Kind ist extrem schüchtern(lang)

Hallo Gemeinde,
ich hoffe das mir vielleicht jemand einen guten Rat bei meinem Problem mit meiner fast 4-jährigen Tochter geben kann.
Ich denke entwicklungsmäßig ist meine Tochter auf einem sehr guten Stand, sie malt sehr gut, rechnet bis 10, schreibt einzelne Buchstaben und ist auch körperlich recht weit(Fahrad fahren ohne Stützräder etc.). Sie ist nun fast 1 Jahr im Kindergarten und was erst wie eine Gewöhnungsphase aussah, scheint sich doch zu einem Problem zu entwickeln. Sie spricht und spielt nämlich nicht mit den anderen Kindern, ist unglaublich ruhig(was sie zuhause gar nicht ist)und versucht ja nichts falsch zu machen.
Dabei versuchten wir schon immer sie mit anderen Kindern zusammen zu bringen und sind selber nicht unkommunikativ. Sie hat relativ spät mit dem Sprechen angefangen aber mitlerweile quasselt sie einem zuhause die Ohren ab. Nur woanders spricht sie so leise und undeutlich(wenn überhaupt) das man echt Probleme hat sie zu verstehen.
Ich glaube das sie einfach extrem schüchtern ist und ich weiß nicht wie ich ihr mehr Selbstvertrauen geben kann, da wir das schon immer mit viel Lob usw versuchen.
Wer weiß was zu dem Thema oder hat vielleicht selbst ein Kind mit ähnlichen Problemen? Ich wäre echt dankbar für ein paar gute Tipps.

gruß
Schnorz

Hallo,

das dreijährige Mädel wird wohl noch nicht kindergartenreif gewesen sein, sowas gibts.
Kann leicht sein, daß es im nächsten Kiga-Jahr viel besser ist.

gruß

Ze

Hi,

ist das „nur“ euer empfinden oder sehen die Erzieherinnen im Kindergarten es genauso? (Ist eine wichtige Frage, denn oft neigen Eltern ja dazu, das Licht ihres Kindes unter den Scheffel zu stellen, hingegen Kindergärtnerinnen, hier etwas objektiver sind. Wäre vielleicht eine gute Frage für ein Elterngespräch).

Ansonsten würde ich mir keine großen Sorgen darüber machen, zumal du ja selber sagst, dass eure Lütte zu Hause ganz anders ist. Auf jeden Fall liest sich deine Frage so als würdet ihr alles Richtig machen :wink:

Viele Grüße
Me

Nicht durchgehen lassen
Hallo Schnorz,

zwar weiß natürlich hier niemand ohne nähere Hintergründe, woran es liegt, aber mir fiel spontan ein Kapitel aus „Das Geheimnis glücklicher Kinder“ von Stephe Biddulph ein. Er nennt Schüchternheit „aufgesetzte Angst“, die das Kind an den Tag legt, weil es gelernt hat, dass es dadurch Aufmerksamkeit bekommt (Erwachsene bemühen sich um das Kind, versuchen es aus der Reserve zu locken, sind lieb usw.). Er ist der Ansicht, dass selbstbewusste und kommunikative Menschen mehr vom Leben haben und glücklicher sind, und plädiert daher dafür, gewisse Dinge vom Kind ganz einfach zu verlangen, wie z.B. dass das Kind Erwachsene freundlich begrüßt (geh hin, schau ihn, sie freundlich an, gib ihm die Hand und sag deutlich „Hallo“). Und zwar durchaus mit Druck.
Man kann da dazu stehen wie man will und es gibt sicher auch Gegenargumente. Allerdings kann ich sagen, dass wir in dem Alter bei unserem Sohn auch etwas Druck ausgeübt haben und dass es gewirkt hat.
Er war auch fremden Kindern gegenüber total zurückhaltend und hat sich gar nicht getraut sie anzusprechen, zog sich lieber zurück und wollte eine Cassette hören usw. Wir haben dann durchgegriffen und ganz klar gesagt, dass jetzt nicht die Zeit ist Cassetten zu hören, dass wir mit ihm rausgehen und die Kinder begrüßen, damit er sie kennenlernt und dann auch mit ihnen spielen kann. Er hat sich zuerst massiv gewehrt, aber wir haben es durchgesetzt, und ab diesem Zeitpunkt war er mit fremden Kindern tatsächlich viel selbstbewusster, es war nie mehr nötig ihn zu zwingen.

Auch das mit dem Grüßen haben wir so gemacht wie in dem Buch vorgeschlagen. Ich muss sagen, dass bei uns der Erfolg wirklich durchschlagend war. Unser Sohn begrüßte fortan alle Leute, sogar auf der Straße, sehr freundlich, und sagte oft hinterher „ist doch gar nicht schwer - ich sag einfach hallo!“
Ich würde an eurer Stelle z.B. auch Freunde auffordern, dass sie mit eurer Tochter ganz normal reden und dass sie im Gespräch von eurer Tochter einfordern, dass sie deutlich spricht.

Ich habe sowas auch mit der Tochter einer Freundin erlebt. Meine Freundin sagte, ihre Tochter rede kein Wort mit anderen Erwachsenen, sie sei so schüchtern. Ich habe sie dann ganz normal behandelt, nicht extra „lieb“, sondern habe in ganz normalem, eher festem Tonfall mit ihr geredet. Und als gerade die Mama nicht im Zimmer war, fragte ich das Mädchen „Was magst du trinken?“ und sie antwortete mir laut und deutlich. Die Mama staunte, als ich es ihr erzählte. Ich denke, wenn andere Erwachsene Klartext reden „Bitte rede lauter, ich verstehe dich gar nicht“ anstatt sich runterzubeugen und mit weicher Stimme das „schüchterne“ Kind betüdeln, dann reagiert das Kind auch darauf. Ich erinnere mich noch genau, dass das Mädchen mich an dem Tag viel beobachtete und ansah, offenbar war es ihr ganz neu, dass jemand so mit ihr umging, und mein Eindruck war, dass es ihr gefiel!

Da ihr natürlich im Kindergarten selbst wenig Einfluss habt, würde ich die Erzieherinnen darum bitten, sich entsprechend zu verhalten, und ich würde mal ein paar Kindergartenkinder zum spielen einladen, vielleicht ein paar Spiele machen, wo man einfach Kontakt aufnehmen MUSS (z.B. mein rechter rechter Platz ist leer… und sowas)

Viel Erfolg wünscht

Matilda

hallo.

also ich würde mich nicht drauf verlassen, daß „das schon wird mit der zeit“. vielleicht wird’s mit den jahren wirklich (deutlich) besser, aber daß sich dein kind während dieser jahre in seiner haut wohlfühlt, ist fraglich. lebenslange probleme im umgang mit menschen sind nicht ausgeschlossen.
ich würde auch für matildas tip plädieren.
und nimm dem kind nicht alle antworten ab. wenn des was gefragt wird, soll es selber antworten müssen. es gibt ja eltern, die sind da sehr schnell dabei… „kannst du denn schon schwimmen?“ - „ja, sie schwimmt sogar schon 50m ohne schwimmflügel!“.

gibt sicher noch mehr möglichkeiten, sie zum reden zu „zwingen“:
sie muß selber zum eisverkäufer sagen, welche sorten sie will…
du läßt sie die freundliche verkäuferin im supermarkt um die ecke fragen, was die schokolade kostet, denn wenn du’s nicht weißt, wird sie nicht gekauft…
usw.

gruß

michael

Gefällt mir
Hi Matilda,

Dein Ansatz gefällt mir.

Ich habe zwei Kinder, eine große Tochter (13) aus der ersten Ehe meines Mannes, die (leider) immer nur die Wochenenden bei uns verbringt, und einen Sohn, der 3 Jahre alt ist.

Die Kleine war als Kind extrems schüchtern, sogar mutistisch. Sie sprach ausschließlich mit Mutter, Vater und Oma, sonst NIEMANDEM.

Die Mutter klagte zwar darüber, aber irgendwie fand ich das Problem auch hausgemacht. In den ersten drei Jahren ist sie nie (wirlich NIE) mit dem Kind unter Leute gegangen, es wurde immer der Schüchternheit der Kleinen zugute getan, nie wurde ihr „etwas zugemutet“. Das problem legte sich erst, als sie in die Schule kam, wo sie ja reden MUSSTE. Da ging es dann auch.

Mit mir sprach sie übrigens von Anfang an. Wir haben es z.B. in Restaurants so gemacht, daß sie selber bestellen MUSSTE. Wenn sie der Kellnerin nichts sagte, kriegte sie nichts, fertig. Komischerweise konnte sie da plötzlich reden.
Leider verselbständigste sich das Problem auf Seiten ihrer Mutter, so daß wir nur punktuell dagegen vorgehen konnten. Die Mutter antwortet heute noch (!), wenn die mittlerweile Große im Restaurant gefragt wird, was sie trinken will. *kopfschüttel*

Mein Kleiner ist Erwachsenen gegenüber sehr forsch, Kindern gegenüber hingegen schüchtern. Ich habe ihn bisher noch nicht „gezwungen“, wie Du es beschreibst, aber sehr tolerant bin ich auch nicht. Wenn er eine Gruppe Kinder nicht ansprechen will, dann gehen wir eben weiter, dafür steh ich nicht auf dem Spielplatz rum. :wink:

Das mit dem Grüßen sehe ich eben so, es gehört sich einfach, und ich finde es immer extrem unschön, wenn Kinder nicht grüßen - aber auch, wenn sie nicht gegrüßt werden. Ich erwarte einfach, daß er es tut, da gibt’s auch keine Diskussion. Und tatsächlich geht es ganz hervorragend.

Also im Ansatz kann ich Deine Argumentation gut unterschreiben.

Liebe Grüße,
Nike

Wer weiß was zu dem Thema oder hat vielleicht selbst ein Kind
mit ähnlichen Problemen?

Hallo,

beinahe - ich war auch so ein Kind.
Nach nem halben Jahr auf diese Weise im Kindergarten haben die netten Kindergartentanten meinen Eltern empfohlen, mich einer Kinderpsychologin vorzustellen. Geschadet hat es nichts, da musste ich dann mit irgendwelchen andern Kindern kommunizieren und spielen und so, aber im Kindergarten blieb alles beim Alten, bis irgendwann ein neues Mädchen in die Gruppe kam. Ich weiß nicht mehr, wie das funktioniert hat, aber nach zwei Stunden waren wir die dicksten Freundinnen und sie hat mich dann auch mal mit zu anderen Kindern geschleppt und mir quasi gezeigt, wie man sich als Kindergartenkind so verhält.
Heute bin ich ganz normal :smile:, ich denke, dass sich das bei deiner Tochter auch ändern wird, wenn sie jemandem begegnet, mit dem sie befreundet sein will und der sie so ein bißchen mitreißt.

Viele Grüße
Sonja

Hi,
vielen Dank für eure Antworten, ich glaub ich kann von jedem was brauchen.
Also mit den Erzieherinnen hab ich ein super Verhältnis und leider ist es nicht nur mein Eindruck, daß sie so kontacktarm ist.Aber es beruhigt mich was Idhre sagt, weil sie sehr wählerisch ist mit wem sie was zu tun haben will und mit wem nicht.Vielleicht ist ihr ja tatsächlich das richtige Kind noch nicht begegnet!
Was Mathilda sagt stimmt natürlich alles weil ich hab das Buch auch gelesen und der Erfolg war, das sie nun sehr wohl grüßt, aber das war es auch schon.Bei „inzinierten“ Spielen macht sie auch gut mit nur wenn sie das selbe Kind woanders trifft und ich sage:" schau mal da ist ja der und der" dann sagt sie zu mir das sie keine Lust hat mit dem zu spielen und das sie lieber bei mir bleiben will.
Ich gebe natürlich nicht auf, weil ich auch der Meinung bin, daß das Leben ohne Kontakte irgendwie traurig ist und ich mache mir Gedanken wegen der heutigen Schulanforderungen, denn sie ist sonst keinesfalls dumm. Was vielleicht echt wichtig ist, daß ich ihr keinerlei Antworten abnehme, egal wie lange es dauert bis sie was sagt.
Auf jeden Fall beruhigt es mich auch, das andere auch so ein Problem hatten, denn ich kenne sonst niemenden mit einem so schüchternen oder manchmal regelrecht abweisendem Kind, obwohl sie von den anderen Kindern Gott-sei-Dank sehr gemocht wird und sie immer wieder zu ihr kommen.Wie lange noch?frage ich mich dann halt oft.
Also vielen Dank, vielleicht höre ich von dem ein oder anderen noch was.
gruß
Schnorz

Hallo Schnorz,

schreibst du von meiner großen Tochter (4 J.)? Sie ist auch sehr schüchtern, in der Entwicklung eigentlich sehr weit, sprach auch sehr früh (daran kann es also nicht liegen), nur spricht sie eben nicht mit jedem. Im Kiga wird es immer besser (allerdings kam sie mit 1 Jahr in die Krippe, als sie 1 1/2 war, freuten sich die Erzieherinnen, sie begänne ja jetzt auch zu sprechen. Ich war sehr erstaunt, schließlich quatschte sie mir schon damals zuhause die Ohren voll. Der Wechsel von Krippe auf Kiga (im gleichen Haus mit sanfter Eingewöhnung und mitgehender Freundin) gestaltete sich „wortkarg“. Immerhin spricht sie mit anderen, ist aber eher ruhig, spielt meist nur mit 1 Kind, ist aber an den anderen Kindern durchaus interessiert, beobachtet sie aber lieber.
Bei uns im Garten spielt und spricht sie mit den Nachbarskindern.
Mir ist aufgefallen, dass sie keinen Lärm mag (mochte sie auch als Baby nie) und zuviel Krach und Hektik scheut. Generell sucht sie auch mehr den Kontakt mit etwas älteren Kindern, da deren Spiele für sie interessanter sind.
Sie bezahlt gern im Laden, spricht dort jetzt auch gern (war nicht immer so, ist ein gutes Sprechtraining). Leider spricht sie mit ihrer (eigentlich sehr netten und kompetenten) Kinderärztin sehr ungern/nicht. Macht die U8 nicht gerade leichter…
Grüßen muss sie auch, ich habe es ihr erklärt, warum das notwendig ist. Sie verstand es und tut sich zunehmend leichter damit.
Wenn sie jemand ganz normal behandelt und nichts von ihrer „Sprechunlust“ weiß, spricht sie meist lockerer und ungehemmter.
Ich versuche, ihr immer wieder Gelegenheit zu geben, zu sprechen und freue mich über kleine Fortschritte.
Gibt es bei euch schüchterne Menschen in der Familie? Bei uns schon, ich weiß recht genau, wo sie es her hat.

Viele Grüße, Heike

Hi,

der Meinung bin ich auch. Manche Kinder brauchen längere Zeit, um sich an eine neue Umgebung und neue Menschen zu gewöhnen, andere schaffen das in Null Komma Nix. Ihre Eltern kennt die Kleine ihr ganzes Leben lang, plötzlich aber kommt sie in eine neue Umgebung bzw. trifft auf fremde Menschen…verständlich, dass sie da schüchtern wird.
Haben Sie die Kleine denn mal gefragt, warum sie so schüchtern ist, was ihr vielleicht Angst macht und wie sie ihr helfen können? Sicher haben auch die Kindergärtnerinnen Erfahrung mit sowas und können helfen, Ihre Tochter besser in die Gruppe zu integrieren?
Ach und eines noch: Schüchternheit hat sicher nichts mit dem Entwicklungsstand oder der Intelligenz Ihres Kindes zu tun!Und sehen Sie es als Beweis der Liebe und des Vertrauens Ihrer Tochter zu Ihnen, dass sie zu Hause ein Wirbelwind ist und Ihnen ein Ohr ‚abkaut‘ ;o)

Herzlichste Grüße.