Kennt ihr einen einzigen glücklichen Menschen?

Liebe Freundinnen und Freunde von wer-weiss-wass,
diese Site soll ja eigentlich konkret Suchenden helfen bei ganz klar definierten Fragen. So ist meine Frage nicht, aber ich muss auch mal mit ein paar Menschen mehr reden als sonst. Also missbrauche ich diese tolle Site, um einfach etwas zu sagen… nur mal so…
Meine Frage, die ich da jetzt hineinstelle, sieht schon jetzt am Anfang, wo ich dies schreibe, als Gejammer und Selbstmitleid aus. Und insofern bin ich gerne bereit, jede Kritik jederzeit entgegenzunehmen. Dies kann sehr gerne über feedbacks hier erfolgen oder per Email oder abends per Telefon Deutschland 0441-3047328 (sofern meine Frau abnimmt, bittet doch bitte Stefan an´s Telefon (das bin ich).
Ich selber, Stefan, bin nicht glücklich. (Dumm, dass ich den nächsten Satz und die darauffolgenden wieder mit "ich“ beginnen muss und daher vielleicht als Egomane oder Egoist gleich von vornherein eingeschätzt werde… aber es geht nicht anders). Ich habe mir damals, als ich 18 Jahre alt war, einen Wunschtraum „aufgestellt“: Sofern ich mal eine liebe Frau kennenlerne und sie mich auch lieb hat, tue ich alles, dass es ihr gut geht. Ferner möchte ich, dass wir immer genug Geld haben, um uns unser Essen zu kaufen, eine nette Wohnung zu haben und ab und zu in den Urlaub zu fahren.
Inzwischen bin ich 37 und habe eine nette Frau und zwei nette Kinder. Wir wohnen in einer Doppelhaushälfte zur Miete. Wir haben keine Geldsorgen. Wir fahren einmal im Jahr in den Urlaub. Und ich bin nicht glücklich.
Versteht mich nicht falsch: Ich möchte nicht wissen, warum ich glücklich „sein sollte“, da es ja auf der Welt und auch in Deutschland viele gibt, die es nicht so gut haben wie ich. Darüber denke ich permanent nach und bedarf keiner Hilfe.
Ich habe mich in meiner Verwandtschaft, meiner Freunde und Bekannten und insbesondere im Kollegenkreis mal innerlich umgeschaut… Da gibt es sehr viele Aktivitäten, um Kommunikation mit anderen Menschen zu betreiben, aber es ist immer nur ein Akt, der ihnen (mir auch) in gewisser Hinsicht aufdokrieniert wird. Zusammentreffen dieser Art werden immer im Nachherein als etwas bezeichnet wie „War ja echt schön, nicht? … und jetzt ist erstmal gut…
Ein Schulfreund von mir hat vor gut 5 Wochen Selbstmord gemacht.
Das letzte Mal hatten wir pesöhnlich Kontakt vor 2 Jahren per Email (selbstverständlich mit dem heiligen Versprechen, „dass wir uns sehen, sobald der eine oder andere mal in der Nähe ist“). Im Nachherein, als meine Mutter mich auf seinen Tod aufmerksam machte, habe ich festgestellt, dass wir die letzten Jahre nur 40 km voneinander entfernt wohnten.
Ich bin manchmal draußen außerhalb meiner Firma. Da lerne ich viele Menschen kennen. Allerdings nur so, wie es das berufliche Umfeld so mit sich bringt. Aber es kommt regelmäßig dazu, dass wir einfach reden… über den Job… die jeweilige Firma… und die Familie… grad bei letzterem kann ich häufig Parallelen feststellen… das Knuffigste war mal ein junger Mann von geschätzt 18 Jahren, der mir altem Familienvater in epischer Breite erklärte, wie schön es ist, bei der Geburt des eigenen Kindes dabei zu sein (ich muss dazu erwähnen, dass bei unserem Gespräch er erst seit 10 Stunden Vater war). Selbstverständlich versprach ich ihm in die Hand hinein, dass auch ich bei der Geburt mener nächsten Kinder dabei sein werde (wie sonst auch).
Ja, dieser Mann war glücklich in diesem Moment und ich hoffe, er ist es heute noch.
Ich bin es nicht, obwohl ich es müsste. Ich habe eine Frau, die mich zumindest nicht ganz schrecklich findet, ein liebes Mädchen namens Natascha, welches uns wirklich Freude macht bzgl. der Hilfsbereitschaft und Liebe zu anderen Mitmenschen. Unser Sohn ist zwar geistig und körperlich behindert, aber er entwickelt sich und ich nehme jeden Vortschritt als Geschenk war. Es geht uns eigentlich gut.
Doch ich bin nicht glücklich. Ich sehe die Menschen in meiner Umgebung. Auch meine Frau. Sie ist nicht glücklich. Meine Tochter Natascha ein bisschen (ohne Schule, sagte sie mir heute bei einem Fahrradausflug in die Bornhorster Wiesen, könnte das Leben ganz erträglich sein). Mein Sohn Dennis ist glücklich, da er innerhalb seiner Welt überwiegend nur Liebe vorfindet. Beneidenswert, irgendwie…
Meine weitere Verwandtschaft: Nö… von dem Glücklichsein an sich ist wie bei mir noch sehr wenig vorhanden.
Bei meinem Freund? Hmmm… hoffen wir mal darauf…
Bei meinen Kollegen (gleichzeitig gute Bekannte mit Potenzial zur Freundschaft)? Nein… wirklich nicht.
Ich kenne wirklich keinen einzigen Menschen der von sich sagt: „Ja, ich bin glücklich!“

Irgendwo oder irgendwie war mir mal bewusst bzw. wurde mir gesagt, dass das Leben selber, welches wir führen, keinen Sinn hat. Wenn jemand einen Sinn sucht, dann soll er glücklich sein. Hmmm… ich glaube, dass war mein Bio-Pauker in der10. Klasse. Um es mal ganz klar zu stellen: Der Sinn oder Unsinn des Lebens geht mir am verlängertem Rücken vorbei. Aber Leute, mal ganz im Ernst, Glück selber an sich, ohne dass man die Rechte anderer Menschen beschränkt oder verletzt, ist doch wirklich O.K. , oder?

Ich kenne aber komischerweise niemanden der glücklich ist… und ich kenne wirklich viele Menschen… und ich rede mit ihnen und viele suchen das Gespräch mit mir, aber es ist niemals ein einziger oder eine einzige dabei, die glücklich ist.

Vielleicht sollte ich Glück neu definieren: Glück heisst, dass man keinen Hunger hat, dass man nicht in einer Erdbebenzone wohnt, dass man nicht auf Landschaften wohnt, wo wirtschaftliche Begehrlichkeiten Kriege hervorrufen und dass man in einem Land lebt, wo man Kommentare wie diesen hier einfach so veröffentlichen kann.

Ich könnte jetzt viel mehr weiterschreiben, doch denke ich, dass es reicht.

Egal, wer du bist, der das hier gelesen hast, ich habe dich gerne (Grundprinzip von mir: Jeder Mensch, den ich kenne, hat erstmal ganz viele Pluspunkte. Da ich dieses Prinzip seit meinem ca. 15. Lj. anwende und nur geringfügig enttäuscht wurde, sage ich jetzt in meinem hohen Alter von 37 Jahren: Yes, so verkehrt ist dat nisch *grins). Toll, dass du die Ausdauer hattest, mein Geschreibsel zu lesen.
Ich wünsche dir von vollstem Herzen für dich und deine Lieben Gesundheit (nominaler Wert: mindestens 137,8 mal 6 Richtige im Lotto) und vielleicht sogar ein bisschen Glück (nominaler Wert : nicht in Euro oder sonstwas bezifferbar).

CU

Stefan

Ich lobe die Unzufriedenheit!
Hallo Stefan,

Du hast ja viel geschrieben. Im eigentlichen Sinne kommt es nur darauf hinaus, daß der Mensch in der materiellen Welt auf DAUER nicht zufrieden werden kann.

Denn Zufriedenheit und Glück ist UNABHÄNGIG von materiellen Dingen, da dieses geistige Zustände sind.
Wie könnte ich etwas geistiges mit etwas materiellem erreichen? Das ist nicht möglich.

Du hast ja selbst festgestellt, daß Dein Kind noch glücklich ist. WARUM ist das wohl so? Weil dieses Kind noch nicht an materiellen BESITZ GEBUNDEN ist.

Worauf ich aber hinaus wollte ist, daß gerade diese Unzufriedenheit oder das NICHT glücklich sein, den Menschen eigentlich ZWINGT - oder zumindest dazu VERLEITET, nach Zufriedenheit zu suchen. Die ständige Unzufriedenheit bewirkt das STREBEN des Menschen.

Doch genau das bewirkt geistigen Fortschritt und Evolution.

MfG,

Demetrius

Hallo, Stefan!

… ich muss auch mal mit ein paar Menschen mehr reden als sonst.
Also missbrauche ich diese tolle Site, um einfach etwas zu
sagen… nur mal so…

Ich glaube nicht, dass Du dieses Brett wirklich missbrauchst. Gut, die Frage könnte auch auf dem Philosophie-Brett diskutiert werden. Irgendwie - und ich denke, dass die weiteren Statements mir da Recht geben - hat Glück aber vielleicht doch etwas mit Religion, gelebtem Glauben und dem Erhaschen eines kleinen Zipfels von ewigen Wahrheiten zu tun. Folglich bist Du im Forum „Religion und Ethik“ sicher nicht falsch.

Zunächst mal eine Frage: Wie definierst Du für Dich „Glück“? Ich meine jetzt nicht eine allgemeingültige Definition, sondern wirklich nur, was Du für Dich ganz persönlich unter Glück verstehst.

… Wunschtraum „aufgestellt“: Sofern ich mal eine
liebe Frau kennenlerne und sie mich auch lieb hat, tue ich
alles, dass es ihr gut geht. Ferner möchte ich, dass wir immer
genug Geld haben, um uns unser Essen zu kaufen, eine nette
Wohnung zu haben und ab und zu in den Urlaub zu fahren.
Inzwischen bin ich 37 und habe eine nette Frau und zwei nette
Kinder. Wir wohnen in einer Doppelhaushälfte zur Miete. Wir
haben keine Geldsorgen. Wir fahren einmal im Jahr in den
Urlaub. Und ich bin nicht glücklich.

Ich glaube, dass all dies nicht zum Glück führen kann. Hier geht es um materielle Ziele, die Du verwirklicht hast, und deren Verwirklichung könnte zu einer Zufriedenheit führen. Du bist mit dem zufrieden was Du hast und bescheidest Dich damit … Aber: das Streben nach weiteren materiellen Erfolgen liegt in der Natur des Menschen, jeder Erfolg wird nur als Zwischenschritt zum nächsten gewertet. Wie Demetrios vor mir schon festgestellt hat, können materielle Erfolge nicht zu spirituellen Erlebnissen führen. - Mir fällt in diesem Zusammenhang der Rat Jesus’ an den reichen Jüngling ein: „… Verkaufe alles was Du hast und folge mir nach …“ (Matth.19,21//Mark.10,21//Luk.18,22)
Keine Sorge: Ich will Dich nicht zum Christentum „bekehren“, sondern nur aufzeigen, dass unabhängig von den klassischen Philosophen auch in den Grundlehren des Christentums schon festgestellt wurde, dass äußerer Reichtum nichts mit geistigem Reichtum zu tun hat - dass beides einander wahrscheinlich sogar ausschliesst.

… Um es mal ganz klar zu stellen: Der Sinn oder Unsinn
des Lebens geht mir am verlängertem Rücken vorbei. …

Mal vorsichtig gefragt: Meinst Du nicht auch, dass Du dir gerade mit dieser Einstellung den Weg zum Glück verbaust?

Ich kenne aber komischerweise niemanden der glücklich ist…
und ich kenne wirklich viele Menschen… und ich rede mit
ihnen und viele suchen das Gespräch mit mir, aber es ist
niemals ein einziger oder eine einzige dabei, die glücklich
ist.

Nun, jetzt „redest“ Du mit mir - und ich bin ausgeglichen und mit meiner materiellen Situation zufrieden. Das Statusstreben, welches mein Leben früher bestimmt hat, habe ich hinter mir gelassen und ich fühle mich im Einklang mit der Schöpfung. Ich habe akzeptiert, dass unsere Gesellschaft paradiesische Zustände niemals erreichen kann; und erst als ich aufgehört habe gegen die „Missstände“ zu kämpfen, aufgehört habe, meine Mitmenschen zu belehren und zu bekehren, habe ich meinen inneren Frieden gefunden. Ob ich glücklich bin?! Ich weiß es nicht! Das hängt wohl auch immer davon ab, wie man Glück definiert! Auf jeden Fall bin ich weder unzufrieden noch unglücklich - und ich vermute, dass man im irdischen Leben nicht mehr sehr viel darüber hinaus erreichen kann.

Vielleicht sollte ich Glück neu definieren: Glück heisst, dass
man keinen Hunger hat, dass man nicht in einer Erdbebenzone
wohnt, dass man nicht auf Landschaften wohnt, wo
wirtschaftliche Begehrlichkeiten Kriege hervorrufen und dass
man in einem Land lebt, wo man Kommentare wie diesen hier
einfach so veröffentlichen kann.

Für Dich könnte das tatsächlich ein erster Schritt in die richtige Richtung sein. Wir können nämlich wirklich zufrieden sein, daß wir gerade hier in Mitteleuropa leben. Aber auch das bringt natürlich immer noch kein Glück … Es gehört mehr dazu! Denn sonst könnten die Angehörigen div. Naturvölker überhaupt nicht glücklich sein. Und doch findet man gerade dort - auch mitten in Krisen- und Katastrophengebieten wirklich glückliche Menschen. Und weißt Du, was diese Menschen von uns unterscheidet? - Sie haben sich (wie Dein Kind) die Unschuld bewahrt …

Ich könnte jetzt viel mehr weiterschreiben, doch denke ich,
dass es reicht.

Das trifft auf meinen Sermon ebenfalls zu! „Anleitungen zum Glücklichsein“ gibt es viele - Vielleicht findest auch Du darunter den für Dich persönlich richtigen Weg. Vielleicht erfährst Du aber auch hier in den Antworten Lebensbeispiele von glücklichen Menschen, denen nachzueifern, sich lohnt. Wie auch immer: Ich wünsche Dir, dass Du zumindest Zufriedenheit findest.

Herzliche Grüße
Fr.-Chr.

P.S.: „Warum denn in die Ferne schweifen …“

Hallo Stefan…

glücklich zu sein, heisst den Moment zu leben und sich frei zu machen von Erwartungen.
Dies ist meine Sicht.
Du schreibst, Du hattest Dir einen Plan gemacht, wie Dein Leben einmal aussehen soll und von dem Du erwartet hast, dass er Dich glücklich macht. Sorry, aber so kann das nicht funktionieren.
Das soll nicht heißen, dass man kein Glück empfinden sollte wenns um materielles geht. JEDER Moment kann Glück bedeuten - ein Lächeln Deiner Kinder ebenso wie keinen Hunger leiden zu müssen oder auch die Doppelhaushälfte in der Du mit Deiner Familie lebst.
Du wartest darauf, dass das Glück Dich finden wird - umgekehrt wird ein Schuh daraus.
Glücklich sein, zu-frieden sein ist eine Entscheidung, kein Zufall, keine äußeren Umstände können Dich zu einem glücklicheren Menschen machen. Du alleine musst Dich dafür entscheiden.
Mach die Augen auf, versuche ganz bewusst den Moment zu leben. Schieb nichts auf die lange Bank, tu es JETZT! Warum Dinge auf morgen verschieben, was ist morgen anders als heute?
Werde Dir darüber bewusst, was Du gerade jetzt für Glück hast! Du hast die Arbeit, die Du Dir gewählt hast, die Frau, die Du Dir gewählt hast, Du kannst essen, wenn Du Hunger hast, Du hast ein zu Hause, Du hast keine Schmerzen, die Sonne scheint, die Vögel zwitschern…
Mach es Dir bewusst und dann gehe achtsam und wertschätzend mit denen um, die Dir dieses Glück ermöglichen: Deiner Frau, Deinen Kindern, den Vögeln und vor allem DIR.
Geh zu Deiner Frau und sag ihr, dass Du das Gefühl hast, dass sie nicht glücklich ist und frag sie, was Du tun kannst für sie. Wann hast Du ihr zum letzten Mal das Gefühl gegeben, dass sie wichtig ist für Dich?
Wann hattest Du zum letzten mal das Gefühl, dass DU wichtig bist?
Wann hast Du Dir zum letzten mal bewusst gemacht, dass der heutige Tag ein ganz besonderer ist?

Ich wünsche Dir einen wundervollen, glücklichen Tag

Tanja

ich bin glücklich… meistens…
Hej Stefan!

Jeder ist seines Glückes Schmied.
Ich bin einige Zeit herumgelaufen, hab mir eingeredet, mein Leben wär sinnlos. Vielleicht bin ich der Reproduktion wegen hier, vielleicht auch einfach nur so. Inzwischen suche ich den Sinn in meinem Leben nicht mehr. Die Antwort auf die Frage nach dem Sinn lautet entweder 42 oder ist für mich einfach nicht zu finden.
Diese Resignation hat mich aber dazu gebracht, glücklicher zu werden. Ich akzeptiere mich, so wie ich bin. Ich versuche, mir selber nicht böse zu sein, wenn ich Fehler mache.

Glücklich sein kann man lernen.
Anfangs muss man sich vielleicht noch zwingen, sich über die lustige Spiegelung im Fenster zu freuen, oder über die ersten Blattspitzen des selbstgesäten Salbei. Später geht das von selber.
Außerdem tut es mir gut, Sachen, auf die ich gerade Lust habe, einfach zu machen. Vielleicht halten mich einige Menschen für verrückt, wenn ich selber Brot backe, Gänseblumenkränze flechte und damit geschmückt in der Stadt herumlaufe,… aber es macht Spaß. Es bereichert mein Leben.

Ich freu mich über deinen Denkanstoß. Er führt mir wieder mal vor Augen, wie wunderschön mein Leben ist. Es ist zwar schwer, aber wenn man immer wieder auf’s Neue staunt wie ein kleines Kind, wird das Leben zum aufregenden Abenteuer.

Hamba Kahle
Igel

Genügsamkeit
Hallo Stefan,

Glück ist eine Empfindung, das von Ansprüchen und Erwartungen abhängig ist.
Ich bin überzeugt davon, dass man zum glücklich sein nicht allzuviel braucht, vorallem nichts materielles. Und oft sind die glücklich, denen es mal sehr schlecht ging, sie ihrer Misere entkommen konnten, und nun zufrieden sind mit dem was sie haben.

viele Grüße
grilla

Hallo Claudia und Stefan,
So ist es wohl, nur der kann Glück genießen, der Unglück überwand.
Und wer die vielen kleine Glücksmomente auf der Jagd nach dem „einen großen Glück“ übersieht und verpaßt, wer sich nie mit dem zufrieden geben kann, was er hat, der wird immer unglücklich und unzufrieden bleiben.

Berthold Brecht meinte:

Ja, renn nur nach dem Glück
Doch renne nicht zu sehr!
Denn alle rennen nach dem Glück
Das Glück rennt hinterher.

Denn für dieses Leben
Ist der Mensch nicht anspruchslos genug
Drum ist all sein Streben
Nur ein Selbstbetrug.
(Dreigroschenoper)

Grüße
Eckard.

Hallo Stefan,

ich bin glücklich. Nicht immer, doch meistens.

Es macht mich glücklich, dass ich den liebsten Mann der Welt zum Freund habe, dass ich am Samstag in U***** fliege und meine „Heimat“ wiedersehe, dass ich jeden Morgen auf dem Weg zur S-Bahn hunderte kleine Vögel singen (& zetern) höre, dass die Sonne gerade scheint, dass ich drei Katzen habe, die mir anstandslos vertrauen, dass ich gesund bin, dass ich (fast) alles tun kann, was ich will und (fast) alles lassen kann, was ich nicht will, und das, wann immer ich will.

Ich bin glücklich, wenn mein Schatz sich meldet, wenn im Winter ein eiskalter Regenschauer meine Klamotten total durchweicht und ich merke, dass der Mensch nicht über alles Gewalt hat, wenn meine Katzen im Schlaf „Beute fangen“, wenn ich morgens, mittags und abends am Teich vor der Arbeit den Gänse- und Teichhuhn-Familien zusehe, wie die Kleinen wachsen, …

Das alles und noch einiges, einiges mehr macht mich glücklich - aber ich kann Dir genau sagen, wann der bis dato glücklichste Augenblick meines Lebens sein wird: Wenn ich im Flieger sitze, mein Schatz neben mir, und ich die norwegische Küste sehe… Dann ist’s perfekt.

Grüße
Natascha

Hi Stefan!

Kennst du den Film: Die Matrix

Did you know that the first Matrix was designed to be a perfect human
world? Where none suffered, where everyone would be happy. It was a
disaster. No one would accept the program. Entire crops were lost.

Some believed we lacked the programming language to describe
your perfect world. But I believe that, as a species, human beings
define their reality through suffering and misery.

The perfect world was a dream that your primitive cerebrum kept trying
to wake up from. Which is why the Matrix was redesigned to this: the
peak of your civilization.

Stimmt scheinbar

Grüße Dusan

Hallo Eckard,

Berthold Brecht meinte:

Ja, renn nur nach dem Glück
Doch renne nicht zu sehr!
Denn alle rennen nach dem Glück
Das Glück rennt hinterher.

Denn für dieses Leben
Ist der Mensch nicht anspruchslos genug
Drum ist all sein Streben
Nur ein Selbstbetrug.
(Dreigroschenoper)

wunderbar diese Zeilen, sie sprechen mir so richtig aus der Seele.
In meiner Verwandtschaft ist ein Lieblingsthema was sich ihre Kinder gerade geleistet haben: mein Haus, meine Yacht, mein Pferd…
Ich erkläre mir das so: Das ist die Nachkriegsgeneration, die froh war in einer Aufschwungzeit sich immer mehr kaufen zu können, Wohlstand als Maßstab für Lebensglück. Es mag zu ihrer Zeit Gültigkeit gehabt zu haben. Doch scheint dieses Denken eine Dynamik entwickelt zu haben, die in den nachfolgenden Generationen immer noch den gleich starken (oder gar stärkeren) Einfluß hat.
Es ist schwer, sich dieser Dynamik zu entziehen und leider auch unpopulär.

viele Grüße
Claudia

Hallo Stefan,

Glücklichsein hat meiner Meinung nach absolut nichts mit Materiellen Dingen zu tun sondern ist im physischem und geistigem Bereich zu empfinden und zu spüren.
Die Dauer dieses Gefühls ist nur im Moment zu finden. Einen ständig zu spürenden Glückszustand gibt es nicht, dafür ist unser Leben als Mensch von zu vielen Faktoren b.z.w. Mitmenschen abhängig. Ich meine das man das von Dir gemeinte Glück eher als wahre Lebensfreude bezeichnen sollte, da es in unserem Leben eine entscheidende Bedeutung für unser Sein darstellt. Der größte Teil der Menschheit ist unglücklich, denn wäre sie glücklich gebe es keine Kriege, Hungersnöte und Verbrechen. In einer solchen Umgebung ist es schwer Glück b.z.w. Lebensfreude auf Dauer zu empfinden. Von daher kommt es wahrscheinlich das viele Menschen materielle Dinge als die Basis b.z.w. Ersatz für Lebensfreude ansehen und diesen Dingen hinterher jagen wobei sie sich ständig selbst mit Schmerzen und Enttäuschungen durchbohren.
In erster Linie zählt für mich das Leben selbst, denn würde ich nicht leben könnte ich nichts empfinden. Dann kommt das Bewusstsein, ich kann fühlen, schmecken, riechen, denken, kurzum ich bin und ich erkenne dies. Dann kommt das Lebensumfeld, also alles was um mich herum existiert damit ich mich des Lebens erfreuen kann ( Speisen, Düfte, Farben, Geräusche, Formen u.s.w.). Alle Dinge die dem Leben zuträglich sind erfreuen mich und geben mir Lebensfreude und Kraft. Den wahren Wert des Lebens zu erkennen, dass ist es. Natürlich lebe ich nicht wie ein Einsiedler, obwohl ich mir das angesichts der mich umgebenden Missstände manchmal wünsche, aber man hat in unserer Gesellschaft zu funktionieren und da bleiben mir nur kleine Nischen in die ich mich ab und zu zurückziehen kann.
Als der König einmal zu Diogenes sagte, er könne sich wünschen was er wolle, sagte dieser zu ihm: “Geh ein Stück zur Seite, du verbirgst die Sonne vor mir“.
Ob wir heute den Mut hätten uns so etwas zu wünschen ? Viele Dinge im Leben trüben meine Lebensfreude ein ( Ungerechtigkeit, Krankheit, Hunger ). Trotzdem versuche ich mich auf die wahren Werte im Leben zu besinnen, und von daher kann ich sagen das ich, wenn auch getrübt, glücklich bin. Vielen Dank für deine leserliche Geduld. Ich wünsche Dir und deiner Familie alles Gute und viel Lebensfreude.
Gruß Peter

Hallo Claudia,

Es ist schwer, sich dieser Dynamik zu entziehen und leider
auch unpopulär.

ich kann ja nur von mir ausgehen, deswegen: Genau dieses Gerenne hilft mir teilweise beim „Glücklichsein“. Wenn ich z.B. in der Mittagspause am See bin und die o.g. Gans-/Huhn-Familien beobachte, rennen zig Menschen einfach vorbei, hetzen zu Terminen, zur Arbeit, rasen in ihren teuren Wagen vorbei, wischen sich die teuren Anzüge ab, dass bloß kein Sandkörnchen dran hängenbleibt und schauen weder nach rechts noch nach links, bekommen von der Natur um sie herum gar nichts mit - während ich mir die Zeit zum Genießen nehme, barfuß durchs Gras laufe und mich (auch mit hellem Anzug oder Kostüm) halt auch mal ins Gras oder auf die Mauer oder in den Sand oder wohin auch immer setze.

Das gehört für mich einfach dazu. Ich brauche diese Zeit einfach - und die anderen Leute tun mir fast schon leid. Aber wenn ich diese dann beobachte, merke ich jedes Mal, dass ich etwas habe, was sie nicht haben - Ruhe. Und das macht mich wieder glücklich, weil ich weiß, dass ich mich nicht vom Großstadt-Stress einholen lasse und es mir egal ist, ob ich einen Markenanzug oder ein günstiges Modell trage. Hauptsache ist, dass ich mich wohl fühle, und in genau diesen Momenten tue ich das besonders.

Das mag sich „unfair“ den besagten Menschen gegenüber anhören, aber so ist es nunmal.

viele Grüße
Claudia

Grüßlis
Natascha

Ein Gedicht dazu

Ein Mensch der kommt mit Müh und Not,
vom Nichts zum ersten Stückchen Brot.

Vom Brot zur Wurst klappt es schon besser,
der Mensch entwickelt sich zum Fresser.

Uns sitz nun scheinbar ohne Kummer,
als reicher Mann beim Sekt und Hummer.

Doch sieh, zu Ende ist die Leiter
vom Hummer aus gehts nicht mehr weiter

Beim Brot, so denkt er war das Glück
doch findet er nicht mehr zurück.

Gruß Peter

nein ich kenne keinen, der wunschlos glücklich ist.

der mensch ist nie glücklich und nie zufrieden. wenn er das wäre, hätte er keinen grund mehr zu leben. was uns vorantreibt ist der „wunsch nach dem wunsch“. wer keine wünsche mehr hat, ist eigentlich schon tot! das betrifft materielle dinge genauso wie gefühlsmäßige. nach beiden streben wir auf natürliche weise. und sollten wir irgendwann einmal alles haben und alles sein und alles getan haben das möglich ist, dann werden wir sterben wollen.

gruß datafox

Ein Mensch der kommt mit Müh und Not,
vom Nichts zum ersten Stückchen Brot.

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Beim Brot, so denkt er war das Glück
doch findet er nicht mehr zurück.

Gruß Peter

Quelle ist dafür ist Eugen Roth, z.B. hier: http://www.astelfix.de/eugen.htm

gerhard

Wohlstand als Maßstab für Lebensglück
Es ist schwer, sich dieser Dynamik zu entziehen und leider
auch unpopulär.

Wohl wahr, Claudia.
Ich bin zu einer Zeit aufgewachsen, als Mangel normal war. Inzwischen sind Generationen herangewachsen, die keinen Mangel kennen, für die Hunger nur noch Appetit bedeutet, denen Verzicht fast als soziale Schande vorkommt.
Natürlich haben wir dafür gesorgt, dass unseren Kindern der Mangel, wie wir ihn litten, erspart blieb. Natürlich haben wir uns eher krumm gelegt, als unseren Kindern einen Wunsch abzuschlagen. Nachträglich haben wir an ihnen unsere eigenen Wünsche erfüllt.
Heute glaube ich, dass es vielleicht auch falsch war, unseren Kindern zu verwehren, das Gefühl des Mangels selbst zu erleben. Zumindest sich mehr in Verzicht zu üben.
Nun, wo offenbar die „sieben fetten Jahre“ sich ihrem Ende zuzuneigen scheinen, wird offenbar, dass diese Erfahrungen vielen Menschen fehlen. Sie können damit nicht umgehen, etwas sich nicht zu gönnen, etwas nicht zu erreichen, auf etwas zu verzichten, sich etwas zu versagen. Sie werden es wieder lernen müssen.
Vielleicht verhilft uns das aber dazu, dass wir wieder ein wenig mehr zusammenrücken und uns auf das besinnen, was in den Zeiten des Mangels selbstverständlich war: das Teilen. Nicht nur das Abgeben von Überfluß, nein, wirkliches, schmerzhaftes Teilen. Und Mitfühlen. Wirklich Mitfühlen kann man nur, wenn man zumindest ähnliche Erfahrungen am eigenen Leib gewonnen hat.

Wollen wir hoffen, dass diese Erfahrungen nicht allzu schmerzlich sein werden.

Grüße
Eckard.

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*kicher*
Ich beobacht grad 3 erwachsene Männer (naja Studenten halt) bei uns im Hof, die mit aller Gewalt versuchen, so zu tun als wollten sie nicht mit einem Fußball in alle möglichen Zimmerfenster reinzuschießen. Bei der Küche im 2. Stock haben sie’s schon geschafft, an meinem Fenster - und das ist immerhin im 6. Stock - sind sie jetzt ein paar mal haarscharf vorbeigeschrammt…
Ich glaub, die fühlen sich grad glücklich :wink:

amüsierten Gruß
Igel

Ich !
Lieber Stefan,

ich gehöre zu jenen, die erst Leid überwinden mußten, um Glück und Wohlbefinden schätzen zu lernen. Für mich hat Glück etwas mit Dankbarkeit zu tun. Bevor ich einschlafe, überlege ich mir oft, wofür ich dankbar bin. Das geht von Dankbarkeit für meine Gesundheit bis zur Dankbarkeit für die leckeren Erdbeeren, die es als Nachtisch gab. Es stellt sich dann ein Gefühl tiefer Zufriedenheit ein, mit dem ich einschlafe. Ich glaube, das hilft mir dabei, Glück bewußt wahrnehmen zu können.

Viele Grüße,
Iris

Lieber Stefan,

das ist vielleicht mal ne Frage…

Ich glaube nicht, daß man Glück mit Wunschvorstellungen oder der
Erfüllung von ihnen in Verbindung bringen kann.
Vielmehr erscheint mir unsere Sicht auf die Gegebenheiten des
Lebens, die großen und kleinen Dinge, der Schlüssel zum Glücklich-
sein zu sein.
Im Rahmen einer Testreihe hab ich (ein spontaner und durchaus
fröhlicher Typ) zum Ergebnis bekommen, ich sei hochgradig pessimistisch, wow - nicht nur ich war erschrocken, auch die Test-
leitung…:smile: Damals verwechselte ich Pessimismus mit Realismus und kam ziemlich ins Grübeln. Glück, denke ich muß gelebt werden und
dazu muß man gern leben, selbst in den härtesten Zeiten, man sollte
die Menschen um sich lieben und in der Lage sein, sich selbst zu
verzeihen. Auch Unzufriedenheit gehört zum Glück, sie treibt voran oder zeigt neue Wege.
Ich denke nicht, daß jeder Mensch zu jeder Zeit glücklich sein kann, aber ich kenne Menschen, denen fliegt dennoch jedes Herz zu, da sie
Glück und Freude verbreiten und dies zu erleben, ist auch Glück.
Man muß nur seine Sinne gebrauchen lernen.
Klingt banal, ist aber schwer, doch durchaus lebbar.

LG
d.

Ja!
Hi Stefan,

ich würde mal prinzipiell sagen, dass ich glücklich bin. Nicht immer, leider nicht, dafür denke ich zu häufig und zu viel nach und dafür herrscht in meinem Leben derzeit zu viel Chaos, aber ich bin froh, dass Kleinigkeiten mich glücklich machen können.

Wenn ich meinen Freund ansehe, bin ich glücklich.
Wenn er mich ansieht, mit dieser besonderen Art, dann erst recht.
Wenn ich über uns nachdenke und wo das hinführen kann, bin ich glücklich.
Wenn ich mich ganz mies fühle und dann plötzlich die Sonne durch die Wolken kommt, dann bin ich plötzlich ganz kurz glücklich (hört sich kitschig an, ist aber wahr).
Manchmal fühle ich einfach in mich rein und fühle mich dann von jetzt auf gleich pudelwohl.

Ich kann es nicht genau beschreiben, aber trotz Stress mit Jobsuche u.a. kann ich mitten auf der Straße stehen bleiben und einfach denken: „Mensch, das Leben ist doch eigentlich ziemlich schön.“

Und wenn ich das, wenn auch nur für einen kurzen Augenblick durch ein Lächeln oder so, auch anderen vermitteln kann, dann bin ich auch glücklich.

Das hört sich jetzt so an, als würde ich dämlich grinsend und verblendet durchs Leben laufen, aber ich meinte damit auch wirklich nur so kurze Momente, in denen es einfach plötzlich so ist.

Man sollte sich einfach manchmal die kleinen Dinge vor Augen führen und einfach mal jemanden, den man auf der Straße trifft, anlächeln - funktioniert überraschend gut!!!

Zuviel Nachdenken über das Weltgeschehen, den Sinn des Lebens, das „warum gerade ich“ in bestimmten Situationen taugt imho nix, damit macht man sich das Leben nur selber schwer (was nicht heißen soll, dass man solche Dinge völlig unter den Tisch fallen lassen soll, nur eben das Grübeln darüber etwas reduzieren - man kann nicht die Welt retten, wenn man sich selbst damit kaputt macht!).

Grüße

Cess