Kein 'Ü' im Englischen, warum ist das so?

Hallo,

im Englischen gibt es kein „ü“. Warum ist das so. Englisch gehört auch
zu den germanischen Sprachen.
Könntet ihr mir ein Tipp geben, vielleicht wo ich das (und ähnliche Fragen zur Herkunft von Lauten) nachlesen kann (v.a. bezogen auf den Vergleich zwischen Deutsch und Englisch).

LG

Laura

Hallo Laura,
Nicht jede germanische Sprache hat ein Ü. Es gibt in Deutschland einige Dialekte, in denen es keinen Ü-Laut gibt. Im Sächsischen wird dafür z.B. oft langes oder kurzes „i“ eingesetzt; möglich, dass es im Sächsischen kein Ü gibt, bin nicht ganz sicher.

Übrigens hat das deutsche 2 Ü-Laute: [yː] („Mühle“) und [ʏ] („Müll“).

Das Schwedische, Norwegische, Dänische, Isländische, Färöische und das Niederländische haben meines Wissens auch Ü-Laute, auch wenn das Zeichen dafür nicht verwendet wird.

Warum gibt’s im Englischen keins?
Nun… soweit ich weiß, gab es das einmal, aber dann gab es eine Lautverschiebung und die Ü-Laute wurden zu langes "i"s angehoben (vllt. wie im Sächsischen?). Wir hatten in einem Kurs ein schönes Beispiel mit dem alten Englischen Wort für Maus („mus“) gelernt, bei dem der Plural sich von „musi“ über „müs“ zu „mis“ entwickelte. In einer späteren Lautverschiebung wurde dann langes „i“ zu „ai“, so dass daraus die heutige Aussprache „mais“ () wurde.

Da wo wir im Deutschen „ü“ haben, hat man im Englischen eine Vielzahl von Vokalen:

ü:o (Tür : door)
ü:i (kühn : keen)
ü:ai (Typ : type)
ü:u (würde : would)

Gr ü ße,

  • André M ü ller

Hallo,

Nicht jede germanische Sprache hat ein Ü. Es gibt in
Deutschland einige Dialekte, in denen es keinen Ü-Laut gibt.
Im Sächsischen wird dafür z.B. oft langes oder kurzes „i“
eingesetzt; möglich, dass es im Sächsischen kein Ü gibt, bin
nicht ganz sicher.

Im Pälzischen gibts das auch nicht.
Wird ersetzt durch „i“.
Kurz oder lang.

iwwer = über (kurz)

Scheene Grieß = Grüße (lang)

Gruß
Elke

Hi Elke,

Im Pälzischen gibts das auch nicht.

stimmt gar nicht! In Pensionopolis gibts alles:

„Ach, Frollein, bring’Se mia doch noch ne Schoppö Düakhaima Kalkofö!“ enthält nicht bloß ein ü, sondern auch zwei ö. Wobei der Einwand, dass das kein Pälzisch sei, nur bedingt greifen mag, weil es durchaus vorkommt, dass der Sprecher dies gesagt habend einen Schoppö später aufsteht und einstimmt in „Ja, dat is dea Wind, Wind, Wind, dea Pälza Wind / dea bläst noch imma, wenn wia längst nich mea sind!“ (Die Anilin machts möglich).

Schöne Grüße

MM

Hallo,

„Ach, Frollein, bring’Se mia doch noch ne Schoppö Düakhaima
Kalkofö!“ enthält nicht bloß ein ü, sondern auch zwei ö. Wobei
der Einwand, dass das kein Pälzisch sei,

Isses doch auch nicht ,sei doch ehrlich.
Dass ist „Herr Kohl versucht Hochdeutsch zu reden.“
Dergene ist Dergene und nicht Düakhaim

Gruß
Elke

Hehr Biewel,

jedzerd will isch der emol ebbes saache! Die Eklastik hod schunn reschd, wonn se seggt, dass mehr im Pälzische kää „Ü“ hänn. Des wuh du do gschriwwe hoschd, des iss, wie wonn en Vorrerpälzer, so in de Gehschend um Lumbehafe, versuche duhd, so e hochsäächer Hochdeitsch ze babble. Uff känn Fall isses des „Idiom“ vun uns Kernpälzer.
Awwer du seggschd jo sellwer, dass es in den Onnilin onnerschder is.
Zuminnigschdens do hoschd reschd.

Feschdzehalde is: Mehr hänn kää „Ü“ unn brauchen des ach nett. Des kommer alles schää mid me longe oder ach midm korze „I“ ausdrigge unn de onner wääß donn drodzdem, was gemaähnt iss.
Unn iwwrischens sohn bleede Krom wie des „Pf“ wuh se in de zwätt Lautverschiewung so schdolz druff sinn, hämmer ach net. Brauche mer ach net. Unn woller mer ach nett. Die Palz is nimmie die Palz, wonn se „Pfalz“ genennt werd. Alles bloss uhnnedische Ferz.

MFG Cleaner

P.S.: Nichts für Ungut :smile:

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Dergene ist Dergene und nicht Düakhaim

Hehr Eklastik,

Dährgem hääßt Dährgem unn ned Dergene. Awwer Düakhaim hääßds dadsäschlisch schun glei emol gar ned. Ollerheegschdens wonn sohn Ollwerkobb versuchd, de Hoochsäächer ze schbiele. Awwer des hoschd jo schunn gsaaht.

MFG Cleaner

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Heer Kliiner (mer hewwe aa ko „C“ und was solln des „ea“, des klingt jo bairisch!?),

Dährgem hääßt Dährgem unn ned Dergene.

Recht hoscht. Isch heb grad mit oom aus Berkene am Telefon geredd und des muss irgenwie moi Hern verkleischtert hawwe.

Awwer Düakhaim hääßds
dadsäschlisch schun glei emol gar ned.

Ewe.

Viel Grieß niwwer
Elke

Hallo André,

Danke schön für die umfangreiche Erklärung! Ich weiß nicht, ob es dazu passt. Das englische „U“, ich meine das U =JU, (die phonetische Schrift fehlt mir): Warum besteht es eigentlich aus zwei Lauten und spricht sie wie „you“ aus? „y“+„u“. Gibt es dafür auch eine Sprachentwicklung, die das erklärt? Das hat aber nichts mit dem „ü“ aus den germanischen Vorläufern zu tun oder? Eine Freundin meinte so etwas. Das „ü“ wird doch aber eher vorne im Mund gebildet.

Lg, Laura

Hiho,

Das ist „Herr Kohl versucht Hochdeutsch zu reden.“

es ist sozusagen das Gegenteil: Ein Neu-Battenberger besucht den Worschdmarkt, daher hab ich auch vom Anilinischen getitelt. Ich habe meine Grinde, dass ich Dergem maximal zum Umsteigen von der RHB in den Bus zum Isenachweiher oder in den Zug Richtung Fränsem besuche. Halt, doch, einmal hab ich da auch in den Schubkärchler gesessen und einen Trupp Chinesen abgefüllt. Als mir mein Nachbar strahlend und glücklich schmatzend ein Stück Lewwerknedel auf den Teller legte, war das Eis sozusagen gebrochen.

Aber ich muss mir das nicht so dringend geben.

Kurzer Sinn: Selbstredend ist das kein Pälzer Platt, was ich zitiert habe. Aber ist denn die Palz als solche noch sie selber (einmal abgesehen von Iggelbach, Merzalben und Eußerthal)?

Schöne Grüße

MM

OT: Danke für diesen Dialog
Hallo,

ach, war des schää, des zu lese, was ihr do gschriwwe habt.

Gruß vunneme Exil-Kurpälzer, der wo soi Muddersprooch seit longem vermisse dud.

Hallo,
ist Euch eigentlich auch aufgefallen, dass man das Wort „über“ sowohl mit wie auch ohne Umlaut öfter im Englischen liest?
Für mich sieht es ein wenig so aus, als hätten die Amerikaner/ Engländer auch sowas wie „Germanismen“, also das, was bei uns Anglizismen sind.

Mir fällt das in den letzten Monaten immer mehr auf. Oder gibt es das schon länger?

Habe jetzt nur wahllos gegooglet und dabei z.B. diesen Link gefunden
http://blogs.hbr.org/cs/2009/11/the_uberconnected_or…

Hoffe, es ist nicht zu off topic…

Greets
Shannons

Für mich sieht es ein wenig so aus, als hätten die Amerikaner/
Engländer auch sowas wie „Germanismen“, also das, was bei uns
Anglizismen sind.

Hallo,

es gibt in der Tat unheimlich viele deutsche Wörter in der englischen Sprache. Zum Teil gründen diese auf dem Einfluß deutscher Einwanderer - insbesonder im Bereich „Pennsyl-tucky“ - zum Teil werden sie als Neologismen gebildet.

Einige Beispiele:
Gesundheit (hübsch: DiNozzo zu McGee in „NCIS“)
Angst (auch bekannt als „Gemran Angst“)
Autobahn (nicht nur wegen owT, sondern auch fehlendes Tempolimit)
Blitzkrieg (owT)
Bratwurst (heißt in USA allerdings „Brättwörst“)
Fahrvergnügen (aus dem Werbespot)
Flügelhorn („bugel“ ist mehrdeutig)
Führer (owT)
Gemütlichkeit
Realpolitik
Weltschmerz (schöner song von Anne Clark)
Zeitgeist

MFG Cleaner

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Hallo Elke,

Wir sollten vielleicht einmal prüfen, ob man damit nicht geld verdienenen kann? :smile:

MFG Cleaner

Mir fällt das in den letzten Monaten immer mehr auf. Oder gibt
es das schon länger?

Das gibt’s schon ein paar Jahrzehnte, guckst du hier:

http://en.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cber

Viele Grüße,

  • André
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Hallo
und danke für deine Beispiele! Bin ein bisschen blöd, aber viele kenne ich natürlich, habe vorher nicht daran gedacht, weil ich mehr an die Umlaute gedacht hatte… Wobei in deiner Liste auch so einige sind, die ich noch nicht kannte! (z.B. Gesundheit…)

Also,
danke nochmal und
Gruß
Shannon

Hallo André,

danke für den Link!

Dass es das schon so lange gibt, war mir nicht bewusst.
Ich hatte gedacht, es sei eine Art „in Mode kommen“.

Gruß
Shannon

http://en.wikipedia.org/wiki/Abseiling
http://en.wikipedia.org/wiki/Category:German_loanwords

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Lange, aber sehr kurzgefasste Erklärung
Sprachen ändern sich dauernd, meistens doch über Generationen. Die Schriftsprachen sind aber manchmal konservativer als die gesprochene Sprache und bewahren oft Schreibweisen, die eigentlich auf eine frühere Sprachform beruhen. So schreibt man zum Beispiel im Norwegischen noch „ski“, wie es die Wikiniger sagten, spricht aber heute „schi“. Im Deutschen schreibt man wie bekannt Ich-Laut und Ach-Laut gleich - weil man sie im Mittelalter auch gleich sprach.

Die englische Sprache ist am schlimmsten von diesem konservativen Schreibprinzip betroffen. Das ist mit eine Hauptursache für den erheblichen Unterschied zwischen Aussprache und Buchstabierung. So schreibt man noch „light“, „night“, „daughter“ mit gh weil die Engländer im Mittelalter diese Wörter mit einer Art von Ach-Laut sprachen.

Die Doppelaussprache von „i“ in „mine“, von „a“ in „name“, von „o“ in „stone“ (und vielen anderen Beispielen) gehen auf eine Sprachänderung in der Zeit 1450-1750, genannt the Great Vowel Shift http://en.wikipedia.org/wiki/Great_Vowel_Shift , zurück. Auch die Doppelaussprache von „ou“ in „house“ gehört hierher, denn „ou“ ist eigentlich eine französische Schreibweise von „u“.

In the Great Vowel Shift wurden u.a. lange Vokale diphthongisiert, d.h. man fing an, sie als Zweilaute, Diphthonge, auszusprechen - aber ohne die Schreibweise zu ändern. Das ist die (sehr kurzgefasste) Erklärung.

Eine Dipthongisierung fand auch im Deutschen statt, nur hat man da die Buchstabierung geändert. Beispiele: „mein“, „weit“, „Haus“. Im Skandinavischen spricht und schreibt man aber noch die alten langen Vokale: „min“, „vid“, „hus“.

2
Die Aussprache von „new“ als „nju“ kann man, sehr, sehr vereinfacht als eine Form for Diphthongisierung betrachten, nur ist diese eine „steigende“ Diphthong. (Sowas gibt es auch im Bairischen, wenn ich mich nicht irre.) Das dieser Fall aber nicht so ganz einfach ist, sehen wir aus der deutschen form „neu“ und der niederländischen „nieuw“, die andeuten, dass es hier noch mehr Sprachgeschichte dahinter steckt. Mit dem Ü-Laut hat es nicht zu tun.

Das ü ist I-Umlaut von u, so wie ö I-Umlaut von o und ä I-Umlaut von a. (Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/I-Umlaut , sehr gelehrt, umfassend und unübersichtlich.) Der I-Umlaut entsteht wenn aus sprachgeschichtlichen Gründen der u in einigen Fällen mit zusätzlicher Lippenrundung gesprochen wird (ähnlich auch für ö und ä). Der Ü-Laut gab es im Mittelalter in allen germanischen Sprachen, auch im Englischen. In einigen Sprachen ging aber später die Lippenrundung wieder verloren, so auch in England. (Daher fällt es Engländer heute so schwer, ein deutsches ü zu sagen. Sie haben nicht rechtzeitig in der Kindheit ihre Lippen trainiert, und tauschen das Ü meistens mit ihrem „ju“ aus.)

Ü, ö und ä gibte es übrigens auch in den skandinavischen Sprachen. Man schreibt sie entweder wie im Deutschen oder als y, ø und æ. Isländisch und färöisch schreiben y, sprechen aber i.

Sie haben nicht rechtzeitig in der Kindheit ihre Lippen trainiert, und tauschen das Ü meistens mit ihrem „ju“ aus.)

„U“ und „Ü“ unterscheiden sich vor allem durch die unterschiedliche Stellung der Zunge, kaum der Lippen.