zeitmanagements. Wer wenig Zeit hat, sollte sich ein wenig von dieser Zeit nehmen um den Rest ordentlich zu organisieren. Dabei lassen sich auch relativ einfach Zeiten für Familie und Freunde einplanen.

Grundsätzlich denke ich sollte man den Gedanken, dass man arbeitet um zu leben und nicht lebt um zu arbeiten nicht aus den Augen verlieren.

Viele Grüße
Bernhard

Kleiner Einwurf
Hi!

Familie kannst du abhaken bis du eine hohe Position ereicht
hast, die dir eine freie Zeiteinteilung ermöglicht.

Stimmt, dann kann man sich die (ab) 60 Std. in der Woche frei einteilen, was allerdings nicht wirklich Zeit für die Familie mit sich bringt :smile:

Gruß
Guido

Willkommen in der Realität
Hi!

ich kann die Ausführungen im Thread leider nicht teilen.

Wenn DU mal ein paar Jahre einer aufstrebenden Karriere nachgehst, wirst Du es.

Meiner Meinung nach ist es sehr wohl möglich Familie und
Karriere unter einen Hut zu bringen.

Klar geht das.
Allerdings ist es nicht wirklich vergleichbar, ob ich als Lehrer schon allein deshalb viel Zeit zu Hause verbringen kann, weil ich in den Ferien dort bin und nach 14 Uhr nicht mehr an den Arbeitsplatz ortsgebunden bin - oder aber in der „freien Wirtschaft“ einer gehobenen Position nachgehe und allein schon als Ansprechpartner vor Ort sein MUSS.

Dass das nicht klappt hat meiner Meinung vor allem mit einem
falschen Verständnis von Karriere und schlechten
Zeitmanagement zu tun. Wer Karriere mit viel arbeiten
gleichsetzt, für den führen Karriere und Familie
selbstverständlich zu einem Widerspruch.

Es geht gar nicht mal darum, dass man superviel aktiv arbeitet.
In gewissen Positionen muss man weniger seinen Schreibtisch mit Arbeit zuhäufen als vielmehr selbige verteilen.
Allerdings muss man als Ansprechpartner VERFÜGBAR sein - und die wenigsten Unternhemen setzen diesen Begriff gleich mit „telefonisch verfügbar“.
Dazu kommen Termine an anderen Standorten, die man nunmal nur per Dienstreise erledigen kann.

Selbst wenn wir nicht
darüber streiten müssen, dass eine 38 Stunden Woche kein Maß
für gehobene Berufe ist, bin ich nicht der Meinung, dass man
100 Stunden pro Woche arbeiten muss um erfolgreich zu sein.

Ich glaube nicht, dass hier irgendwer an 100 Std. dachte.
Allerdings sind 50 - 70 Std. absolut realistisch (wenngleich 70 Std. die Ausnahme sein sollten).

Meiner Meinung nach hat Karriere und Leistung durchaus auch
etwas mit Qualifikation zu tun.

Qualifikation ist bei weitem nicht nur der Zettel, welcher eine Ausbildung nachweist.
Zur Qualifikation gehören auch die so genannten soft skills, zu denen auch Dinge wie Einsatzbereitschaft und Fleiß gehören.

Ich persönlich möchte mir die Freiheit
nehmen soetwas auch bei einem Bewerbungsgespräch zu erwähnen.

Dann wirst Du von denen ein paar mehr machen, als Du Dir vermutlich gerade vorstellst…

Der Rest der Geschichte ist eine Frage des Zeitmanagements.

Ich finde es geradezu niedlich, dass ein Student etwas von Zeitmanagement schreibt.
Es kommt dummerweise nicht darauf an, wie man seine eigene Zeit verwaltet - als Führungskraft muss man nun mal damit leben, dass andere Führungskräfte (womöglich noch einige Etagen „über“ einem selbst) ihre Zeit völlig anders planen und ein Meeting halt erst um 19 Uhr anberaumen statt um 14 Uhr…

Grundsätzlich denke ich sollte man den Gedanken, dass man
arbeitet um zu leben und nicht lebt um zu arbeiten nicht aus
den Augen verlieren.

Vielleicht sollte man aber auch den Begriff des Berufs aus dem Wort „Berufung“ ableiten.
Ich persönlich arbeite nicht um zu leben - das könnte ich auch rein theoretisch ohne Job.
Ich arbeite, weil es mir irgendwo Spaß macht.

Ich gehe so weit, dass ich behaupte:
Wer nur arbeitet, weil er es nun mal muss, wird keine „Karriere machen“.

LG
Guido

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Hi!

Wenn Du die Familie weit in den Vordergrund stellst, werde Lehrer!

Ich will gar nicht behaupten, dass Lehrer einen Job haben, der keine Zeit beansprucht.
Allerdings sind sie (wenn sie es wollen) mehr zu Hause und haben eine ziemlich freie Möglichkeit der Zeiteinteilung…

Von der nicht vorhandenen Problematik mit Urlaub in der Ferienzeit will ich gar nicht reden.

LG
Guido

Natürlich!

Nur heutzutage muss man als ´´moderner Performer´´ nur arbeiten und hat sehr wenig Zeit für die Familie (aus meiner Sicht).

Das ist genauso wahr wie Unsinn.
Es geht weniger um „wieviel Zeit“ (sonst müßten ja unsere X-Millionen Sozialhilfe-Empfänger die besten Eltern der Welt sein) sondern um „was für Zeit“.
Wenn Papa und Mama jeden Tag zu Hause streiten und Junior den Fernseher als wichtigstes Erziehungsinstrument erlebt, dann bringt auch ein Teilzeitjob in Sachen Familie nichts.

Selbst als „moderner Performer“ (igitt, wie’s sich mir da kräuselt) sind einige Sachen wichtig:

  • man muß sich selbst treu bleiben. Wenn man nicht arbeiten will und gefrustet nach Hause kommt, bringt das ganze Geld und die Karriere nichts.

  • wenn man die 1-2hr jeden Abend gut einsetzt und sich nicht mit der Pizza in der Hand vor’n Fernseher flegelt, dann kriegen die Kleinen schon was von Familie mit

  • selbst wenn man 60-70hr die Woche arbeitet: zumindest einen halben Freien Tag kriegt man hin, und aus dem muß man dann auch was machen

  • Man kann nicht übermäßig „performen“ ohne einen langfristigen, starken Motivationsfaktor zu haben - und da gibt es nichts Besseres als die Familie, das sagen sogar die Topmanager der Konzerne!

Wer es zu was bringen will, der sollte sich mit folgenden Dingen klar auseinandersetzen:

  • Zeit-Management: wer vernünftig plant, bekommt auch die Zeit.

  • Qualitäts-Management: das gezielte Umsetzen der eigenen Anforderungen („ich will 2hr/Tag nur für mein Kind da sein“) hilft, sein eigenes Glück zu finden

  • Priorisierung: Wer von vorne herein klarstellen kann, wo welche Prioritäten warum wie gesetzt sind, wird mehr erreichen - ein Vorgesetzter hat mehr Respekt vor einem Mitarbeiter der klar sagen kann, was seine Prioritäten sind als vor einem, der nur arbeitet und nicht weiß wie er mit seiner Familie umgehen soll

Aus meiner persönlichen Sicht:
Ohne meine Familie hätte ich nicht die Kraft, mein derzeitiges Leistungsniveau aufrecht zu erhalten.
Also: Familie + Karriere geht - es muß sogar!

Gruß,
Michael

Hi,

sofern Du noch keine Familie / Freundin hast, würde ich
die ganze Kraft und Zeit in das Studienfach reinstecken,
was vom Stoff und Lehrplan dich mehr interessiert.
Was dann familiär oder beziehungstechnisch auf Dich zukommt,
wird sich dann auch regeln lassen (wenn man will).

Lehrer ist genauso aufreibend wie jeder andere Job. Der Stress ist vielleicht ein anderer. Nicht jeder kann 25-30 Kids für den Stoff interessieren, der meist nicht zu den Lieblingsfächern gehört.

Als Mathematiker (evtl. in der Versicherungsbranche) hast
Du vielleicht anderen Stress: Entscheidungsvorlagen od.
Präsentation für den Bereichsleiter vorbereiten, Termindruck,
Analysen müssen stimmen etc…

Stichwort: Freie Zeiteinteilung: Grundsätzlich stimmt das,
aber mein Freund ist Chemiker und Lehrer und wenn der im
Arbeitszimmer sitzt, dürfen ihn seine Sprösslinge (außer im Notfall) auch nicht stören.
Er hat zwar viel Ferien etc. und kann Klassenarbeiten
in den Urlaub mitnehmen und diese auf der Terrasse korrigieren.
Wenn ich Urlaub hab, dann lasse ich Firma hinter mir!

Nochwas: Selbst in den Sommerferien finden Lehrerkonferenzen statt,
wird der Stundenplan besprochen etc., dann werden noch „Tage der offenen Tür“ für die Schule organisiert und durchgeführt und
„AGs“ ausserhalb des normalen Lehrplans werden gerne gesehen…

Gegenbeispiel:
Mein anderer Freund hat drei Kinder und fährt jedes Jahr
beruflich als Projektleiter ca 60.000-80-000 km und ist oft
nur an den (verlängerten) Wochenenden zuhause. Auch er liebt seine Familie und wenn es sein muss, verschiebt er die Termine eben!

Und ich?
Ich habe keine Kinder und habe einen fast klassischen 9-to-5 Job in
der IT-Branche, bin jeden abend um 18:00 Uhr zuhause bei meiner Freundin und verdiene auch nicht (viel) weniger :wink:.

gruss,
vordprefect

Hi Leute

Doch, wie seht ihr das? Ist es möglich einen super Job bei der
Bank (z.b. Aktuar etc.) zu haben aber trotzdem für die Familie
da zu sein oder müsst ihr mich vom Gegenteil überzeugen?

Währe sehr froh, wenn ihr mir bei meinen Problemen helfen
würdet mit vielen Antworten :smile:

Freiheit?

Selbst wenn wir nicht darüber streiten müssen, dass eine 38 Stunden Woche kein Maß für gehobene Berufe ist, bin ich nicht der Meinung, dass man 100 Stunden pro Woche arbeiten muss um erfolgreich zu sein.

Ich glaube nicht, dass hier irgendwer an 100 Std. dachte. Allerdings sind 50 - 70 Std. absolut realistisch (wenngleich 70 Std. die Ausnahme sein sollten).

Je nachdem wie sie verteilt sind und wo man dazu hin muß, kann sogar eine 50hr Woche dafür sorgen, daß man fast nicht mehr zu Hause ist:
Kernarbeitszeit von 8 - 15:30hr, 4hr pendeln täglich dank Berufsverkehr und KAZ, schon ist man selbst bei 40hr/Woche zwölf Stunden außer Hauses.
Kommt jetzt tatsächlich der Chef vom Chef noch auf die Idee, Meetings um 19 Uhr anzuberaumen, wird’s mit Glück halb Zehn, bis man daheim ist.

Einmal die Woche ist das kein Ding, aber wenn das drei- viermal passiert, sieht man die Kinder quasi nur noch am Wochenende.

Man ist für jedes Stückchen Arbeit froh, was man statt im Büro, sondern zu Hause machen kann - was allerdings dann dazu führt, daß der Samstag meist auch noch platt ist. Denn: Freitagabend kommt der Wochenbericht rein, Montagmorgen muß die Agenda für die Woche stehen.

Ich persönlich möchte mir die Freiheit nehmen soetwas auch bei einem Bewerbungsgespräch zu erwähnen.

Dann wirst Du von denen ein paar mehr machen, als Du Dir vermutlich gerade vorstellst…

Das Gute ist: da kann er dann ja schon das Zeitmanagement bei Reisen in andere Städte und extern festgesetzten Terminen üben :wink:

Ich persönlich arbeite nicht um zu leben - das könnte ich auch rein theoretisch ohne Job.

Dank Sozialstaat arbeiten viele Leute für gleich viel oder weniger Geld als sie in der Arbeitslosigkeit hätten - und ganz allein, weil es ihnen Befriedigung und Selbstwert verleiht. Und wer diese Dinge bei der Berufswahl ausklammert - bleibt immer eine Nullnummer.

Ich gehe so weit, dass ich behaupte:
Wer nur arbeitet, weil er es nun mal muss, wird keine „Karriere machen“.

Mit Sicherheit.
Denn dann verfällt er automatisch in eine „ichbinimmerdasarmeopfer“ Rolle, und so jemanden als Chef braucht keine Sau.

Gruß,
Michael

Was ist Karriere für dich?

  • die Anzahl der Köpfe unter dir

  • die Größe des „Schmerzensgeldes“ pro Monat (in höheren Etagen heisst es nicht mehr „Gehalt“)

  • spezieller „Luxus“ der Tätigkeit (Auslandsdienstreisen, Verantwortung für große Events, …)

  • die intellektuelle Befriedigung durch die Tätigkeit

  • das soziale Umfeld der Tätigkeit

  • passende Work-/Life-Balance

  • die Möglichkeit zu publizieren

„Leben ist was dir passiert, während du dabei bist andere Pläne zu schmieden.“

Gruß

Stefan

Hi,

ich bremse mich hier grad extrem. Dann werd doch lehrer. *zensiert*

die franzi

Nix Klischee
Hi!

Habe ich mich beschwert?
Habe ich gejammert?
Habe ich gesagt, dass Lehrer nicht arbeiten?

Ich habe lediglich angemerkt, dass Lehrer im Vergleich zu den meisten anderen Berufsgruppen außergewöhnlich viel (Arbeits)Zeit zu Hause verbringen können!

LG
Guido

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Hallo,
also gerade als angehender Jurist befindest Du Dich in einem Bereich, in dem „Karriere“ immer mit viel oder ganz viel Arbeit zusammen hängt.

Hängt natürlich von der Definition „Karriere“ ab. Für Juristen sind das klassischer Weise nunmal große Kanzleien, Universität, Justiz, Banken oder Inhouse. Letzteres ist hier schon weniger als Karriere zu bezeichnen, schließt es aber nicht aus.

In diesen Berufen wird tatsächlich nur eingestellt, wer die entsprechende Qualifikation hat, aber dann geht es mit der Karriere ja erst los. Und die macht hier keiner, der 40 bis 50 Std. die Woche arbeitet. Selbst in der Justiz ist das nicht anders, wobei die mit wenigen Ausnahmen eigentlich der am wenigsten karriereorientierte Beruf ist.

Wie gesagt, hängt natürlich davon ab, was Du unter „Karriere“ verstehst, aber die Ansicht, man könne diese als angehender Jurist auch weniger durch Vielarbeit, denn durch Qualifikation machen, ist hier eher fehl am Platz. Würde mich daher in jedem Fall ausführlich über den angestrebten Beruf informieren.

Gruß
Dea

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Guido,

vielen Dank für deine, ich verwende jetzt mal deinen Begriff, niedlichen Anmerkungen.

Ich hätte vielleicht dazu schreiben sollen, dass ich bereits seit dem zweiten Semester nebenbei Arbeite, seit dem 6 Semester 20h die Woche in einer mittelständischen Anwaltskanzlei und seit letztem Jahr als selbständiger Dienstleister für mehrere Kanzleien (um alle Mutmaßungen zu zerstreuen, ich koche nicht nur Kaffee, sondern unterstütze die Anwälte der Kanzleien von Anfang bis Ende eines Mandats, inklusive Mandantengesprächen, Schrifsatzvorbereitung). Weil mir bei 20h Juristerei neben dem Studium langweilig ist, habe ich im April letzten Jahres mit 3 Kommilitonen einen Hörbuchverlag gegründet, der gerade eben bei der ersten Phase eines Businessplanwettbewerbs den ersten Platz und in der zweiten Phase den zweiten Platz belegt hat. Dabei habe ich im August letzten Jahres ein ganz passables ersts Staatsexamen abgelegt.

Dabei bin ich im Unternehmen für Marketing und Vertrieb zuständig, weiß also auch wie es ist, wenn einem Einkäufer X des örtlichen Buchladens von Hinteroberposemuckel oder auch Key-Accounts von Großhändlern in die Terminplanung pfuschen, von dem Chaos einer Messevorbereitung ganz zu schweigen.

Komischerweise schaffe ich es tagtäglich ausreichend Zeit für meine Beziehung und hin und wieder auch Zeit für meine restliche Familie abzuzweigen, ohne dass sich jemand benachteiligt fühlt.

Auch die Mutmaßung, dass ich mit meiner Einstellung ein paar mehr Bewerbungsgespräche führen dürfte kann ich nicht bestätigen. Denn ich hatte mit dieser Einstellung schon mehrfach, sowohl an der Uni, als auch bei einer Anwaltskanzlei Erfolg. Das hat wohl damit zu tun, dass ich mich nicht scheue auch am Wochenende 24h Stunden durchzuarbeiten, wenn es ein konkretes Projekt verlangt. Im Gegenzug verlange ich dann von meinem Arbeitgeber/Auftraggeber auch, dass er zu anderen Zeiten meine Privatssphäre respektiert. Bis jetzt hatte ich damit wie gesagt keine Probleme.

Als Ansprechpartner vor Ort zu sein mag zwar in einigen wenigen Branchen absolutes muss sein, allerdings sind wir weit davon entfernt, dass das überall der Fall ist, insbesondere nicht 24 Stunden. Der Hörbuchverlag den ich zusammen mit 3 Kommilitonen betreibe gehört nicht zu denen, welchen die Großhändler die Tür einrennen. Dennoch ist es möglich Geschäfte über Telefon und Email abzuwickeln und nicht bei allen Geschäftspartnern persönlich zu erscheinen oder allen Mitarbeitern stets persönlich zur Verfügung zu stehen. Dazu gibt es festgelegte Teammeetings, kurzfristige Anfragen, die keinen Aufschub haben müssen und können in der Regel auch per Telefon oder Email geklärt werden. Gleiches gilt für die Anwaltskanzleien, für welche ich arbeite.

Mag sein, dass ich nicht in einer Spitzenposition bei Price Waterhouse and Coopers bzw. White and Case sitze. Aber ich denke für meinen Ausbildungs- und Karriereabschnitt bin ich ziemlich erfolgreich und habe auch ein ganz gutes Stundenkonto.

Insofern würde ich es bevorzugen nicht über Realität, Bewerbungsgespräche, oder die „Niedlichkeit“ studentischer Meinungsäußerungen belehrt zu werden.

Nix für Ungut, aber nur weil man aufgrund der Unzulänglichkeiten des deutschen Bildungssystems NOCH Student ist, bedeutet das nicht, dass man von der „Realität“ weniger Ahnung hat als der Rest der Welt.

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Hallo Dea,

danke für deine Anregungen. Ich arbeite bereits seit dem 6. Semester in Anwaltskanzleien und seit einiger Zeit als selbständiger Dienstleister für mehrere Kanzleien. Insofern ist mir die Arbeit und das Arbeitspensum in einer mittelständischen Kanzlei durchaus geläufig.

Dass es mit einer 40 Stundenwoche nicht getan ist, ist mir völlig klar. Darum ging es auch nicht. Aber solange wir nicht über 70 und 100 Stunden die Woche sprechen, sehe ich auch kein Problem Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen. Von 70 oder 100 Stunden möchte ich mich aber distanzieren, es sei denn, man möchte mit 45 die Möglichkeit haben sich zur Ruhe zu setzen.

Was das Thema Qualifikation angeht, so mag dieses Engagement selbstverständlich nicht vollständig ersetzen, dennoch glaube ich, dass ein Mitarbeiter, der aufgrund höherer Qualifikationen mehr Umsatz erwirtschaftet als gleichbezahlte Kollegen entweder Anspruch auf mehr Lohn oder mehr Freizeit hat. Anderenfalls wird man sich auch als große Anwaltskanzlei schwer tun diesen Mitarbeiter zu halten. Für was man sich dann letztendlich entscheidet muss jeder für sich wissen.

Viele Grüße
Bernhard

Hallo Michael,

auch dir danke ich für die zahlreichen Unterstellungen und verweise auf meinen obigen Beitrag unter Guidos Post.

Viele Grüße
Bernhard

Deinen Lebenslauf wollte ich gar nicht
Hi!

Deinen Lebenslauf hätest Du Dir sparen können - Dir fehlt schlicht die Erfahrung!
Sei nicht böse, aber es ist nicht möglich , dass Du in Deinem Alter (selbst, wenn Du schon 5 Jahre richtig arbeiten würdest) mehr als nur kleine Einblicke bekommen hättest.

Wenn Du von „einigen wenigen Branchen“ redest, bei denen die Verfügbarkeit (übrigens sprach ich nie von 24 Std.) erforderlich sei, dann belegst Du das nur. Es ist schlicht üblich.
Lass es Dir einfach mal gesagt sein von Leuten, die in verschiedene Branchen nicht nur geschnuppert haben…

Die von Dir angesprochenen Projekte, für die Du bereit bist, mal 24 Std. am Stck. durchzuarbeiten, werden von Führungspersonal bestenfalls überwacht. Dafür gibt es Projekt Manager, etc.

Wenn Du Geschäftsführer eines kleinen Hörbuchverlags bist, dann bist Du zum Einen Chef ganz oben, zum anderen kann man das kaum als das bezeichnen, was ich mir unter Karriere (die ich übrigens gar nicht viel weiter nach oben machen will) vorstelle…

LG
Guido

Huhu

Dass es mit einer 40 Stundenwoche nicht getan ist, ist mir
völlig klar. Darum ging es auch nicht. Aber solange wir nicht
über 70 und 100 Stunden die Woche sprechen, sehe ich auch kein
Problem Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen. Von
70 oder 100 Stunden möchte ich mich aber distanzieren, es sei
denn, man möchte mit 45 die Möglichkeit haben sich zur Ruhe zu
setzen.

Kann ich gut verstehen, (u.a.) daher habe ich mich auch von diesen Arbeitszeiten verabschiedet. Wie gesagt bleibt dann einfach die Frage, was man unter Karriere versteht. Normal als Jurist, zB. als Anwalt, zu arbeiten und Zeit für die Familie zu haben, ist gut möglich, wird aber in einer Großkanzlei keinesfalls funktionieren und auch kein Gehalt über 60 bis 70 T bringen. Das wäre ja zB. das, was manche als „Karriere“ bezeichnen.

Was das Thema Qualifikation angeht, so mag dieses Engagement
selbstverständlich nicht vollständig ersetzen, dennoch glaube
ich, dass ein Mitarbeiter, der aufgrund höherer
Qualifikationen mehr Umsatz erwirtschaftet als gleichbezahlte
Kollegen entweder Anspruch auf mehr Lohn oder mehr Freizeit
hat. Anderenfalls wird man sich auch als große Anwaltskanzlei
schwer tun diesen Mitarbeiter zu halten.

Also die Realiät der Großkanzleien ist da eine andere. Partner und Associates arbeiten da alle viel. Die Erwirtschaftung des Umsatzes spielt dabei einerseits erstmal keine Rolle. Wenn einer, insb. als Partner, unter 60 bis 70 Std. arbeitet, gibt das automatisch Probleme.

Naja, und der Umsatz hat meist mit der Qualifikation rein garnichts zu tun. Denn der hängt einfach davon ab, welche Deals reinkommen, welche Mandanten man hat und wie die Wirtschaftslage ist. Außerdem ist viel Arbeit völlig unjuristisch oder fällt völlig feierabend- und wochenendunabhänig an. Wenn der Hauptmandant den Due Diligence Bericht Montag früh auf dem Schreibtisch haben will, ist das Wochenende eben futsch. Und wenn die Informationen von dem Mandanten, der Gegenseite oder Dritten nicht so kommen, wie gewollt (was immer der Fall ist), kann man selbst noch so schnell sein und wird dennoch nicht um 19 Uhr fertig.
Die Qualifikation ist eben auch hier nur die Eintrittskarte, danach arbeitet man so viel wie jeder andere.

Im Übrigen: Gerade für Großkanzleien braucht man ohnehin 2 mal VB plus Dr. oder LLM. Will sagen, hier sind sowiso alle gleich (gut) qualifiziert. Ob dann nun 9 oder 11 oder 13 Punkte macht im Abreitsumfang keinen Unterschied mehr.

Wie das in mittelständischen Kanzleien ist, weiß ich nicht, allerindings vermute ich von dem, was ich gehört habe, sehr stark, dass auch hier ähnliche Regeln gelten.

Verstehe mich nicht falsch, ich will Dir nichts einreden. Aber ich habe inzwischen schon zu viele kennen gelernt, die falsche Vorstellungen vom Anwaltsberuf hatten. Dass die Anwaltstätigkeit, gerade in großen Kanzleien, insg. aber der Karriereweg als Jurist das Familienleben erheblich beeinträchtigt, egal bei welcher Qualifikation, ist einfach Fakt. Dessen muss man sich rechtzeitig bewusst sein. Ich kenne von dort keinen, der unter der Woche Abends noch seine Kinder sieht, und das WE ist halt auch häufig Arbeitszeit.

Gruß
Dea