Hallo,
vorweg: ich möchte niemanden religiös angreifen oder verletzen. Es liegt mir fern, irgend einer Religion zu nahe zu treten. Ich möchte nur gerne das Prinzip verstehen!
Nun zu meinem Problem:
Ich habe noch einmal in den Schriften Suzukis gesucht und folgendes gefunden:
„Gegenwärtig (das Buch stammt in der ersten Auflage von 1958) ist das Koan ein Ausgangspunkt, es vermittelt eine Anfangsbewegung in der Richtung der Zen-Erfahrung. Mehr oder weniger unbewusst zu Beginn, nimmt die Bewegung allmählich den Charakter an, der für die Reifung des Zen-Bewusstseins erforderlich ist. Das Koan wirt wie Sauerteig. Sind geeignete Bedingungen vorhanden, so entfaltet sich der Geist von selbst zur vollen Blüte des Satori. Diese Art der Anwendung des Koan, um den Geist für sein tiefstes Geheimnis zu öffnen, ist charakteristisch für das moderne Zen.“ (S. 145 f.)
Dann folgt etwas später ein Koan für Anfänger (gekürzt):
„Was ist das Grundprinzip des Buddhismus? - Der Zypressenbaum im Hof. - Du sprichst von einem gegenständlichen Sinnbild. - Nein, ich spreche nicht von einem gegenständlichen Sinnbild. - Was ist denn das Grundprinzip des Buddhismus? - Der Zypressenbaum im Hof.“ (S. 147)
„Abstrakt genommen können diese Koans, auch vom gewöhnlichen Denkstandpunkt aus, nicht als völlig sinnlos angesehen werden, und wenn wir über sie nachdenken wollen, besteht die Möglichkeit dazu. So könnte einer … (den) Zypressenbaum … ansehen … als eine leibhaftige Offenbarung des höchsten Prinzips, welche die pantheistische Tendenz des Buddhismus erkennen ließe. Aber das Koan auf diese Art intellektuell verstehen ist nicht Zen …
Unter keinen Umständen darf man das Zen mit Philosophie vermengen: Zen hat seine triftigen Gründe, selbständig zu bleiben …“ (S. 147 f.)
Soweit, so gut. Nun aber heißt es eine Seite weiter:
„Die Koans dienen also … vornehmlich dazu, alle nur möglichen Zugänge zum Rationalismus zu versperren. Im Zwiegespräch mit dem Meister … kommt jeder nach wenigen Äußerungen eigener Ansichten ans Ende seiner Weisheit, aber gerade diese Sackgasse ist der richtige Ausgangspunkt für das Studium des Zen.“ (S. 149)
Und dann:
„Das Koan … verfolgt ein sehr ernstes Ziel, nämlich die Aufrüttelung des Zweifels, den es bis auf die Spitze treibt. … Es ist ein Gefühl, als sei der gewohnte Gedankengang plötzlich abgeschnitten. … Ist der Wall des Koan einmal durchbrochen, das Hindernis des Intellekts beiseite geräumt, so kehren wie sozusagen zu unserem alltäglichen relativen Bewusstsein zurück.“ (S. 149 f.)
Mich beschäftigt nun das Verhältnis zwischen Buddhismus und Rationalität. Denn einerseits sind beide vereinbar, andererseits nicht (jedenfalls bezüglich des Zen). Hat jemand eine Idee, wie ich hier weiterkomme? Der Hinweis: „Mach mal“ ist möglicherweise der einzig richtige Hinweis, aber im Moment hilft mir diese Art von Hinweis nicht weiter.
Herzliche Grüße
Thomas Miller

