Komme nie über die kennenlernphase hinaus

Hallo!

es gibt ein Thema, bei dem ich einfach ein gebranntes Kind
bin, ich bin auch schon in Therapie deswegen, was mir sehr
hilft, aber trotzdem würde mich interessieren, ob Ihr mir die
Augen vielleicht noch in andere Richtungen öffnen könnt.

Zunächst eine Frage: Was geschieht in der Therapie, was macht man da, wie hilft es dir?

Sieh mal, ich muss schauen, ob mein Auto so holpert, weil es kaputt ist und in die Werkstatt muss, oder ob eine schlechte Straße daran schuld ist. In dem Fall fehlt dem Auto nichts.

Wir müssen schauen, warum du keine guten Straßen findest, dich dein Navi immer erneut mit excellenter Zielsicherheit auf Kopfsteinpflaster und Schottepisten lotst.

Die Sache ist, dass ich, wenn ich Männer kennenlerne und ich
für sie mehr empfinde, es so gut wie nie über die
Kennenlernphase hinaus schaffe. Ich lerne jetzt nicht allzu
wenig Männer kennen. Die meisten sind anfänglich sehr
interessiert, stellen dann aber nach paar Wochen fest, dass
sie sich nicht weiter in mich verlieben können. Das geht seit
nunmehr ca. 10 Jahren so.

Das läuft immer nach ein und demselben Muster, und man kann fast die Uhr danach stellen, richtig?

Ich habe schon alle möglichen
Gedanken gehabt, was ich falsch „machen“ könnte und bin
mittlerweile so weit (nach Diskussionen darüber mit vielen
Freunden sowie der Therapie) , dass ich nichts falsch mache
oder an mir etwas „falsch“ ist,

Das wollt ich gerade sagen. Es ist höchstens falsch, dass an dir nichts falsch ist.

sondern einfach nur meine
Panik, mich jetzt „schon wieder“ in den Falschen verliebt zu
haben, als eine Art self-fulfilling prophecy wirkt. Ich
versuche das Thema bei dem Mann, den ich kennenlerne,
natürlich möglichst nicht anzuschneiden und auch sonst glaube
ich nicht, dass ich in meiner Art irgendwie verkrampft o.ä.
werde, wenn ich mit dem Mann zusammen bin.

Ja, das ist ein blödes Gefühl. Das immer-wiederkehrende Thema ansprechen, damit er Verständnis hat, aber, um Gottswillen, was der von mir denken?

Es ist nicht ein besonderer Typ Mann, der sowieso nicht zu mir
passt, in den ich mich verliebe. Nein, es ist immer jemand,
den ich gut finde, der aber auch gut in mein Leben passen
würde, jemand, der herzlich und lieb ist und auch meist (zu
Anfang) an mir interessiert, der aber später durchaus mit
einer anderen Frau die Beziehung eingeht, die er mit mir nach
eigener Aussage „gerade nicht haben“ konnte.

Über die Analogie unserer Erlebnisse musste ich jetzt schmunzeln :smile:
Bis vor etwa 10 Jahren traf es zu, dass ich deinen Artikel hätte schreiben können. Nein, nicht ganz - ich hätte mehr Absätze in den Text reingemacht.

Vor dem genannten 10-Jahrespunkt aber hatte ich durchaus längere, auch eine vieljährige Beziehung. Bei denen war es so, dass man sich kannte und locker einander annäherte. Bzw. entwickelten die sich in dem Moment stabil, wo ich nur mal schauen wollte, ob ich vielleicht landen kann.

Ich kriege jeden Mann dazu, mir zu sagen „es liegt an mir,
nicht an dir“.

Wo haben die Leute die immer gleichen Ausreden her? Sachma… gibt es da einen geheimen Katalog, oder so, zu dem wir keinen Zugang haben?

Die Angst vor diesem einen Gespräch á la „ich weiß nicht, wie
es mit uns weitergehen soll“, „ich bin mir nicht sicher“ und
„ich kann im Moment keine Beziehung haben“ begleitet mich,
sobald ich einen Mann kennenlerne, ein bisschen Kontakt
aufgebaut habe und ich merke, dass ich in ihm viel Potenzial
sehe.

Lerne ich einen Mann kennen, in den ich mich selbst
nicht so verlieben kann, bleibt dieser garantiert am Ball.

Was sagt die Therapie zu diesem Muster?

Zudem waren meine Ansprüche manchmal schon echt
niedrig , und trotzdem wollte der Mann dann doch keine
Beziehung mit mir).

Es ist aber schon ein Fehler, die Hürde zu tief zu hängen.

Aus Angst vor der Angst habe ich mich in
den letzten zwei Jahren immerhin in zwei Männer verliebt, die
schon gebunden waren, wo ich mir wenigstens sagen konnte, es
lag ja an der anderen Beziehung, dass es mit mir nichts wurde.

Ja, das kann ich nachvollziehen.
Man sucht sich dann Beziehungen in grotesken Konstellationen, dann kann man die Verantwortung für das Scheitern so schön delegieren.

Jetzt habe ich aber wieder einen freien Mann kennengelernt,
mit dem ich mich von Anfang an ruhig und wohl gefühlt habe,
und ich hoffte, ich sei jetzt weiter als früher, brauche
weniger Bestätigung und Beruhigung als früher und weiß besser,
wer mir gut tut. Und prompt, sobald ich wusste, dass ich ihn
wollte, kam von seiner Seite die Frage „was ist das zwischen
uns - ich hab das Gefühl, du willst bisschen mehr als ich -
ich freue mich immer, dich zu sehen, aber bin ja gerade erst
umgezogen - ich will dich weiter sehen, aber bin nicht richtig
verliebt und verknallt in dich“… Und ich fühle mich komplett
zurückgeworfen, glaube, ich habe nichts gelernt und werde das
auch nie auf die Reihe kriegen.

Das ist so eine richtige schallende Ohrfeige, nicht?

Ich bin kein Alleinseintyp, ich mag Menschen, ich mag Männer,
ich bin ein geselliger Mensch und habe sehr gut
funktionierende Arbeits- und Freundschaftsbeziehungen. Muss
ich mich damit abfinden, dass es mit der Liebe nichts werden
kann bei mir, dass ich hier aus dem Hamsterrad nicht
hinauskann und es mit jeder Erfahrung in diese Richtung
schlimmer wird?

Pass auf, man Liebe nicht erzwingen.

Soweit sie auch Gesetzmäßigkeiten folgt, ist sie doch ein Produkt des Zufalls, sie ist wie eine Verzierung auf der Lebenstorte, die der Konditor aus purer Freude über seinen schönen Beruf kostenlos draufzaubert. Liebe kennt keine Gerechtigkeit, kein Eifern, kein Streben, sie gedeiht nur dort, wo man sich eigentlich nicht vorstellen kann, dass an der Stelle so etwas Schönes überhaupt wurzeln kann!

Die ganze Sache ist ja so seltsam eindimensional, dass ich
auch noch niemanden kennengelernt hab, der ähnliches erlebt
hat und mir Mut machen könnte, dass es irgendwann auch mal
aufhört damit.

Ich hab das genauso erlebt, in mehreren Phasen, und zwar um die 16…18, dann um die 22…25 (circa!) und dann nochmal um die 30…31.

So, und jetzt bilde dir mal eine Lehre hieraus: 3 Phasen aus je wenigen Jahren, in denen ein jeweils repräsentativer Erfahrungshintergrund gewonnen werden konnte: Merkst du was?

(Das ist deine Hausaufgabe über das Wochenende. Abgabe Montag früh. Es gibt Noten.)

Ich kenne zwei Frauen, die ähnliches erleben,
aber denen geht es natürlich kaum besser als mir, eher
schlechter. Ich selber habe immerhin schon festgestellt, dass
ich keinen dringenden Kinderwunsch habe, was mir einfach auch
ein bisschen Torschlusspanik nimmt. Aber eine Beziehung hätte
ich schon sehr gerne, auch wenn ich mich insgesamt alleine
wohlfühle. Ich bin halt nur so misstrauisch in der einen
Richtung, und dann ziehe ich genau diese Situationen immer
wieder an. Gibt es eine Chance, da rauszukommen?

Ja, die Typen nicht mehr anzuziehen, die sich so verhalten.
Mach die Partnersuche nicht mehr zur Chefsache. Bleib dran, aber verzeih dir etwaige Rückschläge. Limitier dich, aber mach dich nicht komplett unerreichbar.

Ich hab nicht die geringste Ahnung, wie man das macht aber ich kann dir versichern, dass es bald einen Zeitpunkt geben wird, wo du über deine Erlebnisse so schmunzeln kannst, wie ich jetzt über meine.
Darauf kannst du mich verklagen.

To.i