im Inlandspolitikbrett hat sich ein Teilthread entwickelt, in dem ich eine ungewöhnliche und unbeliebte These in den Raum gestellt habe: Um die Verkehrssicherheit zu erhöhen, sollten Kinder als Teil des Schulunterrichts autofahren lernen. Konkret denke ich an Simulatoren oder Gokartparks mit echten Benzingetriebenen Autos mit Gangschaltung usw.
Meine Begründung dafür lautet: Autofahren, wie Radfahren, Schwimmen, Schreiben oder ein Musikinstrument spielen, ist eine motorische Kunst, die nur solche Menschen zur Perfektion bringen können, die sie bereits als Kinder erlernt und geübt haben, sodaß die Bewegungen in Fleisch und Blut übergingen.
Beispiel1: Wer als Kind nicht Schreiben gelernt hat, lernt es später nie wieder perfekt.
Beispiel2: Rennfahrer sind alle als Kind bereits Gokart gefahren.
Beispiel3: Ich kenne Menschen die als Kind nicht radfahren gelernt haben. Heute trauen sie sich nicht, auf einer ungeregelten Kreuzung links abzubiegen.
Daraus folgere ich, daß wenn alle Menschen als Kind bereits autofahren lernen würden, es weniger Unfälle gäbe. Auch überhöhte Geschwindigkeit würde dann nicht mehr zu tödlichen Unfällen führen, bzw. viel weniger.
Was sagt die Psychologie dazu?
Bitte KEINE politische Debatte über Umwelt. Die selbe Überlegung betrifft genausogut umweltfreundliche Zukunftsautos mit Wasserstoff usw.
Autofahren können sie alle. Und das sehr gut, selbst die Jüngsten.
Auf einem Bauernhof fahren schon die 12Jährigen große Zugmaschinen.
Nur - die meisten können einfach nicht damit umgehen! Sie fahren oft sehr viel besser, als die Älteren. Fahren dann aber, in Begleitung von Gleichaltrigen, viel zu schnell. Der Zwang, immer ein Rennfahrer zu sein, steht dahinter. Der Druck des Ausgelachtwerdens durch Gleichaltrige verführt zum Rasen und das ist der Punkt.
Der Führerscheinerwerb ist das zentrale Initiationsritual in die Erwachsenenwelt. Er markiert den Übergang in Selbstverantwortung. In unserer ritualarmen Zeit ist es wenig sinnvoll, den verbleibenden rest (geschichtlich gesehen sehr neuer) Bezüge aufzuweichen.
Gruss
Johannes
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>>> Beispiel2: Rennfahrer sind alle als Kind bereits Gokart gefahren.
erstens bezweifle ich, dass diese „Rennfahrer“ im normalen Strassenverkehr aus psychologischer Sicht bessere Autofahrer sind und zweitens ahlte ich sie für ganz schlechte Vorbilder (Umweltverschmutzung, Raserei …)
Im Übrigen ist mir auch kein Fall bekannt, in dem jemand auf das Autofahren verzichtet hätte, weil er/sie es nicht als Kind gelernt hätte.
In unserer ritualarmen Zeit ist es wenig
sinnvoll, den verbleibenden rest (geschichtlich gesehen sehr
neuer) Bezüge aufzuweichen.
Hallo,
du hast mich falsch verstanden. Der Führerschein (die offizielle Erlaubnis, ein Kraftfahrzeug im Straßenverkehr zu lenken) soll weiterhin erst mit der Volljährigkeit möglich sein. Aber das schließt ja nicht aus, daß man vorher schon autofahren kann, und das hauptsächlich im motorischen Sinne, und nicht im theoretischen (Verkehrsregeln, die natürlich ebenso wichtig sind.)
Im Übrigen ist mir auch kein Fall bekannt, in dem jemand auf
das Autofahren verzichtet hätte, weil er/sie es nicht als Kind
gelernt hätte.
Natürlich nicht. Autofahren als Kind ist gesellschaftlich geächtet, also bleibt einem ja nichts übrig, als Erwachsener mühsam zu erlernen, wie sich eine Kupplung, eine Lenkung und ein starker Bremsvorgang anfühlt. Die Betonung liegt hier auf an fühlt. Mein Bruder und ich sind schon als Zwölfjährige auf verlassenen Landstraßen autogefahren, mit meinem Vater daneben. Schade daß wir es nicht öfters gemacht haben, aber die Angst sitzt halt im Nacken, daß man nicht erwischt wird. Es hat wirklich einen positiven Effekt. In der Fahrschule fühlt es sich dann vertraut an. Es wäre toll, wenn es Parks gäbe, wo man das legal machen kann. Ich bin sicher kein Autofreak (außerdem weiblich), fahre seit Jahren nicht mehr (weil kein Bedarf), aber sehe das trotzdem so realistisch.
Autofahren können sie alle. Und das sehr gut, selbst die
Jüngsten.
…
Nur - die meisten können einfach nicht damit umgehen!
Hi, das ist doch ein Widerspruch! Wenn jemand etwas sehr gut kann, dann kann er eben damit umgehen.
Fahren dann
aber, in Begleitung von Gleichaltrigen, viel zu schnell. Der
Zwang, immer ein Rennfahrer zu sein, steht dahinter. Der
Druck des Ausgelachtwerdens durch Gleichaltrige verführt zum
Rasen und das ist der Punkt.
Ja, das ist ebenso ein Problem. Deswegen bin ich für ein Mitfahrverbot von Gleichaltrigen bis zum Alter von, sagen wir mal, 24. (Brutal, nicht wahr, aber Tote sind noch brutaler.) Führerschein ab 16 oder darunter ist unter dieser Bedingung durchaus drin.
Es wäre toll, wenn
es Parks gäbe, wo man das legal machen kann.
aber sowas gibt’s doch: Verkehrsübungsplätze. Da kann man zwar nicht schnell fahren, weil die zu klein sind, aber das Gefühl fürs Auto (Kuppeln, Schalten, Bremsen) kann man da schon lernen.
Zwangsautofahren ist kontraproduktiv!
Ich kenne keinen in meinem Freundeskreis,
der nicht schon vor 18 Auto gefahren wäre.
(Ich selbst bin selbstverständlich nur mit
Fahrlehrer oder auf Privatgelände unterwegs gewesen
Wenn man Kinder in der Schule
zwingen würde, Auto zu fahren, wäre
es sicherlich viel negativer belegt,
und es würden schlechtere Autofahrer
dabei rauskommen.
Das andere ist ein Dilemma: soll man
Mädchen und Jungs beim Autotraining trennen,
um die Jungs zu schützen, oder würden dadurch
die Mädchen wieder Psychologische Knackse
kriegen?
Autofahren können sie alle. Und das sehr gut, selbst die
Jüngsten.
Nur - die meisten können einfach nicht damit umgehen!
Hi, das ist doch ein Widerspruch! Wenn jemand etwas sehr gut
kann, dann kann er eben damit umgehen.
Er denkt nur er kann damit umgehen, ich fahre jetzt schon 17 Jahre Auto (unfallfrei) aber ich käme nie auf die Idee das ich auf alles vorbereitet bin und im entsprechenden Fall auch richtig reagieren werde. Die Selbstüberschätzung ist das Problem und die ist in jungen Jahren wohl ausgeprägter als in späteren.
Meine Begründung dafür lautet: Autofahren, wie Radfahren,
Schwimmen, Schreiben oder ein Musikinstrument spielen, ist
eine motorische Kunst, die nur solche Menschen zur Perfektion
bringen können, die sie bereits als Kinder erlernt und geübt
haben, sodaß die Bewegungen in Fleisch und Blut übergingen.
Leider nicht nur - zu einem Autofahrer gehört in erster Linie Konzentration und vor allem Erfahrung im Strassenverkehr, und die Erkenntnis das man nicht allein auf den Strassen unterwegs ist und deshalb neben seinen eigenen auch mit den Fehlern anderer zu rechnen hat. Nur den technischen Aspekt zu berücksichtigen bringt meiner Ansicht nach nicht viel, wie ich die Kupplung treten muss war mir eigentlich relativ schnell klar, Probleme hatte ich am Anfang eigentlich mehr mit der Erkenntnis soviele Eindrücke gleichzeitig unter den Hut zu bringen, Auto von links, Lastwagen von vorn, da ein Verkehrschild dort ein anderes etc Eindrücke die man nie auf einer Rennbahn oder Verkehrsübungsplatz nachstellen könnte. Das gab sich dann erst mit längerer Fahrpraxis, als man die Wichtigen von den weniger wichtigen Ereignissen trennen konnte, aber ich würde nicht behaupten das mich heutzutage nichts mehr im Strassenverkehr überraschen könnte und ich hab den Führerschein jetzt auch schon 17 Jahre (unfallfrei).
Wenn man Kinder in der Schule
zwingen würde, Auto zu fahren, wäre
es sicherlich viel negativer belegt,
und es würden schlechtere Autofahrer
dabei rauskommen.
kinder werden gezwungen schwimmen zu lernen. autofahren GUT zu können ist ebenso eine lebenserhaltende fähigkeit. wir sind darüberhinaus gezwungen worden schifahren zu lernen, ein sinnloses freizeitvergnügen. (ich ließ mich nicht zwingen, ich war lieber „krank“.)
Das andere ist ein Dilemma: soll man
Mädchen und Jungs beim Autotraining trennen,
um die Jungs zu schützen, oder würden dadurch
die Mädchen wieder Psychologische Knackse
kriegen?
Anders als beim Fahrradfahren benötigt man zum Autofahren
kognitive Vorraussetzungen höherer Art.
welche sind das, die sich vom radfahren (im straßenverkehr) unterschieden? wer beim radfahren unter streß schon probleme mit dem gleichgewicht hat, der kommt gar nicht dazu, sich zu überlegen wer jetzt vorrang hat. bei fähigkeiten, die man nicht als kind gelernt hat, versagt man bei streß. bestes beispiel ist lesen und schreiben. der unterschied ist nur: ich sterbe nicht, weil ich ein schild nicht in 0.2 sekunden sondern in 1 sekunde lesen kann, aber beim autofahren… ich denke du weißt jetzt was ich meine.
Wenn Du nur die motorische Seite ansprichst, lässt Du die
entscheidenden 99% ausser Acht!
ich finde die idee an sich sehr gut. als ehemaliger autofahrer und jetzt nur noch radfahrer weiss ich zu jedem zeitpunkt ob ein abbiegender mich gesehen hat oder nicht. man kann sich in den/die anderen sehr gut hineinversetzen.
ich möchte allerdings stark bezweifeln ob dadurch wirklich der gewünschte effekt eintritt da die unfallursache meines erachtens nicht in mangelnder fahrsicherheit liegt.
in der nähe von regensburg hat es vor einer woche einen grossen unfall auf der autobahn gegeben-mit ca. 20 fahrzeugen die im nebel zusammengekracht sind.
die raserei bleibt-ob ich jetzt das fahrzeug beherrsche oder nicht.
auch die wöchentlichen diskounfälle der 20-25 jährigen bleiben. in dem alter haben eben junge männer einen drang danach sich zu beweisen-der wird durch frühere fahrpraxis nicht weniger. (ich darf gar nicht dran denken wie ich in dem alter mit meinem mountainbike unterwegs war)
einem argument muss ich aber noch ein bisserl wiedersprechen: nicht alles was man als kind erlernt ist unbedingt perfekt. sicher ist es einfacher-aber lernen kann man in jedem alter.
die motorischen grundfähigkeiten bilden sich mehr oder weniger bei jedem aus-der spätere gebrauch entscheidet nur darüber auf welchem gebiet man sie später anwenden kann.
schreiben „lernt“ man übringens schon in den ersten 12 lebensmonaten (koordination schulterblatt-schulter-ellenbogen-hand durch`s krabbeln; weswegen mein brüderchen heute noch eine grauenhafte schrift hat weil er zu faul zum krabbeln war).
genau DAS ist ja der punkt. er kann damit umgehen. bis eine streßsituation (unfallgefahr, todesangst) eintritt. dann versagt er. und ich bin der (laienhaften) meinung, daß man bei dingen die man von kindesbeinen an gewohnt ist, auch unter streß nicht versagt.
wieviele jogger stoßen einfach mal so zusammen? es passiert nicht. ebenso radfahrer. oder sehr sehr selten. damit ich vom rad falle, da muß schon ein ungewöhnliches, plötzliches, unvermeidliches hindernis auftauchen. im normalfall passiert mir das nicht. ich fahre schnell, auch im regen. das rad fühlt sich an wie ein teil meines körpers. ich kann mich nicht mehr an eine zeit erinnern, zu der das anders war. damals war ich noch ein kleines kind.
ähnliches kann ich vom eislaufen bzw. rollschuhlaufen sagen. im normalfall stürze ich nicht. weil die bewegung ich selbst bin, wie laufen. es war nie anders. ich war 4 jahre alt als ich es lernte…
beim autofahren ist das anders. es daurte lange, sehr sehr lange, bis ich mich sicher fühlte. und sogar sehr routinierte fahrer versagen, wenn sie im streß sind. sonst gäbe es keine unfälle, oder nur sehr seltene, wenn eben ein unvermeidliches hindernis auftaucht.
vielleicht liege ich ja total falsch. es würde mich interessieren, ob da wirklich was dran ist. macht es einen unterschied, wann man etwas lernt? oder bilde ich mir das nur ein?
in dem alter haben eben junge männer einen drang
danach sich zu beweisen-der wird durch frühere fahrpraxis
nicht weniger.
möglicherweise aber doch, weil man dann die gefahr besser einschätzen kann. ich würde auch nicht mit dem rad eine sommerliche schipiste runterfahren wollen…! ein „radanfänger“ vielleicht doch?
schreiben „lernt“ man übringens schon in den ersten 12
lebensmonaten (koordination
schulterblatt-schulter-ellenbogen-hand durch`s krabbeln;
ich meinte schon das konkrete schreiben von bestimmten buchstaben. DAS lernst du NIE wieder, wenn du es nicht als schulkind gelernt hast. die schrift bleibt auf ewig die eines kindes.