Kletterseil - worauf kommts an?

Hi alle zusammen!

Ich werd mir demnächst ein Kletterseil kaufen!
Hab vor, das etwas öfter zu tun (Kletterturm, aber später auch mal alpin geplant).
Die ganzen Angaben auf den Seilen sagen mir gar nix!
Gut, ob schwer oder leicht, ob dick oder dünn, kann ich dann schon noch unterscheiden, aber was hat´s mit den Angaben über Normstürze (oder so ähnlich), Seildehnung, etc. auf sich?
Gibt´s da Werte, innerhalb derer sich die Angaben (z.b über die Seildehnung) befinden soll?
10 Stürze sind genug?
Hab nicht vor, ständig aus 20m Höhe ins Seil zu fallen (dazu bin ich viel zu feig *ggg*)

Bitte um Aufklärung!!!

Bussi, Saesch

Hallo Saesch,

Ein Normsturz ist ein Sturz mit dem Sturzfaktor 2, also einer der übelsten Sorte (Sturzfaktor = Sturzhöhe/Ausgegebenes Seil).
Mehr Stürze sind besser, als weniger. Im Allgemeinen kannst Du davon ausgehen, dass alle Seile die nötige Sicherheit bieten.
Nach einem großen Sturz muss das Seil sowieso ausgetauscht werden, egal wieviele Normstürze es angeblich hält.
Du wirst natürlich selten einen 20m Sturz hinlegen (es sei denn Du bist mit viel Mut im Elbsandstein unterwegs). Allerdings sind die kurzen Stürze, kurz über dem letzten Klipp auch recht schädlich für das Seil.

Die Seildehnung sagt, wie der Name schon sagt, wie sehr sich das Seil dehnt, wenn man reinfällt. Mehr Seildehnung ist angenehmer, weil man nicht so hart fällt. (Statikseile kann man nicht zum Klettern benutzen)

Wichtig ist dann noch „imprigniert“ oder nicht.
Wenn Du viel draußen bist, dann ist imprigniert wahrscheinlich besser, einfach weil sich auch der Dreck nicht so schnell festsetzt, was wiederum das Seil schont.

Am Kletterturm wirst Du wohl einen starken Verschleiß haben, weil Du wahrscheinlich viel top-ropen wirst. Da ist natürlich ein preiswerteres Seil naheliegender.
Allerdings habe ich mit sehr billigen Seilen (selbst von namenhaften Herstellern wie Edelrid) nicht soo großartige Erfahrungen gemacht. Die krangeln meist recht stark und die Verschiebung zwischen Mantel und Kern ist häufig auch sehr hoch.

Wenn ich derzeit ein Seil kaufen würde, dann wahrscheinlich eins dieser dünnen Mammutseile (Achtung: Man braucht ein Sicherungsgerät mit hoher Reibung - Grigri wird z.B. nicht selbst blockieren). Man hat wenig zu tragen und die Euros die man mehr investiert kommen sicher wieder raus, weil Mammut meist auch gute Qualität für’s Geld bietet (längere Haltbarkeit).

Eine Frage ist dann immernoch die Makierung. Es gibt die Seile, die ab der Hälfte eine andere Webung haben und sogar welche, deren Enden auch nochmal auf den letzten Metern anders gewebt sind. Das gibt vor allem am Anfang Sicherheit.

Wenn Du in den alpinen Bereich gehst (also wirklich alpin, nicht Mittelgebirge), dann solltest Du vielleicht über Halbseile nachdenken. Die kommen im alpinen Bereich gern mal zum Tragen, da man bei langen Routen mit ungünstigem Seilverlauf die Reibung verringern kann und außerdem gegen scharfe Kanten deutlich gefeiter ist. (Allerdings machen sich Halbseile wiederum am Turm schlecht.)

Von einigen Herstellern gibt es Seile die das Siegel „kantenfest“ tragen. Für die späteren alpinen Touren könnte das ein guter Kompromiss sein. Allerdings bedeutet „kantenfest“ nicht „unzerstörbar“.

Ansonsten kann ich Dir nur empfehlen, Dich mal an Mammut oder Edelrid zu wenden (per email) die erklären Dir sicher alles, was Du wissen willst. Außerdem sollte es bei Dir in der Nähe bestimmt ne DAV Sektion geben (Du wohnst in Deutschland?), dort gibt es Fachübungsleiter „Alpin“, die Dir für Deine konkreten Pläne sicherlich nen paar Tips geben können und gerne geben werden.

Wie gesagt, mir sagen die dünnen Mammutseile ausgesprochen zu. Aber ich bin fast ausschließlich Sportklettertechnisch unterwegs und muss zugegeben selbst noch keins von denen zu besitzen. Aber mein derzeitiges Hallenseil ist ein Mammutseil und recht überzeugend.

Soweit meine ersten Gedanken dazu,
Grüße,
Zwergenbrot

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Danke!
Jetzt hab ich ein bissl mehr Ahnung!

Bei mir kommt dann noch der Preisfaktor dazu!
Also eines dieser tollen Seile (180 Euros aufwärts) wirds wohl nicht werden!
Aber wenn du meinst, dass alle Seile eigentlich sicher genug sind, tut´s ja auch für mich (der ja vorerst nix Extremes geht - 5-6 ) ein billigeres Seil!
Noch eins : Wie erkenne ich die Mantelverschiebung?
und noch eins : nach einem größeren Sturz sollte das Seil getauscht werden - etwa wegen der schlechteren Dehnbarkeit des Seils nach so einem Sturz?

Danke und Bussi, Saesch (bin ein Ösi!!!)

Jetzt hab ich ein bissl mehr Ahnung!

Bei mir kommt dann noch der Preisfaktor dazu!
Also eines dieser tollen Seile (180 Euros aufwärts) wirds wohl
nicht werden!
Aber wenn du meinst, dass alle Seile eigentlich sicher genug
sind, tut´s ja auch für mich (der ja vorerst nix Extremes geht

  • 5-6 ) ein billigeres Seil!

Wie gesagt ein teureres rechnet sich meist durch längere Haltbarkeit wieder raus.

Noch eins : Wie erkenne ich die Mantelverschiebung?

Das weiß ich leider auch nicht. Durch bloßes draufsehen im Laden wird man da wenig rausfinden. Du wirst es halt irgendwann nach dem ersten Monat klettern mit dem Seil mitbekommen. Wie es eine starke Mantelverschiebung gibt, dann hast Du Pech gehabt. Dann hängen an einer Seite deines Seils nach anderthalb Monaten 2m Mantel über, die Du dann wegschneiden musst.

und noch eins : nach einem größeren Sturz sollte das Seil
getauscht werden - etwa wegen der schlechteren Dehnbarkeit des
Seils nach so einem Sturz?

Nein, weil der Seilkern beschädigt sein könnte. Der Kern besteht aus mehreren verflochtenen Strängen. Jeder einzelne davon sollte eigentlich so stark sein, dass er Dich im Falle eines Sturzes hält. Aber wenn ein paar davon vielleicht beschädigt sind, dann erhöht sich die Gefahr, dass das Seil bei einem ungünstigen Sturz (z.B. über eine Kante) nachgibt.
Im Grunde sollte nach einem wirklich hohem Sturz mit hohem Sturzfaktor die gesamte Ausrüstung ausgewechselt werden.
Aber dazu hat wohl keiner das Geld und so oft macht man keine 20m Stürze in den Stand rein, dass es tatsächlich ein Punkt wäre, der im täglichen Kletterleben eine Rolle spielt.

Danke und Bussi, Saesch (bin ein Ösi!!!)

Ein Ösi?
Dann wird mir auch das „alpin“ sofort klar. Warum in deutsche Mittelgebirge ziehen, wenn man die Alpen vor der Tür hat?
In dem Fall ist natürlich der „DAV“ durch den „ÖAV“ zu ersetzen.

Liebe Grüße,
Zwergenbrot