Liebe Freundinnen und Freunde von wer-weiss-wass,
diese Site soll ja eigentlich konkret Suchenden helfen bei ganz klar definierten Fragen. So ist meine Frage nicht, aber ich muss auch mal mit ein paar Menschen mehr reden als sonst. Also missbrauche ich diese tolle Site, um einfach etwas zu sagen… nur mal so…
Meine Frage, die ich da jetzt hineinstelle, sieht schon jetzt am Anfang, wo ich dies schreibe, als Gejammer und Selbstmitleid aus. Und insofern bin ich gerne bereit, jede Kritik jederzeit entgegenzunehmen. Dies kann sehr gerne über feedbacks hier erfolgen oder per Email oder abends per Telefon Deutschland 0441-3047328 (sofern meine Frau abnimmt, bittet doch bitte Stefan an´s Telefon (das bin ich).
Ich selber, Stefan, bin nicht glücklich. (Dumm, dass ich den nächsten Satz und die darauffolgenden wieder mit "ich“ beginnen muss und daher vielleicht als Egomane oder Egoist gleich von vornherein eingeschätzt werde… aber es geht nicht anders). Ich habe mir damals, als ich 18 Jahre alt war, einen Wunschtraum „aufgestellt“: Sofern ich mal eine liebe Frau kennenlerne und sie mich auch lieb hat, tue ich alles, dass es ihr gut geht. Ferner möchte ich, dass wir immer genug Geld haben, um uns unser Essen zu kaufen, eine nette Wohnung zu haben und ab und zu in den Urlaub zu fahren.
Inzwischen bin ich 37 und habe eine nette Frau und zwei nette Kinder. Wir wohnen in einer Doppelhaushälfte zur Miete. Wir haben keine Geldsorgen. Wir fahren einmal im Jahr in den Urlaub. Und ich bin nicht glücklich.
Versteht mich nicht falsch: Ich möchte nicht wissen, warum ich glücklich „sein sollte“, da es ja auf der Welt und auch in Deutschland viele gibt, die es nicht so gut haben wie ich. Darüber denke ich permanent nach und bedarf keiner Hilfe.
Ich habe mich in meiner Verwandtschaft, meiner Freunde und Bekannten und insbesondere im Kollegenkreis mal innerlich umgeschaut… Da gibt es sehr viele Aktivitäten, um Kommunikation mit anderen Menschen zu betreiben, aber es ist immer nur ein Akt, der ihnen (mir auch) in gewisser Hinsicht aufdokrieniert wird. Zusammentreffen dieser Art werden immer im Nachherein als etwas bezeichnet wie „War ja echt schön, nicht? … und jetzt ist erstmal gut…
Ein Schulfreund von mir hat vor gut 5 Wochen Selbstmord gemacht.
Das letzte Mal hatten wir pesöhnlich Kontakt vor 2 Jahren per Email (selbstverständlich mit dem heiligen Versprechen, „dass wir uns sehen, sobald der eine oder andere mal in der Nähe ist“). Im Nachherein, als meine Mutter mich auf seinen Tod aufmerksam machte, habe ich festgestellt, dass wir die letzten Jahre nur 40 km voneinander entfernt wohnten.
Ich bin manchmal draußen außerhalb meiner Firma. Da lerne ich viele Menschen kennen. Allerdings nur so, wie es das berufliche Umfeld so mit sich bringt. Aber es kommt regelmäßig dazu, dass wir einfach reden… über den Job… die jeweilige Firma… und die Familie… grad bei letzterem kann ich häufig Parallelen feststellen… das Knuffigste war mal ein junger Mann von geschätzt 18 Jahren, der mir altem Familienvater in epischer Breite erklärte, wie schön es ist, bei der Geburt des eigenen Kindes dabei zu sein (ich muss dazu erwähnen, dass bei unserem Gespräch er erst seit 10 Stunden Vater war). Selbstverständlich versprach ich ihm in die Hand hinein, dass auch ich bei der Geburt mener nächsten Kinder dabei sein werde (wie sonst auch).
Ja, dieser Mann war glücklich in diesem Moment und ich hoffe, er ist es heute noch.
Ich bin es nicht, obwohl ich es müsste. Ich habe eine Frau, die mich zumindest nicht ganz schrecklich findet, ein liebes Mädchen namens Natascha, welches uns wirklich Freude macht bzgl. der Hilfsbereitschaft und Liebe zu anderen Mitmenschen. Unser Sohn ist zwar geistig und körperlich behindert, aber er entwickelt sich und ich nehme jeden Vortschritt als Geschenk war. Es geht uns eigentlich gut.
Doch ich bin nicht glücklich. Ich sehe die Menschen in meiner Umgebung. Auch meine Frau. Sie ist nicht glücklich. Meine Tochter Natascha ein bisschen (ohne Schule, sagte sie mir heute bei einem Fahrradausflug in die Bornhorster Wiesen, könnte das Leben ganz erträglich sein). Mein Sohn Dennis ist glücklich, da er innerhalb seiner Welt überwiegend nur Liebe vorfindet. Beneidenswert, irgendwie…
Meine weitere Verwandtschaft: Nö… von dem Glücklichsein an sich ist wie bei mir noch sehr wenig vorhanden.
Bei meinem Freund? Hmmm… hoffen wir mal darauf…
Bei meinen Kollegen (gleichzeitig gute Bekannte mit Potenzial zur Freundschaft)? Nein… wirklich nicht.
Ich kenne wirklich keinen einzigen Menschen der von sich sagt: „Ja, ich bin glücklich!“
Irgendwo oder irgendwie war mir mal bewusst bzw. wurde mir gesagt, dass das Leben selber, welches wir führen, keinen Sinn hat. Wenn jemand einen Sinn sucht, dann soll er glücklich sein. Hmmm… ich glaube, dass war mein Bio-Pauker in der10. Klasse. Um es mal ganz klar zu stellen: Der Sinn oder Unsinn des Lebens geht mir am verlängertem Rücken vorbei. Aber Leute, mal ganz im Ernst, Glück selber an sich, ohne dass man die Rechte anderer Menschen beschränkt oder verletzt, ist doch wirklich O.K. , oder?
Ich kenne aber komischerweise niemanden der glücklich ist… und ich kenne wirklich viele Menschen… und ich rede mit ihnen und viele suchen das Gespräch mit mir, aber es ist niemals ein einziger oder eine einzige dabei, die glücklich ist.
Vielleicht sollte ich Glück neu definieren: Glück heisst, dass man keinen Hunger hat, dass man nicht in einer Erdbebenzone wohnt, dass man nicht auf Landschaften wohnt, wo wirtschaftliche Begehrlichkeiten Kriege hervorrufen und dass man in einem Land lebt, wo man Kommentare wie diesen hier einfach so veröffentlichen kann.
Ich könnte jetzt viel mehr weiterschreiben, doch denke ich, dass es reicht.
Egal, wer du bist, der das hier gelesen hast, ich habe dich gerne (Grundprinzip von mir: Jeder Mensch, den ich kenne, hat erstmal ganz viele Pluspunkte. Da ich dieses Prinzip seit meinem ca. 15. Lj. anwende und nur geringfügig enttäuscht wurde, sage ich jetzt in meinem hohen Alter von 37 Jahren: Yes, so verkehrt ist dat nisch *grins). Toll, dass du die Ausdauer hattest, mein Geschreibsel zu lesen.
Ich wünsche dir von vollstem Herzen für dich und deine Lieben Gesundheit (nominaler Wert: mindestens 137,8 mal 6 Richtige im Lotto) und vielleicht sogar ein bisschen Glück (nominaler Wert : nicht in Euro oder sonstwas bezifferbar).
CU
Stefan

Damals verwechselte ich Pessimismus mit Realismus und kam ziemlich ins Grübeln. Glück, denke ich muß gelebt werden und