Hallo Pendragon,
du hast im Prinzip schon teilweise recht, nur - ganz so leicht isses
leider auch nicht 
Allerdings: Strafen sind tatsächlich keine Option.
Es gibt aber Hinweise, dass die „Babysprache“, also „Duzi, Duzi,
schönes Töfftöff“ etc. entgegen den Befürchtungen einiger Eltern
nicht schädlich sondern unterstützend im Erstspracherwerb wirkt.
Ebenfalls ist es so: Je mehr man sich mit Kindern unterhält und auch
Sprachspiele (wie „Das ist der Daumen, der schüttelt die
Pflaumen,…“ etc.) spielt, Aktionen und Erlebnisse sprachlich
begleitet, desto mehr erleichtert man den Spracherwerb.
Aber, wie einer meiner Professoren immer sagte: Das faszinierende
ist: Sprache ist ein extrem komplexes Systm, trotzdem erwirbt sie -
umgangssprachlich gesagt- jeder Depp.
Es ist nicht so, dass die so genannte Spracherwerbsforschung
inzwischen wüsste, wie Menschen sprechen lernen.
Sie weiß auch nicht, dass wir es nicht durch Nachahmung lernen.
Stand der Forschung ist: Allein durch Nachahmung geht nicht, allein
durch trial-and-error geht nicht, allein aufgrund des LAD (language
acquisition device, eine Art angeborenes Wissen über den Erwerb
grammatischer Regeln) ist es auch nicht.
Es gibt viele miteinander konkurrierende Ideen, keine davon ist bis
heute eindeutig bewiesen.
Das Einzige, worauf man sich einigen konnte ist die Unterteilung in
verschiedene Phasen, die alle Kinder in dieser Reihenfolge
durchlaufen. Dabei sind manche Kinder „schneller“, andere
„langsamer“, aber deswegen weder gleich Genies noch sprachbehindert:
Vorstadium:
Die ersten Wochen direkt nach der Geburt zeichnen sich durch das so
genannte reflektorische Schreien aus. Dabei ist das zunächst
undifferenzierte Schreien ab der zweiten Woche durchaus als
differenziert zu beschreiben, da das Kind bereits verschiedene
affektive Zustände auszudrücken vermag. Diese Entwicklung nimmt zu,
und in der 4. bis 6. Woche ist das Schreien dann schon deutlich
emotional gefärbt, zuerst nur negativ, dann auch positiv.
Missbehangen und Zufriedenheit können gut unterschieden werden. Man
geht davon aus, dass die Kinder in diesem Stadium ihre Muttersprache
schon von anderen Sprachen unterscheiden können.
Lallstadium:
Im 3. bis 6.Monat kommt es zu einer stimmlichen Expansion, das Kind
spielt mit der Stimme, mit der Fähigkeit, Melodie und Intensität zu
modulieren. Der Vokaltrakt wird ausgebildet, es kommt zum
Ausprobieren aller Laute. Ab dem 6. Monat bildet sich das
Phoneminventar der Muttersprache heraus. Im 7. bis 10. Monat zeigt
das Kind erstmals das Lallen bestimmter Silben, wobei Reduplikationen
(Ma-Ma, Pa-Pa, etc) gehäuft auftreten. Wichtig ist, dass der
Grundlautschatz noch bei allen Kindern identisch ist. Erst ab etwa
dem 12. Monat werden dann nicht- muttersprachliche Kontraste nicht
mehr wahrgenommen.
Einwortphase:
Mit dem 12. Monat beginnen Kinder, die ersten Wörter zu produzieren.
Dabei handelt es sich mehrheitlich um offene Wortklassen, vor allem
Substantive, Verben, Wörter mit einer einfachen Silbenstruktur. Bis
zum Alter 1;6 (1 Jahr 6 Monate) erwirbt das Kind seinen ersten
Wortschatz mit einem Umfang von ca. 40-50 Wörtern. Die Äußerungen
sind oft so genannte „Holophrasen“, die sich aus dem Wort und seinem
Kontext zusammensetzen.
Zweiwortphase:
Etwa im Alter von 18 Monaten zeigen Kinder die ersten Kombinationen
von Wörtern. Dabei treten allerdings keine Flexionen auf, vereinzelt
finden sich Plurale oder Genitive. Die Äußerungen zeichnen sich durch
individuelle Wortstellungen aus. Zwischen 1;8 und 3;6 findet ein
sprunghafter Zuwachs an Wörtern statt, der sich bis etwa ins vierte
Jahr so fortsetzt.
Weiterentwicklung:
Zwischen 2;0 und 2;6 gehen die Kinder von den Zwei- zu Drei- und
Mehrwortäußerungen über, die allerdings noch eine einfache
syntaktische Struktur aufweisen. Erst danach bis etwa zum Ende des
vierten Lebensjahres bilden Kinder Sätze, die bereits eine komplexere
Syntax besitzen, die Flexionen werden ausgebaut, es tauchen
Nebensätze auf. Dieser Ausbau und der Angleich an die
Erwachsenensprache setzen sich anschließend fort.
Die Komplexität des Themenbereichs „Spracherwerb“ ergibt sich aus den
Schwierigkeiten, denen man zwangsläufig begegnet, sobald man
versucht, die Fakten dieses Prozesses aufzuzählen oder überhaupt zu
entdecken. Aus der großen Anzahl an Daten gewann und gewinnt man ein
immer größeres Verständnis und Einsehen in einzelne Teilprozesse oder
Details des Spracherwerbs, aber auch ein Bewusstsein dafür, dass eine
große, übergreifende Theorie noch immer nicht gefunden, bzw. bewiesen
werden konnte. Zu diesem Problembereich gehören solche Fragen wie die
nach Anlage oder Umwelt, nach Lernprozessen oder auch nach dem
Zusammenhang zwischen Sprachproduktion und Sprachverstehen in den
ersten Monaten/ Jahren.
Die bekanntesten Theorien sind Behaviorismus, Nativismus,
Interaktionismus, Instruktionalismus und Kognitivismus.
Bei Interesse kann ich Dir gerne ausführlicheres dazu schreiben.
LG,
Norah
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