Kopftuchstreit Fereshta Ludin

hallo,
das Kopftuch darf nicht sondern muß in einigen Ländern getragen werden!
…und verstehe nicht warum diese Frau nicht auswandert
man(n) darf nicht nur die angenehmen Seiten des WESTENS abzocken und
man kann nicht alles haben entweder oder!; oder?

danke
Friedrich

Guten Morgen, Friedrich!

das Kopftuch darf nicht sondern muß in einigen Ländern
getragen werden!

Diese Aussage war m. W. nie Gegenstand des Streits.

…und verstehe nicht warum diese Frau nicht auswandert

Dein Verständnis sowie Auswanderungsfragen waren ebenfalls nicht Gegenstand des Streits.

man(n) darf nicht nur die angenehmen Seiten des WESTENS
abzocken…

Es ging an keiner Stelle um Materielles.

Wenn wir in diesem Land meinen, um Kopfbedeckungen streiten zu müssen, werden demnächst alle Leute mit Prinz-Heinrich-Mütze vor den Kadi gezerrt? Immerhin kann das doch nur Ausdruck einer undemokratischen kaisertreuen Haltung sein. Demnächst wird es wieder kühl in Deutschland. Laß Dich nicht mit bestimmten Schalmustern erwischen, die typisch für Revolutionäre sind! Halte Deine Mitmenschen an, in Firmen, Schulen und Behörden nach Leuten mit Halsketten und bestimmten Schmucksteinen zu fahnden. Solche Utensilien sind in unchristlichen Kreisen üblich!

Friedrich, fühlst Du Dich durch den Anblick einer Frau, die ein Kopftuch trägt, sittlich gefährdet, bedroht oder sonstwie beeinträchtigt?
Haben wir wirklich keine anderen Sorgen? Etwa die, daß wir uns für Betonköpfe schämen sollten, die Menschen wegen ihrer Kleidungsgepflogenheiten an den Pranger stellen!?

Gruß
Wolfgang

Hi!

Friedrich, fühlst Du Dich durch den Anblick einer Frau, die
ein Kopftuch trägt, sittlich gefährdet, bedroht oder sonstwie
beeinträchtigt?
Haben wir wirklich keine anderen Sorgen? Etwa die, daß wir uns
für Betonköpfe schämen sollten, die Menschen wegen ihrer
Kleidungsgepflogenheiten an den Pranger stellen!?

Fühlst Du Dich oder fühlen sich Deine Kinder bedroht, wenn jemand das Klassenzimmer betritt, an dessen Revers ein kleiner Metallbonbon steckt, der Hammer und Sichel zeigt oder die dreiarmige Swastika?

Grüße
Heinrich

Unsinn
Hallo Heinrich,

fühlst du dich bedroht, wenn jemand ein Kreuz trägt?
Das Kopftuch ist ein religiöses Symbol, kein politisches und wohl kaum mit dem Hakenkreuz vergleichbar.

Aber du stehst mit deiner Meinung nicht alleine da: Unsere tolerante Frau Hohlmeier denkt genauso wie du…

Gruß
Camilla

Hallo Heinrich!

Es geht um religiöse Symbole. Ich denke, man kann sich auf den Standpunkt stellen, das die eine Religion nicht minder abstruse Inhalte vermittelt als die andere. Eben jeder nach seiner Facon.

Zur rein praktischen Seite: Wollte man Tuch schlechthin verbieten? Gewiß nicht, als Anzugstoff und als Kapuze wirds wohl noch genehm sein, gelle? Wenn nicht Verbot von Tuch schlechthin, vielleicht nur Tuch um den Kopf? Wohl auch nicht. Nur das Verbot von Tuch am oder um den Kopf, wenn der Kopf zu einer Person irgendwie fremdländischen Namens gehört? Ist Dir überhaupt klar, welchen Unfug die Kläger verfolgten und welchen Unfug jetzt ein paar Leute in Länderparlamenten verfolgen wollen? Werden jetzt Stirnbänder verboten oder wird deren Breite gesetzlich geregelt? Was ist bitteschön der Unterschied zwischen einem breiten Schal und einem Kopftuch? Dazu hätte ich gerne eine wasserdichte Abgrenzung.
Das „Problem“ ist lösbar, indem Schuluniformen für Lehrer vorgeschrieben werden. Ansonsten hoffe ich in den Bundesländern mit demnächst eingebrachten „Kopftuchgesetzen“ auf den Ungehorsam möglichst vieler Lehrerinnen, die sich Schmucktücher um den Kopf drapieren, um vernagelten, hinterwäldlerischen Zeitgenossen zu zeigen, auf welchem bornierten Niveau sie sich bewegen.

Tut mir leid, wenn ich überdeutlich werden muß. Das hier gebotene Gedankengut werfen wir nur zu gern manchen religiös geprägten Gesellschaften vor.

Gruß
Wolfgang

fühlst du dich bedroht, wenn jemand ein Kreuz trägt?
Das Kopftuch ist ein religiöses Symbol, kein politisches und
wohl kaum mit dem Hakenkreuz vergleichbar.

Das Kopftuch ist auch ein politisches Symbol - es steht für den politischen Islam, was auch die „Renaissance“ dieser „Tracht“ in den letzten Jahrzehnten erklärt.
Außerdem sehe ich den Unterschied zwischen religiösen und politischen Symbolen nicht ein: Sind Ideologien nicht die „modernen Religionen“? Es muß ja nicht gleich ein verbotenes Symbol (zB Hakenkreuz) sein - ich wünsche auch nicht, daß meine Kinder von Personen unterrichtet werden, die nicht in der Lage sind, zB ihr SPD oder CDU Parteiabzeichen für diese kurze Zeit abzulegen. Ein Kreuz als Halskette kann ja unter der Kleidung versteckt werden solange es nicht zu groß ist.

LG
Stuffi

Hi!

fühlst du dich bedroht, wenn jemand ein Kreuz trägt?

Wenn ich an die christlichen Fundamentalisten z.B. in den USA denke, ja.

Wenn ich an Kardinal Ratzinger denke, ja.

Wenn ich an Bischof Dyba aus Fulda denke, ja.

Wenn ich an die „Societas Jesu“, ja.

Wenn ich an „Opus dei“ denke, ja.

Wenn ich an diverse Enzyklika des Papstes denke, ja.

Wenn ich an den Abtreibungsprozeß gegen Dr. Theißen in Memmingen denke, ja.

Wenn ich an den gewalttätigen evangelischen Pastor in meinem Geburtsort denke, ja.

Wenn ich an die pädophilien Bischöfe und Priester in Österreich, den USA und anderswo denke, ja.

Wenn ich an Dinge denke wie Kreuzzüge, Bekehrung, Inquisition, ja.

Wenn ich an die Ausrottung von Azteken, Inkas und sonstigen gewaltsamen Bekehrungen im Namen Christi denke, ja.

Das Kreuz ist für mich ein Symbol der Gewalt. So wie Hammer und Sichel. So wie die Swastika. So wie der Halbmond.

Reicht das?

Das Kopftuch ist ein religiöses Symbol, kein politisches und
wohl kaum mit dem Hakenkreuz vergleichbar.

Und warum wird gerade in islamisch geprägten Staaten so heftig um die Kopfbedeckung der Frauen gestritten?

Ich habe im meiner Schulzeit den P-Feudel getragen. Ein simples Halstuch. War das auch nur ein ethnisches Symbol ohne politische Kraft?

Zieh dir mal ein blaues Hemd mit Schulterklappen und passendem Halstuch an - zack, wirst du verhaftet. Weil verboten. Denn Blauhemd und Halstuch haben Symbolkraft.

Und was ist mit dieser Kleidung: Springerstiefel, Reiterhose, braunes Hemd, diagonal über die Brust geführter Lederriemen. Kleidung ohne jede Symbolkraft?

Aber du stehst mit deiner Meinung nicht alleine da: Unsere
tolerante Frau Hohlmeier denkt genauso wie du…

Alice Schwarzer übrigens auch.

Zitat: „Wer sich kritisch über den Schleier äußert, wird gerade in Deutschland gerne der „Intoleranz“, ja des „Rassismus“ verdächtigt. Seither [gemeint ist 1979, der Sieg Khomeinis; Anm. von mir] sind die unter einem Kopftuch oder gar Ganzkörperschleier verborgenen Mädchen und Frauen nicht weniger, sondern mehr geworden. Und das nicht nur in von islamischen Fundamentalisten beherrschten oder terrorisierten Ländern, wie Afghanistan oder Algerien, sondern auch mitten in Europa. Bin ich also eine Rassistin, wenn ich hoffe, dass die Karlsruher RichterInnen die enorme Gefahr erkennen und endlich das schon lange fällige Grundsatzurteil sprechen, dass den Schleier aus deutschen Schulen fernhält - im Namen von Gleichheit, Emanzipation und Selbstbestimmung? Nein, im Gegenteil! Ich fürchte, die wahren Rassisten sind diejenigen, die im Namen einer falsch verstandenen Toleranz für den Schleier in deutschen Schulen plädieren. Denn sie unterstützen damit die sich demonstrativ abgrenzende, eine Gettoisierung von Muslimen in Deutschland fördernde Position einer Minderheit, die die demokratische Mehrheit der MuslimInnen in Deutschland nicht will, die sie aber zunehmend unter Druck setzt, ja terrorisiert. […] In Deutschland aber wird keine Frau gesteinigt, wenn sie kein Kopftuch trägt. Und seit mindestens 20 Jahren ist der Schleier keine Frage von Tradition oder Glauben mehr, sondern - eine politische Demonstration.“

Ich bin wahrlich kein Freund von Alice Schwarzer, aber hier stehe ich auf ihrer Seite.

Die türkischstämmige Lale Akgün (MdB SPD) auch.

Zitat: „Beim Kopftuch geht es doch gar nicht um den persönlichen Glauben. Es gibt viele türkische Lehrerinnen, die keins tragen. Das Kopftuch hat ganz demonstrative Bedeutung, mit dem sich bestimmte religiöse Ambitionen und Tendenzen verbinden. Man kann auch ohne Kopftuch glauben, es ist kein zwingendes Glaubensbekenntnis. Es ist ein Verhaltensmuster. […] Kein Mensch muss seinen Glauben an der Klassentür ablegen. Aber es sollte nicht Teil der Arbeit sein.“

Grüße
Heinrich

Hallo Stuffi,

Ein Kreuz als Halskette kann ja unter
der Kleidung versteckt werden solange es nicht zu groß ist.

Ich trage mein Kreuz gut sichtbar. Ich bin zwar nicht gläubig, es ist aber ein Erinnerungsstück. Muss ich es jetzt ablegen?
Wenn man mir vorschreibt, was ich tragen darf und nicht darf, lebe ich wohl im falschen Land.
In Deutschland herrscht Religionsfreiheit und solange kein Lehrer versucht, seine Schüler zu bekehren, sehe ich keinen Grund, ihm so etwas unsunniges vorzuschreiben.
Diese Diskussion ist echt lächerlich. Wenn ich eine Glatze bekomme, darf ich nicht mit Kopftuch in die Schule gehen? Oder soll ich mich zuvor als Nicht-Moslimin bekennen?

Auf dieser Welt gibt es nicht nur weiße Menschen, so wie es nicht nur Christen gibt. Die Kinder sollen das ruhig früh mitbekommen! Und sie sollen auch ruhig merken, dass man FREI sein darf und das Land, in dem sie leben, Toleranz ausübt und nicht einer Lehrerin verbietet, ein Kopftuch zu tragen.

Gruß
Camilla

Toleranz?
Moin Camilla,

Ich trage mein Kreuz gut sichtbar. Ich bin zwar nicht gläubig,
es ist aber ein Erinnerungsstück. Muss ich es jetzt ablegen?
Wenn man mir vorschreibt, was ich tragen darf und nicht darf,
lebe ich wohl im falschen Land.
In Deutschland herrscht Religionsfreiheit und solange kein
Lehrer versucht, seine Schüler zu bekehren, sehe ich keinen
Grund, ihm so etwas unsunniges vorzuschreiben.
Diese Diskussion ist echt lächerlich. Wenn ich eine Glatze
bekomme, darf ich nicht mit Kopftuch in die Schule gehen? Oder
soll ich mich zuvor als Nicht-Moslimin bekennen?

Auf dieser Welt gibt es nicht nur weiße Menschen, so wie es
nicht nur Christen gibt. Die Kinder sollen das ruhig früh
mitbekommen! Und sie sollen auch ruhig merken, dass man FREI
sein darf und das Land, in dem sie leben, Toleranz ausübt und
nicht einer Lehrerin verbietet, ein Kopftuch zu tragen.

Feine Sache. Dann können Lehrer ja auch „Ausländer raus“ Plaketten tragen, so als Weltanschauung und Erinnerungsstück an die letzte tolle Demo.

Ich möchte mein Kind zu solchen Schulen nicht schicken.

Ich befürchte, die Toleranz, die du forderst, ist nur ein Toleranz hinsichtlich Weltanschauungen, die dir genehm sind, und somit eben keine Toleranz. Toleranz oder nicht zeigt sich immer da, wo es um Weltanschauungen geht, die einem nicht genehm oder gleichgültig sind.

Gruss
Marion

Hallo Camilla,

Du triffst den Nagel auf den Kopf!

Was passiert, wenn jemand eine Kette mit Kreuz und gleichzeitig ein Kopftuch trägt? Darf ein Lehrer ein Goldkettchen mit Kreuz tragen oder ist das jugendgefährdend? Kopftuch als Symbol für was auch immer oder auch nicht, ist es schlicht unmöglich, die fließenden Grenzen zwischen Turban, Stirnband und Kopftuch in Vorschriften packen zu wollen und wozu das Ganze? Was ist ein politisches Zeichen? Trägt ein Lehrer, der Jeans bevorzugt, eine bestimmte Gesinnung zur Schau? Falls ja, muß er diese Gesinnung verbergen? Was ist mit „Schlipsverweigerern“? Was ist mit Leuten, die bestimmte Farben bevorzugen? Man denke an einen schwarzen Anzug, ein rotes Kleid oder eine braune Hose! Muß man zum schwarzen Anzug der Ausgewogenheit halber eine rote Rose im Knopfloch tragen? Das alles womöglich mit der passenden Kopfbedeckung, die aber kein Tuch sein darf?! Warum soll es gesetzwidrig sein, ein Seidenkopftuch zu tragen? Vielleicht geht die Sache in Ordnung, wenn blonde und blauäugige Menschen ein Kopftuch tragen, während dies bei dunkeläugigen, schwarzhaarigen Menschen verboten ist? Wann ist ein Hut ein Hut und wann (bitte ganz genau!) ist die Kopfbedeckung eher als Tuch zu bezeichnen?

Das alles erinnert mich an das Vermummungsverbot. Da kamen dann die Leute auf die Idee, Motorradhelme zu verwenden :smile:. Will man also im nächsten Zug Motorradhelme verbieten?

Was muß geschehen, um jeden Menschen endlich leben zu lassen, wie er es für richtig hält? Diese Freiheit hört genau da auf, wo man in die Rechte anderer eingreift. Dann ist man wieder bei der Frage, in welcher Weise irgend ein Mensch dadurch beeinträchtigt wird, daß sich jemand mit einem Kopftuch, einem Tirolerhut oder mit was auch immer schmückt.

Kleidung ist mit Ausnahme von Uniformen stets eine persönliche Ausdrucksmöglichkeit, die man jedem Menschen in den Grenzen unserer Verfassung gestatten muß.

Gruß
Wolfgang

Thnx und STERN! (nt)
nt

Ciao
Kaj

Moin Wolfgang,

darum, was du hier beschreist, geht es aber auch nicht. Es geht jedlichlich darum, ob das Tragen weltanschaulicher Symbole für Lehrer während des Unterrichts generell erlaubt sein soll oder nicht (und das ohne Ausnahme, also im Zweifelsfall auch „Ausländer raus“ Plaketten, sonst sind wir ruckzuck wieder in Karlsruhe).

Warum also die Polemik ? Kennt man doch sonst gar nicht von dir.

Gruss
Marion

Hi Marion,

Feine Sache. Dann können Lehrer ja auch „Ausländer raus“
Plaketten tragen, so als Weltanschauung und Erinnerungsstück
an die letzte tolle Demo.

Heee? Ich meine genau das Gegenteil. Ich fordere Toleranz, „Ausländer raus“ drückt Intoleranz aus!

Ich möchte mein Kind zu solchen Schulen nicht schicken.

Ich auch nicht.

Ich befürchte, die Toleranz, die du forderst, ist nur ein
Toleranz hinsichtlich Weltanschauungen, die dir genehm sind,
und somit eben keine Toleranz. Toleranz oder nicht
zeigt sich immer da, wo es um Weltanschauungen geht, die einem
nicht genehm oder gleichgültig sind.

Ja. Aber Intoleranz tolerieren kann man leider nicht.

Gruß
Camilla

Hallo Camilla,

Feine Sache. Dann können Lehrer ja auch „Ausländer raus“
Plaketten tragen, so als Weltanschauung und Erinnerungsstück
an die letzte tolle Demo.

Heee? Ich meine genau das Gegenteil. Ich fordere Toleranz,
„Ausländer raus“ drückt Intoleranz aus!

entschuldigt bitte, wenn ich mich kurz einmische, aber hier hast ganz wundervoll und fast ganz von alleine den Haken an diesem ausgelutschten Toleranz-Argument entdeckt :smile: Denn wenn Du so willst, drückt jede Religion mit Ausschliesslichkeitsanspruch Intoleranz gegenüber anderen Anschauungen aus. Wenn man die Inhalte der Aussagen entfernt bzw. mal kurz ausblendet und nur die Strukturen, die Kategorien betrachtet, werden CDU-Pin, Kopftuch und dreizackige Swastika zu ein und derselben Sache. Und genau deshalb ist „Toleranz“ ein Scheinargument, eine politisch korrekte, aber leere Hülle. Denn zu Toleranz gehört zwingend auch Konsequenz, und darüber sind sich wohl viele, die mit dem Wort um sich werfen, nicht bewusst.

Gruß,

Malte.

Lieber Heinrich,

Du sprichst mir aus der Seele.
Das Kopftuch ist KEIN religiöser Zwang (wie z.B. der Turban bei einigen indischen Religionsrichtungen) sondern ein politisches Symbol einer höchst fragwürdigen Richtung.

Gruß
Bernd

Hallo Camilla,

das Kopftuch ist sehr wohl politisch - und wurde - wie Heinrich schon beschrieb - z.B. in der Revolutionszeit in Persien auch genau so verstanden und genutzt. Frauen trugen das Kopftuch, um sich gegen die westlich-dekadente-amerikanophile Führungsschicht aufzulehnen. Es war ein Zeichen der isamlischen Kultur - und zwar einer ganz bestimmten, wie sich in sehr kurzer Zeit herausstellte, als die ersten Frauen getötet und misshandelt wurden, wenn sie es nicht mehr trugen…

Der Islam ist eine Religion, die sich nicht vom politisch-gesellschaftlichen Leben trennen will. Sie fordert eine neue Gesellschaft im Diesseits. Einen islamischen Staat. Das ist politisch.

grüße,

barbara

Moin Camilla,

Ja. Aber Intoleranz tolerieren kann man leider nicht.

Jetzt versteh ich dich gar nicht mehr. Entweder alle dürfen offen ihre Weltanschauung kundtun, oder keiner. Alles andere ist keine Toleranz, sondern selektive Meinungsfreiheit.

Welche Gesinnungsüberwachungsbehörde soll denn nun deiner Meinung nach entscheiden, welche Meinungsäußerung unter Intoleranz fällt? Hier geht es doch um rein subjektive Anschauungen. Wie dir sicher nicht entgangen ist, steht für viele das Kopftuch für die Unterdrückung und Entrechtung der Frau im Islam, also Intoleranz?

Sicher, die meisten Menschen sind der Meinung, dass grade IHRE Weltanschauung die bedenkenloseste, tollste und gestattenswerteste von allen ist, aber das denken die anderen eben auch.

Gruss
Marion

Hi!

das Kopftuch ist sehr wohl politisch - und wurde - wie
Heinrich schon beschrieb - z.B. in der Revolutionszeit in
Persien auch genau so verstanden und genutzt. Frauen trugen
das Kopftuch, um sich gegen die
westlich-dekadente-amerikanophile Führungsschicht aufzulehnen.

Mehr noch: es war in den Jahren vor 1979 ein Ausdruck von Studentinnen - auch hier in Deutschland - für die Opposition gegen den Schah. Meine Freundin hatte damals sehr enge Beziehungen zu jenen Studentinnen - und die waren weit davon entfernt, das Kopftuch als Symbol eines erzkonservativen Islam. Das Kopftuch hatte damals ungefähr die Bedeutung wie Jeans und Lederjacke in den 50ern oder lange Haare in den 60ern oder knallbunte Zuckerwasser-Stehfrisuren Ende der 70er/Anfang der 80er bei uns. Dummerweise hat dann ein gewisser Herr Khomeini dieses Oppositionszeichen zum Symbol seiner islamischen Republik gemacht.

Es war ein Zeichen der isamlischen Kultur - und zwar einer
ganz bestimmten, wie sich in sehr kurzer Zeit herausstellte,
als die ersten Frauen getötet und misshandelt wurden, wenn sie
es nicht mehr trugen…

Richtig. Und wenn die Burka auch nur einmal schief saß, konnte die Frau bereits totgeschlagen werden. All das symbolisiert das Kopftuch heute.

Grüße
Heinrich

Hallo,

Denn zu Toleranz gehört zwingend
auch Konsequenz, und darüber sind sich wohl viele, die mit dem
Wort um sich werfen, nicht bewusst.

Ich denke, daß auf Konsequenz auch das Urteil abzielt, denn: wenn die Länder das Kopftuch verbieten wollen, muß das wasserdicht werden, sonst laufen die Betroffenen bei den Gerichten Sturm.
Wasserdicht könnte so ein Gesetz nur werden, wenn das Tragen jeglicher religiösen oder politischen Symbole (wie das Kreuz, Pins, Schals und was es sonst noch gibt) von Lehrern innerhalb der Schulen verboten werden (siehe Kruzifix-Urteil: es mußte auch entfernt werden).
Und das wiederum scheint mir zumindest unmöglich, denn, wie ein Vorredner schon eingeworfen hat, wird eine Definition seeehr schwierig.

Gruß
Claudia

P.S. noch ein Denkanstoß in beide Richtungen: wie sieht es mit Perücken aus - um das eigene Haar zu verdecken.

das Kopftuch ist sehr wohl politisch…

Hallo Barbara,

nehmen wir an, in Bayern, Hessen oder Niedersachsen gelangt man demnächst zu Deiner Auffassung. Ist dann jede Kopfbedeckung in Schulen verboten oder nur Tücher? Muß das Tuch in bestimmter Weise gewickelt sein, um Anstoß zu erregen? Werden die bunten Palästinensertücher verboten? Dürfen blonde, blauäugige Frauen noch Kopftücher tragen oder müssen sie ihren Glauben nachweisen und wenn ja, wie? Brauchen wir dann nicht Kopfschmuckgesetze, die haarklein vorschreiben, was wie gewickelt und getragen werden darf? Müssen wir nicht dringend unsere Parlamente mit der Frage beschäftigen, ob eine Hals- oder Haarbedeckung zum Jobverlust führen soll? Natürlich streng unterschieden nach Glaubensrichtung? Was wollen wir machen, wenn jemand keiner christlichen Kirche angehört, verdächtig südländisch aussieht und behauptet, die Kopfbedeckung sei ein Kopfschmuck? Brauchen wir dann nicht sicherheitshalber Zwangstaufen? Müssen wir jetzt die Tracht der Ordensschwestern in konfessionellen Schulen abschaffen? Oder die konf. Schulen abschaffen oder wenigstens allen entsprechenden Einrichtungen die staatliche Finanzierung entziehen? Überhaupt Trachten, da gibt es einiges zu beanstanden. Angesichts dieser vielen drängenden Fragen sollten wir unbedingt in jedem Bundesland eine direkt dem Ministerpräsidenten unterstellte Koordinierungsbehörde für Kopfschmuck und einen Kopftuchbeauftragten installieren.

Wir beschäftigen uns in diesem Land eben mit den wirklich wichtigen Fragen des Lebens und sind eine Gesellschaft, die jeden Bürger nach seiner Facon selig werden läßt.

Gruß
Wolfgang