Katholizismus

Nachdem ich weder das passende Thema, noch die Kathegorie noch ein Schlagwort gefunden habe, hier trotzdem meine Frage:
Im Flugzeug bin ich vor Jahren mal einem Pfarrer begegnet, der neben sich einen Sitz für eine Madonnenfigur gebucht hatte. Mit ihr reiste er in der Welt herum. Auf meine Frage, warum er das mache, antwortete er, das sei die Schutzheilige der Reisenden, und darum müsse sie immer unterwegs sein.
Weiß jemand, welche Schutzheilige das gewesen ist? (Eigentlich ist ja Christopherus für die Reisenden zuständig, aber er ist ja offensichtlich ein Mann…)
Dank & Gruß
Jan

[Verschoben: ‚Kultur & Gesellschaft‘ → ‚Religionswissenschaft‘ - Mod Kreszentia]

Da fällt mir eigentlich nur eine Heilige ein:

LG

Vielen Dank Penegrin!
Allerdings ist die Dame Petronilla wohl eher im frühchristlichen Glauben anzutreffen, und die genannten Utensilien passen auch nicht recht zu der von mir gemeinten Figur. Bei ihr scheint es sich eher um eine ganz ‚normale‘ Madonna/Maria/Muttergottes zu handeln. Ich versteh nur nicht, wieso… Hier ein Foto von der Szene, die sich 1976 irgendwo über Südostasien darbot.
Beste Grüße
JanPfarrer Madonna

Eulalia


Mein Suchbegriff war:
Schutzpatonin der Reisenden
daraufhin spuckte Guggel als Antwort auf eine Kreuzworträtselfrage Eulalia aus.
Daraufhin guggelte ich mit: Eulalia und das war das obige Ergebnis.
ramses90
1 Like

Du sagt es. Allerdingts nicht eine „normale“, sondern doch schon eine spezielle. Die Ikonographie der Maria ist zwar seit der Spätantike vielfältig, aber dennoch immer eindeutig von anderen Heiligen bzw. Martyrerinnen zu unterscheiden. Allerdings kommen oft auch lokale Posituren, manchmal sogar auch mit Insignien (wie z.B. die „Knotenlöserin“) dazu.

In deinem Beispiel ist es aber eindeutig eine simplifizierte Nachahmung der originalen Marien-Statue in der Grotte von Lourdes. Solche Kopien finden sich ja in Unmengen sogenannter „Lourdesgrotten“ in aller Welt. Auch in Asien.

Und, nein, eine „Schutzheilige der Reisenden“ ist die Maria keneswegs! Und die von Lourdes erst recht nicht. Das war wohl eine persönliche Marotte dieses verschrobenen katholischen Priesters. (Zumal die Visionen der Bernadette Soubirous in Lourdes eigentlich gar keine Marienerscheinungen waren. Aber das ist ein anderes Thema, hier offtopic).

Oder dieser Mensch war ein krass fetischistischer Marien-Fan und wollte seine Marotte durch die Erfindung des Epithetons „Schutzheilige“ vor den anderen Reisenden kaschieren.

Heute dürfte so ein Sonderling ein solches gefährliches Geschoss wohl kaum mehr in den Fluggastraum mitbringen :slight_smile: Und sein zuständiger lokaler Bischof würde ihm wohl auch gründlich die Leviten lesen.

Gruß
Metapher

4 Like

Danke Ramses, aber Google ist natürlich immer die erste Anlaufadresse. Und Eulalia hab ich deshalb verworfen, weil sie erstens wohl hauptsächlich in Spanien verehrt wird, und dann eben ‚hauptberuflich‘ als Märtyrerin mit den entsprechenden Insignien.

Danke liebe® Metapher,
das war eindeutig eine kompetente Antwort - vielen Dank! Sehr interessant. Und Deine Einschätzung des Sonderlings erscheint mir recht plausibel. Denn ich erinnere das verschmitzte Grinsen und die humoristische Mimik des Herren bei seiner Antwort. Er schien die Aufmerksamkeit sehr zu genießen, die ihm mit seiner ungewöhnlichen Begleiterin (nicht nur von mir) zuteil wurde. Bleibt zu hoffen, dass wenigstens das Priestertum echt war, wenn schon seine Mission wohl eher als Hobby zu werten ist.
Nochmal besten Dank!
Jan

1 Like

Das lässt wiederum - auch zu dessen Ehrenrettung :wink: - eine ganz einfache andere Erklärung vermuten: Der Herr Pfarrer (der als solcher eh kaum „in der Welt herum“ gereist sein wird) ist in eine andere Pfarre versetzt worden. Und als liebgewordenes Erinnerungsstück hat er nun „seine Maria“ aus seiner ehemaligen Pfarrkirche mit sich umziehen lassen. Einmalig also.

Oder er hatte die Figur auf einem Flohmarkt gefunden und hatte diesen witzigen Einfall, sie „nach Hause“ zu bringen, um sie in seiner Pfarrkirche aufzustellen.

Und um dieser kuriosen einmaligen Situation noch eins draufzusetzen, hat er den Mitreisenden diese verschmitzt provozierende Ausschmückung zum Besten gegeben.

So wärst du dann zufallig Zeuge einer wirklich witzigen, geistreichen Situationskomik eines recht sympathischen Pfarrers geworden.

Es kann auch durchaus sein, dass die Madonna eine Art Reisesouvenir der besonderen Art war. D.h. es kommt nicht so selten vor, dass ein Geistlicher etwas von einer Pilgerreise oder aus dem privaten Urlaub für die Heimatgemeinde mitbringt, oder man zwischen Gemeinden Ausstattungsgegenstände tauscht, die eine Gemeinde nicht mehr braucht, eine andere aber haben möchte, und die dann bei Gelegenheit mitgenommen/mitgebracht werden.

Ich erinnere mich an eine Elisabeth, die mein Vater mal auf Wunsch eines befreundeten Geistlichen aus einer dänischen Gemeinde in Deutschland organisiert und abgeholt hat. Die stand dann ewig bei uns zuhause rum, bis mal wieder Besuch aus Dänemark kam, der sie dann mitgenommen hat.

Höre ich da eine (heimliche?) Sympathie für Geistliche heraus? Aber gegen die freundlichen Rettungsversuche spricht, dass ich im Netz mal ein fast identisches Foto von eben diesem Herrn Priester gesehen habe…

Danke auch für diese Mögliche Erklärung, liebe® Wiz, aber dagegen spricht eben das, was ich auch ‚Metapher‘ schon geantwortet habe: Dass ich ein fast identisches Foto von unserem lieben Herrn Priester mal im Netz gesehen habe.

Dann wäre es hilfreich gewesen dies in Deiner Eríngangsfrage zu erwähnen und die User hier und damit mich,sich nicht zeitvergeudend auf die Suche der Beantwortung Deiner Frage zu schicken.
Ob Du sie schon wirklich selbst gefaunden hast will ich mal, anzweifelnd, dahin gestellt sein lassen. :angry:ramses90

Eindeutig handelt es sich um die heilige Corona, die den Platz neben ihm freihält, damit ihn kein anderer anhustet!

1 Like

Hi Jan,

wie sich zeigt, war es tatsächlich nicht ein bloß occasioneller Gag eines Geistlichen.

Father Patrick Moore, of the Scarborough Foreign Mission, sits next to the World Pilgrim Statue of our Lady of Fatima en route to the Port of Spain, Trinidad where he will begin his 20th trip around the world in his 32nd year of travel. Father Moore will continue to carry the statue uncovered by land, sea, and air as a Symbol of Peace around the world until 1982. (Photo by Bettmann Archive/Getty Images).“

Es war tatsächlich Teil einer Missionskampagne der Scarborough Foreign Mission, die über mehr als 30 Jahre durch die Welt lief,

Die Photos hat die Mission selbst gemacht.

In Fatima wird die Maria - dem überlieferten Visionsinhalt entsprechend - in ihrer Rolle als „Himmelkönigin“ dargestellt, auf einer Wolke stehend. Die ikonographiehistorisch recht späte Gebetsgeste ist sicher von der 50 Jahre früheren Lourdes-Maria abgeguckt.

Gruß
Metapher

1 Like

addendum

[From 1963-1982, Fr. Pat served as director of the shrine at St. Mary’s, Ontario, spending the summer months there and the remainder of each year travelling and spreading the Fatima message.

In 1982 he embarked on a year-long tour throughout the Philippines, Australia and Thailand, followed by another visit to the Dominican Republic.](https://www.scarboromissions.ca/Scarboro_missions_magazine/Issues/2005/March/in_memory.php)

1 Like

Servus,

Sie ist es - meine ich - schon, in einer besonderen Ausprägung, nämlich dem Marienpaar Maria Kleophae und Maria Salome, der volkstümlichen Legende nach zusammen in einem Boot mit Maria Muttergottes und Martha, dazu noch Lazarus, von bösen Verfolgern in einem Boot ohne Steuer, Ruder oder Segel auf dem Meer ausgesetzt, was aber ein von so konzentrierter Kraft von Heiligen angetriebenes Boot gar nicht brauchte, um zielsicher den Ort anzusteuern, an dem heute Saintes Maries de la Mer liegt (wegen der vielen Marien sind sie in diesem Namen auch Plural) und bei dieser Gelegenheit auch gleich schon mal das Christentum in die Camargue und von dort weiter in die Provence zu bringen.

Zwar gilt die Wallfahrt der Kalés, Roms und Manouches nach Saintes Maries de la Mer ihrer Schutzpatronin, der Schwarzen Sara, die mit den diversen Marien auch noch im Boot saß, und insofern täte diese von den Bootspassagieren als Schutzheilige teilweise nomadisierender Bevölkerungsgruppen genauer zu „Reisenden“ passen, aber mir kommt die ganze Bootsladung ein bissele vor wie eine Vervielfältigung der Maria Muttergottes bzw. dieser selbst mit einer ganzen Serie von Abspaltungen im Sinn der spanischen eher oberflächlich getauften „Virgenes“, mit denen ihrerseits die Liebe Frau von der Höhle in Lourdes als archaisch anmutender Höhlengeist ziemlich nahe verwandt zu sein scheint.

Auf dem Weg über die Episode von dem steuerlosen Boot mit drei Marien und der Schwarzen Sara drinne könnte man den Meerstern schon auch den Reisenden als besondere Patronin zusprechen. Schließlich ist es auch nicht bloß die Notre Dame de Rocamadour in Camaret, die Fischern und Seeleuten den Weg zurück in den Hafen weist, sondern wenigstens ein Dutzend von Marienkapellen und -kirchen, mit denen die ganze Küste der Bretagne und (dort etwas weniger dicht gesät) der Normandie verziert ist.

Schöne Grüße

MM
Schöne Grüße

MM

1 Like

Im Zusammenhang mit Einzelheiten der Heiligenverehrung so wenig empfehlenswert wie immer dann, wenn es um mehr geht als einen groben ersten Überblick.

Um Längen besser zusammengestellt, redigiert und instruktiver zu lesen ist das ökumenische Heiligenlexikon, das ich Dir in allen Angelegenheiten von Heiligen als erste Anlaufadresse ans Herz legen möchte:

https://www.heiligenlexikon.de/

Schöne Grüße

MM

1 Like

Vielen Dank für Deine ausführlichen Hinweise, liebe MM!

Lieber MM,

Ich habe in meiner atheistischen Beschränktheit jetzt leider übersehen, ob die Mutter Gottes in dem Boot eine multiple Persönlichkeitsstörung erlitt oder ob Eltern von Töchtern vor 2000 Jahren in der Namensgebung einfach unglaublich einfallslos waren. Dennoch danke für deine spannenden Informationen! Es geht doch um den Küstenort in der südfranzösischen Provence, oder ist das wieder eine andere Bootsfahrt?

Wow, Metapher, Du Tausendsassa! Genau dieses Foto hatte ich auch gesucht, aber nichtmal mehr mit Google-Bildfinder gefunden! Wie hast Du das gemacht?
Und nochmals vielen Dank für die - nun endlich faktisch korrekten - religionswissenschaftlichen Hintergrundinformtionen. Die brauche ich nämlich für ein Buch mit eben diesem Foto (meinem eigenen natürlich), das ich gerade in Arbeit habe. Thanxxxx!