hallo Andrea,
die Erschöpfung spüre ich so richtig mit. Auch wenn meine nun größer oder groß sind - vergessen habe ich die Kämpfe auch mit meiner eigenen Unzulänglichkeit nicht. Regelmässig war ich nur noch gefrustet und es fiel schwer, unserem Usus mit singen, musizieren und Gutenachtgeschichte nachzukommen. Das dazu…
Hilfreich war eine der Kindergärtnerinnen - die mir (!!) klarmachte, auch die Kinder hätten Anspruch auf ihre individuelle Note. In dem Alter hatten meine Beiden noch 1 Kinderzimmer zusammen - damit war der Kampf vorprogrammiert - weil es nie einer war, der die Sachen durch die Gegend warf. So habe ich dann auf mein Schlafzimmer verzichtet, damit jedes Kind ein Zimmer hatte. Das Kind, in welchem Zimmer gespielt wurde, musste allein Sorge tragen,d ass die "Einfallschneise"abends frei war - sonst wurde es vom Vorlesen ausgeschlossen. Nun war es bei uns auch üblich, bestimmt an ca. 3 Abenden dass jedes Kind eine Freundin/Freund zum Schlafen da hatte - so denn einigermassen aufgeräumt war.
Was ich (!!) lernen musste, dass meine Auffassung von Ordnung nicht durchsetzbar war. Wir hatten etliche Kisten, alles fein sortiert nach Lego, Duplo, Brio-Eisenbahn, Autos… Und was spielte mein Sohn am liebsten; Müllcontainer sprich alle Kisten ausschütten.
Nach Gesprächen mit der Kindergärtnerin haben wir dann nur noch unsortiert in Kisten aufgeräumt. Meine beiden änderten ihr Verhalten, weil nix gefunden wurde. Als erstes fing meine Tochter an, alles von Barbie getrennt wegzuräumen und hütete dann diese Kiste wie ihren Augapfel. Selbst fremde Kinder wurden zur Ordnung angehalten.
Indem ich großzügiger wurde, herrschte eine friedvollere Stimmung am Abend.
In den anderen Räumen sprich Flur, Wohnzimmer, Küche musste ohne Ausnahme alles weggeräumt werden vor dem Abendbrot - ansonsten blauer Müllsack und weg wars. Funktionierte.
Im großen und ganzen lief es mit dem Aufräumen dann, da sie ab 6 Jahre im Falle eines Falles auch selbst staubsaugen mussten - und weg im Staubsauger war unwiderruflich weg.
Als mein Sohn 15 war, hatten wir den letzten großen Knall: er sollte mit dem Vater in die USA fliegen und sein Zimmer sah aus… Ich war so wütend, dass ich diverse Säche nach seiner Abreise schnappte. alle leeren Dosen zählte, allen Müll wog, und dann die Stunden aufschrieb. 3 Monate später hatte er Geburtstag und bekam von mir als Geburtstagsgeschenk einen Gutschein über 25 geleistete Arbeitsstunden a 10,-- DM, verwendet für seine Zimmerreinigung.
Entsetzten. Wieso, Geschenk für 250,-- DM ist doch o.k. oder? Er bekam dann noch 1 Buch, Kassette und Kleinkram. Seitdem gab es bei beiden keine wesentlichen Probleme. Ich brauchte nur den blauen Sack an die Tür zu hängen.
Dieses als kleiner Trost - so wie du, werden sie nicht aufräumen, mach auch du Kompromisse, sei nicht zu pingelig auch bei dir — aber konsequent mit deinen Anordnungen. Überlege bei jeder, ob du sie auch durchziehen willst.
Unter dem Strich habe ich mir immer gesagt, das ganze leidige Aufräumthema ist es mir nicht wert, die Beziehung zu den Kindern aufs Spiel zu setzen nach dem Motto - super aufgeräumt aber nur Krach und Zank. Heute noch nehmen sie mir mir freiwillig gemeinsam Frühstück und Abendessen ein, wenn möglich und gerade vorige Woche bekam ich das tolle Argument, wie schön es war und ist, dass wir immer Ruhe und Zeit für Spiele und Gespräche nahmen und nicht wie in den Familien der Freunde nur Zank und Streit ums Aufräumen.