Keule

bs"d

Hallo.

der zentralrat ist eine instanz, die sowas nicht mehr tun muß.

Welche Instanz oder Person muss es denn stattdessen tun?

Entgegen der hier nämlich vorhanden Meinung, dass dem einfach
so sein muss …

hier? wie bitte? meinst du hier im sinne von bei den
usern von w-w-w
allgemein anerkannt? VETO

Ich meinte mit hier missverständlich die öffentliche Meinung in Deutschland und somit auch in diesem Forum. Ja, ich bin mir sicher, wenn man die Suchmaschine hier anwirft, dass diese dann diese Behauptung ausspucken wird.

Was wundert dich nun daran so?

Kol tuw,
Eli

MOD: Schafft ihr noch, die …
… Keule, sorry, die Kurve zu kriegen?

Hallo!

Der Ausdruck „Auschwitzkeule“ (M.Walser) entsprang der interndeutschen Debatte über die Bewältigung der Vergangenheit.

Damit der Thread den Weg ins Archiv besteht, bitte ich den Bezug zum Thema des Brettes nicht zu verlieren. OK?

Gruß

MOD

bs"d

Nach dem der MOD uns darauf aufmerksam gemacht hat, will ich doch einfach einmal euer Einschätzung hören, wo und wer denn nun diese Keule im Nahostkonflikt einsetzt? Ist dieses hier angemessen?

Und wer nimmt alles in diesem Konflikt diese Keule war (unwesentlich ob es sie überhaupt gegeben hat) und warum?

Kol tuw,
Eli

Hallo.

Was wundert dich nun daran so?

wie du versuchst, deinem vorredner hier ein schiefes meinungs- und kräfteverhältnis aufzutischen.
irgendwann muß eben mal gut sein, damit die sache eine gute sache bleibt.

meine eltern sind 1936 und 1938 geboren. ich 1963 … klingelt’s bei dir?

Da ja hier jemand sagt, dass „Auschwitzkeule“ eine „schöne
Metapher für die Schuldgefühlmasche“ sei, würde mich schon mal
interessieren, wie das so gesehen wird. Ist eine solche
Darstellung in Ordnung oder wie würdet Ihr das einschätzen?

Ich finde es unnötig, auf den Holocaust zu verweisen. Jeder normaldenkende Mensch sollte/müsste vor Scham im Erdboden versinken (nicht als deutscher, sondern als Mensch mit nur ein bisschen Empathie und gesundem Menschenverstand), wenn er den Nachkommen der Überlebenden des Massakers geldgierige Interessen vorwirft oder ihnen unterstellt, das Gemetzel als Vorwand heutiger politischer INteressen zu missbrauchen.
Vielmehr sehe ich eine Tendenz, die Vernichtung verbal zu verharmlosen, sie historisch zu bagatellisieren, um wiederum daraus heute ebenjenen Nachfahren einen Strick zu drehen.
Das beginnt mit dem Gelaber vom „kulturellen Genozid am palästinensischen Volk“, geht über die Aussage „die Juden behandeln die Palästinenser wie sie seblst von den Nazis behandelt wurden“ und endet bei der unsäglichen Mär des „jüdischen Willens, die Araber zu vernichten“.
Und dann gibt es natürlich noch jene Deutschen, die die Unbeschreiblichkeit, die Unfassbarkeit dieses Verbrechens verharmlosen, um an ihrer schizophrene Beziehung zu ihrem eigenen Land nicht zu zerbrechen: Sie wissen ja insgeheim ganz genau, dass auch ihre Urgroßeltern und Großeltern nicht im Widerstand bei der KP waren, sondern möglicherweise Aufseher und Zulieferer der KZs… wie soll der einfache Deutsche aber jetzt noch mit seiner Identität prahlen, mit Goethe und Schiller?
Naja, ist doch klar: Der Holocaust wird ja eh nur instrumentalisiert von den Juden, um Geld zu scheffeln… es hat ja auch andere Völkermorde gegeben, nicht wahr! Ein Amerikaner ist doch auch stolz auf sein Land! (und die nächste Schizophrenie, denn wird aufgezählt, warum er nicht stolz sein dürfe: Die Indianer, Vietnam, Chile…)

Was ist eigentlich mit der implizierten Vermengung von Juden,
Israel und israelischen Interessen. Muss das bewertet werden
oder nicht?

Meiner Meinung nach muss das nicht bewertet werden, denn die Vermengung ist einfach ein Fakt. Ein jüdischer Deutscher wird ja nicht als jüdischer Deutscher sondern als deutscher Jude wahrgenommen und in der Regel von seiner kompletten Umwelt als Teil des jüdischen Volkes wahrgenommen.
Ich war einmal bei einer Veranstaltung von Paul Spiegel; bei den Fragen war direkt die erste „was sagen Sie zum Nahostkonflikt“; da wollte er sich gar nicht äußern. Dann hakten aber andere nach, er sei doch auch Jude. Was soll er da noch sagen? Natürlich will er, dass Israel bestehen bleibt. Immerhin hat er da ein paar Verwandte, wenn ich das recht in Erinnerung hab.

Gruß

meine eltern sind 1936 und 1938 geboren. ich 1963 …
klingelt’s bei dir?

Deine Geschichtsvergessenheit schon wieder. Und ewig grüßt das Murmeltier.

Wo bleiben nun eigentlich Deine Nachweise, dass mit dem Verweis auf Auschwitz, Schuldgefühle in was-weiß-denn-ich umgemünzt würden? Wohl doch nur dumpfe Antisemitenrhetorik. Damit auch ein Teil der Antwort auf Deine Frage, die unten gelöscht wurde.

Ich finde es unnötig, auf den Holocaust zu verweisen. Jeder
normaldenkende Mensch sollte/müsste vor Scham im Erdboden
versinken (nicht als deutscher, sondern als Mensch mit nur ein
bisschen Empathie und gesundem Menschenverstand), wenn er den
Nachkommen der Überlebenden des Massakers geldgierige
Interessen vorwirft oder ihnen unterstellt, das Gemetzel als
Vorwand heutiger politischer INteressen zu missbrauchen.

Und dass genau dieses Schamgefühl kaum einer hier hat, erschreckt mich so, wie auch der Umstand, dass man hier ernsthaft so eine Frage diskutieren muss.

Vielmehr sehe ich eine Tendenz, die Vernichtung verbal zu
verharmlosen, sie historisch zu bagatellisieren, um wiederum
daraus heute ebenjenen Nachfahren einen Strick zu drehen.

Das trifft den Nagel auf dem Kopf. Dazu wird relativiert, nach der Melodie: „Was habt ihr Nachfahren nur?“ Wer sagte noch, dass die Deutschen den Juden Auschwitz nie verzeihen würden?

Das beginnt mit dem Gelaber vom „kulturellen Genozid am
palästinensischen Volk“, geht über die Aussage „die Juden
behandeln die Palästinenser wie sie seblst von den Nazis
behandelt wurden“ und endet bei der unsäglichen Mär des
„jüdischen Willens, die Araber zu vernichten“.

Wohingegen die Augen beim Thema Antisemitismus in arabischen Gesellschaften geschlossen bleiben. Wie war das mit der Kollaboration der Araber mit den Nazis, konkret des Muftis von Jerusalem?

Und dann gibt es natürlich noch jene Deutschen, die die
Unbeschreiblichkeit, die Unfassbarkeit dieses Verbrechens
verharmlosen, um an ihrer schizophrene Beziehung zu ihrem
eigenen Land nicht zu zerbrechen: Sie wissen ja insgeheim ganz
genau, dass auch ihre Urgroßeltern und Großeltern nicht im
Widerstand bei der KP waren, sondern möglicherweise Aufseher
und Zulieferer der KZs… wie soll der einfache Deutsche aber
jetzt noch mit seiner Identität prahlen, mit Goethe und
Schiller?

Exakt. Geschichtsvergessenheit ist hier ausreichend zu bewundern.

Naja, ist doch klar: Der Holocaust wird ja eh nur
instrumentalisiert von den Juden, um Geld zu scheffeln… es
hat ja auch andere Völkermorde gegeben, nicht wahr! Ein
Amerikaner ist doch auch stolz auf sein Land! (und die nächste
Schizophrenie, denn wird aufgezählt, warum er nicht stolz sein
dürfe: Die Indianer, Vietnam, Chile…)

Applaus

Was ist eigentlich mit der implizierten Vermengung von Juden,
Israel und israelischen Interessen. Muss das bewertet werden
oder nicht?

Meiner Meinung nach muss das nicht bewertet werden, denn die
Vermengung ist einfach ein Fakt. Ein jüdischer Deutscher wird
ja nicht als jüdischer Deutscher sondern als deutscher Jude
wahrgenommen und in der Regel von seiner kompletten Umwelt als
Teil des jüdischen Volkes wahrgenommen.
Ich war einmal bei einer Veranstaltung von Paul Spiegel; bei
den Fragen war direkt die erste „was sagen Sie zum
Nahostkonflikt“; da wollte er sich gar nicht äußern. Dann
hakten aber andere nach, er sei doch auch Jude. Was soll er da
noch sagen? Natürlich will er, dass Israel bestehen bleibt.
Immerhin hat er da ein paar Verwandte, wenn ich das recht in
Erinnerung hab.

Gruß

Super Posting. Ich befürchte zwar, dass viele das nicht verstehen werden, aber es trifft komplett zu. Der Deutsche arbeitet an Israel seine eigenen Komplexe ab. Diesen Text von Broder hast Du bereits gelesen?
http://www.henryk-broder.de/tagebuch/palaestina.html

meine eltern sind 1936 und 1938 geboren. ich 1963 …
klingelt’s bei dir?

Deine Geschichtsvergessenheit schon wieder.

na, ich werde doch die geburtsdaten meiner eltern kennen!

Wo bleiben nun eigentlich Deine Nachweise, dass mit dem
Verweis auf Auschwitz, Schuldgefühle in was-weiß-denn-ich
umgemünzt würden?

bleiben wir bei umgemünzt:

+:smiley:amit auch ein Teil der Antwort auf Deine Frage, die unten

gelöscht wurde.

gelöscht wurde dein beitrag http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/www/login.fpl?ju…
dadurch fiel auch mein beitrag weg. aber ich denke, du hast meinen beitrag noch rechtzeitig lesen können. ich kenne die religionszugehörigkeit der angesprochen person nicht, also nix mit antisemitismus.

na, ich werde doch die geburtsdaten meiner eltern kennen!

Das habe ich nicht bestritten.

bleiben wir bei umgemünzt:

Klassischer Reinfall mein Bester. Nicht eine Mark an Reparationen an Israel. Wie auch? Gab ja keinen Krieg mit diesem Staat. „Wiedergutmachungszahlungen“ standen Deiner Meinung nach den NS-Opfern also nicht zu? Was wäre denn angemessen gewesen? Für Dich ist es schon ein Skandal, normale Rentenleistungen zu zahlen?

oder auch nur argumentativ:

  • in nahezu jedem nahost-thread hier aus der feder der dir
    bekannten user
  • jede TV-diskussionsrunde mit friedman

Was? Welche Aussage soll da jetzt hinter stecken? Diese besagten User schrieben aus umgemünzten Schuldkomplex heraus? Gaga?

gelöscht wurde dein beitrag
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/www/login.fpl?ju…
dadurch fiel auch mein beitrag weg. aber ich denke, du hast
meinen beitrag noch rechtzeitig lesen können. ich kenne die
religionszugehörigkeit der angesprochen person nicht, also nix
mit antisemitismus.

Dann weißt Du es eben nicht. Bitteschön . . .

bs"d

bleiben wir bei umgemünzt:

  • Reparations-/wiedergutmachungszahlungen an Israel?

Nu, zum einen waren diese ja nicht sehr gross und zum anderen kam der Wunsch hierzu ja aus der BRD.

oder auch nur argumentativ:

  • in nahezu jedem nahost-thread hier aus der feder der dir
    bekannten user

Womit wir wieder bei meiner Feststellung sind, dass es dir hier mehr um Verdrängung als um Kritik geht, da bislang hier bis auf wenige Ausnahmen aus meiner Sicht hier zu Recht eben auch die Schoa thematisiert wurde oder meist sogar zuerst von den Kritisierten selber in die Diskussion eingebracht wurde.

  • jede TV-diskussionsrunde mit friedman

Ich sehe schon seit Jahren kein Fernsehen mehr, aber er muss sich hier gewaltig geändert haben, denn früher ging es in den Diskussionsrunden mit ihm sehr selten darum.

Was also bleibt, ist wohl die erst einmal nur von dir wahrgenommene Keule und es stellt sich aufgrund obiger Nichtvorhandenheit schon fast die Frage, warum du diese überall wahrnimmst?

Kol tuw,
Eli

bs"d

Was wundert dich nun daran so?

wie du versuchst, deinem vorredner hier ein schiefes meinungs-
und kräfteverhältnis aufzutischen.

Soweit ich mich erinnere, hat er diese Meinung ja selber in den Raum gestellt. Darauf erwiderte ich ja nur, dass entegegen dieser Meinung es sich so nicht verhält.

Von welchem Kräfteverhältnis sprichst du nun aber?

irgendwann muß eben mal gut sein, damit die sache eine gute
sache bleibt.

Was sollte deiner Meinung nach gut sein bzw. bleiben? Da du es nicht weiter benennst, muss ich annehmen, dass es dir dabei um den hier thematisierten Holocaust geht.

Was soll daran nun mal eben gut sein müssen?

denke es wäre ein Schlag mitten ins Gesicht gewesen. So nach
dem Motto wir wollen euer Geld nicht.

Die Entscheidung war sehr knappt. Trotz wirtschaftlicher Not wollten sehr viele Menschen das Geld nicht.

Aber da wäre auf Israel Druck ausgeübt worden unter dem
Vorwurf dass man auch verzeihen können sollte.

Genau so vermute ich das auch. Daher ist es unverständlich, warum jetzt über diese Zahlungen gemeckert wird. Ich würde soweit gehen zu sagen, daß diese Zahlung für den Zahler wichtiger war als für den Bezahlten.

Gruß
dataf0x

Super Posting. Ich befürchte zwar, dass viele das nicht
verstehen werden, aber es trifft komplett zu. Der Deutsche
arbeitet an Israel seine eigenen Komplexe ab. Diesen Text von
Broder hast Du bereits gelesen?
http://www.henryk-broder.de/tagebuch/palaestina.html

Man könnte natürlich auch über uns beide sagen, wir versuchten krampfhaft, uns mittels pro-israelischen Beiträgen moralisch überlegen zu fühlen…

Der Text von Broder ist ganz interessant, geht aber m.E. am Thema vorbei: Der Nahostkonflikt ist großes Thema überall auf der Welt - warum genau, weiß ich auch nicht, aber ich glaube nicht, dass es nur am Abarbeiten historischer Schuld-Komplexe geht, wie es Broder vermutet (auch wenn das bei vielen Deutschen sicher eine Rolle spielen mag).

Gruß

Hi Nick,

Warum sagen immer alle, die Israelis wären geldgierige Säcke?

wer ist alle?

Das ist doch total antisemitisch!

Ja ist es. Weil aber Amis, Franzosen, Briten, Deutsche, Russen
… auch geldgierig sind, könnte man sagen, Menschen
sind Geldgierig.

Amis ballern rum,
Franzosen sind Feinschmecker und temperamentvoll,
Briten haben tolle Schnurbärte,
Deutsche sind fleissig und gründlich
Russen trinken alle Wodka…

Bist Du sicher, dass spontane Assoziationen beim Wort Israeli auch „Wodka“, „fleissig“ oder „temperamentvolle Liebhaber“ sind?

Amis, Franzosen, Briten, Deutsche, Russen und Israeli sind nicht gleich.

Außerdem verwahre ich mich dagegen, als Angehöriger der oben verunglimpften Deutschen als „geldgierig“ bezeichnet zu werden. Wenn Du wirklich glaubst, alle Menschen seien geldgierig, solltest Du schleunigst Deinen Umgang wechseln!

Nick

Hi,

Amis ballern rum,
Franzosen sind Feinschmecker und temperamentvoll,
Briten haben tolle Schnurbärte,
Deutsche sind fleissig und gründlich

*g* das hättest Du gern. :wink:

Russen trinken alle Wodka…

Bist Du sicher, dass spontane Assoziationen beim Wort Israeli
auch „Wodka“, „fleissig“ oder „temperamentvolle Liebhaber“
sind?

Für Nazis sind Juden geldgierige Säcke.

Amis, Franzosen, Briten, Deutsche, Russen und Israeli sind
nicht gleich.

Außerdem verwahre ich mich dagegen, als Angehöriger der oben
verunglimpften Deutschen als „geldgierig“ bezeichnet zu
werden. Wenn Du wirklich glaubst, alle Menschen seien
geldgierig, solltest Du schleunigst Deinen Umgang wechseln!

Damit Du auch was lernst, die Marktwirtschaft funktioniert deshalb.

Was den Umgang angeht, Du hast Recht, ich werde auf besseren Umgang achten, erwarte also keine Antworten mehr von mir.

Gruß, Rainer

Hallo,

Vielmehr sehe ich eine Tendenz, die Vernichtung verbal zu
verharmlosen, sie historisch zu bagatellisieren, um wiederum
daraus heute ebenjenen Nachfahren einen Strick zu drehen.
Das beginnt mit dem Gelaber vom „kulturellen Genozid am
palästinensischen Volk“, geht über die Aussage „die Juden
behandeln die Palästinenser wie sie seblst von den Nazis
behandelt wurden“ und endet bei der unsäglichen Mär des
„jüdischen Willens, die Araber zu vernichten“.
Und dann gibt es natürlich noch jene Deutschen, die die
Unbeschreiblichkeit, die Unfassbarkeit dieses Verbrechens
verharmlosen, um an ihrer schizophrene Beziehung zu ihrem
eigenen Land nicht zu zerbrechen: Sie wissen ja insgeheim ganz
genau, dass auch ihre Urgroßeltern und Großeltern nicht im
Widerstand bei der KP waren, sondern möglicherweise Aufseher
und Zulieferer der KZs… wie soll der einfache Deutsche aber
jetzt noch mit seiner Identität prahlen, mit Goethe und
Schiller?
Naja, ist doch klar: Der Holocaust wird ja eh nur
instrumentalisiert von den Juden, um Geld zu scheffeln… es
hat ja auch andere Völkermorde gegeben, nicht wahr! Ein
Amerikaner ist doch auch stolz auf sein Land! (und die nächste
Schizophrenie, denn wird aufgezählt, warum er nicht stolz sein
dürfe: Die Indianer, Vietnam, Chile…)

Meiner Meinung nach muss das nicht bewertet werden, denn die
Vermengung ist einfach ein Fakt. Ein jüdischer Deutscher wird
ja nicht als jüdischer Deutscher sondern als deutscher Jude
wahrgenommen und in der Regel von seiner kompletten Umwelt als
Teil des jüdischen Volkes wahrgenommen.
Ich war einmal bei einer Veranstaltung von Paul Spiegel; bei
den Fragen war direkt die erste „was sagen Sie zum
Nahostkonflikt“; da wollte er sich gar nicht äußern. Dann
hakten aber andere nach, er sei doch auch Jude. Was soll er da
noch sagen? Natürlich will er, dass Israel bestehen bleibt.
Immerhin hat er da ein paar Verwandte, wenn ich das recht in
Erinnerung hab.

das ist eine gute Analyse!
gerade weil sie gut ist, reizt sie mich zu Rückfragen:

Ich finde es unnötig, auf den Holocaust zu verweisen. Jeder
normaldenkende Mensch sollte/müsste vor Scham im Erdboden
versinken (nicht als deutscher, sondern als Mensch mit nur ein
bisschen Empathie und gesundem Menschenverstand), wenn er den
Nachkommen der Überlebenden des Massakers geldgierige
Interessen vorwirft oder ihnen unterstellt, das Gemetzel als
Vorwand heutiger politischer INteressen zu missbrauchen.

  1. gewöhnlich ist es keine moralische Forderung, allgemein „Opfer“ oder deren Nachkommen grundsätzlich von auf andere Dinge bezogener Kritik auszunehmen; warum ist dies hier der Fall?

  2. würdest Du diese Forderung für die anderen „Opfergruppen“ des Holocausts auch erheben?

  3. es dürfte als allgemein-menschlich gelten, bisweilen von der Geldgier getrieben zu werden, und öfter mal eher unbrauchbare Argumente für politische Interesse zu gebrauchen;
    so etwas ist überall in der Welt feststellbar; worin besteht die Wichtigkeit, die „Nachkommen der Überlebenden des Massakers“, wie Du es bezeichnest, davon grundsätzlich auszunehmen?

  4. ist dieses grundsätzliche Ausnehmen nicht ein sehr problematisches Vorgehen, wenn man bedenkt, dass der Weg vom Ausnehmen zur Ausnahme zur Ausblendung vielleicht ein kurzer ist?

  5. ich könnte mir vorstellen, Du begründest die Notwendigkeit des Ausnehmens mit der „völligen Unvergleichkeit des Holocausts“, seiner Sonderstellung im historischen Ablauf der Abscheulichkeiten;

ist es nicht u.U. aber vielleicht eine paradoxe Form der (ungewollten) Leugnung des Holocausts, wenn man ihn zur totalen Ausnahme macht, ihn nicht in seiner „Normalität“ erkennt, in seinem Eingebettet-Sein in die Welt des 20./21. Jhdts., in seiner grundsätzlichen Wiederholbarkeit, seiner Paradigmatizität?

Viele Grüße
franz

Mit ‚begegnet‘ meinte ich persönlich getroffen.

Hmmmm dann mach doch den Test mit xbeliebigen Leuten, denen zu begegnest. Beginne Smalltalk über den Sommer und deinen versauten Israelurlaub, wo alles viel zu teuer war, du reingelegt und betrogen wordest bist und du von einem Sicherheitsbeamten schikaniert worden bist.

Kaum einer wird antworten „ja, es ist halt überall der Urlaub so teuer“ und „kann einem überall passieren“ und „die nehmen Sicherheit halt todernst“.

Gruß
dataf0x

Amis ballern rum,
Franzosen sind Feinschmecker und temperamentvoll,
Briten haben tolle Schnurbärte,
Deutsche sind fleissig und gründlich
Russen trinken alle Wodka…

Das sind alles Vorurteile.

Bist Du sicher, dass spontane Assoziationen beim Wort Israeli
auch „Wodka“, „fleissig“ oder „temperamentvolle Liebhaber“
sind?

Nein, weil keiner in Israel war LOL!

Sicherlich gibt es Vorurteile noch und nöcher über Israelis, vor allem als Touristen: Laut, frech, machen überall Schwierigkeiten, treten in Gruppen auf und fressen wie die Bären. Frauen haben gefärbte Strähnchen, viel Makeup und knallenge Kleidung. Erkennt man auf 10km!

Ich hoffe der Unterschied zum antisemitischen Weltbild ist dir einigermaßen klar.

Gruß
dataf0x

  1. gewöhnlich ist es keine moralische Forderung, allgemein
    „Opfer“ oder deren Nachkommen grundsätzlich von auf andere
    Dinge bezogener Kritik auszunehmen

Das ist keine Forderung sondern eine Frage des guten Geschmacks. Ein banalerer Vergleich: In einer Firma wird ein bestimmter Mitarbeiter systematisch gemobbt und fertiggemacht bis er kündigt. Als Gründe kannst du dir vorstellen, daß er dick ist, die falsche Partei wählt oder auf Damenboxen steht. Du kannst dir auch eine Schulklasse vorstellen, die einen Schüler so fertigmachen, daß er die Schule wechselt. Und dann stell dir vor, nach 10 Jahren treffen diese Mitarbeiter ihr ehemaliges Opfer wieder - und ertappen ihn dabei, wie er einen Kellner zur Schnecke macht. Und dann sagt einer der ganz heraussragenden Mobber: „Hey gerade DU solltest das nicht tun. Hast du nicht aus der Vergangenheit gelernt?“

Was würdest davon halten? Wie fühlt sich wohl der ehemalige Gemobbte?

  1. würdest Du diese Forderung für die anderen „Opfergruppen“
    des Holocausts auch erheben?

Natürlich.

  1. es dürfte als allgemein-menschlich gelten, bisweilen von
    der Geldgier getrieben zu werden, und öfter mal eher
    unbrauchbare Argumente für politische Interesse zu gebrauchen;
    so etwas ist überall in der Welt feststellbar; worin besteht
    die Wichtigkeit, die „Nachkommen der Überlebenden des
    Massakers“, wie Du es bezeichnest, davon grundsätzlich
    auszunehmen?

Das ist die Aufgabe für interne Kritik - in diesem Fall israelische Kritik (und die gibt es).

ist es nicht u.U. aber vielleicht eine paradoxe Form der
(ungewollten) Leugnung des Holocausts, wenn man ihn zur
totalen Ausnahme macht, ihn nicht in seiner „Normalität“
erkennt, in seinem Eingebettet-Sein in die Welt des 20./21.
Jhdts., in seiner grundsätzlichen Wiederholbarkeit, seiner
Paradigmatizität?

Das ist richtig.

Gruß
dataf0x

Antiamerikanismus finde ich genau so wenig witzig.