Kinder wurden beim Spielen fotografiert

Hallo,

in einer Wohnsiedlung spielen Kinder (insgesamt 6 Kinder aus der Siedlung) auf den ausgewiesenen Spielplätzen. Eine Mieterin, die sich von den Spielenden gestört wird, fotografiert diese beim Spielen.

Darf Sie die Kinder ohne Einverständnis der Eltern fotografieren?

Welche Rechte haben die Eltern der Kinder bzgl. der gemachten Bilder?

vg

denkzettel

Hallo,

in einer Wohnsiedlung spielen Kinder (insgesamt 6 Kinder aus
der Siedlung) auf den ausgewiesenen Spielplätzen. Eine
Mieterin, die sich von den Spielenden gestört wird,
fotografiert diese beim Spielen.

Darf Sie die Kinder ohne Einverständnis der Eltern
fotografieren?

ja. Warum auch nicht.

Welche Rechte haben die Eltern der Kinder bzgl. der gemachten
Bilder?

Zunächst keine. Selbst eine Veröffentlichung wäre unter bestimmten Bedingungen zulässig.

In welchen Rechten würde denn hier jemand verletzt?

Gruß

S.J.

Das Fotografieren von Personen wird u.a. von folgendem berührt:

§ 22 KUG
„Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden.“
http://bundesrecht.juris.de/kunsturhg/__22.html

§ 201a StGB
„(1) Wer von einer anderen Person, die sich in einer Wohnung oder einem gegen Einblick besonders geschützten Raum befindet, unbefugt Bildaufnahmen herstellt oder überträgt und dadurch deren höchstpersönlichen Lebensbereich verletzt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.“
http://dejure.org/gesetze/StGB/201a.html

Keine dieser Vorschriften kommt aber bei der von dir beschriebenen Situation zum Tragen.

Es gab aber auch ein Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg.
Kurztext:
Auch das Fotografieren einer Person, die sich nicht im persönlichen Rückzugsbereich, sondern in der Öffentlichkeit aufhält, kann gegen das allgemeine Persönlichkeitsrecht (Recht am eigenen Bild) verstoßen und das Einschreiten der Polizei rechtfertigen. Die Beschlagnahme einer Kamera durch die Polizei ist zur Wahrung der Persönlichkeitsrechte geboten, wenn die Aufnahmen ohne Einwilligung gemacht wurden und der Photographierende kein rechtliches Interesse an der Aufnahme hat.
hier das Urteil im Volltext:
http://212.16.238.12/volltextservice/display.php?a-t…

Auf den ersten Blick sehe ich das kritisch:
„Es ist indessen anerkannt, dass – nicht zuletzt angesichts der nur fragmentarischen Natur des Strafrechts – diese Regelungen nicht abschließend sind.“

aber… vielleicht sähe ich das nach einem Jurastudium anders, denn es folgen ja doch einige Begründungen.

Gruß
Paul

Welche Rechte haben die Eltern der Kinder bzgl. der gemachten
Bilder?

Zunächst keine. Selbst eine Veröffentlichung wäre unter
bestimmten Bedingungen zulässig.

In welchen Rechten würde denn hier jemand verletzt?

Das ist ja die Frage :wink:

Ich würde nicht auf die Idee kommen und mir fremde Kinder zu fotografieren - ich wüsste auch nicht zu welchem Zweck.

Wenn jemand meine Kinder fotografieren möchte, erwarte ich, dass er mich fragt und mir den Zweck der Bilder nennt.

Ich schwinge mal die Paranoia-Keule:
sie plant den Kindern etwas anzutun, damit die Kinder entführt (verletzt usw.) werden können, macht sie die Bilder, die sie an entsprechende Hintermänner weiterleitet.

Ja, dass ist jetzt sehr weit her geholt!

Aber es ist ja wie immer… es muss immer erst etwas passieren, bevor man entsprechende Rechte hat bzw. bevor man etwas unternehmen kann.

vg

denkzettel

Danke.

Das hat mir schon ein wenig weiter geholfen, ich werde mal in diese Richtung weiter recherchieren.

vg

denkzettel

Hallo!

Ich würde nicht auf die Idee kommen und mir fremde Kinder zu
fotografieren - ich wüsste auch nicht zu welchem Zweck.:

Ich schon

Wenn jemand meine Kinder fotografieren möchte, erwarte ich,
dass er mich fragt und mir den Zweck der Bilder nennt.

Ja das kann er ja, wenn man nett fragt

Ich schwinge mal die Paranoia-Keule:

das ist nie gut

sie plant den Kindern etwas anzutun, damit die Kinder
entführt (verletzt usw.) werden können, macht sie die Bilder,
die sie an entsprechende Hintermänner weiterleitet.

Ja, dass ist jetzt sehr weit her geholt!

Aber es ist ja wie immer… es muss immer erst etwas
passieren, bevor man entsprechende Rechte hat bzw. bevor man
etwas unternehmen kann.

Ja sicher, aus allem was jemand tut kann man ableiten, dass etwas passieren könnte. Der nächste der irgendwo einen km entfernt parkt, parkt dort, damit er spionieren kann, aber er ist doch so schlau, dass er das auto nicht genau dort hinstellt, damit es niemand bemerkt - also ganz klar spionage…

Gruß
Tom

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Hallo,

zunächst einmal sehe ich keine grundsätzliche Verletzung des Rechts am eigenen Bild (der Spielplatz ist kein höchstpersönlicher Lebensbereich und eine Veröffentlichung der Fotos ist wohl eher nicht zu erwarten).

Allerdings ist es die Frage, aus welchen Gründen die Bilder gemacht werden. Dienen sie alleine dazu, präventiv festzustellen wann welches Kind wo gespielt hat um ggf. bei einer Beschwerde über Kinderlärm Beweise über deren Anwesenheit zur Hand zu haben… das ist Datenerhebung ohne Wissen und Zustimmung des Betroffenen und damit unzulässig.

Ich würde den Fotografen/die Fotografin einfach mal zur Rede stellen und fragen, was es mit den Bildern auf sich hat.

Gruss

Iru

Aber es ist ja wie immer… es muss immer erst etwas
passieren, bevor man entsprechende Rechte hat bzw. bevor man
etwas unternehmen kann.

Wenn das ‚immer‘ so ist, kannst du für diese These doch sicher ein paar konkrete Beispiele jenseits der Paranoia benennen?

Gruß

Hallo,

Dienen sie alleine dazu, präventiv
festzustellen wann welches Kind wo gespielt hat um ggf. bei
einer Beschwerde über Kinderlärm Beweise über deren
Anwesenheit zur Hand zu haben… das ist Datenerhebung ohne
Wissen und Zustimmung des Betroffenen und damit unzulässig.

Echt? Wäre es dann auch unzulässig, einen Einbrecher zu fotografieren?
Gruß
loderunner (ianal)

Nö, denn bei dem Diebesfoto handelt es sich um einer Momentaufnahme und nicht um eine gezielte Datensammlung der Daten unschuldiger Personen (wer war wann wo?).

Gruss

Iru

Hallo,

Nö, denn bei dem Diebesfoto handelt es sich um einer
Momentaufnahme und nicht um eine gezielte Datensammlung der
Daten unschuldiger Personen (wer war wann wo?).

ich dachte, die Kinder wären beim Lärm-machen fotografiert worden? Dann wäre es doch ein Beweisfoto und keine Datansammlung, oder?

Und wenn es ein Spielplatz war, könnte mit dem Foto die Menge der dort gleichzeitig spielenden Kinder bewiesen werden. Wäre das dann trotzdem illegal?

Insgesamt: es ist immer nur der Zweck, der das Foto legal oder illegal macht, richtig?

Gruß
loderunner (ianal)

Und wenn es ein Spielplatz war, könnte mit dem Foto die Menge
der dort gleichzeitig spielenden Kinder bewiesen werden. Wäre
das dann trotzdem illegal?

Es ist Sinn und Zweck von Spielplätzen, dass Kinder dort spielen. Damit ist unmittelbar einsichtig, dass den Fotos keinerlei Beweiswert zukommt. Und auch die Anzahl der spielenden Kinder je Spielplatz ist üblicherweise nicht reglementiert. Mit der Prämisse der ‚Beweisermittlung‘ lässt sich das Vorgehen also nicht legitimieren.

Gruß

Hallo,

Es ist Sinn und Zweck von Spielplätzen, dass Kinder dort
spielen.

das ist völlig klar. Es geht ja vielleicht auch gar nicht um die Kinder, sondern um den Spielplatz. Es soll ja Leute geben, die gegen diesen etwas unternehmen wollen.
Versteh mich nicht falsch, ich gehöre nicht dazu - ich hab selber drei Kinder. Es geht hier nur um die rechtliche Frage des Fotografierens.
Gruß
loderunner (ianal)

Natürlich kann ich dafür ein paar Beispiele nennen:

  • eine ältere Person lockt Kinder und Jugendliche in seinen Garten und stellt Ihnen einen Raum als „Rückzugsmöglichkeit“ zur Verfügung. Von Nachbarn, den Jugendsozialarbeitern und den Ortsvorsteher fällt auf, dass dort vor allem die Jugendlichen sehr viel Alkohol zu sich nehmen. Unter den Jugendlichen befinden sich Personen die zwischen 13 und 16 sind - nur ein- bis zwei Personen sind Älter.

Die Polizei und das Ordnungsamt wurden von Nachbarn verständigt, die Angelegenheit wurde herunter gespielt. Es handelt sich um eine Feier (wie jedes Wochenende - Anmerkung von mir). Es wird drauf geachtet, dass die jüngeren kein Alkohol zu sich nehmen und die Eltern wüssten bescheid.
Tun sie wahrscheinlich auch… - aber es interessiert sie wohl nicht, was genau dort passiert und welche Absichten der alte Herr dort hat.

Im Ort gibt es einen sehr gut ausgestatten Jugendclub, für die Jugendarbeit wird insgesamt viel getan, aber auch die Jugendsozialarbeit hat gemeinsam mit dem Ortsvorsteher keine Möglichkeit etwas zu unternehmen.

Von behördlicher Seite heißt es da nur, wir können nichts machen.

Was muss hier passieren, damit die Situation nicht irgendwann aus dem Ruder läuft?

Andere Situation:
Eine Frau hat sich von Ihrem Mann getrennt und lebt in Scheidung. Der Mann terrorisiert die Frau mit Anrufen.
Zig mal wurde eine Anzeige gestellt - Ergebins: Verfahren eingestellt.

Obwohl die Frau Protokoll geführt hat, wann die Anrufe eingegangen sind und welche Inhalte hinterlassen worden sind.

Solange nichts ernstes passiert, können wir nichts unternehmen heißt es da lapidar von Amstwegen.

Noch ein Beispiel:
Ein Vater nimmt Kontakt zu seinem erwachsenem Kind auf und droht am Telefon das Kind umzubringen. Die Polizei wird sofort verständigt, der Vater im Auto angehalten und es folgt eine Durchsuchung der Person und des Wagens.
Ohne Ergebnis - keine Waffe oder Waffenähnliches gefunden.

Es kommt zur Gerichtsverhandlung im Amtsgericht Tiergarten. Verfahren wird eingestellt, da nicht nachvollziehbar ist, wie das Telefonat abgelaufen ist und keine Waffen gefunden wurden.

Also auch hier… so lange nichts passiert…

Die geschilderten Sachverhalte sind reale Situationen gewesen - niemand wurde vor sich selbst oder vor anderen geschützt.

Der Vater beging wenige Monate nach der Tag suizid.
Die Frau änderte mehrmals ihre Telefonnummer.
Die Kinder und Jugendlichen betrinken sich noch heute jedes Wochenende.

Das sind Beispiele, die mir im Laufe meiner Arbeit als Sozialarbeiter in einer Großstadt und im ländlichen Bereich begegnet sind.
Weitere kann ich gerne aufzählen.

Gruß

Denkzettel

Ich würde nicht auf die Idee kommen und mir fremde Kinder zu
fotografieren - ich wüsste auch nicht zu welchem Zweck.:

Ich schon

Dann würde mich mal interessieren, aus welchem Grund du fremde Kinder fotografieren würdest.

Hallo,
sind ja alles nette Beispiele. Aber wenn Du jeweils forderst, dass da irgendwer vor irgendwem geschützt werden muss, forderst Du nichts anderes, als dass jemand dafür bestraft werden soll, dass er etwas tun könnte. Fändest Du das wirklich sinnvoll?
Gruß
loderunner (ianal)

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In dem geschilderten Fall geht es vermutlich darum, dass die Mieterin mit der Lautstärke der Kinder einfach nicht einverstanden ist.

Sie hat sich des Öfteren über die Lautstärke der Kinder in der Wohnung beschwert (sie wohnt direkt drunter). Klopfte wohl auch schon mehrmals an die Heizung, um für Ruhe zu sorgen.

Die Kinder sind 6 und 8 Jahre alt und verhalten sich altersgerecht und spielen auch entsprechend.

Nach Gesprächen mit Kollegen sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass wir der Familie geraten haben, den Sachverhalt der Polizei zu schildern.

Die Polizei wusste ebenfalls nicht sofort, die Situation einzuschätzen. Die Familie könnte Anzeige erstatten (was sie letztlich auch getan hat) - alles weitere geht dann in diesem Fall über die Staatsanwaltschaft, die dann entscheidet wie es weitergeht.

Viele Grüße

Denkzettel

Hallo!

Weil ich Hobbyfotograf bin und das unter meine künstlerische Freiheit fällt.

Ich respektiere aber durchaus auch, wenn jemand nicht fotografiert werden möchte, ich beantworte auch entsprechende Fragen, wenn mich jemand fragt. Verstehen tu ich das Theater, das manche Leute rund ums Fotografieren machen, aber nicht (und schon gar nicht versteh ich das von Leuten, die als Inhaber von Kundenkarten regelmäßig der halben Welt ihren Verbrauch an Tampons und Klopapier bekannt bekannt geben).

Gruß
Tom

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Es geht mir weder um Bestrafung, noch darum, dass unbedingt jemand vor irgendwem /-was geschützt werden soll.

Ich stelle fest, dass ich (vllt. auch wir alle) in einer Gesellschaft lebe, in der nur noch viel weg geguckt wird.
Jeder schaut auf sich und möchte nur das beste für sich und sein persönliches Umfeld. Was andere machen oder anderen passiert, ist den Leuten egal.

Es mag sein, dass ich als Sozialarbeiter einen anderen Blickwinkel auf die Gesellschaft habe.

Bei dem Fall der abfotografierten Kinder will mir einfach nicht klar werden, warum ein Mensch fremde Kinder fotografiert.

Ich wollte wissen, wie andere über diese Situation denken. Das aber hier einige dabei sind, die anscheinend selber wildfremde Kinder fotografieren würden bzw. es dulden lassen, dass die eigenen Kinder von irgendwem abgelichtet werden - damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet.

Aber wie ich beireits in diesem Thread woanders geschrieben habe, ist eine Anzeige durch die Eltern eingeleitet worden. Über Recht (z.B. durch Einstellung des Verfahrens) und Unrecht der Bilder wird dann nun die Staatsanwaltschaft entscheiden.

vg

denkzettel

Hallo!

Ja es könnte alles mögliche immer wieder passieren und wenn dann mal was passiert, sind alle Nichtbeteiligten über drüber supergscheit (siehe Fall Cain in Österreich). So tragisch und spektakulär solche Fälle sind, sie kommen nicht so oft vor, wie viele meinen und wenn man hinter allem und jedem irgendwelche bösen Absichten vermutet, wird man auf dieser Welt nicht wirklich leben können.

Gruß
Tom

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