Hallo,
zunächst muß ich Dir mitteilen, daß man sich in der Wissenschaft von der Trennung der Welt in materielle Dinge (z. B. Körper, Gehirn) und Nicht-Materielles, „Geistiges“ (wie Du meinst, Gedanken, Wille, Vorstellungen) verabschiedet hat. Bereits seit dem 19. Jh. nimmt man allgemein an, auch z. B. die Gedanken hätten irgendwie eine materielle Grundlage, obwohl man noch nicht wußte, welcher Art und wie, und noch kaum Vorstellungen darüber hatte.
Heute wissen wir ein wenig mehr darüber, wir wissen von chemischen und elektrischen Vorgängen im Hirn, und wir können diese mit z. B. mit dem EEG oder mit bildgebenden Verfahren wie der funktionellen Magentresonanztomographie (fMRT) beobachten (zumindest grob). So gab es zahlreiche Experimente, wo Versuchspersonen z. B. Rechenaufgeben lösen mußten, währenddessen wurde die Aktivität des Gehirns mittels fMRT oder mittels PET beobachtet. Warum wir allerdings unsere Gedanken usw. (manchmal) bewußt wahrnehmen, und warum wir überhaupt etwas bewußt wahrnehmen und empfinden können, ist noch völlig ungeklärt.
Wenn Gedanken also eine materielle Grundlage haben (mußt Du Dir als Prozesse denken, die aus Abfolgen von elektrischen Potentialänderungen, Neurotransmitter-Freisetzungen usw. bestehen), dann können sie natürlich auch Bewegungen von Muskeln, und weiters ganze Handlungen in Gang setzen.
Wenn Du aber fragen wolltest, wie die Psyche in den Körper kommt (z. B. psychosomatische Erkrankungen), das läuft, ganz grob dargestellt, so:
Besonders hervorstechende Reize (= „saliente“ Reize), die also besonders verlockend oder bedrohlich sind, erreichen Strukturen im Gehirn, die es in eine allgemeine Erregung (Erhöhung der Aufmerksamkeit) versetzen können (der „Locus coeruleus“ [= blaue Stelle], produziert Noradrenalin, hat diffuse Verbindungen zu fast dem ganzen übrigen Gehirn).
Auch Erinnerungen werden in diesen Vorgang einbezogen, zumal wenn sie emotional aufgeladen sind (der Ort dieser emotionalen Erinnerungen ist die Amygdala, Signal z. B. „Achtung, das war schon einmal sehr gefährlich!“ --> deshalb alles in Alarmbereitschaft versetzen). Diese Amygdala und andere Strukturen sind Teil des „zentralen autonomen Netzwerks“, die das vegetative Nervensystem beeinflussen und ihm übergeordnet sind.
Weiter führt der Weg zum Hypothalamus, worin die Zentren des vegetativen Systems sind. Dort wird eine Kaskade via Hypophyse bis zu den Nebennieren in Gang gesetzt, wo Stresshormone produziert werden, die den Körper in Alarmbereitschaft (Kämpfen oder flüchten) versetzen. Eines dieser Hormone ist das Cortisol, es gilt als das gefährlichste Stresshormon, weil es zahlreiche schädliche Wirkungen hat, wenn davon zuviel vorhanden ist. Es unterdrückt zum Beispiel Immunreaktionen, was zu erhöhter Krankheitsanfälligkeit führt. Cortisol hat aber auch schädliche neurotoxische Wirkung auf bestimmte Strukturen des Gehirns selbst. Man kann sich auf solche Weise erklären, wie psychosomatische Erkrankungen zustande kommen.
Vom Zentren des Hypothalamus führen aber auch hemmende und erregende Nervenbahnen zu anderen Bereichen (etwa den Ursprungsgebieten des N. vagus), die auf die Kreislaufregulation Einfluß nehmen (den Barorezeptoren-Reflex), sodaß dann Blutdruck und Herzfrequenz gesteigert werden, ebenfalls um den Körper auf erhöhte Anforderungen einzustellen.
Grüße,
I.