Ich finde es unnötig, auf den Holocaust zu verweisen. Jeder
normaldenkende Mensch sollte/müsste vor Scham im Erdboden
versinken (nicht als deutscher, sondern als Mensch mit nur ein
bisschen Empathie und gesundem Menschenverstand), wenn er den
Nachkommen der Überlebenden des Massakers geldgierige
Interessen vorwirft oder ihnen unterstellt, das Gemetzel als
Vorwand heutiger politischer INteressen zu missbrauchen.
Und dass genau dieses Schamgefühl kaum einer hier hat, erschreckt mich so, wie auch der Umstand, dass man hier ernsthaft so eine Frage diskutieren muss.
Vielmehr sehe ich eine Tendenz, die Vernichtung verbal zu
verharmlosen, sie historisch zu bagatellisieren, um wiederum
daraus heute ebenjenen Nachfahren einen Strick zu drehen.
Das trifft den Nagel auf dem Kopf. Dazu wird relativiert, nach der Melodie: „Was habt ihr Nachfahren nur?“ Wer sagte noch, dass die Deutschen den Juden Auschwitz nie verzeihen würden?
Das beginnt mit dem Gelaber vom „kulturellen Genozid am
palästinensischen Volk“, geht über die Aussage „die Juden
behandeln die Palästinenser wie sie seblst von den Nazis
behandelt wurden“ und endet bei der unsäglichen Mär des
„jüdischen Willens, die Araber zu vernichten“.
Wohingegen die Augen beim Thema Antisemitismus in arabischen Gesellschaften geschlossen bleiben. Wie war das mit der Kollaboration der Araber mit den Nazis, konkret des Muftis von Jerusalem?
Und dann gibt es natürlich noch jene Deutschen, die die
Unbeschreiblichkeit, die Unfassbarkeit dieses Verbrechens
verharmlosen, um an ihrer schizophrene Beziehung zu ihrem
eigenen Land nicht zu zerbrechen: Sie wissen ja insgeheim ganz
genau, dass auch ihre Urgroßeltern und Großeltern nicht im
Widerstand bei der KP waren, sondern möglicherweise Aufseher
und Zulieferer der KZs… wie soll der einfache Deutsche aber
jetzt noch mit seiner Identität prahlen, mit Goethe und
Schiller?
Exakt. Geschichtsvergessenheit ist hier ausreichend zu bewundern.
Naja, ist doch klar: Der Holocaust wird ja eh nur
instrumentalisiert von den Juden, um Geld zu scheffeln… es
hat ja auch andere Völkermorde gegeben, nicht wahr! Ein
Amerikaner ist doch auch stolz auf sein Land! (und die nächste
Schizophrenie, denn wird aufgezählt, warum er nicht stolz sein
dürfe: Die Indianer, Vietnam, Chile…)
Applaus
Was ist eigentlich mit der implizierten Vermengung von Juden,
Israel und israelischen Interessen. Muss das bewertet werden
oder nicht?
Meiner Meinung nach muss das nicht bewertet werden, denn die
Vermengung ist einfach ein Fakt. Ein jüdischer Deutscher wird
ja nicht als jüdischer Deutscher sondern als deutscher Jude
wahrgenommen und in der Regel von seiner kompletten Umwelt als
Teil des jüdischen Volkes wahrgenommen.
Ich war einmal bei einer Veranstaltung von Paul Spiegel; bei
den Fragen war direkt die erste „was sagen Sie zum
Nahostkonflikt“; da wollte er sich gar nicht äußern. Dann
hakten aber andere nach, er sei doch auch Jude. Was soll er da
noch sagen? Natürlich will er, dass Israel bestehen bleibt.
Immerhin hat er da ein paar Verwandte, wenn ich das recht in
Erinnerung hab.
Gruß
Super Posting. Ich befürchte zwar, dass viele das nicht verstehen werden, aber es trifft komplett zu. Der Deutsche arbeitet an Israel seine eigenen Komplexe ab. Diesen Text von Broder hast Du bereits gelesen?
http://www.henryk-broder.de/tagebuch/palaestina.html