Hallo Ralf,
Und
auch nichts zu der Tatsache, dass schon heute Dumpingpreise
durch das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb verboten sind. Es
geht ja nur um etwas, das schon heute verboten ist.
Jetzt sage ich etwas dazu: Schon die bestehenden Regelungen halte ich aus mehreren Gründen für überflüssig, u. a. deshalb, weil sie praktisch nicht durchsetzbar, weil nicht kontrollierbar sind. Außerdem bin ich ein Freund weitgehender Liberalisierung, u. a. für die Freiheit des Kaufmanns, seine Preise nach eigener Beurteilung nach Belieben festzusetzen.
Letztlich geht es mehr um Produkte wie PCs, die von
Discountern auf den Markt geschmissen werden. Wenn es dann
keinen Computerfachhandel mehr gibt, der es sich leisten kann,
„normale“, billige PCs anzubieten…
Ein PC-Händler, der auf den Verkauf von Billig-PCs angewiesen ist, ist inzwischen längst vom Markt verschwunden. Auch hier gilt, daß der kleine Fachhändler, der sich auf Preiskämpfe einläßt, Nachhilfe in Unternehmensstrategie und Marketing braucht. Diese kleinen Händler leben nicht von Sozialhilfeempfängern und PCs für Schüler, sondern von speziell nach Kundenwunsch konfigurierten Geräten. Sie bieten damit etwas, was Aldi oder Lidl mit ihren PC-Aktionen nicht können. Der Kundenkreis des Fachhändlers ist der Kunde, der weder Zeit noch Lust hat, sich stunden- oder tagelang mit der Inbetriebnahme des neuen PCs zu beschäftigen oder hinter Reklamationen her zu laufen. Einschalten und los gehts. Dafür muß der Kunde etwas tiefer in die Tasche greifen und macht das aber gerne, weil er solchen Dienst bei Aldi oder ich-bin-doch-nicht-blöd nicht bekommt.
Die Vorstellung vom Kampf der Großen gegen die Kleinen ist ideologischer Unfug. Man kommt sich überhaupt nicht ins Gehege, bedient vielmehr ganz unterschiedliche Kundenkreise. Es ist deshalb auch ideologischer Unfug, den KLeinen vor dem Großen schützen zu wollen. Die brauchen solchen Schutz nämlich nicht. Ich kenne etliche Beispiele Selbständiger, die im Konzert der Großen ihre eigene unangefochtene Rolle spielen. Wer überleben will, muß das so machen, statt zu versuchen, ein paar abfallende Krümel zu erhaschen. Die Großen können einfach das Spezialangebot nicht leisten und liefern, der kleine Anbieter wiederum kann mit der großen Stückzahl nichts anfangen. So ergänzt man sich, bekriegt sich aber nicht. Ganz im Gegenteil gehört es zum Tagesgeschäft, daß Kunden vom Verkäufer des Großanbieters zum Spezialisten geschickt werden. Das ist in allen Marktsegmenten das gleiche Spiel. Die Standardbohrmaschine gibts in der Baumarktkette für unschlagbare 49 Euro. Sobald das Anforderungsprofil höher und/oder spezieller wird, kann es der Handelsriese nicht mehr leisten. Das ist dann ein Fall für den Fachhändler, wo es bei den Maschinen aber erst beim 10-fachen Preis beginnt. Dafür in professioneller Qualität.
Ich beschäftige mich mit meiner Minibutze mit einem Produkt, dessen größter Wettbewerber über 100.000 Mitarbeiter auf dem ganzen Globus hat. Das stört mich nicht im Geringsten und noch niemand ist auf die Idee gekommen, mich schützen zu wollen. Ich habe auch noch nie danach geschrien. Was der Wettbewerber macht, interessiert mich nicht und ich könnte dessen Stückzahlen für solche Sch***preise auch nicht liefern. Was ich wiederum mache, kann der Große nicht, selbst wenn er wollte. Er will aber nicht. Im Gegenteil, ich bekomme hin und wieder Kunden aus seiner Ecke. Umgekehrt empfehle ich einem Kunden, den ich mit meinem Produkt nicht bedienen kann, den Wettbewerber. Warum auch nicht?
Ideologen fern jeder Kenntnis des Marktgeschehens sehen Probleme, wo keine sind und erzählen etwas vom Schutzbedürfnis, um ihrer Regulierungswut freien Lauf zu lassen.
Gruß
Wolfgang