Hallo zusammen!
Seit geschätzten 7 oder 8 Jahren schleppe ich mich mit als leicht diagnostizierten Depressionen so durchs Leben, ausgelöst durch eine noch andauernde Kette von Katastrophen, Umzügen und widrigen Umständen. Therapien blieben Flickwerk, auch bedingt durch unsere ständigen Umzüge. 1 Jahr Gesprächstherapie hier, der Beginn einer anderen woanders, 1 Jahr Antidepressiva wieder woanders und 3 Monate Aufenthalt in einer Tagesklinik.
Die Tagesklinik hat mir recht deutlich gezeigt, wo die Ursachen dafür liegen, dass ich für Depressionen anfällig bin. Die Umsetzung in den Alltag fand leider nicht statt, wir sind auch sofort danach mal wieder umgezogen…
Die Antidepressiva haben mir vor allem bei dem geholfen, was ich eh schon seit Jahren mache: Über meine Kräfte zu leben, meine Grenzen nicht zu spüren, meine Gefühle als unwichtig zu erachten.
So, jetzt stehe ich mal wieder vor dem Schritt, einen Termin beim Hausarzt zu machen, mir eine Therapie verschreiben zu lassen, über monatelange Wartelisten einen Psychologen zu suchen. Schon die Vorstellung, meine Geschichte zum zigsten Male dem gefühlten 3000ten (wildfremden) Menschen zu erzählen erfüllt mich mit Widerwillen.
Ist der Leidensdruck groß, kann ich mich einfach nicht überwinden, den Telefonhörer aufzunehmen und einen Termin zu vereinbaren. Geht es mir besser, denke ich, so schlimm wird das schon nicht sein, ich frage mich dann auch, ob ich überhaupt ernst genommen werden würde. Ich wirke wesentlich robuster als ich bin, ich bin ein Meister der Schauspielerei und erwarte immer wieder, dass jemand auf die Idee kommt, mal nachzufragen. Was natürlich kaum je geschieht und immer wieder zu Enttäuschungen und weiteren Abschottungsmaßnahmen führt.
Ich halte mir immer wieder vor Augen, dass mein Kind ein großes Stück an seiner ständig depressiven Mutter zu schleppen hat. Auch meinen Mann konnte ich teilweise schon in den Strudel mitreinziehen. Mit meinem vorherrschenden Pessimismus werde ich auch kaum jemals eine berufliche Perspektive haben. Freunde zu finden, gesund zu leben usw wird mir wohl auch nie möglich sein, wenn ich nicht etwas unternehme. Ich trinke zuviel Alkohol, esse zu viel, hänge zu lang vor dem Internet. Ablenkung ist alles. Ich sehe das und mache trotzdem damit weiter.
Trotzdem kann und kann ich mich nicht mehr aufraffen, ich habe keine Hoffnung auf Besserung und deshalb auch keinerlei Antrieb.
Ich habe Angst, dass meine Kraft, mich immer wieder neu zu überwinden (damit meine ich jeden Tag und jede Stunde hier meinen häuslichen und Mütterlichen Pflichten nachzukommen) irgendwann zu Ende ist. Ich mag und ich kann nicht mehr (Für alle Besorgten zur Beruhigung denke ich nicht an Selbstmord), ich wünsche mir einfach nur die Decke übern Kopf zu ziehen.
Kann mich bitte jemand motivieren, mir eine Tritt geben oder einen Rat, einen Grund, den nächsten Schritt zu tun?
Das Telefon belauernde Grüße
kernig
