Lieber Branden,
„Gott würfelt doch“ war die Entgegnung auf Einsteins „Gott
würfelt nicht“, welches er wiederum zu Heisenberg sagte.
Einstein konnte damals Heisenbergs Quantensprünge nicht
mit"springen", heute wissen wir aber, dass Heisenberg recht
hatte. …
C.G.Jung hat zusammen mit dem Physiker Pauli ja anhand des
Phänomens der Synchronizität etwas jenseits der Kausalität
gefunden.
Ach ja, Branden, was „wir“ alles so wissen…
Ich muss gestehen, dass ICH vieles von dem, was wir wissen,
eigentlich nicht weiss, oft auch das nicht, was ich etwa in einer -
fehlerfreien, mit Bestnote bewerteten - akademischen Prüfung
hingeschrieben habe.
Ob es Quantensprünge, Synchronizität u.a.m. wirklich „gibt“,
erscheint MIR irrelevant, auch für mein Weltbild. Heisenberg, Jung,
Pauli, Einstein, Bohr … was erklären sie mir wirklich ?
Freud
dagegen, weit weniger „hard core“, erklärt mir eher etwas.
(Reich, noch weniger „hard core“, sogar noch mehr - wie du weisst 
Oben schreibt „Barbarossa“ - doch wohl ein Mensch - etwas erstaunt,
dass „die Menschen“ sich die Unendlichkeit nicht vorstellen können.
Nun, ich jedenfalls - auch ein Mensch - kann mir sogar die
Endlichkeit, räumlich wie zeitlich, nicht vorstellen. Na und ?
Ich staune weniger darüber als über Menschen, die im Brustton der
Überzeugung kundtun, was „wir“ doch alles wissen.
Der Weltraum sei endlich, aber unbegrenzt, wissen „wir“ z.B. seit
Einstein oder schon Minkowski, und dann wird, für die Vorstellung,
die Kugel (R3) mit ihrer Oberfläche (R2) herangezogen. Analog sei der
R3 in den R4 gebettet.
Aha. Nun wissen „wir“ Bescheid. Aber: Was soll’s ?!
Neulich erläuterte Kip Thorne, fast so berühmt wie Hawking, im TV ein
weiteres von den Astrophysikern ersonnenes Konzept: the wormhole. Er
nahm ein Blatt Papier, markierte darauf zwei weit voneinander
entfernte Punkte, die Orte im All repräsentieren sollten, die
Tausende von Lichtjahren voneinander entfernt seien. Dann faltete er
das Papier so, dass die beiden Punkte fast übereinander lagen, also
nur noch, sagen wir, einen Lichttag voneinander entfernt, d.h. für
zukünftige Astronauten nicht prinzipiell unerreichbar - wenn es
gelänge, nicht die lange Bahn über die Papieroberfläche zu nehmen,
sondern die kurze Verbindung – durch ein sog. Wurmloch.
Ist natürlich nur „populär“ so, für den Fachmann viel seriöser, nur
eine Hypothese, mit vielen Problemen behaftet usw.
Aber das fasziniert „die Menschen“.
Toll, was „wir“ doch alles wissen !
Eigentlich ein Thema für den kulturkritischen Psychoanalytiker,
oder ? - dieser heute grassierende science cult in der sich
postideologisch gebenden fun society.
Gruss
Nescio