Lange, aber sehr kurzgefasste Erklärung
Sprachen ändern sich dauernd, meistens doch über Generationen. Die Schriftsprachen sind aber manchmal konservativer als die gesprochene Sprache und bewahren oft Schreibweisen, die eigentlich auf eine frühere Sprachform beruhen. So schreibt man zum Beispiel im Norwegischen noch „ski“, wie es die Wikiniger sagten, spricht aber heute „schi“. Im Deutschen schreibt man wie bekannt Ich-Laut und Ach-Laut gleich - weil man sie im Mittelalter auch gleich sprach.
Die englische Sprache ist am schlimmsten von diesem konservativen Schreibprinzip betroffen. Das ist mit eine Hauptursache für den erheblichen Unterschied zwischen Aussprache und Buchstabierung. So schreibt man noch „light“, „night“, „daughter“ mit gh weil die Engländer im Mittelalter diese Wörter mit einer Art von Ach-Laut sprachen.
Die Doppelaussprache von „i“ in „mine“, von „a“ in „name“, von „o“ in „stone“ (und vielen anderen Beispielen) gehen auf eine Sprachänderung in der Zeit 1450-1750, genannt the Great Vowel Shift http://en.wikipedia.org/wiki/Great_Vowel_Shift , zurück. Auch die Doppelaussprache von „ou“ in „house“ gehört hierher, denn „ou“ ist eigentlich eine französische Schreibweise von „u“.
In the Great Vowel Shift wurden u.a. lange Vokale diphthongisiert, d.h. man fing an, sie als Zweilaute, Diphthonge, auszusprechen - aber ohne die Schreibweise zu ändern. Das ist die (sehr kurzgefasste) Erklärung.
Eine Dipthongisierung fand auch im Deutschen statt, nur hat man da die Buchstabierung geändert. Beispiele: „mein“, „weit“, „Haus“. Im Skandinavischen spricht und schreibt man aber noch die alten langen Vokale: „min“, „vid“, „hus“.
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Die Aussprache von „new“ als „nju“ kann man, sehr, sehr vereinfacht als eine Form for Diphthongisierung betrachten, nur ist diese eine „steigende“ Diphthong. (Sowas gibt es auch im Bairischen, wenn ich mich nicht irre.) Das dieser Fall aber nicht so ganz einfach ist, sehen wir aus der deutschen form „neu“ und der niederländischen „nieuw“, die andeuten, dass es hier noch mehr Sprachgeschichte dahinter steckt. Mit dem Ü-Laut hat es nicht zu tun.
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Das ü ist I-Umlaut von u, so wie ö I-Umlaut von o und ä I-Umlaut von a. (Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/I-Umlaut , sehr gelehrt, umfassend und unübersichtlich.) Der I-Umlaut entsteht wenn aus sprachgeschichtlichen Gründen der u in einigen Fällen mit zusätzlicher Lippenrundung gesprochen wird (ähnlich auch für ö und ä). Der Ü-Laut gab es im Mittelalter in allen germanischen Sprachen, auch im Englischen. In einigen Sprachen ging aber später die Lippenrundung wieder verloren, so auch in England. (Daher fällt es Engländer heute so schwer, ein deutsches ü zu sagen. Sie haben nicht rechtzeitig in der Kindheit ihre Lippen trainiert, und tauschen das Ü meistens mit ihrem „ju“ aus.)
Ü, ö und ä gibte es übrigens auch in den skandinavischen Sprachen. Man schreibt sie entweder wie im Deutschen oder als y, ø und æ. Isländisch und färöisch schreiben y, sprechen aber i.