Kiefer

Gibt es einen Grund dafür dass man zu einem Schädelknochen sowie zu einem Baum Kiefer sagt, oder ist das reiner Zufall? Gibt es noch mehr solcher Beispiele - also ein Nomen mit zwei oder mehr ganz unterschiedlichen Bedeutungen?

Gibt es einen Grund dafür dass man zu einem Schädelknochen
sowie zu einem Baum Kiefer sagt, oder ist das reiner Zufall?
Gibt es noch mehr solcher Beispiele - also ein Nomen mit zwei
oder mehr ganz unterschiedlichen Bedeutungen?

Hallo und Guten Morgen, bester Andre,

so früh am Morgen schon solch schwere Fragen?
Und keine Zeit zum Gruß?

Das muss ja wichtig sein!

Dann gleich eine erste Antwort. Betrachtet man beider Etymologie und das kann man gut bei Kluge, so steht da:

_ Kiefer 1

Substantiv Maskulinum „Kinnbacken“ Standardwortschatz (15. Jh.), mhd. kiver m./n. (?), kivel, kiuwel
Stammwort. Mit anderem Suffix anord. kjaptr, kjOptr (*kebuta-), mit Ablaut ae. ceafl, as. kaflos Pl.
Die morphologisch stark auseinanderfallende Sippe gehört offenbar zu avest. zafar- „Mund, Rachen“, air. gop „Schnabel, Mund“. Vielleicht aus einer Lautgebärde für „schnappen“. Im Frühneuhochdeutschen bedeutet das Wort auch „Kieme“ (Kieme). Käfer. deutsch iz

Kiefer 2
Substantiv Femininum „Nadelbaum“ Standardwortschatz (15. Jh.), mhd. *kienvore (in mhd. kienvorhIn „aus Kiefernholz“); fnhd. kienfer, ahd. kienforaha, also „Kien-Föhre“
Stammwort. D.h. der Baum, aus dem Kienspäne (für Fackeln u.ä.) hergestellt werden (die Kiefer ist besonders harzreich). Ähnlich vereinfacht (und an Kühe angeglichen?) sind die vereinzelten Bildungen Kühfichte und Kühtanne.
LM 5 (1991), 1120;
RGA 16 (2000), 478f. deutsch s. Kien, s. Föhre_

Obwohl sie also gleichzeitig in der deutschen Sprache auftauchen, haben sie doch ganz unterschiedlichen Etymologien. Uhr Gleichklang ist also Zufall.

Das Phänomen gibt es aber oft. Man nennt solche Wörter „Homonyme“ und braucht sie beim „Teekessel-Spiel“. Heide z. B.

Beste Grüße und noch einen schönen Tag. Und no net hudle!
Fritz

Gibt es einen Grund dafür dass man zu einem Schädelknochen
sowie zu einem Baum Kiefer sagt, oder ist das reiner Zufall?
Gibt es noch mehr solcher Beispiele - also ein Nomen mit zwei
oder mehr ganz unterschiedlichen Bedeutungen?

Guten Morgen Andre,

das gibt es noch: der Bauer - das Bauer

Das Bauer = Vogelbauer = Vogelkäfig scheint mir aber ganz aus der Mode gekommen zu sein. das hängt zusammen mit engl. bower = die Laube.
„Julian’s bower“ heißen übrigend die Labyrinthe, die im Mittelalter und füher manchmal in Kirchen, Klostergärten etc. angelegt wurden.

Gruß - Rolf

Moin Fritz,

Substantiv Maskulinum „Kinnbacken“ Standardwortschatz (15.
Jh.), mhd. kiver m./n. (?), kivel, kiuwel

das ist ja interessant. Im Allgäu sagt man „kuje“ (das e sollte eigentlich auf dem Kopf stehen) für das nervöse oder zornige Mahlen der Kinnbacken

Gruß Ralf

Salut, André!
Es gibt auch den Star als Vogel, vielleicht weil er der Superstar unter den Singvögeln ist.
Als noch die Ornithologie alleine für die Superstarsuche zuständig war
Franz

Gibt es einen Grund dafür dass man zu einem Schädelknochen
sowie zu einem Baum Kiefer sagt, oder ist das reiner Zufall?
Gibt es noch mehr solcher Beispiele - also ein Nomen mit zwei
oder mehr ganz unterschiedlichen Bedeutungen?

Hallo, Ralf,

Im Allgäu sagt man „kuje“ (das e
sollte eigentlich auf dem Kopf stehen) für das nervöse oder
zornige Mahlen der Kinnbacken

diesen Ausdruck hab ich schon lang nicht mehr gehört :smile: Ich hatte angenommen, das käme von „kauen“.

OT: Dazu fiel mir gleich noch „kaiə“ ein - kennst du das auch für „werfen“?

Gruß
Kreszenz

salut franz,

ich vermute eher, das kommt vom englischen star: ein stern am showhimmel, der aufgeht.

strubbel
X:open_mouth:)

und Reis
Hi,

das gibt es noch: der Bauer - das Bauer

und Reis und Reis, also das Getreide Reis und den kleinen Ast eines Baumes oder Strauches (Stichwort Reisig)

Liebe Grüße
Burkhard

Gibt es einen Grund dafür dass man zu einem Schädelknochen
sowie zu einem Baum Kiefer sagt, oder ist das reiner Zufall?
Gibt es noch mehr solcher Beispiele - also ein Nomen mit zwei
oder mehr ganz unterschiedlichen Bedeutungen?

Hallo und Guten Morgen, bester Andre,

so früh am Morgen schon solch schwere Fragen?
Und keine Zeit zum Gruß?

Das war ein Flüchtigkeitsfehler. Sorry.

Beste Grüße und noch einen schönen Tag. Und no net hudle!
Fritz

Danke für die Antwort. Ich hatte mir das schon so gedacht.

Andre

noch ein Beispiel:
Schimmel - ein weisses Pferd
Schimmel - wie in Schimmelpilz

A.

Hi Kreszenz,

Im Allgäu sagt man „kuje“

Ich hatte angenommen, das käme von „kauen“.

eher nicht, es ist meist abfällig gemeint: „Der kujət blouß romm, anstatt dassr was seet“

OT: Dazu fiel mir gleich noch „kaiə“ ein - kennst du das auch für „werfen“?

Nein, das nordöstliche Ostallgäu liegt wohl noch zu nahe am Lech.

Gruß Ralf

Dazu fiel mir gleich noch „kaiə“ ein - kennst du das auch für „werfen“?

Hallo Ralf, ich denke, das hängt mit „hauen - gehauen“ zusammen?
wenn einer etwas „ins Eck gheit“, dan legt er das dort nicht gerade sanft ab.

Gruß
Eckard

Hallo Kreszenz,

OT: Dazu fiel mir gleich noch „kai?“ ein - kennst du das
auch für „werfen“?

Auf der Alb kennt man das „Keien“ sehr wohl. In meiner Jugendzeit dort wurde
sogar das „Schmeißen“ für Werfen so gut wie nicht gebraucht, es wurde nur
„gekeit“.
Es gibt dort übrigens auch eine übertragene Bedeutung zu „keien“:
„Dees keit me“ heißt: Das reut mich, ärgert mich.

Gruß
Bolo2L

Schimmel - ein weisses Pferd
Schimmel - wie in Schimmelpilz

Hallo, Antje!

Laut Kluge heißt hier aber das Pferd nach dem Pilz. Sind also etymologisch sehr eng verwandt.

Livia

ich vermute eher, das kommt vom englischen star: ein stern am
showhimmel, der aufgeht.

Hallo, Strubbel!

Das stimmt sicher, aber sie könnten trotzdem verwandt sein, wenn nämlich der Vogel Star seinen Namen vom Wort für Stern herleiten kann. Öhm, kann irgendwer genug Latein, um „Sturnus“ (biologisch für Star) anders als mit dem Vogelnamen zu übersetzen?
Aber vielleicht starrt der Star ja auch nur, weil er einen grauen oder grünen Star im Auge hat. :wink:)

Livia

keien! Leut! Das ist ein Wort. Da keits einen um!
Guten Tag, all ihr Interessierten!

OT: Dazu fiel mir gleich noch ein - kennst du das auch für „werfen“?

„kaiə“, auch kheien, keien, gheiə und geheien ist eines der faszinierenden Wörter, wo überhaupt gibt in Deutsch!!!

Es kann

  1. schlagen, stoßen
  2. werfen
  3. ärgern, verdrießen

bedeuten.

Der Grimm widmet dem Wort und seinen Ableitungen 21 (in Worten: einundzwanzig) Seiten.
Wer wirklich Interesse und viel Geduld und echte Lust an der Sprache hat, sollte sich das nicht entgehen lassen.

Und dann stante pede und ohne Zögern zu dem entsprechenden Kapitel in Grimmelshausens „Teutschen Michel“ übergehen.

Allein daran zu denken, erhöht bei mir Puls- und Herzfrequenz, vom Blutdruck nicht zu reden!

Und es freut mich besonders, dass die Schwaben das Wort noch ehren und gebrauchen. Der Duden, der Kluge und der Wahrig haben keine Ahnung davon! Und wissen nicht, was ihnen entgeht!

Selbst beim alten Mackensen findet sich nur ein ganz karger Hinweis!

Gruß
Fritz

Hallo, Fritz!

Und es freut mich besonders, dass die Schwaben das Wort noch
ehren und gebrauchen. Der Duden, der Kluge und der Wahrig
haben keine Ahnung davon! Und wissen nicht, was ihnen entgeht!

Vielleicht kann ich deine Begeisterung noch ein wenig steigern :wink:Auch die Schweizer gebrauchen dieses Wort ganz gerne und zwar in mind. 4 Bedeutungen (je nach Dialekt):

  1. schlagen, stoßen
  2. werfen
  3. ~ ärgern, verdrießen (die Kontrolle verlieren)
    4. fallen

Jemanden ins Waser stoßen: öpper is wasser ine gheie

Etwas an die Wand werfen: öppis a d wand ane gheie

Etwas in den Abfall werfen / wegwerfen: öppis fort gheie

Ich dreh durch / Ich halt’s nicht mehr aus: ech gheie öbere

Auch: Langsam fühle ich mich betrunken: langsam ghei i öbere

Es ist heruntergefallen: Es esch abe gheit

Ich bin bei den Prüfungen durchgefallen: Ech be döre gheit

Ich habe den Faden verloren: Ech be drus gheit

Gruß,
Benjamin

Salli, Benjamin,

exküsee villmôls, Benjamin!

Natürlich! Die guten Alemannen jenseits des Rheins! :wink:

Aber die gelten mir so gut wie Schwaben!
Mögen andere zwischen Kuhschwaben und Sauschweizer unterscheiden! :wink:
Ich mag beide und vor allem ihre erd- und landschaftsgebundene Sprachen bzw. Dialekte.

Gruß Fritz

Bsp.
Schein (wie Anschein) und Schein (wie Zettel),
wenn man genau drauf achtet, findet man ständig sowas…(und vergisst es natürlich, wenn’s drauf ankommt :wink: )

Mala

Servus Fritz!

Und es freut mich besonders, dass die Schwaben das Wort noch
ehren und gebrauchen.

  • so wie die Pinzgauer und einige Tiroler:
    umkein - zu Fall bringen (ein Fahrzeug…)
    åjekein - (absichtlich) fallen lassen oder hinabstreifen
    hikeien - Verwerfen bei Kühen
    z’keien - sich zerstreiten
    I bi z’keit - Ich bin mit mir selber unzufrieden, oder auch: Ich bin beleidigt
    Låss mi an Keit! - Lass mich in Ruhe!
    Des keit mi nix - Das geht mich nichts an
    Er keit si nix drum - Er kümmert sich nicht darum

An schen Gruaß!
Helene

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