Hallo,
so traurig es auch sein mag, unsere Kinder wachsen in unserer Welt auf, und nicht in einer gewünschten besseren.
D.h. auch alles negative ist Bestandteil ihrer Lebenswirklichkeit, und es gehört zum Älterwerden dazu, sich auch hiermit jeweils altersgerecht auseinander zu setzen und entsprechende Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Es ist ja nicht so, dass man die lieben Kleinen bis zu einem Stichtag in Watte packen könnte und dann von jetzt auf gleich die Erwachsenenwelt gilt, die hinter der bislang gut verschlossenen Tür im Nebenraum stattfindet.
Natürlich muss man hier keinen Konfrontationskurs fahren und sollte sich überlegen, was man in welchem Alter von Kindern versucht fernzuhalten, und bis in welche Details man Fragen beantwortet, aber dies sollte eben nicht so weit gehen, dass die Kinder dann überhaupt keinen Plan von dem haben, was es da sonst noch gibt. Kinder gehen mit offenen Augen durch die Welt, und wenn zuhause der Fernseher tabu ist, dann ist dies sicher kein probates Mittel, sie vom Übel der Welt abzuschirmen (was man ja ohnehin nicht machen sollte), denn sie werden ihren Wissensdurst anderweitig stillen bzw. werden außerhalb des Hauses genug davon abbekommen. Und kleinere Kinder werden dies immer versuchen so zu verarbeiten, dass sie Dinge nachspielen wollen, und wenn es dann Spielzeugwaffenverbot in der elterlichen Wohnung gibt, dann wird eben was aus Lego gebastelt, oder muss Opas Spazierstock herhalten, wobei der Reiz des Verboteten natürlich immer besonders groß ist.
Und natürlich geilen die Action, die Brutalität, die eingesetzten Hightech-Waffen Kinder und Jugendliche auch auf, aber auch dies würde ich als ganz normale Phase ansehen, wenn sie von Eltern entsprechend begleitet wird, die nicht bei jedem Griff zur Spielzeugpistole gleich die große Moralkeule schwingen, sondern die Kinder dann einfach auch mal spielen lassen, die aber die Nachrichten oder Zeitungsberichte zum Anlass nehmen auch die andere Seite von Krieg zu thematisieren. Dann ist der Reiz der Geschichte schnell wieder vorbei. Und wenn ich da so an mich denke, dann gab es da durchaus eine Zeit mit einigen Plastiksoldaten, halbautomatischen Spielzeugwaffen, Kriegsspiele im Wald, … und trotzdem konnte ich mich dann später nicht für den Wehrdienst begeistern, sondern habe lieber meine Behinderten betreut.
Gruß vom Wiz
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