Hallo Dirk!
Mir zeigt dieser Meßwert, daß die
Umrechnung tatsächlich genauer anzugeben
ist, weil sonst eine dermaßen konkrete
Festlegung auf einen solchen kleinen Wert
nicht legitim wäre.
Nein, da verstehst Du was falsch. Der Meßwert, den die Forscher durch diese Messung erhalten, ist kein Differenz wert der Rekordtemperatur zum Gefrierpunkt des Wassers bei 0 °C = 273.16 K (dann wäre Dein Einwand berechtigt) , sondern den Bruchteil der Rekordtemperatur relativ zur Wasser-Gefrier-Temperatur.
Stell Dir vor, Du hast ein Material, von dem Du weißt, daß 1. sein elektrischer Widerstand am absoluten Nullpunkt exakt gleich Null ist, und 2. linear mit steigender Temperatur zunimmt. Aus diesem Material fertigst Du einen Fühler, dessen Widerstand Du mit einem Ohmmeter mißt. Zunächst mußt Du Dein Thermometer natürlich eichen. Dazu hälst Du den Fühler in Eiswasser und regelst den Vorverstärker im Widerstandsmeßgerät so aus, daß die Anzeige gerade „273.16“ anzeigt. Anschließend installierst Du den Fühler in der Kammer Deines Rekordaufbaus. Du brauchst dann die niedrigste im Verlauf des Experiments erreichte Temperatur bloß auf dem Display abzulesen. Alle Meßwerte sind aber höchstens so genau wie der Wert „273.16“, nämlich auf fünf Stellen genau. In Wirklichkeit wird diese Maximalgenauigkeit nicht erreicht, weil der Vorverstärker im Meßgerät, der AD-Wandler darin etc. alle auch „ihre“ Ungenauigkeit ins Endergebnis einbringen. Deshalb ist der Rekordwert 260 pK dann auch nur auf drei Stellen genau.
Jetzt willst Du bestimmt noch wissen, wie man denn nun via Messung auf den Wert „273.16“. Nun, Du brauchst Eiswasser, kochendes Wasser und Dein Widerstandsthermometer, das Du aber noch etwas modifizieren mußt. Du mußt es aufrüsten, und zwar mit einer Schaltung, die einen Offset-Wert addieren kann. Zur Eichung hälst Du den Fühler abwechselnd in das Eiswasser und in das kochende Wasser und regelst am Verstärker und am Offset-Wert-Addierer so lange herum, bis Deine Anzeige „0.00“ anzeigt, wenn sich der Fühler im Eiswasser befindet, und „100.00“, wenn er sich im kochenden Wasser befindet (Du hast mit „0“ und „100“ zwei „Fixpunkte“, aber auch zwei Einstellparameter: Den Verstärkungsfaktor (–> „Steigung der Geraden“) plus den Offset-Wert (–> „y-Achsen-Abschnitt der Geraden“)). Wenn Du den Fühler dann in die Kälterekordkammer bringst, kannst Du auf dem Display z. B. den Wert „-273.167“ ablesen. Bei Wiederholung des Experimentes (inklusive Eichung!) „-273.158“, bei einer dritten Wiederholung „273.161“. Die Werte streuen etwas, weil Du eine gewisse Genauigkeitsgrenze bei der Eichung einfach nicht überschreiten kannst.
Wenn Du sehr viele Messungen durchführst kannst Du den Mittelwert bilden und die Standardabweichung abgeben. Wenn Du alles so genau machst, wie es beim heutigen Stand der Experimentierkunst nur geht, dann erhälst Du als Ergebnis (273.16 ± 0.01) K.
Mit freundlichem Gruß
Martin
PS: Ach ja: Den Thermofühler aus linear-widerstandsveränderlichem Material habe ich mir natürlich nur zur einfachen Erklärung des prinzipiellen Sachverhalts ausgedacht. In Wirklichkeit beruhen die Messungen auf anderen Effekten.