Von den Meßgeräten hab ich zwei
verschiedne. Das eine reicht von 0-200,
das andere von 0-5000 ‚Einheiten‘. Beide
markieren etwa ab 100 Einheiten den
gefährlichen Bereich
Ist die Skala linear oder logarithmisch skaliert?
Beide zeigen zu Hause alle paar Sekunden
einen kleinen Zeigerausschlag, wie es in
der Beschreibung auch angekündigt ist (10
Impulse pro Minute = 15 mkR/h, ±30%)
Aha, jetzt kommen wir der Sache schon naeher. Das Geraet misst anscheinend keine Strahlendosen, sondern Aktivitaeten (also Zerfaelle pro Sekunde). Der Wert der dabei herauskommt haengt in erster Linie von der Groesse des Fensters des Zaehlrohrs ab. Dies bedeutet, dass mit zwei verschiedenen Messgeraeten dies Types bei der gleichen Strahlungsquelle voellig unterschiedliche Werte herauskommen koennen. Dies ist jedoch nicht weiter schlimm. Falls es Geraete zur Anschaetzung von Oberflaechenkontaminationen sind, so sind sie oft schon ab Werk auf die Fensterflaeche kalibriert, geben also als Einheit „Zerfaelle pro Zeit und Flaeche“ als Ergebnis auf der Anzeige aus.
Um jedoch die von dir gewuenschte Information (Ortsdosisleistung eines Strahlenfeldes) zu erhalten, muesste man diesen Geraetetypus zumindest auf das zu bestimmende Isotop kalibrieren. Die besseren Geraete enthalten bereits eine Kalibrationsliste, bzw sind per Schalter auf ein bestimmtes Isotop einstellbar. Die Luxusausgaben enthalten sogar Pruefstrahler, also Strahlenquellen bekannter Zusammensetzung und Aktivitaet, mit denen zum einen die korrekte Funktion des Zaehlrohrs pruefen kann, zum anderen aber auch Zeigerausschlaege fuer verschiedene Isotope vergleichen kann.
Laut Beschreibung dienen sie
„orientierender Bewertung“ der
Strahlungsintensität, also nicht exakten
Messungen.
Tragbare Messgeraete zur „exakten“ Messung gibt es eh nicht, weil Du dazu 360 Grad um die Strahlenquelle herum messen musst.
Fragt sich, was es mißt. In der
Gebrauchsanweisung steht, daß es die
Summe aus alpha, beta ud gamma erfaßt,
die Einheit ist immer mit mkR/h
angegeben. Da dacht ich, das sind
Mikroröntgen.
Also die wenigsten Geiger-Mueller Zaehlrohre sind in der Lage Alpha-Strahlung vernuenftig zu messen. Auch bei Beta-Strahlung haben einige noch Schwierigkeiten, einfach dadurch, dass der groesste Teil der Strahlung bereits in der Wand des Zaehlrohrs absorbiert wird und die Anzeige viel zu gering ausfaellt. Aber da die Alpha-Strahlung eh nicht durch die Wand des Flugzeuges gekommen waere, scheidet dies schon einmal als Problem bei Dir aus.
Was mkR/h sein sollen, kann ich Dir leider auch nicht sagen, aber nach Deiner Beschreibung denke ich nicht, dass es MikroRoentgen pro Stunde sind. Ich denke eher es ist irgend eine Angabe von Zerfaellen pro Zeiteinheit. Jedenalls, wenn Du sagst, dass bei 100 mkR/H die Warnschwelle liegt, und wir annehmen, dass wirklich Mikroroentgen pro Stunde gemeint sind, so ist die etwa die Dosisschwelle, bei der der sogenannte „Ueberwachungsbereich“ beginnt, wo man also bei staendigem Aufenthalt mehr als die fuer unbedenklich gehaltene Strahlendosis pro jahr abbekommen wuerde. Von daher kann das noch hinkommen. Auch der „Normalwert“ von 15 mkR/h, den Du angegeben hast (also 0,15 Mikrosievert pro Stunde) kann gerade noch so angehen. Es wundert mich jedoch, dass dieser Wert in Sachsen zu finden ist, da ihr neben dem Schwarzwald die hoechste terrestrische Strahlung in Deutschland habt, hier bei mir an der Kueste mag das noch gerade so angehen an guten Tagen. Fazit des Ganzen: mkR/H koennen MikroRoentgen pro Stunde sein, allerdings ist bei 100 Mikroroenten pro Stunde noch keine akute Gefahr vorhanden, ausser man haelt sich dort Tag und nacht auf. (Das waeren demnach Orte wie Rio de Janeiro mit einer natuerlich bedingten Ortsdosisleistung von etwa 1,14 Mikrosievert pro Stunde oder 114 MikroRoentgen pro Stunde).
Sagt Dir das was? Ich habs Geigerzähler
genannt, könnte aber falsch sein.
Ich denke, das wird schon stimmen, es gibt zwar noch verschiedene Arten, wie ein Geiger-Mueller-Zaehlroh geschaltet sein
kann, zum Beispiel ob es die Energie der Strahlung beruecksichtigt oder wirklich nur die Teilchenzahl miss (in Fachchinesisch spricht man von Betrieb im Proportional- bzw. Ausloesebereich), aber das duerfte fuer Deine Anwendung erst einmal nicht so interessant sein.
Wo könnte der Patzer liegen?
Zunaechst einmal am Alter des Geraetes. Das Zaehlgas wird mit der Zeit verbraucht, egal ob das Geraet angeschaltet ist oder nicht. Dies fuehr jedoch eher zu zu niedrigen Anzeigen. Ein bestimmter Zaehlrohrtypus, die sogenannten „selbstloeschenden Zaehlrohre“ enthalten jedoch ein weiteres Gas, was dazu dient die im Zaehlrohr erzeugten Ladungen zu beseitigen. Daurch kann die Empfindlichkeit des Messgeraetes gesteigert werden, da die Zeit, die nach dem Auftreten eines Strahlungsteilchens nicht gemessen werden kann (die sogenannte Todzeit) verkuerzt wird. Ist jedoch das Loeschgas verbraucht zeigt das Geraet viel zu hohe Werte an.
Auch die Position des Geraetes waehrend des Messvorganges kann entscheidend sein. Mach doch mal den Versuch, einmal auf den Boden und einmal in die Sonne zu zielen beim Messen und schau mal, wie stark sich die Werte unterscheiden.
Aus Deiner Beschreibung insgesamt entnehme ich, dass es sich bei Deinem Geigerzaehler wohl um ein geraet aus alten Armee-Bestaenden handelt. Dagegen ist nichts zu sagen, jedoch muss man im Augen behalten, wofuer diese Geraete konzipiert sind. Sie sollen dazu dienen, eine radioaktive Kontamination eines Gelaendeabschnittes zu melden, und zwar nicht mit genauen Zahlenwerten sonder nur „ja“ oder „nein“, und das tendentiell eher in Richtung „ja“. Mit grosser Messgenauigkeit ist hier also nicht zu rechnen.
Dein Beispiel mit den Alpen und der Ukraine finde ich trotzdem recht interessant. Letztens hatte ich irgendwo mal eine Untersuchung zu den Verlaeufen der Ortsdosisleistung bei Fluegen entlang verschiedener Breitengrade gesehen, muss ich mal nach suchen, jedenfalls waren da starke Schwankungen zu erkennen. Dazu ist zu bemerken, dass die Hoehenstrahlung nicht konstant ist, sie aendert sich mit der Jahreszeit (Abstand Erde-Sonne), der Witterung und auch der Sonnenfleckenaktivitaet. Dass Strahlung in dieser Hoehe noch dirket vom Reaktor in Tschernobyl kommen soll halte ich fuer eher unwahrscheinlich, aber auszuschliessen ist dies jedoch nicht. Natuerlich spielt auch die Beschaffenheit der Flugzeugwaende eine Rolle (je nach Material erfolgt eien bessere oder schlechtere Abschirmung). Fuer einen Transatlantikflug kann ich Dir sagen, dass man bei einem etwa 12stuendigen Flug eine Belastung von etwa 100 Mikrosievert abbekommt, entsprechend etwa 8 Mikrosievert pro Stunde, das waehren 800 Mikroroentgen pro Stunde (gemittelt ueber die gesamte Fluggdauer), kurzfristige Spitzenwerte sind hiermit nicht erfasst.
Jedoch ist sowohl bei dieser Messung mit einem Stabdosimeter als auch bei Deiner Geigerzaehlermessung zu beachten, dass die Hauptbelastung, die waehrend des Fluges auf uns einwirkt, naemlich die Neutronenstrahlung von beiden Messgeraeten nicht angezeigt wird.
Falls Du mehr ueber die korrekte Anwendung von Strahlenmessgeraeten wissen moechstest, so sei Dir die Buchreihe „Man nehme einen Geigerzaehler“ empfohlen. Dies ist ein dreibaendiges Werk, welches die Anwendung von Strahlenmessgeraeten in alltaeglichen Situationen beschreibt, und auch die dabei zu beachtenden Regeln und haeufigsten Anwendungsfehler erklaert, und zwar auch fuer normale Menschen verstaendlich. Die Buecher findest Du sicher in der Universitaetsbibliothek bei den Physikern. Sie sind auch nicht teuer, so zwischen 30 und 40 DM pro Band, wenn ich mich recht erinnere.
Noch ein paar Tips zum ausprobieren:
Messung im Keller und im Freien bzw. normalem Wohnraum. Vergleich der Strahlung in einem Holzhaus und einem Betonhaus. Falls Du giftgruene Kacheln irgendwo findest, halt Deinen Zaehler mal da ran (aber nicht erschrecken), Messungen im Spuehlbecken loesen auch gerne Entsetzen aus.
Viel Spass beim Experimentieren.
Joern
, nehm ich jedenfalls das Ding mit.