Kopfbedeckung

Liebe Religionspraktiker und/oder -theoretiker, in der Hoffnung, daß nicht schon -zig andere Suchende diese Frage gestellt haben (ich bin relativ neu hier) möchte ich gerne als Nicht - Jude Folgendes wissen:
Warum müssen Männer, wenn sie jüdisch - religiöse Stätten betreten (bzw. besuchen) eine Kopfbedeckung tragen???

  • Und ---- warum müssen (zumindest meiner Erfahrung nach) Frauen dies nicht???
    Ich bin sehr offen für erschöpfende (d.h. evtl. auch mythische Ursprünge) erklärende Auskünfte.
    Vielen Dank für Eure Mühe
    Uwe

Hallo Uwe.

Warum müssen Männer, wenn sie jüdisch - religiöse Stätten
betreten (bzw. besuchen) eine Kopfbedeckung tragen???

Dieses hat zwei Gründen:

a) Zum einen müssen Männer immer(!) eine Kopfbedeckung tragen, sobald sie ein bestimmtes Mass (ca. 2 Meter) sich bewegen. Dieses wird aber nur von religiösen Juden so eingehalten und da es von den Weisen festgelegt wurde, auch eingeschränkt werden, z. B. wenn Gefahr besteht und dieses gilt leider auch mit in Deutschland.

b) Wenn eine Bracha (Segen) gesprochen wird, muss ein Mann seinen Kopf bedecken. Dieses führt bei religiösen Juden auch wieder dazu, dass sie ständig ihren Kopf bedecken, da man fast dauernd eine Bracha sagen kann. Bei weniger Frommen gibt es dazu nur bestimmte Anlässe, wie der Besuch von Bethäusern oder Friedhöfen.

Daraus folgt z. B. auch, dass orthodoxe Männer auch beim Schlafen eine Kippa tragen (siehe auch Schulchan Aruch Kizzur).

  • Und ---- warum müssen (zumindest meiner Erfahrung nach)
    Frauen dies nicht???

Auch dieses ist nicht richtig. Verheitratete Frauen müssen sogar nach der Torah ihre Haare bedecken (ähnlich wie Muslima). Dieses Gebot ist wesentlich strikter als bei Männern, da sie ansonsten als „nakt“ (im religiösen Sinne) gelten.

Die Kopfbedeckungen sind hier aber sehr vielfaltig (Kopftücher, Hütte, Perücken, Michformen) und genau wie oben, halten sich daran halt nur die Religiösen.

Ich bin sehr offen für erschöpfende (d.h. evtl. auch mythische
Ursprünge) erklärende Auskünfte.

Dann lies hierzu einmal den Besuch von Channah im Tempel nach, wobei sie vom Priester Eli beobachtet wird. Aus diesem Text lernen wie sehr viel über unser Gebet und auch darüber wie die Frauen sich hier zu verhalten haben und dass sie ihre Haare zu bedecken haben.

Für mysthische Erklärungen müsste ich selber nachlesen, da ich diese mir nicht so im Kopf behalte, wie Halachot (Regeln).

Schalom,
Eli

Hallo, Uwe,
IMHO aus dem gleichen Grunde, aus dem Männer beim Betreten christlicher Kirchen die Kopfbedeckung abnehmen (sollen) und von Frauen erwartet wird, dass sie in der Kirche ihr Haupt bedecken (zumindest mit einem Kopftuch (sic!)) - Tradition.
Du findest eine Menge interessanter Informationen zu diesem Thema bei http://liberale-juden.de/de/leben026.htm
Grüße
Eckard.

Und wiso ist es in der christlichen Kirche gerade andersherum, die Maenner setzen die Kopfbedeckung ab, die Damen „duerfen“ ihre aufbehalten??

gerhard

Hallo Uwe,

ich sehe gerade, dass du vielleicht dabei auch Nichtjuden gemeint haben könntest, meine Antworten beziehen sich aber nur auf Juden.

Warum also Nichtjuden hier eine Kopfbedeckung tragen müssen? Das ist eine gute Frage, weil es dafür eigentlich keine religiöse Antwort gibt. Ich frage mich auch immer wieder, warum man hier darauf besteht, selbst wenn die Synagoge ausserhalb von G’ttesdiensten besucht werden. Es ist hier wohl mehr Brauch, als Notwendigkeit.

Schalom,
Eli

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Hallo,

ich hätte wohl dazu schreiben sollen, dass meine Beschreibung die Orthodoxe sich ist, denn wie man bei dem Verweis sieht, werden hier einige Dinge auf Liberaler Seite anders gesehen bzw. gewertet. So stimmte die Einschätzung, dass früher Männer ihren Kopf nicht bedeckten nach orthodoxer Sicht nicht und im Talmud gibt es einige Stellen die diesem auch widersprechen. Hier unterscheiden sich die beiden Richtungen auch aufgrund ihrer Sicht, wie das Judentum entstanden ist. Letztlich einig sind wir uns aber dort, dass es bei Männern Brauch (kein Gebot) und bei Frauen ein Gebot ist.

Schalom,
Eli

Hi Uwe,

zu den jüdischen Traditionen wurde ja schon einiges gesagt, ich wollte nur was zu christl. Tradition anmerken:

Katholische Frauen haben (zumindest früher und in erzkatholischen Gegenden auch heute noch) ihre Haare zu bedecken in der Kirche.

Genauso wie Männer in der Kirche die Kopfbedeckung abnehmen sollten.

Dies soll ein Zeichen der Demut sein. Bei Männern indem sie ihre künstl. Kopfpracht ablegen und bei Frauen, indem sie ihre Haare bedecken.

Ein Priester sagte (kann keine bessere Quellenangabe geben) mir mal das Frauen ihre Haare deswegen bedecken müssen weil man (früher) Angst hatte das sich kleine Dämonen, magisch angezogen vom Glanz der schönen langen Haare, in diesen verfangen und in die Kirche gelangen und dort freigesetzt werden können. Mit einem Tuch über den Haaren können die Dämonen nicht in die Kirche abhauen.

Haare sind EIN Attribut welches Kraft, Jugend, Fruchtbarkeit signalisiert (Samson und Delila), vielleicht ist das der Grund wieso Frauen ihre Haare bedecken sollen und Männer das bei anderen Religionen als der christl. noch tun, nur bei den Christen nicht mehr.

*nurmalsoanmerk*
Gruß
Helena

Hallo,

Ein Priester sagte (kann keine bessere Quellenangabe geben)
mir mal das Frauen ihre Haare deswegen bedecken müssen weil
man (früher) Angst hatte das sich kleine Dämonen, magisch
angezogen vom Glanz der schönen langen Haare, in diesen
verfangen und in die Kirche gelangen und dort freigesetzt
werden können. Mit einem Tuch über den Haaren können die
Dämonen nicht in die Kirche abhauen.

Da war im Fernsehen gerade eine Serie über die Hexenverfolgungen und -verbrennungen im 17. Jhdt. Danach wurden manche „Hexen“ kahlrasiert, da sich unter den Haaren der Teufel verbergen könnte. Nackt ausziehen mussten sie sich dann auch noch …
Man muss sich das mal nüchtern vorstellen! Ich glaube, da muss man gar nicht mal heutige Maßstäbe anlegen, um solch ein Verhalten verachtenswert zu finden.

Gruß, Stucki

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Nachfrage
Hallo Eli,

a) Zum einen müssen Männer immer(!) eine Kopfbedeckung tragen,
sobald sie ein bestimmtes Mass (ca. 2 Meter) sich bewegen.
Dieses wird aber nur von religiösen Juden so eingehalten und
da es von den Weisen festgelegt wurde, auch eingeschränkt
werden, z. B. wenn Gefahr besteht und dieses gilt leider auch
mit in Deutschland.

Sorry, ich steh auf dem Schlauch. Kannst du das noch mal andersausdruecken, besonders den 2. Teil des Absatzes. Ich versteh nicht, was du sagen willst.
Danke schonmal,
gruesse, Elke

Hallo Eli, vielen Dank für die Auskünfte. Die jüdische Scholastik scheint ja genauso schwierig zu sein wie die christliche. Um noch einmal auf die von mir genannten „mythischen“ Ursprünge zurückzukommen: ich meine damit eigentlich „eher“ ganz „profane“ Gründe (ein Blitz kann in den ungeschützten Kopf einschlagen, Vögel darauf Platz nehmen, Versteck für Geister etc.), die, in „Urzeiten“ das Tragen der Kopfbedeckung rechtfertigten, und dann im Verlauf der Tradition mit (religiöser) Bedeutung aufgeladen wurden. Wenn jemand dazu etwas weiß, danke ich jetzt schon für die Antworten.
Gruß Uwe

Hallo Elke.

werden, z. B. wenn Gefahr besteht und dieses gilt leider auch
mit in Deutschland.

[…] Ich versteh nicht, was du sagen willst.

Nur, dass ich jeden verstehen kann, wer hierzulande eben öffentlich keine Kippa trägt. Es gab mittlerweile hier schon genügend Vorfälle, die gezeigt haben, dass es nicht ungefährlich ist.

Und ich will hier keine Panik verbreiten, da ich selber ja immer eine trage. Aber auch ich habe schon sehr unschöne Erfahrungen gemacht.

Schalom,
Eli

Hallo Uwe.

Wenn jemand dazu etwas weiß, danke ich jetzt schon für die
Antworten.

Dieses wird niemand wissen können, da dieses einfach zu lange hier ist und Beweisstücke darüber kaum zu finden sein werden. Es würde nicht mehr als eine Theorie bleiben, welche unter bestimmten Annahmen plausibel erscheint.

Schalom,
Eli

Hallo Eli,

ahhh, jetzt ja.
Ich hatte wirklich nur deinen Satz einfach nicht verstanden.

Nur, dass ich jeden verstehen kann, wer hierzulande eben
öffentlich keine Kippa trägt. Es gab mittlerweile hier schon
genügend Vorfälle, die gezeigt haben, dass es nicht
ungefährlich ist.

Leider, ja.

Und ich will hier keine Panik verbreiten, da ich selber ja
immer eine trage. Aber auch ich habe schon sehr unschöne
Erfahrungen gemacht.

Das tut mir leid.
Ich hab manchmal in D andere Bedenken (nicht wegen mir, sondern wegen meiner beiden Jungs, sie sind dunkelhaeutig). Bis jetzt haben wir aber ‚nur‘ bloede Bemerkungen gehoert, keine aggressiven Erlebnisse. Hat wahrscheinlich auch mit dem Alter der Kinder zu tun. Ich sage das nur, damit du siehst, dass ich weiss, was du meinst.

Gruesse, Elke

… lieber Eli,

daß das was Du da berichtest schlicht eine Schande ist bedarf keiner Diskussion.
Aber ist das der Grund, warum ich vom jüdischen Glauben in Deutschland nix sehen kann ?
Ich meine damit, daß ja theoretisch zumindest die orthodoxen Juden im Straßenbild einfach auffallen müßten. So wie ich als Biker im schwarzen Leder mit Murmelschoner in der Hand ja eben auch äußerlich erkennbar bin. Synagogen erkenne ich erst, wenn ein Schild dran ist bzw. dahin weist, was aber selten ist.
In einfachen Worten: Gibt´s also so wenige oder trauen sie sich nicht in die Öffentlichkeit ?
Oder bin ich zu dösig, sprich zu eingeschränkt in der Betrachtung meiner Umwelt…
NB: Ich hab´ mit Kirchen als solchen nicht viel am Hut und sehe mich eher als „selbstdenker“. Das Anders-Sein des jüdischen Lebens und die vielen Unterschiede bzw. Regeln sehe ich mit Neugier (und manchmal Verwunderung…). Insofern lese ich Deine Erklärungen immer wieder gern.

Gruß
Bernd

Nur, dass ich jeden verstehen kann, wer hierzulande eben
öffentlich keine Kippa trägt. Es gab mittlerweile hier schon
genügend Vorfälle, die gezeigt haben, dass es nicht
ungefährlich ist.

Und ich will hier keine Panik verbreiten, da ich selber ja
immer eine trage. Aber auch ich habe schon sehr unschöne
Erfahrungen gemacht.

Schalom,
Eli

Hallo Bernd,

wird sind halt in der BRD nicht viele und selbst dann ist noch offen, welches Verständnis der jenige bezüglich der Tradition hat. So muss man sich auch als Orthodoxer auf den ersten Blick nicht gross von anderen unterscheiden. Vielleicht war es ja der Biker gerade?

Schalom,
Eli

Lieber Eli,

wird sind halt in der BRD nicht viele und selbst dann ist noch
offen, welches Verständnis der jenige bezüglich der Tradition
hat. So muss man sich auch als Orthodoxer auf den ersten Blick
nicht gross von anderen unterscheiden. Vielleicht war es ja
der Biker gerade?

Könnt´ sein. Beim Benzinreden kommt der Glaube selten zur Sprache.
Ich stell´ mir das gerade bildlich vor: 175 PS Hayabusa, 300km/h auf der Uhr und Schläfenlocken im Fahrtwind. Oder gibt´s dafür schon passende Helme, für meinen Bauch gibt´s ja auch schon Jacken… ??
*gg*
Bernd

Schalom,
Eli

Hallo Bernd,

wird sind halt in der BRD nicht viele und selbst dann ist noch
offen, welches Verständnis der jenige bezüglich der Tradition
hat. So muss man sich auch als Orthodoxer auf den ersten Blick
nicht gross von anderen unterscheiden. Vielleicht war es ja
der Biker gerade?

Könnt´ sein. Beim Benzinreden kommt der Glaube selten zur
Sprache.
Ich stell´ mir das gerade bildlich vor: 175 PS Hayabusa,
300km/h auf der Uhr und Schläfenlocken im Fahrtwind. Oder
gibt´s dafür schon passende Helme, für meinen Bauch gibt´s ja
auch schon Jacken… ??
*gg*
Bernd

Naja, es ist halt so, dass nicht jeder orthodoxer Jude Peijes, die besagten Schläfenlocken, bis zu den Schultern traegt oder einen Bart hat oder im schwarzen Kaftan herum laeuft. Vielmehr ist es so, dass chassidische Juden einer orthodoxen Stroemung, einer von vielen orthodoxen Stroemung, angehoeren und fast ausschliesslich Peijes bis zu den Schultern, Bart und schwarzen Kaftan tragen. Aber chassidische Juden sind unter den orthodoxen Juden Deutschlands selten. Und die meisten nichtchassidischen Juden, die zugleich orthodox sind, tragen die in Deutschland uebliche Alltagskleidung, rasieren sich, bis auf bestimmte Ausnahmetage, ueblicherweise taeglich und haben keine oder fast keine sichtbaren Peijes. Um nicht staendig anzustossen und freundliche oder unfreundliche Nachfragen zu provozieren, tragen sie in der Oeffentlichkeit keine Kippot, sondern einen Hut oder gar nichts. Und dann waren da noch all die konservativen, liberalen, egalitaeren Juden in Deutschland. Du wirst sie nicht als solche erkennen, nur Rabbiner und chassidische Juden (als eine stroemung unter den orthodoxen juden) sind aeusserlich ueblicherweise als Juden zu erkennen, aber auch nur ueblicherweise, nicht immer. Mithin koennte der Biker in Bikerkleidung an der Tanke ein orthodoxer Jude sein :smile:

In Deutschland haengen die meisten orthodoxen Juden der Litvak-Bewegung an, nach dem Gaon von Vilna und aehnlich. Sie kleiden sich immer schon naeher am „Rest“ der Bevoelkerungsmehrheit, als Litvaks aus dem Raum Litauen-Estland-etc… Litvaks tragen auch nicht Kaftan und Peijes bis zu den Schultern, zumindest zumeist. Als einmal vor langer Zeit in das juedische Lehrhaus in der Rykestr. in Berlin-Mitte, in der deutsche Litvaks studierten, Litvaks aus Litauen zu Besuch erschienen, sagten Letztere zu den Berlinern: „Ihr seit Juden? Ihr seht gar nicht aus wie Juden!“. Mithin gibt es starke oertliche Unterschiede allein innerhalb einer Stroemung, umso mehr in der Zeit und in der Stroemung. Das Bild, das Du vielleicht vom orthodoxen Juden hast, sind Bilder von Juden aus einer von vielen chassidischen Stroemungen. Es gibt mehrere orthodoxe Stroemungen und jede Stroemung unterscheidet sich wieder in mehrere „Unterstroemungen“.

Ein streng-russisch-orthodoxer Christ sieht ja auch ganz anders aus, als ein typischer fundamentalistischer evangelischer Freikirchler aus Deutschland. Natuerlich nur im Mittel, selbst da kann man pro „Mensch“ nicht verallgemeinern,

viele Gruesse, Peter

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nur Rabbiner […] nicht immer.
Mithin koennte der Biker in Bikerkleidung an der Tanke ein
orthodoxer Jude sein :smile:

Was mich daran innert, dass mindestens ein Rabbiner in Deutschland gerne Motorrad fährt :smile:

Eli

Motorrad und hist. Eisenbahnen offtopic
hallo eli,

nur Rabbiner […] nicht immer.
Mithin koennte der Biker in Bikerkleidung an der Tanke ein
orthodoxer Jude sein :smile:

Was mich daran innert, dass mindestens ein Rabbiner in
Deutschland gerne Motorrad fährt :smile:

*schmunzel*

was mich daran erinnert, dass mindestens ein rabbiner in deutschland sich excessiv mit historischen eisenbahnen beschaeftigt und mitherausgeber einer zeitschrift dazu ist, weswegen ich ihm einmal fahrkarten und plaene der harzeisenbahn zukommen liess, :smile:

brettwechsel? *g*

viele gruesse, peter

Ich würde einen Gast aus meiner Wohnung rausschmeißen, wenn er mit Hut oder Baseballkappe sich bei mir aufs Sofa setzen wollte.