Hallo,
wir haben eine Wohnung und obwohl wir entsprechend der Vorgabe
des Vermieters lüften, bildet sich ständig Kondenswasser an
den Fenstern.
Kann das daran liegen, dass der Vermieter eine zweite Dichtung
in den Fenstern angebracht hat und diese dadurch zu dicht
sind?
Hallo Jester2504,
wenn sich Kondenswasser an den Fenstern bildet, liegt dass daran, dass sich die Luft an diesen (offensichtlich) kalten Stellen abkühlt und dann nicht mehr in der Lage ist, die in ihr gespeicherte Feuchtigkeit zu halten. Sie gibt sie dann wieder an der kältesten Stelle ab. Das geschieht häufig an Fenstern, weil diese meißt kälter sind, als die Wände. Manchmal schlägt sich die Feuchtigkeit aber auch an Aussenwänden nieder, dort häufig in den Raumecken, weil diese immer die kältesten Stellen in einer Wand darstellen.
Wenn man undichte Fenster hat, kann es sein, dass solche Probleme weniger oder garnicht auftreten, da ein regelmäiger Luftaustausch stattfindet, d.h. die mit Feuchtigkeit gesättigte Luft wird durch ungesättigte Luft ersetzt, diese kann dann wieder Feuchtigkeit aufnehmen.
Der Nachteil von undichten Fenstern ist u.a. aber, dass der Mieter keinen Einfluß auf den Energieverlust hat, er heizt ja quasi die Aussenluft mit. Durch die Einführung einer zusätzlichen Dichtung wollte der Vermieter sicher genau dies verhindern. Damit möchte er sicherstellen, dass der Mieter weniger Energie verbraucht, um seine Wohnfläche auf Temperatur zu halten.
Wenn sich das Kondenswasser erst niederschlägt, seit dem die zusätzliche Dichtung in die Fenster eingeführt wurde, sollte es möglich sein das Problem in den Griff zu bekommen, indem dass das Lüftungsverhalten angepasst wird: man muß häufiger lüften. Hierbei ist wichtig: immer Stoßlüftung; die Fenster nur zu kippen genügt in den seltensten Fällen und führt zu mehr Energieverbrauch.
Wie die Lüftungsvorgaben des Vermieters auch immer aussehen mögen, man muß sich bei der Beurteilung solcher Zustände immer vor Augen halten: Wieviele Personen bewohnen die Wohnung, wie häufig duschen und baden diese, wieviele Pflanzen stehen in der Wohnung, wieviel wird gekocht… Je nach Konstellation kommen pro Tag EINIGE Liter Wasser zusammen, die ausschließlich von der Raumluft aufgenommen und (möglichst) nach aussen geführt werden müssen. Reicht Ihr Lüftungsverhalten aus, um sowie Lüftfeuchtigkeit abzutransportieren?
Es gibt aber auch Grenzen für die Lüftung, die meines Wissens nach in etwa so lauten: Wenn durch normale Lüftungsmaßnahmen (2-3 x täglich, je 10 min. Stoßlüftung)keine ausreichende Lüftung erreicht werden kann, muß der Vermieter zusätzliche Maßnahmen ergreifen, um dies zu ermöglichen (z.Bsp. Lüftungsgeräte, Luftraumentfeuchter o.ä.).
Ob die eigenen Lüftungsmaßnahmen ausreichen, um die Luftfeuchtigkeit zu kontrollieren kann man recht einfach durch Feuchtigkeitsmesser feststellen. Diese sich im Baumarkt oder Fachhandel für ca.€ 4,- / Stück zu beziehen. Man sollte in jeden Raum eins davon stellen und beobachten, wie sich die Luftfeuchtigkeit mit dem jeweiligen Lüftungsverhalten ändert. Ideal ist eine Lüftfeuchtigkeit von 50% ± 10%. Am Besten über einen Zeitraum von ~2 Wochen protokollieren, damit man dies ggfs. dem Vermieter vorlegen kann, falls die eigenen Bemühungen fehlschlagen.
Man geht bei solchen Fällen immer von einer Raumtemperatur von 20°C aus. Je wärmer die Luft, desto mehr Feuchtigkeit kann die Luft aufnehmen und desto weniger Kondenswasser bildet sich. D.h. in Räumen, die im Winter un- oder wenig beheizt sind oder an Stellen die aus welchen Gründen auch immer kälter sind als 20°C, vergrössert das die Gefahr von Kondensbildung.
Ist ganz schön viel Text, ist aber auch ein schwieriges Thema…
Viel Glück
Knocker1