Klassenfahrten

Hallo,
was meint ihr zu dem Trend, dass Klassenfahrten immer weiter weg, immer eventlastiger und immer teurer werden?

Könnt ihr das auch beobachten oder ist das nur mein persönlicher Eindruck? Ist das Zeltlager am See in der Nähe überhaupt noch eine Option für heutige Lehrer?
Hebre

Hallo Hebre,

als Lehrer kann ich dazu sagen, dass man die Schüler heute mit einem Zeltlager nicht mehr begeistern kann (fehlender Komfort, …).
Das geht bei Wandertagen schon los: Schlägt man vor, eine schöne Wanderung mit Spielen etc. zu machen, dann wird man unter den Schülern nur wenig Begeisterung finden. Lehnt man ihren Wunsch zum Einkaufsbummel in eine Großstadt zu fahren ab, dann sind die Schüler beleidigt, weil man nicht auf ihre Wünsche eingeht.
Auch bei Klassenfahrten ist das so: Bei der Wahl zwischen einem Salzbergwerk und Berlin dürfte das Ergbnis wohl eindeutig sein.

Natürlich muss ich zugeben, dass ich heute ein Zeltlager auch nicht mehr machen würde, weil meine Ansprüche an den Komfort etwas höher sind als vor 20 Jahren, aber auch die Schüler haben heute sehr hohe Ansprüche (natürlich nicht alle, aber eben diejenigen, die dann die Meinung der Klasse beeinflussen).

Gruß,
Booze

Zelten
Hallo,
und herzlichen Dank für die Antwort!
„Zelten“ war vielleicht von mir auch als Extrem-Gegenpol gewählt. So eng will ich es gar nicht sehen.

Ich meine auch dieses von Dir beschriebene Anspruchsverhalten - bzw. die Tendenz, dass eine Klassenreise eben meist NICHT mehr sozialen/ kommunikativen/ lernenden Charakter hat, sondern dass es EHER darum geht, was komerzielles zu erleben.
Ich weiß nicht, ob ich das gut finde.
Hebre

Hallo auch,

was meint ihr zu dem Trend, dass Klassenfahrten immer weiter
weg, immer eventlastiger und immer teurer werden?

Unter 200€ pro Kind kommt keiner ab der 5. Klasse mehr weg. Und natürlich muss das eine petergogisch wertvolle Durchschlageübung zur Förderung des Klassenzusammenhaltes sein, komplett mit treeclimbing, mushroom vomiting und invertebratae life-eating sein, geleitet von einem zertifizierten sibirischen Gulagkommandanten, durchgeführt mindestens 200km entfernt vom Heimatort, gern auch als Flugreise für Kinder ab 10.

Könnt ihr das auch beobachten oder ist das nur mein
persönlicher Eindruck? Ist das Zeltlager am See in der Nähe
überhaupt noch eine Option für heutige Lehrer?

Nö. Dann müssten die das Programm ja selbst entwickeln, und sich *igitt* mit unseren Blagen ja selber beschäftigen, ein Rahmenprogramm stricken und sich persönlich mit dem Thema Pädagogik auseinandersetzen - etwas, was die meisten Leerer zuletzt in ihrer Studienzeit voll Grausen getan haben.

Dann doch lieber die doofen Eltern ein paar hundert Mäuse abdrücken lassen, weit wech (außer Kontrollreichweite der Verziehungsberechtigten) in einem netten Hotel kampieren, und den Tag über lecker Caipirinha schlürfen, um die erschöpften zukünftigen Einsteins und Lieschen Müller am Herd beim Abendessen zu fragen, wie ihnen der Tagesausflug mit dem Workshopleiter in die Wolfsgrube gefallen hat, und ob die Bisswunden noch schmerzen.
Und Montag wird dann wieder stupide Stoff eingetrichtert.

Die Eltern machen das, weil es ja ein Event und Erlebnis für die lieben kleinen im Zahnwechsel ist, übrigens meist unreflektiert und treudoof mit.

Herzliche, nicht ganz ernst gemeinte Grüße

MainBrain
*workshopleiter*

Hallo,
merci auch für deine, wenn auch arg sarkastischen, Anmerkungen. Ich denke, da ist trotzdem auch viel Wahres dran an dieser Seite (und ich hoffe, dass jetzt nicht alle Lehrer sich persönlich angegriffen fühlen!).

Ich geh jetzt mal weg vom PC und das Wetter genießen, melde mich in den nächsten Tagen nochmal und bin gespannt auf Eure weiteren Meinungen und Erfahrungen.

Gruß
Hebre

Hi,

ich glaube, dass es kein ausschließliches Problem von Klassenreisen ist. Junge Menschen übernehmen in vielen Bereichen die Wünsche, Vorstellungen und Erwartungen von Erwachsenen. Das fängt schon mit dem Geprotze von Urlaubsreisen an. Wer nicht mindestens am Mittelmeer war hat doch nicht wirklich Urlaub gemacht.

Ich denke das die Wertvorstellungen von Reisen sich stark verändert haben und das schließt die Klassenfahrt mit ein und dabei glaube ich nicht, dass es unbedingt etwas mit Luxus zu tun hat, vielmehr klingt es cooler (um mal bei dem Beispiel von unten zu bleiben) zu sagen ich war in Berlin als in Hintertupfingen auf dem Zeltplatz.

Alles in allem ist es schade, denn bei dingen wie zelten etc. werden halt auch noch andere Werte vermittelt als in einem all inclusive in was weiss ich wo.

Viele Grüße
MeToo

Hallo,

Ich meine auch dieses von Dir beschriebene Anspruchsverhalten

  • bzw. die Tendenz, dass eine Klassenreise eben meist NICHT
    mehr sozialen/ kommunikativen/ lernenden Charakter hat,
    sondern dass es EHER darum geht, was komerzielles zu erleben.
    Ich weiß nicht, ob ich das gut finde.

Ich hoffe, es ist aus meinem Posting rauszulesen, dass ich das auch nicht gut finde! Auch wenn ich dann der Spaßverderber bin, gehe ich an Wandertagen weder in Freizeitparks noch ins 3D-Kino oder zum shoppen. Bei mir wird gewandert!

@ MainBrain:
Von einigen Schülern und Eltern werde ich genau deswegen für einen faulen Sack gehalten, weil ich keine Lust habe, eine Fahrt zu organisieren!

Aber ich biete manchmal auch Musicalfahrten an, die dann bis zu 50.-/60.- Euro für einen halben Tag kosten können (Eintritt und Fahrtkosten), aber NICHT als Klassenfahrt, sondern auf freiwilliger Basis. Und ich kann euch sagen, dass sich die Schüler darum reißen! Werbung brauche ich dafür kaum zu machen. Sobald ich das in einer Klasse angesprochen habe, kommen Schüler aus anderen Klassen auf mich zu und fragen, ob sie mitfahren dürfen.

@MainBrain:
Das mache ich natürlich nur, weil ich da unbedingt selbst hin will. Nachdem ich Ermäßigung bekomme, wenn ich mit Schülern hingehe, organisiere ich das für 100 Schüler (und allem was damit zusammenhängt: Aufsicht, Verantwortung) und spare dann 20.- Euro. Das ist immerhin angenehmer, als alleine mit einer netten Begleitung ins Musical zu fahren.

Gruß,
Booze

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Hi!

was meint ihr zu dem Trend, dass Klassenfahrten immer weiter
weg, immer eventlastiger und immer teurer werden?

Ich finds besch…eiden.
Meiner Meinung nach sollten Klassenfahrten entweder dazu dienen, die Klassengemeinschaft zu stärken/fördern, was im Zeltlager, Jugendherberge etc. besser funktioniert, weil weniger Freizeitangebote von außen vorhanden sind und man sich statt dessen MITEINANDER beschäftigen muß. Oder sie dienen der Bildung, Erfahrung o.ä., z.B. Besuch von Kulturstätten oder eben auch ausgefallene Sachen wie meinetwegen eine Tropfsteinhöhle o.ä.
Dagegen „Klassenfahrten“, die nichts weiter sind als ein Urlaub ohne Eltern - wo steckt da der Sinn dahinter?

Könnt ihr das auch beobachten oder ist das nur mein
persönlicher Eindruck?

Doch. Ich errinnere mich z.b. an eine Klassenfahrt ind er 6. Klasse, die noch eine war *g* - abgelegene Jugendherberge mit Nachtwanderungen, Lagerfeuer, gemeinsamen Aktivitäten. Da hatten wir die Möglichkeit, schwächere Schüler und solche, die sich bislang von der Klasse abgeschottet hatten, besser kennenzulernen. Ich denke, daß damals alle Schüler von dieser Klassenfahrt profitierten - v.a. im sozialen Sinne.

Eine weitere Klassenfahrt war genau das Gegenteil. Einige Jahre später in der Oberstufe eine „Klassenfahrt“ in eine europäische Großstadt bzw. Hauptstadt. Ich hab mich geweigert, da mitzufahren und die mitgebrachten Fotos bestätigten mich: sie zeigten die Schüler fast nur beim Shoppen/Bummeln in der Stadt - in den typischen Grüppchen: die Gucci-Gruppe für sich alleine, die Öko-Freaks-Gruppe für sich alleine, die HipHop-Gruppe für sich alleine.
Was haben sie von dort mit nach Hause genommen? Bildung? Fehlanzeige - ok, ein berühmtes Gebäude der Stadt haben sie besucht, auf Drängen der Lehrer hin. Die starke Gucci-Fraktion hatte noch mehr Gucci-Taschen, die stillen Mäuschen der Klasse verkrümmelten sich nach der Klassenfahrt weiterhin in der letzten Ecke.

Gruß,
Sharon

Wenn du mir schon antwortest:
Hallo Booze,

da du mich ja direkt ansprichst:

Ich hoffe, es ist aus meinem Posting rauszulesen, dass ich das
auch nicht gut finde! Auch wenn ich dann der Spaßverderber
bin, gehe ich an Wandertagen weder in Freizeitparks noch ins
3D-Kino oder zum shoppen. Bei mir wird gewandert!

Gut so.

@ MainBrain:
Von einigen Schülern und Eltern werde ich genau deswegen für
einen faulen Sack gehalten, weil ich keine Lust habe, eine
Fahrt zu organisieren!

Hm. Was ist denn deine pädagogische Begründung für einen Wandertag als Wandertag? ‚Keine Lust, eine Stadtbesichtigung zu organisieren?‘

Aber ich biete manchmal auch Musicalfahrten an, die dann bis
zu 50.-/60.- Euro für einen halben Tag kosten können (Eintritt
und Fahrtkosten), aber NICHT als Klassenfahrt, sondern auf
freiwilliger Basis. Und ich kann euch sagen, dass sich die
Schüler darum reißen! Werbung brauche ich dafür kaum zu
machen. Sobald ich das in einer Klasse angesprochen habe,
kommen Schüler aus anderen Klassen auf mich zu und fragen, ob
sie mitfahren dürfen.

@MainBrain:
Das mache ich natürlich nur, weil ich da unbedingt selbst hin
will. Nachdem ich Ermäßigung bekomme, wenn ich mit Schülern
hingehe, organisiere ich das für 100 Schüler (und allem was
damit zusammenhängt: Aufsicht, Verantwortung) und spare dann
20.- Euro. Das ist immerhin angenehmer, als alleine mit einer
netten Begleitung ins Musical zu fahren.

Das war jetzt mit *ironie an* oder *aus* getippt? Für mich gerade nicht ganz verständlich. Vielleicht stehe ich aber auch auf dem Schlauch?

Gruß,

MainBrain

Hallo,

also ich kann das eigentlich nicht beobachten…während meiner Schulzeit im ganz normalen Gymnasium war ich in der 5. Klasse zelten am See, acht Kilometer von zu Hause weg. Wir sind hingelaufen, haben in 200-Personen-Zelten geschlafen und das absolute Event dabei war die Nachtwanderung.
Zwei Jahre später in Holzhütten in der Eifel mit Selbstversorgung, absolutes Highlight war da eine Bergwerksbesichtigung.
Abschlussfahrt 10. Klasse ging dann nach Holland ans Meer und in der 13 schließlich nach Schottland.
Gut, hier fahren manche auch in die Toskana, aber alles in allem sehe ich da keine Tendenzen zu weiter, teurer, besser…das ist auch alles erst drei bis zehn Jahre her.

Allerdings wurde das traditionelle Fünfer-Zelten am See vor ein paar Jahren abgeschafft, weil die Eltern Bedenken wegen des weiten Fußwegs (!), der grausamen Nachtwanderung und den zugegebenermaßen nicht optimalen hygienischen Bedingungen da hatten. Nun übernachten sie stattdessen in der Schule…ob das nun toller ist?

Grüße
Sonja

Ich sehe das eher durchwachsen.

Ich persönlich fänd es zum kotzen, wenn es jetzt bei einer Abschlussfahrt (ich hatte nur 4 Klassenfahrten in 13 Schuljahren) nur „mal eben um die Ecke“ geht. Gibt halt Leute (wie mich) die nie aus der Bude, geschweige denn aus dem Land rauskommen, da ist es doch schön, wenn man mal im Ausland Erfahrungen machen kann.

Aber vielleicht bin ich da auch einfach nur geprägt- hier meine persönlichen Erfahrungen und Bewertungen:

  1. KLasse: Abschlussfahrt zum Bauernhof Harkotten nahe Münster.
    Fand ich vollkommen ok, für 9-10 Jährige ist das ausreichend, es war Arschkalt (weil März) aber wir hatten unseren Spaß, denn ein Bauernhof bietet eine Vielzahl von Aktivitäten ohne das man weit reisen muss- wohin auch, wir waren ja mitten in der Pampa XD
    Es gab Pferde, Kühe, Hühner, Katzen, Schweine… was das Herz begehrt. Das Essen war gut und die Bäuerin sehr witzig, wir bekamen Reitstunden, mussten Rätsel rund um den Bauernhof lösen (a) Wissenssammlung b) wir bekamen dafür Hufeisen, die wir selbst begradigen und polieren mussten/durften), wir hatten eine kleine Hütte zum Spielen und für Leseabende und unweit war ein Wald indem es schon Hütten gab (von früheren Klassen gebaut) und vier Leute mussten am Tag Feuerholz holen was aber für uns damals ganz toll war. Es gab dann noch eine Planwagenfahrt und größtteils konnten wir uns unsere Zeit vollkommen frei Einteilen und uns um die Tiere kümmern - das war fantastisch und auf seine eigene Art auch pädagogisch wertvoll, Lernen heißt ja nicht, das man den ganzen Tag nur im Zimmer sitzt und dem Lehrer zuhört.

  2. Klasse: Ab ins Kloster Pföcklinghausen.
    Echt grottig kann ich nur sagen, wir waren zwar nicht total in der Pampa, aber es war nicht los - man fühlte sich doch schon soooo erwachsen und dann sollte man den ganzen Tag auf einem Spielplatz rumsitzen mit anderen lärmenden Klassen, und ab 19 Uhr war absolute Bettruhe?
    Dazu kamen zermübende Wanderungen und die Hälfte der versprochenen Aktivitäten (Schwimmengehen, Nachtwanderung etc) wurden überhaupt nicht eingehalten. Kurz gesagt: Wir gammelten da ne Woche mit uns rum und das einzige Event war die Lesestunde mit der Physiklehrerin abends.

  3. Klasse: Borkum
    Es war das erste Mal, dass eine 8. Klasse verreisen durfte, zuvor war es so geregelt, dass man nur zweimal verreisen durfte, aber die Regel wurde so geändert, das man für alle Studienfahrten in der Schulzeit insgesamt nicht mehr als 1000€ bezahlen durfte.
    Da waren wir also auf derInsel, wieder ´nicht sonderlich weit weg, aber auch wenn es mir persönlich nicht sonderlich gefallen hat war das Programm doch gut durchorganisiert. Wir waren im Watt wandern, in einem Museum, haben uns alte Gebäude angeguckt, und somit eigentlich alles gemacht, was man auf Borkum so machen kann.
    Die Aufsicht war allerdings beschissen.
    Nicht nur, das wir einmal zu Fuß die Insel umrundet haben, was nicht sonderlich toll war, der Trott aus 45 Leuten verteilte sich auf gefühlte 3 km da die Herren und Damen Lehrer nicht, wie es eigentlich sein sollte, teils vorne, teils am Ende des Trotts liefen, nein sie liefen gesammelt vorraus im Höchsttempo und die langsameren Leute wurden zurückgelassen.
    Diese bekamen sogar noch Anschiss, weil sie einmal ne halbe Stunde zu spät kamen, somit also das Mittagessen verpassten, da sie das CVJM Heim nichtmal fanden- das war nämlich nur auf einer Seite der Dünen zugänglich und sonst nicht sichtbar.
    Einer von uns kam sogar erst eine geschlagene Stunde später an, weil die anderen ihm weggerannt waren und er nicht mehr zurück fand- ganz toll! Man stelle sich vor, der Kerl wäre entführt worden, oder verunglückt, oder ertrunken, ich meine wir sind durchs WATT gelaufen, das ist gefährlich, verdammt nochmal!
    Ich kann diese Unverantwortlichkeit wirklich nicht verstehen uns werde es wohl auch nie können.

  4. Klasse: Prag.
    Die Reise musste ja etwas günstiger sein, war aber an sich okay. Wir fuhren mit den Bus und haben gleich einen Unfall mit zwei Toten live mitbekommen, wodurch einige Individuen meinten sich zutrinken zu müssen, und einer der Herren flog dann durchs Fenster aus dem 5. Stock.
    Abgesehen von diesem tollen Einstand, beruhigte sich die Situation und die Reise war gut ausgewogen zwischen Sight Seeing, Theaterbesuch und freiverfügbarer Zeit, die von den meisten zum Drogenkonsum genutzt wurde. Seufz.
    Wie auch immer, ich war SEHR glücklich dass ich nach Prag konnte, das hatte zumindest noch Kultur und Geschichte, der Großteil unserer Klasse wollte lieber auf ein tolles Schiff in Holland um dort 12 Tage über nen Fluss zu schippern. Toooooooll *Augenverdreh* ist daran gescheitert, dass nur 28 Plätze frei waren.

  5. Klasse: 3 Tage in London.
    Nicht wirklich eine Klassenfahrt, aber aufgrundd er Mängel möchte ich sie aufziehen.
    Ok, sie war nicht SO teuer, wir hatten Bed and Breakfast und gutes Taschengeld. Allerdings bestand der gesamte Umgang darin, wie wild geworden durch die Stadt zu rennen, und ehrlich: Auf Postkarten habe ich schon mehr von Big Ben, dem Buckingham Palace und dem Tower of London gesehen, als persönlich davorstehend. Dazu kamen exessive Shopping Touren.
    Englisches Essen, oder wenigstens Soho? Nada!
    Es wurde natürlich jeden Abend bei McDonalds gefressen (von mir persönlich dann nur ein Apfel, da ich mir dank des fantastischen McChicken, der in wirklichkeit ein Fisch war, den Magen verdorben habe).
    Wir waren in genau *einem* Museum und haben sonst wirklich nix kulturell Sinnvolles erlebt, außer halt rumrennen, Shoppen, und die Leute mit Fotoapparat ihre Fotos machen lassen, die man überall als Postkarte bekommt. Ich war *nicht* begeistert, obwohl ich London als Stadt sehr mochte, und gerne nochmal hinwill.

  6. Klasse: Barcelona

Nun gut, es war nicht wirklich eine Studienfahrt, sondern mehr Urlaub mit Programm, aber es gibt nicht viel zu mosern - wir waren alle Froh, unsere Ruhe zu haben, und die Lehrer waren froh, die Ruhe vor uns zu haben, insofern hatten wir schöne Ferien und eine tolle Aussicht, ja.

Ich weiß nicht ob man dafür so viel bezahlen muss wie wir es getan haben und dazu noch 22 Stunden Busfahrt hin und wieder zurück, aber da ich sonst nie nen Urlaub bekommen hätte, war ich doch glücklich, endlich mal aus Deutschland rauszukommen :wink:

Kurz resumee: Nein, es muss nicht immmer teuer sein, man sollte die Fahrt aber wirklich dem Reifegrad der Schüler anpassen und auch nach preislichen Alternativen suchen. Vor allem sollte man gucken, nicht in Deutschland zu versauern. Deutschland ist hübsch, aber seien wir ehrlich: Man kommt doch eher nach München, als nach Prag. Und manche kommen ohne „schulischen Zwang“ nirgendwo hin.

Huhu,

das

(ich hatte nur 4 Klassenfahrten in 13
Schuljahren)

versteh ich nicht, wenn Du dann sechs Stück aufzählst…oder bezeichnest Du die kürzeren nicht als „Klassemfahrt“?
Wir waren auch nochmal eine Nacht in Paris, aber das hab ich nun nicht mitgezählt…ich komm auch „nur“ auf vier, wir waren in der acht halt nirgendwo.

Aber wenn ich mir überlege, dass meine Mutter in zehn Schuljahren keine einzige Fahrt mit Übernachtung mitbekommen hat - da können wir uns glücklich schätzen.

*wink*
Sonja

Hallo Hebre,

jaaaaaaaaaaaaaa, dieser Trend ist mir ein ziemlicher Dorn im Auge.

Es geht übrigens viel früher los, in der 1. (!!!) Klasse meiner ältesten Tochter meinten doch tatsächlich einige Eltern und deren Kinder, ein Ausflug „nur“ in den (recht bekannten und großen) Zoo und Botanischen Garten der Landeshauptstadt sei viel zu langweilig für ihre Kinderchen, da seien ja alle schon gewesen (na und, wir gingen mit kleineren Kindern mindestens einmal im Jahr und es war immer schön). Es wurde darüber diskutiert, in welchen Freizeitpark man gehen könnte, aber das hat die Lehrerin dann unterbunden.

Der erste Schullandheimaufenthalt findet je nach Lehrer bereits in der 3. Klasse statt, in eine Juhe hier in der Nähe. In der 5. Klasse war die erste „richtige“ Klassenfahrt - 800 km (!!!) ans Meer, 230 Euronen. ALLE fanden das toll, wer will sich schon wahlweise als „arm“ oder als „Spielverderber“ und „Lehrerärgerer“ outen (besagte Lehrerin fährt seit 20 Jahren immer mit der 5. Klasse ans Meer).

Als ich meiner Nachbarin geklagt habe, dass ich dann wohl in einigen Jahren bei 3 Kindern auf der weiterführenden Schule pro Jahr 700 Euronen und mehr löhnen darf, hat sie nur müde gelächelt - das SLH ihres Sohnes kostete 350 Euronen, aber dort gab es natürlich coole Events…

Interessant finde ich, dass die Klassenfahrten der Haupt- und Realschule deutlich bodenständiger und günstiger sind - aber es ist ja bekannt, dass der Geldbeutel der Eltern mit über den Schulerfolg bestimmt.

Nein, wir haben zum Glück gute finanzielle Verhältnisse und bringen das Geld auf, es geht mir um’s Prinzip. Zelten wäre auch nicht mein Ding, aber es gibt soooo viele Juhes in ganz Deutschland, und irgendwie habe ich bis zum Abi 4 Klassenfahrten mitgemacht und trotzdem bestanden :wink:

Viele Grüße,
Inselchen

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Stimmt leider
Hallo Booze,

leider kann ich das als Mutter bestätigen. Es sind auch nicht immer nur die Kinder, die hohe Ansprüche haben, sondern auch die Eltern haben manchmal heftige Vorstellungen…

Zelten muss echt nicht sein, aber ein Aufenthalt irgendwo an einem See in der Juhe mit Lagerfeuer oder so - das ist doch toll *find*. Aber ich bin wohl ein Dinosaurier *seufz*.

Viele Grüße,
Inselchen

Musical
Hallo Booze,

Ich hoffe, es ist aus meinem Posting rauszulesen, dass ich das
auch nicht gut finde! Auch wenn ich dann der Spaßverderber
bin, gehe ich an Wandertagen weder in Freizeitparks noch ins
3D-Kino oder zum shoppen. Bei mir wird gewandert!

Finde ich prima :smile:

@ MainBrain:
Von einigen Schülern und Eltern werde ich genau deswegen für
einen faulen Sack gehalten, weil ich keine Lust habe, eine
Fahrt zu organisieren!

Oh ja, solche Eltern kenne ich auch *grummel* !

Aber ich biete manchmal auch Musicalfahrten an, die dann bis
zu 50.-/60.- Euro für einen halben Tag kosten können (Eintritt
und Fahrtkosten), aber NICHT als Klassenfahrt, sondern auf
freiwilliger Basis. Und ich kann euch sagen, dass sich die
Schüler darum reißen! Werbung brauche ich dafür kaum zu
machen. Sobald ich das in einer Klasse angesprochen habe,
kommen Schüler aus anderen Klassen auf mich zu und fragen, ob
sie mitfahren dürfen.

Hm, das gibt es bei uns auch manchmal. Klar sind die Kinder begeistert, aber mal ehrlich, „freiwillig“ ist so etwas nur im juristischen Sinn :wink:. Mal eben 50-60 Euronen klingt vielleicht für dich nicht viel, aber (noch *g*) gibt es Familien mit mehreren Kindern… Mein privater Rekord lag in einem Jahr einmal bei 100 (HUNDERT) Euronen Eintrittsgelder vor den Sommerferien in EINER Woche für damals eine Gymnasiastin und eine Grundschülerin - für den Kleinen mußte ich im Kiga zum Glück nur Teegeld berappen. Die Zeit kurz vor den Sommerferien wird von Jahr zu Jahr teurer - wir können uns das zum Glück leisten, aber ein Musicalbesuch als Schulveranstaltung ist für mich schon etwas grenzwertig, nix für ungut.

Viele Grüße,
Inselchen

Ich weiß nicht, ob ich das gut finde.
Hebre

Also ich wäre gerne mal wieder zelten - allerdings mit Lagerfeuer, Romantik und allem, was dazugehört.

*blinzel* sorry, das ist ein Tippfehler, es sollte 5 heißen… die 6. ist die nach London, wir waren auch keine richtige Klasse sondern der „Realschulkurs“ im ersten Jahr auf dem Gymmie, das war eher ne Art Ausflug denn richtige Klassenfahrt.

Stimmt schon, die sind besser als keine, aber wenn ich so mitkriege wo der Rest nach mir schon überall war…
mir wären viele kürzere und schöne Fahrten lieber gewesen als der Tolle aufenthalt in Pföcklinghausen >.

Danke
Hallo,
danke für die vielen Antworten, die mich eigentlich in meiner Skepsis gegenüber diesem Trend eher bestätigt haben. Aber es freut mich, dass es auch andre Erfahrungen gibt - merci für die vielen Berichte!

Noch ein Wort zu MeToos Beitrag:
Ja, sicherlich ist das kein spezielles Problem von Klassenreisen. Natürlich nimmt das „Geprotze“ auch bei Urlaub etc immer mehr zu.
Aber - sollte Schule gerade deshlab nicht zumindest versuchen, dem was andres (Bildung, Kommunikation, Soziales) entgegenzusetzen?

Und zu der Anmerkung, dass manche Schüler nur so in den Genuss bestimmter Reisen kommen, provokativ gefragt: Wovon profitieren benachteiligte Kinder aus finanziell schwachen Familien mehr? wenn sie mal Berlin gesehen haben - oder wenn sie in der Gruppe abseits von Prunk und Glamour erfahren, dass sie dazugehören?
Aber dazu gehört wieder mehr sozialpädagogisches Engagement und Geschick, als nur am Waldrand sein Zelt aufzuschlagen, ich weiß…

Viele Grüße
Hebre

Hallo Booze!

btw: interessanter Nick für einen Lehrer :wink:

Aus Deinem Beitrag spricht für mich deutlich eines der Hauptprobleme der heutigen Erziehung:

Alles muß ausdiskutiert werden. WARUM???

Das ich mit Schülern das Ziel und das Programm der vorletzten oder letzten Schulfahrt gemeinsam erarbeite, steht für mich außer Frage. Bei der letzten Fahrt darf es dann auch mal etwas teurer werden.

Für alle Fahrten davor gilt das für mich nicht.

Natürlich haben wir damals auch über unseren Lehrer geschimpft, wenn Wandern auf dem Programm stand. Aber auch das ist ein Erlebnis, das jeder einmal haben sollte, heute noch mehr als früher, und es kostet nichts.

Ich organisiere seit vielen Jahren im Vereinsbereich Fahrten für Kinder und Jugendliche. Ich weiß, dass es Zeit und Mühe kostet, ein ausgewogenes und für die Kinder interessantes Programm zu erstellen. Aber es geht. Und das zu überschaubaren Kosten!

Und ich diskutiere mit niemandem über das Programm! Es wird das gemacht, was ich vorgesehen habe! Klingt diktatorisch, ist es auch :smile:

Und die Rückmeldung? Kaum sind wir wieder zu Hause, werde ich von den Kindern nach dem nächsten Termin gefragt. Und alle sind dann wieder dabei, trotz Elementen wie Wandern oder Museumsbesuch (würg) …

Leider gibt es heute eine immer größer werdende Anzahl von Lehrern, die schlichtweg zu faul oder zu phantasielos sind, mal selber ein Programm zu erstellen. Wie viel einfacher ist es da doch, ein Rundum-Sorglos-Paket zu buchen und die Eltern dafür finanziell bluten zu lassen.

Traurig, aber wahr.

Nur mal so
adaaka

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Hallo Hebre,

Noch ein Wort zu MeToos Beitrag:
Ja, sicherlich ist das kein spezielles Problem von
Klassenreisen. Natürlich nimmt das „Geprotze“ auch bei Urlaub
etc immer mehr zu.
Aber - sollte Schule gerade deshlab nicht zumindest versuchen,
dem was andres (Bildung, Kommunikation, Soziales)
entgegenzusetzen?

Ohne jetzt selbst großartig provokativ sein zu wollen, aber was sollen Schulen denn noch alles machen?? Kommunikation und Sozialverhalten kann man schlecht „nur“ in einer Gruppe von 30+ Schülern und mit einem Lehrer erlernen. Tut mir sehr leid, aber ich glaube wirklich, dass gelegentlich auch mal die Eltern gefragt sind. Um mit seinem Kind zu REDEN braucht es keinen großen Geldbeutel. Um seinem Kind Zeit zu schenken und in der Familie angemessenes Sozialverhalten aufzuzeigen und beizubringen, brauchen Eltern ebensowenig viel Geld. Den Wert von Bildung lernen viele Kinder genauso im Elternhaus und nicht in der Schule. Warum sollen Schulen immer das gerade rücken, was Eltern verpatzt haben?

Und zu der Anmerkung, dass manche Schüler nur so in den Genuss
bestimmter Reisen kommen, provokativ gefragt: Wovon
profitieren benachteiligte Kinder aus finanziell schwachen
Familien mehr? wenn sie mal Berlin gesehen haben - oder wenn
sie in der Gruppe abseits von Prunk und Glamour erfahren, dass
sie dazugehören?
Aber dazu gehört wieder mehr sozialpädagogisches Engagement
und Geschick, als nur am Waldrand sein Zelt aufzuschlagen, ich
weiß…

Ja, dazu gehört eine Menge mehr. Vor allem gehört dazu die Erkenntnis, dass nicht ein Muster für alle Kinder passt. Wer sonst nie zum See kommt um dort zu zelten, für den ist das möglicherweise eine tolle Sache. Für die Kinder in unserer Gegend ist das Meer relativ „langweilig“ (6. Klasse), weil es einfach nah ist und sie dort schon waren. Für viele Stadtkinder ist ein Ausflug in die Stadt überflüssig und langweilig. In vielen Fällen hat es nicht unbedingt was mit „Prunk und Glamour“ zu tun, sondern damit, Kinder Erfahrungen machen zu lassen, die sie sonst nicht machen würden.

Wir hatten vor den Ferien eine Gruppe „Großstadtkids“ bei uns auf dem Campus. Die konnten sich kaum einkriegen und fanden es alles andere als langweilig. Wir haben Kühe, Wiesen, Felder, einen Bauernhof, Seen, Schwäne und vieles mehr. Selbst mit ihren 14 Jahren fanden sie das noch toll. Das ist für dich vielleicht nur schwer vorstellbar, aber ich hab schon mit Kindern gearbeitet, die noch nie ne echte Kuh gesehen haben.

Schönen Gruß,
Kel :smile: