Kinder zweisprachig erziehen?

Hallo,

gibt es hier Eltern die Ihre Kinder zweisprachig erzogen haben?

Bei uns ist es bald soweit… unser erstes Kind kommt mitte April auf die Welt. Da wir unser Kind zweispraching erziehen wollen, wollte ich mal eure Erfahrungen zu dem Theme wissen.
Das Kind wird (so ises zumindest geplant) nach dem ersten Lebensjahr den Vormittag bei den Großeltern verbringen… wo es allerdings nur mit der Fremdsprache in Berührung kommt. Reicht das aus um die „zweite“ Sprache zu lernen…? oder sollte der Elternteil der die deutsche Sprache nicht als Muttersprache hat, ständig mit dem Kind von Anfang an in der Fremdsprache sprechen?

Danke euch schon mal im voraus

Gruß

Hallo Polo,

ich bin selbst zweisprachig erzogen worden und kann daher von eigener Erfahrung berichten. Habe mich aber auch sonst viel mit zweisprachig Aufgewachsenen unterhalten.

Mein Eindruck dazu ist, dass es besser scheint, wenn der eine Elternteil konsequent in seiner fremdsprachlichen Muttersprache redet und zwar von Anfang an. So schleift es sich beim Kind am besten ein. Es redet dann in der Fremdsprache mit dem einen Elternteil und deutsch mit dem anderen.

Bei mir war es so, dass meine Mutter bis etwa zum 15. Lebensjahr Dänisch mit mir gesprochen hat. Ich hatte aber schon viel früher aufgehört Dänisch mit ihr zu reden, sondern sprach Deutsch mit ihr. Da war ich irgendwie zu bequem zu. Irgendwann sprach sie dann nur noch Deutsch mit mir. Die Folge war, dass ich ad hoc nicht mehr fließend Dänisch sprechen konnte, wenn’s von nöten war. Aber das Gefühl für die Sprache ist immernoch voll da und nach etwas Eingewöhnungszeit kann ich’s auch wieder perfekt.

Also, je konsequenter, desto besser, aber es hängt dann letztendlich auch von der Motivation des Kindes ab, wie sehr es die Sprache annimmt.

Gruß,
Spiff

Hallo,

gibt es hier Eltern die Ihre Kinder zweisprachig erzogen
haben?

oder

sollte der Elternteil der die deutsche Sprache nicht als
Muttersprache hat, ständig mit dem Kind von Anfang an in der
Fremdsprache sprechen?

Hi Polo

aus Sprachwissenschaftlicher Sicht wäre das sicher sinnvoll. Kinder bekommen schon unheimlich früh mit, in welcher Sprache gesprochen wird. So wurde mehrfach getestet, dass Kinder sogar in verschiedenen „Sprachen“ brabbeln.

Grundsätzlich tust du deinem Kind damit etwas gutes, denn Zweisprachigkeit wirkt sich positiv auf späteres Lernverhalten aus, wichtig ist nur, dass es konsequent durchgehalten wird- wie das Beispiel meines Vorredners zeigt. Am Ende wünscht man sich als „Kind“ dann doch die andere Sprache noch zu sprechen.

Wichtig ist aber, dass der Teil, der Deutsch als Muttersprache hat, diese auch konsequent benutzt, denn Erziehung in einer Fremdsprache ist eher kontraproduktiv, was übrigens noch mehr dafür spricht, dass jeder Elternteil in seiner Muttersprache spricht.

Idealerweise geht dass dann wie bei einer Freundin von mir, Halbkoreanerin, die ihre Mutter auf Deutsch anspricht, diese antwortet auf Koreanisch, sie wieder auf Deutsch, Muttern auf Deutsch, sie auf Koreanisch. Das geht in dem Gespräch munter hin und her und ist für Außenstehende etwas seltsam anzusehen, aber auch imposant und für sie eindeutig positiv.

lg
Kate

Hallo Polo,
unsere Tochter ist nun 21 Monate alt und wir erziehen sie vom ersten Tag an 2 Sprachig. Mein Mann spricht nur deutsch mit ihr und ich nur englisch (bin schottin) das funktioniert super.
Sie hört und reagiert auf beide sprachen. Natürlich ist sie, wie bei den meisten der mehrsprachigen Kinder, noch nicht so weit selber zu sprechen. Aber sie mixt momentan beide sparche wenn sie was will. Käse ist bei ihr cheeees, Schuhe sind schussss, Auto ist car, nein ist nein (hört sie wahrscheinlich öfter vom Papa), Bad ist baaaaaa und so weiter.
Bei uns in der Verwandschaft wachsen alle Kinder von anfang an 2 sparchig auf. Eine Schwester ist mit einem Franzosen verheiratet, die andere mit einem Spanier. Das hat alles so von anfang an funktioniert.
Man muß nur konsequent sein und in seiner sprache bleiben um sie nicht zu verwirren.
Meine Mutter ist Französin und die spricht mit den enkelkindern französisch. Auch das verstehen sie gleich und können die unterschiedlichen Sprachen von einander trennen.
Also viel Glück dabei

gruß Katie

Hallo,

auch unsere Kinder sind zweisprachig großgeworden. Allerdings sind bei uns beide Eltern deutschsprachig, aber wir haben in einem englischsprachigen Land gelebt.
Es wird oft die konsequente Bindung an die elterliche Sprache favorisiert, und wenn die Eltern selbst unterschiedliche Sprachen sprechen ist das ein guter Weg.
In unserem Fall, auch deshalb weil wir selbst eigentlich nur englischsprachige Freunde hatten, gingen die Sprachen öfter durcheinander. Aber auch das hat sehr gut geklappt. Heute sind die eiden 15 und 16 und sprechen Englisch wie Deutsch fließend. Wir haben zuhause immer versucht, dort den SChwerpunkt als Gegenstück zur Sprache außerhalb der Wohnung zu legen (d.h. war die Schule englisch, haben wir zu Hause vermehrt Deutsch geredet, und umgekehrt).

Ich arbeite jetzt an einer englischsprachigen Schule in Deutschland, bei uns sind alle Kinder mindestens zweisprachig. Die Kinder sprechen im Allgemeinen die fremde Sprache (d.h. bei uns Englisch) besser, wenn der Elternteil, der mehr Zeit mit dem Kind verbringt, die fremde Sprache spricht (weil sie Deutsch ja im ganzen Umfeld, also auf der Straße, usw. hören) - sofern das die Muttersprache des Elternteils ist.

Auch wenn Kinder am Anfang die Sprachen mischen, ist das kein Grund zur Beunruhigung. Früher wurde strikte Trennung verlangt, also entweder nur die eine oder andere Sprache. Inzwischen gibt es aber Studien, die darauf hindeuten, dass die Sprachmischung nicht so negativ ist, wie man immer vermutet hat. Wichtig ist, dass sie beide Sprachen richtig und wenn es geht von verschiedenen Sprechern hören (also unterstützt durch Medien (Filme und Bücher und Musik etc.), wenn sie älter sind, oder eben Freundeskreis usw.).

Gruß
eklastic

hi,

ich bin dreisprachig großgeworden. und ich denke, daher fallen mir sprachen leicht. spreche inzwischen 8 sprachen, davon 5 fließend. freunde, die ebenfalls mehrsprachig erzogen wurden, lernen ebenfalls leichter weitere sprachen bzw. sprechen noch mehr sprachen als ich.

Hallo Polo,

ich bin nicht mehrsprachig aufgewachsen, habe aber einen Freund, der sogar dreisprachig aufwuchs.
Zu hause wurde deutsch gesprochen, es gab immer ein englischsprechendes Kindermädchen und er ging in einen Kindergarten, in dem nur französisch gesprochen wurde.
Der Vater wollte sogar, daß er mit ihm in seiner Mutter spricht, aber da hat die Mutter ein Veto eingelegt.
In der Schule lernte er Russisch, er hatte eine chinesische Freundin und lernte konsequenterweise Chinesisch und weil er Budo praktizierte war Japanisch selbstverständlich. Ich habe ihn seit einigen Jahren nicht mehr getroffen, kann mir aber vorstellen, daß er mittlerweile weitere Sprachen drauf hat.

Alles kein Problem, wenn gewisse Regeln eingehalten werden.
Pro Sprache konsequent eine Person, sonst gibt es Verwirrung.
Das gilt aber nur für die Erwachsenen. Kinder dürfen variieren.

Freunde von uns, sie Deutsche, er Brite, erziehen auch zweisprachig. Sie leben in D und die Kinder erleben Englisch nur vom Vater und den Großeltern, wenn sie zu Besuch sind. Sie sprechen und verstehen Englisch perfekt, sprechen den Vater aber konsequent in Deutsch an.
Als wir das erste mal zu Besuch da waren, sprach ich die Kinder in Englisch an, sie merkten aber sofort, daß ich Deutscher bin und redeten mit mir nur in Deutsch.

Also alles kein Problem.

Gandalf

Hallo,
meine Nichte und mein Neffe wachsen zweisprachig auf. Jeder Elternteil spricht seine Sprache und als „Familiensprache“ (also die Eltern miteinander) haben sie immer die „Zweitsprache“, welche nicht Umgebungssprache ist.
Beide Kinder sprechen auch beide Sprachen gut.

Beatrix

Hallo!

sollte der Elternteil der die deutsche Sprache nicht als
Muttersprache hat, ständig mit dem Kind von Anfang an in der
Fremdsprache sprechen?

Ja, sollte er.

  1. Die ganz speziellen Laute einer Sprache, die dann später zum akzentfreien Sprechen führen, werden im ersten Lebensjahr vermittelt.

Eine deutschsprechende Familie hatte während des ersten Lebensjahres ihres Kindes ein ungarisches Kindermädchen.
Als das Kind dann später sprechen lernte, hatte es einen ungarischen Akzent.
Die Grundlagen für die ungarische Sprache wurden also gelegt, als das Kind noch nicht selbst sprechen konnte.

  1. Hat der fremdsprachige Elternteil die (in diesem Fall) deutsche Grammatik nicht perfekt gelernt, „lehrt“ er sein Kind die fehlerhafte Grammatik und es wird beim Erlernen der Sprache mehr Schwierigkeiten haben.

Hanna

Hi,

  1. Die ganz speziellen Laute einer Sprache, die dann später
    zum akzentfreien Sprechen führen, werden im ersten Lebensjahr
    vermittelt.

Wie? Und dann nicht mehr?

Ich dacht zumindest, es geht um die ersten 3 Lebensjahre. (Aber ich hab keine Ahnung, nur mal hier und da war gelesen)

Hast Du zufällig einen Link, wo man ein bißchen darüber lesen könnte?

Liebe Grüße,
Christiane

Hallo Christiane!

  1. Die ganz speziellen Laute einer Sprache, die dann später
    zum akzentfreien Sprechen führen, werden im ersten Lebensjahr
    vermittelt.

Wie? Und dann nicht mehr?

Leider weiß ich das nicht mehr so genau - ich hab die Schule auch schon lang hinter mir :wink:

Ich dacht zumindest, es geht um die ersten 3 Lebensjahre.
(Aber ich hab keine Ahnung, nur mal hier und da war gelesen)

Das mag durchaus sein, da will ich gar nicht streiten :smile:

Hast Du zufällig einen Link, wo man ein bißchen darüber lesen
könnte?

Nein, leider. Ich könnte mal, wenn ich Zeit habe, in alten Schulbüchern stöbern, bei der Sprachentwicklung des Kindes könnte vielleicht etwas zu finden sein - aber online? Keine Ahnung!

Hanna

Hallo Christiane,
da will ich mal Hanna in die Seite treter
http://www.babyundfamilie.de/Vom-Gebrabbel-bis-zu-Me…
http://www.kinderbuch-couch.de/kindgerechte-foerderu…
http://www.arbeitskreis-sprache.de/Infoblatt-deutsch… (Adobe Reader erforderlich)
http://psydok.sulb.uni-saarland.de/volltexte/2004/34…

Gruß
Eckard

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Hallo,
Vorab: Alles, alles gute für die bevorstehende Zeit. Und, wie wir in Spanien sagen, „möge es nur eine klitzekleine Viertelstündchen sein“ (Bzgl. entbindung) ;o))

gibt es hier Eltern die Ihre Kinder zweisprachig erzogen haben?

Ich! (Bzw, erziehen noch: Er ist 6 Jahre alt)

Da wir unser Kind zweispraching erziehen
wollen, wollte ich mal eure Erfahrungen zu dem Theme wissen.

Ich glaube du solltest nicht so pauschal fragen, sondern mehr auf die bestimmten Fragen, die dich so im Kopf rumgeiern.

Das Kind wird (so ises zumindest geplant) nach dem ersten
Lebensjahr den Vormittag bei den Großeltern verbringen… wo
es allerdings nur mit der Fremdsprache in Berührung kommt.

Meine erste Frage: Ist diese Fremdsprache die Muttersprache der Großeltern? Benutzen sie diese Sprch sonst immer? Oder tun sie das nur „dem Kind zuliebe“, um ihn eine andere Sprache beizubringen? Sind sie selbst „fit“ in dieser Sprache oder haben sie schon viel Deutsch in ihren Sätzen übernommen? (à la: „Morgen we must gehen zum Doc as we have to Rezept holen“) Für mich sind bzw. Wären diese Sätze schlich grundlegend.

Reicht das aus um die „zweite“ Sprache zu lernen…?

Mein Bedenken wäre nur, warum erst nach einem Jahr mit dieser Fremdsprache anzufangen. Ich habe meinem sohn schon während der Schwangerschaft auf Spanisch gesprochen und das hat sich bis dato nicht geändert. Mittlerweile erlaubt er mir ausschließlich mit ihm Spanisch zu reden. Ohne wenn und aber. Und ich halte mich sehr gerne dran. Ansonsten versuche ich (ist aber für mich kein problem) mich auf spanisch streng zu halten, im sinne von „rein-Spanische“ Sätze zu bauen, im ganz groben Gegensatz zu dem was ich oben beschrieben habe (was für mich ja mühelos geschieht -und für ihn mittlerweile auch)

oder
sollte der Elternteil der die deutsche Sprache nicht als
Muttersprache hat, ständig mit dem Kind von Anfang an in der
Fremdsprache sprechen?

Unbedingt!!!

Danke euch schon mal im voraus

Gerne!
Wenn du genauer fragst, kriegst Du „genauere“ Antworten auch. ich weiß ja nicht was Du wirklich wissen möchtest!
Ansonten, wenn du im Archiv suchst, wirst Du mehrere Artikeln über genau dieses Thema finden.

Schöne Grüße,
Helena

Hallo Gandalf,
Ich finde Deine Antwort sehr gut. Allerdings bin ich an einer Stelle nicht einverstanden, nämlich:

Pro Sprache konsequent eine Person, sonst gibt es Verwirrung.
Das gilt aber nur für die Erwachsenen. Kinder dürfen
variieren.

Der Meinung bin ich absolut nicht. Ein Mensch darf nur die eine (eigene) Muttersprache mit dem Kind reden und diese auch konsequent behalten. Wenn „A“ Mo, Mi, Fr und So mit dem Kind Deutsch redet und sonst Englisch, wird das nix. (Sei das als grobe Beispiel genannt)

Ansonten bin ich mit Dir einverstanden.

Schöne Grüße,
Helena

Hallo!
Hochinteresante Artikel!!
Dafür vielen Dank und ein Sternchen.
Ansonten:

  1. Hat der fremdsprachige Elternteil die (in diesem Fall)
    deutsche Grammatik nicht perfekt gelernt, „lehrt“ er sein Kind
    die fehlerhafte Grammatik und es wird beim Erlernen der
    Sprache mehr Schwierigkeiten haben.

Ganz genau!!! Das war mit ein Grund (allerdings nicht der einzigen), der mich dazu brachte, mit meinem Sohn kein Deutsch zu reden.

Nochmals Danke und schönen Gruß,
Helena

Hallo Helena,

Pro Sprache konsequent eine Person, sonst gibt es Verwirrung.
Das gilt aber nur für die Erwachsenen. Kinder dürfen
variieren.

Der Meinung bin ich absolut nicht. Ein Mensch darf nur die
eine (eigene) Muttersprache mit dem Kind reden und diese auch
konsequent behalten.

Du hast aber den nächsten Abschnitt meines Artikels gelesen?!

Gandalf

Hallo Gandalf

Du hast aber den nächsten Abschnitt meines Artikels gelesen?!

Selbstverständlich! Sonst hätte ich ja nicht gesagt, daß ich mit dem Rest des Artikels einverstanden bin, sondern hätte ich es anders formuliert.
Und jetzt nach nochmaligen Lesen des nächsten, kann ich erneut behaupten was ich gesagt habe (natürlich nur mich betreffend). Denn du sagst, sinngemäß, daß der engl-sprechenden Vater Englisch redet und die Kinder bleiben konsequent auf Deutsch.
Das ist bei mir und meinem Sohn ganz sicher nicht der Fall. Und es war NICHT was ich gemeint habe.

Schöne Grüße,
Helena

Hallo,

Ganz genau!!! Das war mit ein Grund (allerdings nicht der
einzigen), der mich dazu brachte, mit meinem Sohn kein Deutsch
zu reden.

Da hat er ja nochmal wirklich Glück gehabt.

SCNR
eklastic

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Hallo Helena!

Pro Sprache konsequent eine Person, sonst gibt es Verwirrung.
Das gilt aber nur für die Erwachsenen. Kinder dürfen
variieren.

Der Meinung bin ich absolut nicht. Ein Mensch darf nur die
eine (eigene) Muttersprache mit dem Kind reden und diese auch
konsequent behalten. Wenn „A“ Mo, Mi, Fr und So mit dem Kind
Deutsch redet und sonst Englisch, wird das nix. (Sei das als
grobe Beispiel genannt)

Gandalf hat doch genau das gesagt, was Du hier forderst!
Er sagt: A darf nur A-Sprache sprechen und B nur B-Sprache.
Aber die Kinder dürfen die Sprachen verwenden wie sie wollen.

Alles klar jetzt? :wink:))

Hanna

s.f.g. (owT) Gruß
ohne
weiteren
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