Mein 7-jähriger Sohn interessiert sich schon lange für spirituelle Dinge, und nun lesen wir vorm Einschlafen immer ein Kapitel aus einer Kinderbibel.
Das ist recht früh, ich habe mit sowas erst im Alter von 12 oder so angefangen, aber ich weiß ganz ehrlich nicht so genau in wie weit ich es gemocht hätte, wenn ich das „gemeinsame Lesen“ in dem Alter gehabt hätte. Sicher braucht man jemanden, um über die Dinge zu reden (hinterher) aber gerade in spirituellen Dingen ist es ja wichtig, daß man unbefangen an die Dinge herangeht und sich nach Möglichkeit auch seine *eigene* Meinung über die Dinge erstmal bildet.
Und gerade da wird es oft problematisch, wenn man „vorbelastete“ „Helfer“ heranzieht, die einen gewissen Interessenspunkt quasi fundamentalistisch vertreten.
Denn gerade ein Kind kann schwer aussortieren, was wirklich an den Aussagen einer Person dran ist und was einfach nur überzeugend genug dahergesagt wird.
Ich denke mal, wichtig wäre es da jemanden zu haben, der sich mit der Materie auskennt aber auch in der Lage ist zwischen seiner eigenen Sicht der Dinge und dem im Urpsrungstext Geschriebenen zu unterscheiden und das dem Kind auch bewußt macht - das nämlich erlaubt dem Kind, weitergehend zu denken und sich selbst Gedanken zu machen.
Ich kenne die Bibel nur flüchtig (aus dem Religionsunterricht) und war ganz erschrocken über die ganzen „Racheaktionen“ Gottes an den Ungläubigen bzw. an denjenigen, die die falschen Götter anbeteten (im Alten Testament).
Ja, das AT mit Sippenhaft, Intrigen, Mord, Kindermord, Inzest, … wirklich gut geeignet um ein Kind auf die „harte Welt“ vorzubereiten - aber evtl. nicht so gut geeignet, um den Kleinen Moral und Anstand beizubringen.
Dazu eignet sich das NT einfach besser. 
Wenn ich mit meinem Kind anschließend das Gelesene bespreche, muss ich seine Fragen, wieso Baal anzubeten falsch sei, wieso abtrünnig gewordene oder Ungläubige so hart bestraft würden, warum es angesichts so vielen Leids nötig sein, auf einer Feier Wasser in Wein zu verwandeln („Kunststückchen machen“) usw. unbeantwortet lassen.
An der Stelle kommt sehr viel Exegese und Hermeneutik ins Spiel, um das alles richtig zu verstehen braucht man teilweise schon ein Theologiestudium, von daher denke ich sollte man sich da gar keine Gedanken machen wenn man das nicht alles weiß. Eventuell muß man da wirklich dem Kind sagen „Tut mir leid, darüber habe ich nie nachgedacht, ich weiß leider keine gute Antwort darauf, die müßtest Du selbst finden.“
Denn im Grunde ist Glaube ja genau das: für sich selbst das finden, was man glauben soll. Alles Andere ist ja nur Nachgeplappere, aber wenn man seine eigenen Antworten für die Fragen der Philosophie und des Lebens hat, dann hat man einen echten, eigenen Glauben (egal wie der nun geartet ist) - und über das „Richtig“ und „Falsch“ sollte man sich kein Kopfzerbrechen machen, das Leben ist ein langer Lernprozeß - alles kann sich ändern, wichtig ist nur dem Kind beizubringen daß das was man heute als absolut empfindet eventuell morgen schon wieder anders aussieht und verworfern werden können muß. Das macht den Unterschied zwischen Glauben und Fanatismus, daß der Fanatiker eine falsche Idee verteidigen muß während der Gläubige seinen Glauben einfach adapitert 
Entschuldigt mein laienhaftes Herangehen, ich fange wirklich erst jetzt an, mich näher mit solchen Dingen auseinander zu setzen.
Das ist auch kein Problem, besser jetzt als in 50 Jahren
Es ist selten zu spät und nie zu früh, oder wie hieß das?
Ich kenne das übrigens auch, daß es manchmal erst die Kinder sind, die ihre Eltern dazu bringen, sich über Glaubensfragen Gedanken zu machen.
Mir ist es wichtig, dass meine Kinder ihren eigenen
Weg zu oder eben nicht zu einer Religion finden. Dabei will
ich auch nicht auf das Christentum festgelegt sein, sondern
die Kinder an verschiedene Religionen heranführen.
Ratzinger war das, glaube ich, der schrieb: „Eigentlich weisen alle Religionen nur auf Christus hin, es ist die Aufgabe des Gläubigen, das zu erkennen“. So ähnlich würde ich es eben auch sehen und auch formulieren: Wer nur eine Weltsicht kennt, kann darin nur begrenzt viel sehen. Aber wer alle kennt, der kann für sich entscheiden, welcher er sich widmen will.
Aber auch hier ist wichtig, den Kindern einfach nur den Weg zu zeigen, statt sie auf den Weg zu stoßen bzw. noch schlimmer ihnen vorzuschreiben welchen Weg sie gehen müssen. Wenn sie ihren Weg nicht selbst finden, dann ist das so - aber früher oder später tut das jeder. Irgendwie.
Grüße,
Mike
(. Daher nochmal: Wo steht`s?