Krankheit: Homosexualität?

Hallo,

vorweg ich bin selbst nicht homosexuell. Dazu kommt, dass ich auch keine Berührungsängste mit Homosexuellen habe. Ich kenne sogar verhältnismäßig viele und kann deshalb auch einschätzen, dass es echt nette und auch sau blöde Homos gibt. Dahingehend benötige ich keine Aufklärung.
Ich habe schon öfter mitbekommen, dass Homosexualität hier und da als Krankheit bezeichnet wird. So richtig explizit hat es aber nur ein Kind um die 12 mal gesagt. Mit ihm darüber zu diskutieren fand ich irgendwie sinnlos, und habe es deshalb auch mal so im Raum stehen lassen. Ich denke meine Beweggründe müssen dahingehend nicht weiter ausgeführt werden.

Das Thema ist für mich nicht so brisant, dass ich mich einlesen möchte, aber es würde mich doch interessieren, welche ernstzunehmenden (!) Thesen denn überhaupt vertreten werden. Wenn jetzt jemandem auf der Zunge liegt „[…]weil es einfach ekelhaft, unnatürlich und krank ist“, dann kann er/sie es auch für sich behalten. Mit so Leuten will ich mich nicht unterhalten.
Ich möchte gerne wissen, ob es Faktoren gibt, die wirklich durchdachten Ursprung besitzen. Sprich, haben denn Homos abgesehen von sozialer Diskriminierung mit signifikanten Problemen, die die Seele betreffen o.ä., zu kämpfen? Gibt es ein genetisch/hormonelles Moment? Auch von mir nicht aufgeführte, aber einfach plausibele Beiträge sind natürlich willkommen.

Ich bin gespannt.

Viele Grüsse

Hilmar

Hi!

Eine These, die ich gelesen habe und auch für sinnvoll halte ist die, dass während der Schwangerschaft ja die Hormone der Mutter das GEschlecht des Kindes bestimmen. Wenn da zuviel oder zuwenig Hormone ( weiß nicht mehr ganz genau wie das war ) ausgeschüttet werden, dann kann es passieren, dass der Fötus körperlich männlich wird, aber das Gehirn weiblich geprägt bleibt. Daher stehen diese Männer dann auf Männer, weil ihr Gehirn halt weiblich denkt. Gibt es auch genau andersherum. Darum fühlen sich viele Homosexuellen auch im falschen Körper gefangen.

Einen Link habe ich jetzt allerdings nicht dazu.

Bye

Tara

hallo Tara,
bitte hängs nicht wieder den Müttern an - das Geschlecht des Kindes wird bislang noch vom Spermium bestimmt, das es schafft, beim Wettlauf zum Ei zu siegen … Gruß, I.

Ich möchte gerne wissen, ob es Faktoren gibt, die wirklich
durchdachten Ursprung besitzen. Sprich, haben denn Homos
abgesehen von sozialer Diskriminierung mit signifikanten
Problemen, die die Seele betreffen o.ä., zu kämpfen? Gibt es
ein genetisch/hormonelles Moment? Auch von mir nicht
aufgeführte, aber einfach plausibele Beiträge sind natürlich
willkommen.

Hallo Hilmar

Zunächst muß man eine grundsätzlich von der Natur gegebene Bi-sexualität beim Menschen voraussetzen. Man kann dies bereits im Tierreich beobachten.

Je nach Veranlagung und Umstände entwickelt sich der Mensch entweder in die eine oder andere Richtung, latent sind aber immer beide vorhanden. Es gibt Gesellschaften wo diese begünstigt oder auch unterdrückt wird. Dadurch wird es erst zu einer moralischen Angelegenheit, die allerdings der Person einen zwingenden Anspruch auferlegt. Eventuelle Schuldgefühle entwickeln sich dabei nur in diesem Kontext.

Die Natur ist aber selbst immer amoralisch.

gruß
rolf

Hi Rolf,

ich sehe das ähnlich. Letztlich halte ich das physisch Mögliche für auf sich und an sich beschränkt. Ich vermute aber, dass sich auch mal ein schlauer Kopf damit nicht begnügen wollte. Selbst wenn die Ergebnisse seiner Nachforschungen nüchtern ausfielen, wäre es interessant.

Viele Grüsse,

Hilmar

Hallo Hilmar,

ich finde, das hängt davon ab, wie man „Krankheit“ definiert.
Ist Krankheit zwangsläufig etwas, was Leidensdruck aufbaut? Oder fasst man alles, was aus der Norm fällt (wobei man die Norm durch die Mehrheit definiert), als Krankheit auf? Ich finde es schwierig, hier eine Grenze zu ziehen.

Selbst wenn man Krankheit über Leidensdruck definiert - zählt der Leidensdruck, keine Kinder zusammen mit dem Partner zeugen zu können (ich gehe davon aus, dass auch unter Homosexuellen die meisten den Kinderwunsch hegen), dazu?

Deshalb würde ich, unabhängig von den wissenschaftlichen Ursachen (was nützt es dir, wenn du weißt, das liegt an den Genen oder an den Hormonen im Mutterleib oder an der Prägung im Kinderalter oder an irgendwas anderem) die Frage nach dem Krankheitswert als eine eher philosophische Frage auffassen.

Grüße,
Anja

Hi Anja,

das ist schon richtig, aber Philosophie unterliegt einer kulturellen Systemimmanenz. Damit wäre die für uns in Europa hegemoniale Auffassung eine christliche. Wenn Kant, Hegel und Herder Verstand oder Vernunft als ein Allgemeingültiges definieren, dann ist okzidentaler Wertepluralismus das Gleiche. Das ist für mich hier aber nicht entscheidend.

Viele Grüsse,

Hilmar

Hai, Irmtraut,

bitte hängs nicht wieder den Müttern an - das Geschlecht des
Kindes wird bislang noch vom Spermium bestimmt, das es
schafft, beim Wettlauf zum Ei zu siegen …

es ist richtig, daß das genetische Geschlecht vom Spermium stammt, aber die Ausprägung entsteht durch die Hormonlage bei Mama während der Schwangerschaft.

Z.B. kommt es vor, daß ein genetischer Junge entsteht, weil Mama aber nicht genug Testosteron produziert, wird (als sichtbarstes Zeichen) der Penis nicht richtig „hergestellt“. Früher hat der Arzt dann entschieden zum Messer gegriffen und dem „armen, verunstalteten Mädchen“ die „Klitoris“ zurechtgeschnippelt - dumm ist nur, daß in der Pubertät dann das Y sagt „Ey, Du bist ein Junge“, die Testosteron-Produktion ankurbelt und sich die fehlenden Teile zurechtwächst - oder zurechtwachsen lassen würde, hätte da nicht ein Arzt geschnippelt…

Dieser hormonelle Einfluß seitens der Mutter während der Schwangerschaft hat aber nichts mit „der Mutter wieder die Schuld geben“ zu tun - sie selbst hat ja auch keinen Einfluß drauf.

Gruß
Sibylle

H. ist nicht nur krank, sondern kriminell. Ausgeübte H. erfüllt u.A. den Straftatbestand nach §175 StGB und ist mindestens genauso schlimm wie Mord.

Die Betroffenen sind in Heilanstalten unterzubringen, wo man ihnen die Mätzchen austreibt, sonst ist die gesamte Gesellschaft in Gefahr.

Besonderes Augenmerk ist auf unsere Mitmenschen zu richten. Es ist unsere Aufgabe im Dienste der Allgemeinheit, potentielle Verbrecher zu erkenne und ihrer Strafe zuzuführen.

Besonders verdächtig sind Linkshänder und auch Personen, die als Knaben Frauenunterwäsche probierten.

Wer Kenntnis von Handlungen, die in der H. begründet liegen oder über verdächtige Personen erlangt, ist verpflichtet, dies der nächsten Gendarmeriestation zu melden.

huhu,

Daher stehen diese Männer dann auf Männer, weil ihr
Gehirn halt weiblich denkt. Gibt es auch genau andersherum.
Darum fühlen sich viele Homosexuellen auch im falschen Körper
gefangen.

1.jetzt wuerde mich aber wirklich brennend interessieren, wie man weiblich denkt?:smile:))
2.da schwule maenner weiblich denken, erkennst du sie auch oder?
3.wie kommst du darauf, dass sich schwule im falschen koerper fuehlen?
–>„falsche gesellschaft“ wuerde es eher treffen!

mfg:smile:
der neugierige:smile:

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huhu,

Das Thema ist für mich nicht so brisant, dass ich mich
einlesen möchte, aber es würde mich doch interessieren, welche
ernstzunehmenden (!) Thesen denn überhaupt vertreten werden.
Wenn jetzt jemandem auf der Zunge liegt „[…]weil es einfach
ekelhaft, unnatürlich und krank ist“, dann kann er/sie es auch
für sich behalten. Mit so Leuten will ich mich nicht
unterhalten.

homosexualitaet ist wie mathematik,wie philosophie, wie das broetchen vom baecker, wie nutelle(achtung schleichwerbung)…mit manchen kann man sich darueber unterhalten - mit anderen nicht:smile:
nur ist es unsere gesellschaft, unsere bildung,unsere religion, die das thema so brisant machen.
wenn jeder seine neigung offenlegen wuerde, gaebe es keine spannung.
spannung entsteht nur, wenn man etwas(versucht zu)trennt, was eigentlich zusammengehoert.

Ich möchte gerne wissen, ob es Faktoren gibt, die wirklich
durchdachten Ursprung besitzen. Sprich, haben denn Homos
abgesehen von sozialer Diskriminierung mit signifikanten
Problemen, die die Seele betreffen o.ä., zu kämpfen?

wieso sollten sie?hast du psychische probleme, weil du beim baecker meyer und nicht beim baecker frenzel deine broetchen kaufst?..mal etwas kritisch gefragt*gg*:smile:))
es ist die gesellschaft, die es dem schwulen schwerer macht als demjenigen, der gerade sein kind verpruegelt, weil es zu spaet nach hause gekommen ist.

noch ein paar argumente:
-wenn homosexualitaet unnatuerlich waere, gaebe es sie nicht:smile:nur der begrenzt denkende denkt, er denke ueber der natur.
-wenn du ein ehepaar siehst, dann weisst du nicht, ob sie bisexuell oder schwul sind.
-ich hoere immer wieder, wenn ich mich mit jemandem ueber homosexualitaet unterhalte, das sei unnormal. diejenigen meinen das gar nicht boese oder so, sondern sehen einfach nur das, was sie sehen.
sie blicken nicht hinter die fasade.
niemand!!! weiss, wie viele schwule oder bisexuelle es auf der welt gibt. das koennten zusammen locker 50% sein.diejenigen sehen die ehe als normal…weil es halt in unserer gesellschaft so ist.
in wie vielen ehen gibt es „mobbing“, wieviele ehegatten(m,w) werden vergewaltigt, geistig oder koerperlich, wie viele ehen sind durch brutalitaet gezeichnet und durch unterdrueckung oder ignoranz.(mal von dingen wie kinder-,waffen-,frauenhandel abgesehen) das sind alles sachen, die fuer mich

  1. ein zeichen dafuer sind, dass es das normale nicht gibt und
  2. zeigt, dass die jetzige entwicklung in richtung"ich heirate erst mit 30 oder spaeter" eine ehrlichere und natuerlicher entwicklung ist.

ich brauch nur mal in meine familie zu schauen. da koennte ich lieder ueber sogenannte normalitaet schreiben.

es ist normaler, waffen zu ver-/kaufen,kindern und frauen gewalt anzutun als schwul zu sein.

es soll mir mal einer sagen:was ist krank?

Gibt es
ein genetisch/hormonelles Moment? Auch von mir nicht
aufgeführte, aber einfach plausibele Beiträge sind natürlich
willkommen.

es gibt ein nervenbuendel im gehirn(INAH mit noch einer zahl dran), welches bei schwulen grosser oder kleiner ist als bei nicht schwulen, hab ich mal im springer-psychologiebuch(dem dicken blauen) gelesen.

ich vermute, homosexualitaet kann entweder anerzogen oder genetisch bedingt sein. aber es ist genauso wie die heterosexualitaet…nur dass man eben croissants und nicht baguettes bevorzugt.

irgendwie ist es, wenn man darueber diskutiert, so, als waere man grosszuegig, einem schwulen akzeptanz zu schenken.
man betrachtet ihn als anders als die anderen, ohne zu wissen, wie die anderen eigentlich sind, sondern nur das als vergleich zu sehen, was man taeglich als fasade vor sich sieht…

ein unendliches thema…

mfg:smile:
rene

Hi Tara,

Darum fühlen sich viele Homosexuellen auch im falschen Körper
gefangen.

Das
ist aber etwas ganz anderes und hat nichts mit Homosexualität
zu tun.

Gruß
Elke

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Das Leben ist eine Krankheit…
… die unweigerlich zum Tod führt.

Ich finde, man sollte es verbieten :wink:

Hallo Tara,

ich denke, Du könntest die Hypothese von G. Dörner und L. Kaplan zur Entstehung der Homosexualität meinen. Die beiden Forscher gingen davon aus, daß Streß während der Schwangerschaft in der 13. bis 15. Gestationswoche dazu führt, daß sich bei den männlichen Föten ein „weibliches Steuerungssystem“ bildet, demzufolge später männliche Sexualpartner bevorzugt werden. Das Niveau der Testosteronausschüttung zwischen der 20. und 25. Gestationswoche soll dann determinieren, ob der Mann später die männliche oder weibliche Rolle in homosexuellen Beziehungen spielt.

Die Hypothese und die für sie angeführten Befunde sind von mehreren anderen Forschern in mehreren Aspekten kritisiert worden.

Beste Grüße,

Oliver Walter

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schon vor langer langer zeit stellten menschen thesen und normen auf, die nicht wirklich sinnvoll nachvollziehbar sind.
ob es nun homosexuelle menschen waren oder andersaussehende.
was sehr lange zeit (jahrhunderte) vertreten wird kann man manchmal kaum entkräften weils in vielen köpfen drinnen ist.

ich meine, das es keine einzige wirklich fundierte these gibt die beweisen könnte das es eine krankheit sei.
da wir menschen auch nur tiere sind und wenn du dann um dich schaust auf die strasse und siehst wie ein rüde dem anderne an de wäsche will…
oder affen, die sind oft lesbisch oder homosexuell oder bisexuell.
wahrscheinlich ist jedes lebewesen bisexuell geartet nur der denkende mensch mit seinen normen, regeln, wertvorstellungen etc. macht da differenzen.

sonja

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

hallo sibylle,

meinst du damit die umgangssprachliche genannten zwidder?

was hat der zwidder, der ja nicht nur auf diese weise ein zwidder sein kann, es gibt jede denkbare variation der beidgeschlechtlichen geschlechtsmerkmale (z.b. hoden unter der bauchdecke und eierstöcke oder andere variationen), was hat das mit homosexualität zu tun?

LG
nina

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hi ho,

Sibylle spricht von Intersexuellen, oder auch Hermaphrodit. Wikipedia weiss dazu ein wenig:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hermaphrodit

Ach ja, beim „zwidder“ musste ich echt schmunzeln :wink:

Gruss,

Herb

hi herb,

ich weiss wovon sie spricht, mir is nur der begriff nicht eingefallen.
blöd wenn man sich an den rechner setzt und noch nichtmal richtig wach ist, aber so kanns gehen :wink:

LG
nina

Hallo Hilmar!

Ich finde Deine Frage etwas unglücklich formuliert:

Krankheit?

„Krankheit“ ist wohl im Zusammenhang mit Homosexualität etwas fehl am Platze, denn die meisten homosexuell veranlagten Menschen sind mit ihrer Sexualität NICHT unzufrieden, d.h. sie sind nicht negativ beeinflusst. Man sieht also direkt, dass Homosexualität und Krankheit keinen Zusammenhang aufweisen und kann sämtlich geartete Theorien direkt und pauschal ablehnen.

Entstehung

Auf der anderen Seite kann man fragen, wie Homosexualität entsteht. Hier herrscht Uneinigkeit in der Befundlage, und der weiter unten stehende genetische Einfluss scheint - wie so oft - etwas zu wenig als Erklärungsansatz.

Gegenbeweis: Wäre ausschliesslich ein spezielles Gen für die Steuerung der Sexualität (direkt, oder - wie beschrieben - indirekt durch den Testosteronspiegel innerhalb der Gestationszeit) verantwortlich, so hätten die Gene für „Homosexualität“ bzw. „Testosteronspiegel in der Gestationszeit“ sehr schlechte Karten. Ihre Durchsetzungskraft in Bezug auf Evolution ist überaus gering - sie haben eine sehr niedrige Reproduktionsleistung (liegt in der Natur der Sache).

Theorie von Bem (1996)

Vielleicht ist in dem Zusammenhang die Theorie über Homosexualität von Bem (1996) von Interesse: sie bietet zugleich genetischen als auch umweltabhängigen Einfluss als Erklärungsansatz für die Entstehung von Homosexualität.

Intermezzo: Zunächst einmal sollte festgehalten werden, dass heutzutage in der Genetik von ultimaten Erklärungen des Gencodes abgesehen wird, sondern vielmehr von Proximaten ausgegangen: eine genetische Disposition kann nur im Kontex mit den jeweiligen Umweltbedingungen betrachtet werden, d.h. wie und ob sich ein genetischer Einfluss manifestiert hängt von der jeweiligen Lebensumwelt ab.

Der Kernpunkt in Bem’s Theorie ist, dass was exotisch ist erotisch wirkt. Er geht auch von einem genetischen Einfluss aus, wie ein Kind behandelt oder gesehen wird: eher männlich oder eher weiblich (unabhängig von Geschlecht, also z.B. „weiblicher“ Junge oder „männliches“ Mädchen). Es kann nach seiner Vorstellung dazu kommen, dass je nach Disposition ein Junge entweder eher mit Jungen oder eher mit Mädchen im Kindesalter umgibt bzw. umgeben wird (Spielgruppen im Kindergarten etc., nach Interessenlage des Kindes oder nach Sicht der Umwelt).

Bei der Geschlechtsreife wird dann das erotisch, was zuvor exotisch gewesen ist, d.h. man interessiert sich primär für das „Fremde“. Diejenigen Jungen, welche also z.B. während der Gestationszeit durch den Testosteronespiegel dahin beeinflusst worden sind, eher weibliche Züge oder Interessen zu entwickeln (Disposition), haben gute Chancen, sich auch im Kindesalter mit diesem Geschlecht vermehrt in Kontakt zu stehen (Interessenlage, Sicht der Umwelt). Zusätzlich soll es nun eine genetische Disposition dafür geben (als eher ultimater Erklärungsansatz, und hier lage m.E. nach auch ein Kritikpunkt innerhalb der Theorie), dass eher das erotisch wirkt, was in der Kindheit weniger vertraut gewesen ist - und so ist die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer eher homosexuellen Entwicklung bei z.B. Jungen mit eher weiblichen Interessen und einer eher weiblichen Erziehungsumwelt in der Kindheit erhöht.

Spätere Befunde konnten zeigen, dass dieser Erklärungsansatz überwiegend nur für männliche Homosexualität funktioniert und auch nur in ca. 50% der Fälle (vgl. Bailey, 1996). Es muss also noch andere Verläufe bei der Entsehung von Homosexualität geben.

Persönliches Fazit

Nur weil sich Entwicklungsverläufe innerhalb der Psychologie als Modelle für die Entstehung von z.B. Homosexualität manifestieren, kann man wohl kaum von Krankheit sprechen. Es gibt ebensolche Entwicklungsmodelle für Heterosexualität (z.B. enthält Bem’s Modell ja genau diese Komponente auch).

Die Enstehung beider Mechanismen ist für mich gleichberechtigt; zusätzlich würde ich auch noch innerhalb von Homo- und Heterosexualität abstufen - es gibt ja auch durchaus die Fälle, wo sowohl mehr oder auch weniger beide Geschlechter interessant sind. Zusätzlich ist wohl auch im Leben eines Menschen über seine Lebensspanne ein ständiger Wandel innerhalb seiner Sexualität zu beobachten: Interessen verändern sich, und ob dies immer auf eine latent zugrunde liegende genetische Disposition zurück zu führen ist, möchte ich eher bezweifeln (wobei hier wohl auch mein Wunsch Vater meines Gedanken ist, aber deswegen erlaube ich mir ja auch ein persönliches Fazit).
Der eigene Einfluss auf die Entwicklung wird in solchen Modellen stets unterschätzt.

Es gibt bestimmt eine Vielzahl von individuellen Entwicklungsgeschichten innerhalb der persönlichen sexuellen Definition - hässliche Erlebnisse, schöne Erlebnisse, traumatisierende Erlebnisse, welche Einfluss nehmen. Bem scheint ein Modell entwickelt zu haben, welches pauschal für relativ viele Fälle (insgesamt männlich & weiblich ca. 28% der Homosexuellen) zu funktionieren scheint. Für die anderen 72% müssen andere Modelle entwickelt werden, und so verbieten sich eigentlich grundsätzliche Aussagen über die Entstehung von Homosexualität wie auch Heterosexualität von selbst.

Lieben Gruß
Patrick

Literaturhinweise:

_Bem, D.J. (1996). Exotic becomes erotic: a development theorie of sexual orientation. Psychological Review (103) 320-335.

Bailey, J.M. (1996). Gender identity. Aus: Savin-William & Cohen (Herausgeber): The lives of lesbians, gays, and bisexuals_
(http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/0155014978/qid…).

Hi Patrik,

danke für die klasse Antwort.

Ich glaube, dass fälschlicherweise rübergekommen ist, dass ich in betracht ziehe, dass es sich um eine Krankheit handeln könne. Selbst wenn mir gesagt worden wäre: „Ja, weil…“, hätte das an meinen Bekanntschaften mit Homosexuellen nichts geändert. Meine Frage so zu formulieren hatte ihren Ursprung in dem Kanon, der solche Dinge behauptet. Der ist zwar nicht groß, aber er existiert. Ich wollte dem mal auf den Grund gehen.
Ich halte es in puncto Psychologie für eine ganz elementare Sache, dass man gelegentlich seine persönlichen Überzeugungen in Frage stellt. Was ich persönlich glaube ist ja nicht wichtig. Es hätte möglich sein können, dass Identitätskonflikte ganz wesentlicher Bestandteil sind. So eine Frage an einen homosexuellen Freund von mir zu richten hätte ich nicht gewagt. Das ist einfach seine Sache.

Viele Grüsse,

Hilmar