Hallo Andrea!
Warum haben denn die Autos :mindere Qualität? Weil sich :jeder unbedingt Asien-Autos :kaufen musste u somit
die Dt. Herstellern mit :diesen billigen Preisen nicht
mithalten konnte, weil sie :gute Qualitätsarbeit :ablieferten.
In 30 Jahren als Entwickler habe ich diese Lektionen gründlich gelernt:
- Nichts ist auf die Dauer preiswerter und überzeugender als eine über jeden Zweifel erhabene Qualität.
- Berechnung und Simulation sind unverzichtbare Basis, erübrigen aber keine praktische Erprobung.
- Was ich in der Entwicklung während Erprobung, Belastungs- und Umwelttests spare, ist für Rückrufe und Nachbesserungen mehrfach aufzuwenden, wobei jede dieser Aktionen neben Kosten Erklärungsbedarf und Vertrauensverlust mit sich bringt.
- Laufe keinem Kunden hinterher, der für Qualität nicht angemessen bezahlen will. Dem Kunden fehlt nur eine Erfahrung. Laß ihm die Zeit, diese Erfahrung mit dem Konkurrenzprodukt zu machen, dann kommt er von alleine.
- Qualitätsmängel des Produkts hat der Kunde ständig vor Augen, während der vermeintlich vorteilhafte Preis schnell vergessen ist. Gute Qualität hat der Kunde ebenfalls ständig vor Augen, während der hohe Preis schnell vergessen ist.
Billig aber anfällig läßt sich schwer verkaufen. Teuer und anfällig bietet überhaupt keine dauerhafte Basis. Teuer und spitzenmäßige Qualität ließ bisher alle so verfahrenden Hersteller gut leben.
Das Preisniveau deutscher Fahrzeuge liegt oberhalb der Produkte z. B. japanischer Herkunft. Letztere erweisen sich aber als zuverlässiger. Warum entwickeln Opel oder VW nicht den Ehrgeiz, die zuverlässigsten Autos der Welt zu bauen? Die Entwicklung dauert unwesentlich länger, aber das Serienprodukt wird nicht nennenswert teurer, zumal die Hersteller heute ihre Preise nicht mehr durchsetzen können.
Schließlich noch eine Lektion, die einige Hersteller wohl nie lernen werden, die ich an einem Beispiel verdeutlichen möchte: Conrad verkauft Stopuhren. Robustes Gehäuse, liegt gut in der Hand. Das Teil kostet 4,99 oder so ähnlich. Es ist aber nicht nur eine Stopuhr, sondern kann die MEZ-Tageszeit, die Zeit in New York und noch zig andere Sachen anzeigen. Die vielfältigen Funktionen wählt man an 3 Knöpfen mit lange drücken, kurz drücken, 2 Knöpfe gleichzeitig drücken … eine einzige Katastrophe. Mal eben zur Stopuhr zu greifen und eine Zeit zu messen, ist kaum möglich. Ließe man alle Gimmiks und 2 der 3 Knöpfe einfach weg, hätte man eine Stopuhr mit hohem Gebrauchswert und könnte das Ding glatt für den 10-fachen Preis verkaufen. Statt dessen wird aufgeblähtes Zeug produziert, an dem sich kaum etwas verdienen läßt und den der Kunde gefrustet absehbar in den Müll schmeißt.
Solche Fehlgriffe dürfen einem Automobilhersteller nicht passieren. Es ist sicher angenehm, wenn die Innenraumbeleuchtung gedimmt heller wird, statt den Fahrer zu blenden. Wenn es aber dafür einen schnell ausleiernden Schalter mit mehreren Stellungen gibt, die taktil kaum auszumachen sind und deren Sinn sich erst nach längerem Studium mehrerer Seiten der Betriebsanleitung erschließt, ist das einfach nur menschenunfreundlicher Müll. Viele Gedankenlosigkeiten auch hinsichtlich der Reparatur- und Servicefreundlichkeit ziehen sich quer durch teure Fahrzeuge. Eine besser durchdachte konstruktive Lösung kostet in der Fertigung keinen Cent mehr, manchmal wäre die bessere Lösung sogar mit weniger Aufwand verbunden. So kann es den VW-Leuten nicht verborgen geblieben sein, mit welchem Quälkram Ein- und Ausbau der Batterie beim Diesel-Passat verbunden sind. Die wenigen Millimeter, um die Aktion völlig zu entschärfen, wären ohne weiteres vorhanden und es würde buchstäblich nichts kosten. Aber nein… Überdehnte Schutzkappen an elektrischen Anschlüssen, ganze Jahrgänge mit sich in seine Bestandteile zerlegenden (sauteuren) Sitzstoffen, versprödende und deshalb brechende Kunststoffteile … überall im Grunde gute Technik, der aber das letzte Finish für die Zuverlässigkeit fehlt.
Diese Sachen sollen wir kaufen, um inländische Arbeitsplätze zu erhalten? Damit stützen wir die unberechtigte Wir-sind-die-Größten-Hochnäsigkeit und schaden damit letztlich unserer Wettbewerbsfähigkeit. Die Ignoranz deutscher Kfz-Hersteller hat mittlerweile Tradition. Als wir noch auf den Käfer schworen und VW Aufpreis für eine 12V-Anlage verlangte, bauten Franzosen längst komfortablere Fahrzeuge. Als VW gegen Katalysatoren schimpfte, weil dadurch Autos angeblich unverkäuflich teuer würden, wurden anderweitig bezahlbare Kleinwagen mit Kat gebaut. Als Franzosen Diesel-Pkw mit Rußfilter ausrüsteten, tönten deutsche Hersteller, die technisch bessere Lösung zu favorisieren und standen am Ende mit leeren Händen da.
Statt diese Leute so fortfahren zu lassen, brauchen sie kräftig etwas zwischen die Hörner, um aufzuwachen.
Gruß
Wolfgang