Kleinkind in der Trotzphase - was tun?

Hallo,

wir sind gerade etwas ratlos wie wir auf das Verhalten unseres 15 Monate alten Sohnes reagieren sollen… Mein Mann hat Elternzeit seit der Kleine ein Jahr alt ist (davor war ich ein Jahr in Elternzeit). Ich bin voll berufstätig.

Sei ca. zwei Wochen kann unser Sohn sehr trotzig reagieren, wenn etwas nicht nach seinem Willen ist. Er will in letzter Zeit sehr gerne getragen werden. Da er bereits 14 kg wiegt ist die Tragezeit natürlich begrenzt. Wenn ich ihn absetze klammert er und schreit. Oft schlägt er dann vor Wut seinen Kopf gegen Fenster oder den Fußboden. Da dies natürlich weh tut schreit er dann noch mehr. Manchmal versucht er mir gezielt in die Wade zu beißen (bei meinem Mann macht er das nicht)! Da das mir natürlich weh tut ermahne ich ihn streng, oder wenn er es bereits getan werde ich laut, weil ich wirklich sauer bin. Oft lacht er dann! Wenn wir im ihm auf dem Boden spielen und er sehr übermütig wird haut er nach uns. Manchmal einfach so, oder weil ihm etwas nicht gepasst hat. Manchmal habe ich aber auch den Eindruck, dass es bloßer Übermut ist. Wir erklären ihm dann immer, dass man nicht schlägt, weil man damit anderen weh tut.

Mein Mann nimmt ihn in den Schwitzkasten und erklärt ihm dass es so nicht läuft. Dabei schreit er immer vor Wut, weil er natürlich nicht festgehalten werden will. Danach hört er manchmal auf, manchmal schlägt er aber gleich wieder. Kurz, es scheint nichts zu helfen. Ich ermahne ihn meist nur mit Worten.

Speziell mich reißt er auch an den Haaren. Vor kurzem hat er mir ein ganzes Büschel ausgerissen. Da war ich dann so wütend, dass ich ihn auch fest an den Haaren gezogen habe und ihm dabei laut erklärt habe dass dies sehr weh tue. Danach hat er natürlich bitterlich geweint und ich habe mich bei ihm entschuldigt und ihn getröstet. Seit dem hat er es nicht noch einmal versucht. Das kann aber doch auch nicht die Lösung sein. Wir wollen ihn auf keinen Fall schlagen oder sonst irgendwie weh tun. Worte versteht er aber noch nicht bzw. er kann sie noch nicht umsetzen. Ich schätze mal, er testet im Moment seine Grenzen aus. Ist das schon die Trotzphase? Ich dachte nämlich, dass die viel später kommt.

Grundsätzlich finde ich das mit dem Schwitzkasten nicht so gut, weil ich selbst auch nicht gerne festgehalten werde. Scheinbar scheint es aber zu helfen, da er sich bei meinem Mann tendenziell nicht so viel erlaubt. Was meint ihr dazu? Was kann man noch tun um im klar zu machen, dass er sich so nicht verhalten kann. Ich hoffe auf viele Tipps und Anregungen.

Grüße,

Tina

Hallo,

Mein Mann nimmt ihn in den Schwitzkasten
und erklärt ihm dass es so nicht läuft.

Nein, Dein Mann erklärt ihm genau,
wie so etwas läuft.

Wie man sich also sein Recht
verschafft -> mit aggressiven Handlungen.

Grüße

CMБ

Meinst Du? Aber er tut im dabei ja nicht weh sondern zwingt ihn sozusagen zur Ruhe. Wie erkläre ich im dann dass man sich so eben nicht verhält?

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Hallo

Mein Mann nimmt ihn in den Schwitzkasten
und erklärt ihm dass es so nicht läuft.

Nein, Dein Mann erklärt ihm genau,
wie so etwas läuft.

Wie man sich also sein Recht
verschafft -> mit aggressiven Handlungen.

Meinst Du? Aber er tut im dabei ja nicht weh sondern zwingt
ihn sozusagen zur Ruhe. Wie erkläre ich im dann dass man sich
so eben nicht verhält?

Bei einem so kleinen Kind muss man imho
zu allererst diesem helfen, dass es sich
emotional wieder einfängt.

Wie? Das kommt sehr darauf an, wer das
Kind ist und wo es ist (entwicklungsmäßig).

Auf jeden Fall immer möglichst freundlich
(auch bei seinen Ausrastern) bzw. korrekt -
Schimpfen und Strafen bringt unter bei 2,5J
imho nichts mehr, wenn es in mehr als 15%
der Interaktionen angewandt wird (es führt
zum Gegenteil).

Ausserdem ist Schimpfen und Strafen gerade
nicht das, was das Kind braucht, wenn es
in emotionalem Notstand ist.

Es „lernt“ quasi die Art und Weise, wie es
aus seinem Notstand herauskommt - von Euch.

So ein kleines Kind ist ein letztlich
ein „Patient“, der auf eine kohärente
und freundliche Interaktion angewiesen
ist - egal wie er sich gerade fühlt.

Dein Kind soll ja später auch mal adäquat
reagieren können, wenn Du im Alter einen
Aussetzer bekommst und wirres Zeug tust :wink:

Aber wie gesagt - ohne das Kind zu kennen,
kann man eigentlich keinen sinnvollen Rat
geben.

Grüße

CMБ

Hi!

Schwitzkasten ist übertrieben, das Ausspielen der körperlichen Überlegenheit hingegen meines Erachtens nicht.

Selbstverständlich habe ich meine Kinder daran gehindert, mir oder andren weh zu tun. Mit einem Nein und einer kurzen Erklärung („Das tut weh“)
Man muß einfach schnell genug sein. *g*

Davon abgesehen, finde ich das Verhalten durchaus normal bzw. im Normalbereich. Das zweite Lebensjahr hat es in sich! Sie können und wollen alles, stoßen dabei ständig an ihre Grenzen und sind darüber je nach Temperament mehr oder weniger wütend, was sie eben auch mehr oder weniger deutlich zeigen.

alien

Hallo,

Folgender Link ist hilfreich…siehe Hilfe http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_H…

Eencockniedo

Danke für den tollen Link. Der war sehr hilfreich. Mich wundert nur, dass er mit der Trotzphase offensichtlich schon mit 15 Monaten beginnt. Das macht es uns natürlich nicht leichter, weil er noch nicht so gut kommunizieren kann und durch sein geringes Alter noch weniger versteht als ein zweijähriger.

Gruß,

Tina

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Hallo,

erstmal kenne ich deinen Sohn auch nicht,aber ich kenne die Trotzphasen meiner Kinder noch ganz genau.

Mein Sohn z.B.hat sich auch gerne hingeschmissen ,wenn er seinen Willen haben wollte.Also alles normal.

Das Beste ist ruhig bleiben,seinen Ausrastern so wenig wie möglich beachten.Klingt schwer ich weiß,wenn er beißt u.s.w. kurz anmerken ,das es dir weh getan hat und kurz das Zimmer verlassen.Wichtig ist es sich keine Machtkämpfe zu liefern,was aber nicht heißt ,das er jetzt machen kann was er will.Sei Konsequent ,schlechtes Verhalten nicht so viel Aufmerksamkeit,gutes Verhalten sehr viel Aufmerksamkeit,viel loben,viel Kuscheln,das braucht er jetzt.Trotzphase schwere Zeit ,auch für ihn.
Das mit den Schwitzkasten ist keine so gute Idee,Gewalt erzeugt Gegengewalt,also Schluss damit.Er muss seine Grenzen kennen lernen,aber auch ihr musst seine Grenzen respektieren.

Gruss Sabine

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Hallo,

Sollte Dich die wertkonservative Sicht eines Kollegen mit Großfamilie und gleichaltrigem Baby interessieren, so schickst Du mir bitte eine (leere) E-mail.

Gruß

Ze

Danke für den tollen Link. Der war sehr hilfreich. Mich
wundert nur, dass er mit der Trotzphase offensichtlich schon
mit 15 Monaten beginnt.

Moment mal - vom richtigen Trotzanfall war bei Dir nicht die Rede. Der echte Trotzanfall an und für sich ist was anderes, muß auch anders gehandhabt werden, und kommt auch noch - bestimmt.

Gruß

Ze

Hai, Tina,

was bei meinen diversen Sitting-Babies eigentlich immer geholfen hat: konsequentes Ignorieren nicht erwünschten Verhaltens.

Das Teil schmeißt sich auf den Boden, brüllt und strampelt? Laß ihn doch… im Notfall (scharfe Kanten oder Ecken in der Nähe, mitten auf dem Fahrdamm) das Kind an eine ungefährliche Stelle packen und toben lassen - nix sagen, nicht schimpfen, nicht trösten. Sobald wieder Ruhe ist, Dich um das Kind genauso weiter kümmern, als wär gar nichts geschehen. Besonders interessant, wenn so ein Anfall in einem Geschäft kommt - ungefragt bekommt man endlos „gute“ Tips…

Das Teil beißt, kratzt, haut oder zieht an den Haaren? Klar und deutlich AUA sagen, zwei Schritte Abstand nehmen und wieder ignorieren; hattest Du ihn auf dem Arm oder auf dem Schoß, wird’s auf den Boden gesetzt und ignoriert.

Nicht schimpfen, nicht kämpfen, aber sich auch nichts gefallen lassen.

Gruß
Sibylle

Hallo Sibylle,

da stimme ich dir vollkommen zu,nur der Ausdruck das TEIL find ich nicht so zutreffend.

Gruss Sabine

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So würde ich mich auch verhalten. Hab ich bei meinen Neffen immer getan.

Oder 5 min in ein Zimmer ohne Spielzeug (zB Schlafzimmer)
Da konnte sich meine Neffe dann immer austoben, nach 5 min mal nachschauen, ob sich der Kleine beruhigt hat.

Meistenst konnte man ihn dann wieder in den Arm nehmen und weitermachen wie gehabt.

Ich fand als Kind ignorieren schlimmer als eine „gewatscht“ zu kriegen.

Grüssle Wölkchen

Mein Senf dazu
Hallo Tina,

auch ich habe die Trotzphasen meiner Kinder noch recht lebhaft in Erinnerung.

Mir hat sehr geholfen, dass ich einmal eine Frau mit einem Kind beobachtet habe, die eine Engelsgeduld hatte. Das Kind hatte einen Trotzanfall mitten in der Fußgängerzone. Die Frau sagte dann zu ihm ganz ernst: Schatz, wenn du dich hinschmeißen möchtest, dann aber besser nicht in die Pfütze. Sonst musst Du den ganzen Heimweg frieren.

Mir hat das wirklich imponiert. Sie hat dem Kleinen damit gezeigt, dass sie ihn ernst nimmt. Und dass sie es akzeptiert, dass er sich hinschmeißen möchte. Und ihn aber nicht allein gelassen und ihm diesen wichtigen „Tipp“ gegeben.

Dieses Prinzip habe ich (in abgewandelter Form natürlich) bei meinen vieren der Reihe nach angewendet. Ich weiß nicht, ob sie mich mit meinen Worten verstanden haben, oder meine Stimme und die freundliche Art ihnen geholfen hat. ABER ES HAT GEHOLFEN. Übrigens entsteht dadurch auch der Nebeneffekt, dass das Publikum außenherum ebenfalls informiert ist. Und ohne Publikum haben mich selbst diese kleinen Ansprachen ein wenig beruhigt… :smile:

Viel Erfolg, wie auch immer, und sei sicher - auch diese Phase ist irgendwann einmal vorbei!

Viele Grüße, Claudia

PS. Gebissen wurde ich zwar noch nciht, aber probeweise auch schon mal gehauen. Dann habe ich (extra) laut und empört mit finsterem Gesichtsausdruck Aua gesagt und mich fürs erste abgewendet. Eben extra übertriebener, als ich es sonst auch machen würde, wenn ich von einem Erwachsenen verbal verletzt worden wäre.

Hallo Jil,

ich stimme Sybille voll zu ignorieren ist die beste Möglichkeit, für dich und deinen Mann. Da müßt ihr an einem Strang ziehen.

Aber … als ebenfalls voll berufstätige Mutter dessen mann die Erziehungszeit ab 6 Monate genommen hat möchte ich noch etwas anmerken. Ein Teil seiner Wut gegen dich resultiert auch aus dem fehlenden täglichen 24 - Stunden Umgang. Um es mal so zu nennen. Fakt ist das ihr in einer für das Kind recht schwierigen Lernphase (Laufen, Sprechen usw. es sind halt viele Dinge zum lernen) gewechselt hat. Sprich ihr habt ja die Bezugsperson gewechselt. Und das ist nicht so leicht zu verdauen wenn man sich auch noch um all die anderen Dinge kümmern muss die man ja noch lernen „will“.
Hört sich irgendwie kompliziert an, ist es aber nicht.
Im übrigen es sollte nicht der Schwitzkaten sein in dem dein Sohn steckt, es genügt wenn man beide Handgelenke festhält bei extremen Ausrastern. Und mit den resultierenden blauen Flecken muss man leben *gg* , war bei uns aber nur eine seltenen Ausnahme und diente eigentlich nur dazu jeweiliges Kind ins Kinderzimmer (keine scharfen Kanten/Ecken) zu bugsieren damit es sich beruhigen konnte. Danach wurde solange ignoriert bis es sich beruhigt hatte. Und ganz wichtig, wenn diese Ausraster gegen dich gehen musst du sie mit deinem Filius klären da hat dein Mann nichts mit zu kriegen.

Und zu deiner Beruhigung, bloß kein schlechtes Gewissen weil du arbeitest, nutze die Zeit mit deinem Sohn qualitativ auch regelmäßig mal alleine. Zeige ihm das du obwohl du arbeitest immer für ihn da bist.
Bei mir bedeutet das das ich z.B. jedes Jahr am Geburtstag meiner Söhne einen Tag Urlaub habe, scheiß egal was ansteht. Der wird bereits am Anfang des Jahres beantragt und fertig. Oder das ich mir für bestimmte Sachen und Aktivitäten die meinen Kindern wichtig sind frei nehme. Oder das ich auch mal zwischendurch, im Notfall, meine Kinder von der Schule abholen usw. usw. es gibt viele Kleinigkeiten die man tun kann die uns nicht wichtig erscheinen aber unseren Kindern wichtig sind auch einem 15 Monate altem Kleinkind.
Du weißt am besten was er gerne mit dir tut und eigentlich nur mit dir tun möchte.

Ich hoffe das war jetzt nicht zu konfus

Schöne Grüße
Andrea