Krieg zwischen Demokratien

Hallo!

Ich habe mal die These gehört, dass die Demokratie die beste Friedenssicherungsmaßnahme sei, weil es in der gesamten Menschheitsgeschichte noch nie einen Krieg zwischen zwei demokratisch verfassten Staaten gegeben habe.

Stimmt das?

Als Gegenbeispiel würde mir spontan nur der amerikanische Sezessionskrieg einfallen, aber der wurde von der Union ja nicht als Krieg zwischen Staaten betrachtet, sondern als Bürgerkrieg innerhalb einer Nation.

Klammern wir also mal Bürger- und Unabhängigkeitskriege aus. Gibt es dann irgendeinen bewaffneten Konflikt zwischen zwei demokratischen Staaten?

Michael

Hallo Michael,

wusste ich doch, dass wir das scfhon einmal hatten. Viel Spaß beim Lesen

http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
Gruß,
Martin

Sind Isreal und der Libanon keine demokratischen Länder?

Sind Isreal und der Libanon keine demokratischen Länder?

An und für sich schon. Auch Israel und Palästina. Allerdings hat Israel meines Wissens keinen Krieg gegen Libanon bzw. Palästina geführt, sondern gegen die die Hisbollah bzw. die palästinensischen Terroristen.

Michael

Vielen Dank! (owt)
.

Hallo,

ich erinnere mich dunkel an meinen Politikwissenschaftsschein zum Thema „Demokratie als Friedensfaktor“. Dort wurde diese These in der Tat behandelt.

Ich weiß nicht, ob es noch nie Krieg zwischen Demokratien gab, meine mich aber an folgende Thesen zu erinnern, weshalb Demokratien weniger Kriege führen (insb. beginnen):

  • aufgrund der (in welcher Form gearteten) Partizipation des Volkes an an der Machtausübung, haben diejenigen größeren Einfluss auf eine Kriegsentscheidung, die von den Auswirkungen eines solchen (Zerstörung, Kriegsdienst, Hunger, etc.) betroffen sind.

  • Demokratien haben gewöhnlich ein freies Wirtschaftssystem inklusive Eigentumsrechten. Demnach hat die Regierung weniger Einfluss auf die Erstellung einer Kriegsproduktion und somit weniger greifbares Potential zur Herstellung der Kriegsmaschienerie.

  • Basierend auf einem freien Wirtschaftssystem haben Demokratien ein großes Diplomatie- und Vertragssystem zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit anderen Staaten entwickelt, welches der Konfliktlösung auf dem Verhandlungsweg dient.

  • Demokratien haben überwiegend ein rechtsstaatliche geprägtes Rechtssystem, welches einer Kriegsentscheidung der Regierung und der damit verbunden Inanspruchnahme des Volkes hierzu deutlich höhere Hürden setzt.

Das ist wie gesagt nur eine Wiedergabe der Thesen, ich kann diese selbst nicht als richtig oder falsch werten.
Gruß
Dea

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Hallo,

:An und für sich schon. Auch Israel und Palästina. Allerdings

hat Israel meines Wissens keinen Krieg gegen Libanon bzw.
Palästina geführt, sondern gegen die die Hisbollah bzw. die
palästinensischen Terroristen.

Das dürften die Libanesen, die unter dem krieg leiden mußten, wohl anders gesehen haben. Und den toten Zivilisten hilft es auch herzlich wenig, daß sie eigentlich gar nicht gemeint waren - die erwckt nun auch keiner mehr zum Leben.

Gernot Geyer

Hallo,

es mag wohl sein, daß Demokratien weniger Kriege gegeneinander führen.
Aber Kriege beginnen können sie auf jeden Fall. Und es ist in meinen Augen mehr als zweifelhaft, ob die Tatsache der angeblichen moralischen Überlegenheit als Demokratie dazu berechtigt, Kriege zu beginnen.
Die USA haben es da schon auf ne ganze Reihe an Kriegen gebracht - immerhin 2 Irakkriege, den Krieg gegen Afghanistan, einen gegen Kuba - und noch ein paar mehr.
Und der Falklandkrieg zwischen Argentinien und Graßbritanien fand nun wirklich zwischen zwei Demokratien statt. Im Zypernkonflikt lagen sogar mit griechenland und der Türkei zwei NATO-Staaten miteinander im Clinch und dieser Konflikt belastet ja heute noch die Aufnahmeverhandlungen der Türkei in die EU.

Gernot Geyer

Hi

Die USA haben es da schon auf ne ganze Reihe an Kriegen
gebracht - immerhin 2 Irakkriege, den Krieg gegen Afghanistan,
einen gegen Kuba - und noch ein paar mehr.

Waren glaube ich alles keine Demokratien damals?

Und der Falklandkrieg zwischen Argentinien und Graßbritanien
fand nun wirklich zwischen zwei Demokratien statt.

Falsch, Argentinien war damals eine Rechte Militärdiktatur!

Im
Zypernkonflikt lagen sogar mit griechenland und der Türkei
zwei NATO-Staaten miteinander im Clinch

Weder Griechenland (Obristenjunta) noch die Türkei konnte man damals als Demokratien bezeichen.

Quelle: Google :smile:

Gruß
Mike

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In der tat war der krieg Israels gegen den Libanon, den wir dieses jahr erlebt haben, m. e. das erste eindeutige beispiel, das die these von den stets friedfertigen demokratien widerlegt.
Israel hat den krieg erklärtermaßen gegen die Hisbollah geführt. Die Hisbollah war zu dieser zeit eine demokratisch gewählte libanesische regierungspartei (im rahmen einer großen koalition). Und natürlich hat das israelische militär faktisch libanesische städte und brücken bombardiert, also krieg gegen den Libanon geführt; da helfen keine ausflüchte.

Gruß von tonikal

Hallo!

Danke mal allen Beteiligten. Die Diskussion über Israels Militärschläge will ich hier nicht führen. Mir ging es ausschließlich um die völkerrechtliche Seite, nicht die moralische. Und rein rechtlich betrachtet hat Israel die Regierung Libanons respektiert und sie aufgefordert, ihrerseits gegen die bewaffneten Hisbollah-Milizen vorzugehen.

Bisher wurde mir noch kein Beispiel von Kriegen zwischen Demokratien genannt. In einem älteren Thread fand ich den Hinweis auf einen „Revolutionskrieg“ zwischen Frankreich und der Schweiz. Allerdings konnte ich nicht heraus finden, ob der Krieg tatsächlich in die Zeit der französischen Demokratie fiel, oder ob es schon napoleonische Diktatur war. Außerdem ist mir anhand des wikipedia-Artikels zur schweizer Geschichte nicht ganz klar, ob man die Schweiz im ausgehenden 18. Jahrhundert als Demokratie bezeichnen kann (von Aristokratie und Oligarchie ist da die Rede…).

Pakistan und Indien? Soviel ich herausfinden konnte, war Pakistan nur in recht kurzen Zeiträumen seiner Geschichte wirklich demokratisch. Bewaffnete Auseinandersetzungen mit Indien fallen nicht in diese Zeit.

Vielleicht findet ja jemand doch noch was.

Michael

P.S.: Ach ja: Eine Demokratie, die nicht als solche erkannt wird, ist vermutlich nicht sicher vor Angriffen durch Demokratien. (Strafexpedition der jungen USA gegen die Irokesen 1779).

Hi
Man sollte eventuell mal den Amerikanischen Sezessionskrieg auf diese Fragestellung abklopfen.

Gruß
Mike

Man sollte eventuell mal den Amerikanischen Sezessionskrieg
auf diese Fragestellung abklopfen.

*g* Du hast aber das Ursprungsposting schon gelesen, oder?

Hi,

mal eine kühne Argumentation:

Gibt es dann irgendeinen bewaffneten Konflikt zwischen zwei
demokratischen Staaten?

der ganze lange Kalte Krieg zum Beispiel (denn „bewaffnet“ war er ja ganz sicher);

da haben nämlich zwei Lager zumindest kalt intensiv gekriegt, die sich beide als „Demokratie“ („freiheitliche Demokratie“ vs. „marxistisch-leninistische Demokratie“) bezeichnet haben; beide übrigens klar mit Berufung auf 1776 und 1789 als die Geburtsstätten der neuzeitlichen Demokratie, nur eine auf 1917 …

und beide haben den jeweils anderen als „Nicht-Demokratie“ gesehen.

Nun könnte man sagen (so wie mein Geschichtslehrer damals übrigens, der hiermit gegrüßt sei), dass die Osttypen halt … Etikettenschwindel … war doch nichts demokratisches …

Das mag stimmen, aber -nun meine These- aus diesem Beispiel kann man -wenn mal will- sehen, dass es im Grunde nicht um DIE DEMOKRATIE geht, sondern darum, dass seit dem Ende des ancien regime „Demokratie“ ein Begriff ist, der als inhaltlich bestimmter nicht oder nicht einfach eine bestimmte Herrschaftsform kennzeichnet, sondern der in den großen Konfliktlinien der letzten zwei Jahrhundert immer die Trennwand zwischen den Konfliktparteien war, und zwar -zusätzliche These- nicht direkt, weil die einen „demokratisch“ (im unbestimmten Sinne) waren, die anderen nicht, sondern weil „Demokratisierung“ grosso modo mit der Einbindung in einen bestimmten Staatenblock verbunden ist, innerhalb dessen die Staaten dann selbstverständlich nicht Krieg untereinander führen;

aber eben nicht deshalb nicht, weil sie „demokratische“ (im weiteren Sinne) Staaten sind, sondern weil sie alle zum „Demokratie“-Block gehören.

An allen großen Kriegen der letzten zwei Jahrhunderte waren „demokratische“ Staaten beteiligt, viele davon haben diese mehr oder weniger selbst begonnen, (Vietnamkrieg, Irakkrieg, aber auch die ganzen durch den Willen, Kolonialherren zu bleiben quasi-begonnenen kriegerischen Auseinandersetzungen im Zuge der Entkolonialisierung wie etwa den Algerienkrieg zähle ich hier dazu).

Und da auch hier die Legitimation der „demokratischen“ Staaten, einen Angriffskrieg zu beginnen, in einigen Fällen gerade die (beim Gegner scheinbar mangelnde) Demokratie war (Paradebeispiel. weil der einzige große symmetrische Fall: Kalter Krieg), könnte man Demokratie gerade zum Kriegstreiber erklären.

Ich habe mal die These gehört, dass die Demokratie die beste
Friedenssicherungsmaßnahme sei, weil es in der gesamten
Menschheitsgeschichte noch nie einen Krieg zwischen zwei
demokratisch verfassten Staaten gegeben habe.

Stimmt das?

Es stimmt m.E. insofern, dass ganz sicher Einbindung in den gleichen Interessens- und Machtblock das beste Mittel ist, Kriege zwischen diesen Staaten zu verhindern; ich halte Friedenssicherung aber nicht für eine „endogene“ Qualität von Demokratie im Sinne der von cmd.dea referierten Thesen, denn der Faktor, der m.E. hinter diesen Thesen steht, ist ganz einfach die Blockeinbindung u.a. durch wirtschaftliche Verflechtungen.

Viele Grüße
Franz

Man sollte eventuell mal den Amerikanischen Sezessionskrieg
auf diese Fragestellung abklopfen.

*g* Du hast aber das Ursprungsposting schon gelesen, oder?

Schon, aber darum schrieb ich ja, dass man bezüglich dieses Themas eben schon den Amerikanischen Bürgerkrieg angehen sollte, da die generelle These "Demokratien führen keine Kriege untereinander, weil sie zu Friedfertig sind (oder ähnliches) nur aus den Beziehungen zwischen anerkannten Staaten heraus abgeleitet wird.
Ob man nun den Amerikanischen Bürgerkrieg in dies Betrachtung einbeziehen sollte… tja…
dazu müsste man mal die Krieggründe genauer untersuchen…

Ich glaube nämlich nicht an die These der generellen Friedfertigkeit zwischen Demokratien.

Gruß
Mike

Hallo!

Dein Posting fand ich hochinteressant, auch wenn ich inhaltlich nicht übereinstimme.

Wenn ich Dich richtig verstanden habe, dann erklärst Du das Ausbleiben von bewaffneten Konflikten zwischen Demokratien mit der Zugehörigkeit zum selben (westlichen, demoktratischen, kapitalistischen, …) Block. Natürlich besteht da eine Korrelation, aber könnte es nicht sein, dass Du die Kausalität verdreht hast? Ganz Konkret:

Sind die Demokratien gegeneinander friedfertig, weil sie verbündet sind?

oder

Sind die friedfertigen Staaten miteinander verbündet, weil es Demokratien sind?

Ein Bündnis kann unter verschiedenen Voraussetzungen geschmiedet werden: Manche Bündnisse wurden aus purem Machtstreben und strategischen Interessen geschlossen. Bei den Bündnissen der ehemals westlichen Welt glaube ich, inzwischen eine andere Motivation zu erkennen. Als aufnahmebereit gelten Staaten, die ebenfalls demokratisch verfasst sind - auch wenn die Aufnahme dieser Staaten das Bündnis vorübergehend schwächt. Die mitteleuropäischen Staaten fallen mir dazu ein und auch die Türkei. Gründe, die (zumindest offiziell) gegen eine Aufnahme der Türkei in die EU sprechen, sind nicht der Islam oder die Tatsache, dass fast die komplette Türkei gar nicht in Europa liegt, sondern Defizite bei Demokratie, Menschenrechten und Religionsfreiheit.

Um es auf den Punkt zu bringen: Eine Demokratie wird immer die Nähe anderer Demokratien suchen, weil sie weiß, dass eine Demokratie ein friedfertiger Staat ist.

Michael

P.S.: (Ist nicht gegen Dich gerichtet, Franz, aber…) Bin ich eigentlich der einzige, dem die (in diesem Forum) weit verbreitete Meinung auf den Sack Nerv geht, dass die USA und ihre Verbündeten die Wurzel allen Übels auf dieser Welt sind?

Der anscheinend so nonkonformistische (und daher: coole) Glaube an die Herrschaft des militärisch-industriellen Komplexes ist in Wirklichkeit genauso „kritisch“ wie der Applaus von SED-Funktionären nach einer Honecker-Rede. Meine Meinung.

Hi nochmal,

aber könnte es nicht sein, dass Du die Kausalität
verdreht hast?

Klar, mir ging es ja gerade um die Verdrehung der Kausalität; das ist meine eigentliche These.

Ganz Konkret:

Sind die Demokratien gegeneinander friedfertig, weil sie
verbündet sind?

oder

Sind die friedfertigen Staaten miteinander verbündet, weil es
Demokratien sind?

ich will das etwas erklären, wird aber notwendig ein wenig lang …

m.E. besteht kein wirklicher Unterschied zwischen diesen beiden Fragen, d.h. eine bestimmte Form von „Demokratie“ (in erster Linie wohl gekennzeichnet durch Wahlrecht, Gewaltenteilung, freies Kapital; aber diese Form ist auch historisch wandelbar) ist eben das Zugehörigkeitskriterium für diesen Block.

Damit setzt man sich ab von anderen möglichen Formen von „Demokratie“=Volksherrschaft, z.B. eben die genannte marxistisch-leninistische Variante, aber auch von auf staatlicher Ebene nur sehr kurzzeitig je realisierten Formen radikaler Demokratie wie etwa einer Räterepublik.

  • Die „Überform“ dieser einzelnen Formen von Demokratie ist das „demokratische Zeitalter“, das bedeutet, dass man -egal welche bestimmte Form man nun an Demokratie hat- tendenziell immer als „Demokratie-Mangel“ kritisiert wird (der Osten wegen Freiheitsrechten, der Westen wegen dem undemokratischen Einfluss der Ökonomie, etc.), nie aber mehrheitsfähig und einigermaßen dauerhaft wegen „zuviel Demokratie“;

keine Position kann sich mehr auf eine undemokratische „l’etat c’est moi“-Position zurückziehen, wie das vor 300 Jahren noch problemlos ging.

  • da die einzelnen Demokratie-Formen Integrationsmittel der Blöcke sind, sind sie auch die Kampflinien und Kampfeinsätze zwischen den Blöcken.

Disclaimer: mir ist klar, dass ich damit den Demokratie-Begriff ein Stück weit verschoben habe, aber ich finde, das ist notwendig, denn wenn man einfach den umgangssprachlichen Demokratie-Begriff, also den der „westlichen Demokratieform“ aufnimmt, der wohl Deiner Ausgangsfrage auch klar zu Grunde liegt, dann reduziert sich m.E. Deine Frage auf die Tautologie, weshalb der „Westen“ nie gegen sich selbst Krieg geführt hat …

Bei den
Bündnissen der ehemals westlichen Welt glaube ich, inzwischen
eine andere Motivation zu erkennen. Als aufnahmebereit gelten
Staaten, die ebenfalls demokratisch verfasst sind - auch wenn
die Aufnahme dieser Staaten das Bündnis vorübergehend
schwächt. Die mitteleuropäischen Staaten fallen mir dazu ein
und auch die Türkei. Gründe, die (zumindest offiziell) gegen
eine Aufnahme der Türkei in die EU sprechen, sind nicht der
Islam oder die Tatsache, dass fast die komplette Türkei gar
nicht in Europa liegt, sondern Defizite bei Demokratie,
Menschenrechten und Religionsfreiheit.

Das spricht in keinster Weise gegen meine These, sondern m.E. für sie.

Um es auf den Punkt zu bringen: Eine Demokratie wird immer die
Nähe anderer Demokratien suchen, weil sie weiß, dass eine
Demokratie ein friedfertiger Staat ist.

damit reduzierst Du aber erstens die Demokratie auf eine bestimmte Form von Demokratie, und kommst damit m.E. weit ans Tautologische heran, denn wenn „Demokratie“ oder Demokratiefähigkeit gerade der Prüfstein ist, ob ein Staat dem Demokratie-Block angehören darf oder nicht (wie Du es ja im Grunde eben auch klar gezeigt hast), dann reduziert sich die Aussage: „Demokratien kämpfen nicht gegeneinander“ vielleicht eben doch auf die Tautologie: „Staaten eines Blockes kämpfen nicht gegen sich selbst“;
und dann könnte man die Friedfertigkeit nicht ohne Schwierigkeit zur intrinsischen Qualität von „Demokratie“ machen, also die Friedfertigkeit in den Beziehungen zwischen Staaten restlos aus den Beziehungen Staat-Bürger ableiten.

Um es in einer Frage zu sagen: Gab/gibt es die letzten 200 Jahre bedeutsame Staaten, die klar „demokratisch“ in dieser „westlichen“ Form von Demokratie sind, und die sich aber 1) klar politisch gegen diese westlich-demokratischen Staaten richten, und aber aus „demokratischer Friedfertigkeit“ heraus, 2) diese Oppositionsstellung nicht zu einem pol-milit. Konflikt ausweiten?

Wenn nein, dann wäre das m.E. ein klarer Hinweis, dass „Demokratie“ in dieser speziellen Form, um die es Dir geht, schlicht mit dem „Demokratie“-Block koextensiv ist.

Und Du übersiehst m.E. zweitens, dass eben genau diese westlich-demokratischen Staaten sehr wohl an allen großen Konflikten der letzten zwei Jahrhunderte beteiligt waren, und zwar teilweise unstrittig auch offensiv, eben für die Durchsetzung dieser Form von Demokratie, von Menschenrechten, Religionsfreiheit, etc.

P.S.: (Ist nicht gegen Dich gerichtet, Franz, aber…) Bin ich
eigentlich der einzige, dem die (in diesem Forum) weit
verbreitete Meinung auf den Sack Nerv geht, dass die
USA und ihre Verbündeten die Wurzel allen Übels auf dieser
Welt sind?

Der anscheinend so nonkonformistische (und daher: coole)
Glaube an die Herrschaft des militärisch-industriellen
Komplexes ist in Wirklichkeit genauso „kritisch“ wie der
Applaus von SED-Funktionären nach einer Honecker-Rede. Meine
Meinung.

Ist nicht gegen Dich gerichtet, Franz, aber…)

Auch wenns nicht gegen mich gerichtet ist, stehts unter meinem Artikel, darum …

Diesen aber, auch wenn er sehr wohl eine „entlarvende“ Sicht auf „Demokratie“ einnimmt und dafür in gewisser Weise eine „relativistische“ Position vertritt, als „USA-sind-Wurzel-des-Übels“ zu lesen, wäre übrigens ein klares Missverstehen …

Viele Grüße
Franz

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Hallo!

Ich finde schon, dass es einen qualitativen Unterschied zwischen Demokratie im eigentlichen Sinne (Volkssourveränität, Gewaltenteilung, Pluralismus, Rechtsstaatlichkeit) und Demokratie im Sinne von „sozialistischen Demokratien“ gibt.

In einer repräsentativen Demokratie (ich werde diesen Begriff im Folgenden nur für die in der westlichen Welt praktizierte Form verwenden) bekommen die Regierenden die Macht über das Land für einen begrenzten Zeitraum geliehen. Wenn die Regierung dem Willen des Volkes entgegen handelt, bekommt sie spätestens am Wahltag diese Macht wieder entzogen. Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass das in den Demokratien völlig problemlos funktioniert, aber es ist die einzige Staatsform, die diesen Mechanismus überhaupt kennt. Und es gibt Beispiele, wo eine Regierung den Koffer packen musste, weil sie außenpolitisch gegen den Willen des eigenen Volkes gehandelt hatte (siehe Spanien).

Ich glaube, dass ein Angriffskrieg gegen ein Land, von dem keine unmittelbare Bedrohung für die eigene Sicherheit ausgeht, immer dem Willen des Volkes widerspricht (nicht zuletzt hat kein Soldat Lust dazu, seinen Kopf für zweifelhafte Interessen hinzuhalten). Vielleicht schafft es die Regierung, ihr Volk von der Gefährlichkeit eines Staates zu überzeugen („Achse des Bösen“, „Schurkenstaaten“, …). Ich glaube aber nicht, dass ihr das im Falle von Demokratien gelingen würde.

Gruß, Michael

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Hallo,

abschließend und zusammenfassend (weil ich nicht das Gefühle habe, dass mein Punkt so angekommen ist, wie ich ihn meine):

Ich finde schon, dass es einen qualitativen Unterschied
zwischen Demokratie im eigentlichen Sinne (Volkssourveränität,
Gewaltenteilung, Pluralismus, Rechtsstaatlichkeit) und
Demokratie im Sinne von „sozialistischen Demokratien“ gibt.

das ist schon richtig, aber über diese Unterschiede geht die Diskussion eigentlich auch nicht.

Zurück zu Deiner Ausgangsthese:

… These …, dass die Demokratie die beste
Friedenssicherungsmaßnahme sei, weil es in der gesamten
Menschheitsgeschichte noch nie einen Krieg zwischen zwei
demokratisch verfassten Staaten gegeben habe.

Ich habe gezeigt, dass erstens „Demokratie“ als eine bestimmte, konkrete Form verstanden werden muss (nicht als „sozialistische“ Form, nicht als „anarchistische“ Form, etc.), damit der weil-Satz überhaupt erst wahr werden kann; auch wenn man diese Form dann DIE DEMOKRATIE (oder „eigentliche Demokratie“) nennt, muss man sich im Klaren sein, dass man diese Konkretheit in der These beibehalten muss, nicht einfach auf eine abstrakte Demokratie-als-Volksherrschaft übertragen kann.

Das halte ich für unumstößlich.

Und ich habe zweitens gezeigt, dass „Demokratie“ natürlich schon irgendwie ein Friedenssicherungsmittel ist, aber dass um die spezifischen Formen von Demokratie (bzw. um DIE DEMOKRATIE, wenn man es denn unbedingt so nennen will) zu deren Erhaltung, aber auch zu deren Durchsetzung, unleugbar heftige Kämpfe stattgefunden haben, und zwar nie wirklich nur einseitig von einer Form der „Demokratie“ (bzw. nicht immer nur von den Gegnern DER DEMOKRATIE) ausgehend.

Insofern könnte man mit einigem Recht die Idee/Praktik der „Demokratie“ auch gerade als Kriegstreiber anstatt als Friedenssicherer bezeichnen (und man muss kein Anti-Demokrat sein, um das festzustellen)

Und drittens habe ich angedeutet, dass das „demokratische Zeitalter“, wenn man denn die Weltgeschichte ab Mitte/Ende des 18.Jhdts. als solche bezeichnen möchte (und diese Bezeichnung ist m.E. sinnvoll), mit Abstand das kriegerischste Zeitalter war, und zwar nicht nur wegen des höheren Waffeneinsatzes, der durchaus teilweise auf technologische Entwicklung zurückgeführt werden könnte, sondern in erster Linie wegen des Menschen-Einsatzes.

Ich bin nämlich der Meinung, dass Ideen/Praktiken wie „Demokratie“ und „Volkskrieg“, „allgemeine Mobilmachung“, „Heimatfront“, „totaler Krieg“, „Wehrpflicht“, „Massenvernichtung“, etc. sehr eng zusammenhängen;

nach Clausewitz gibts ja das berühmte Zitat: „Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“, und dieser Logik gemäß kann ein Staat, der politisch demokratisch organisiert ist, so was wie einen Kabinettskrieg, allgemein eine Kriegsführung, die das Gros der Bevölkerung vollkommen außen vor läßt, unmöglich kennen (von „Polizeieinsätzen“ gegen kleinere Staaten mal abgesehen)

Also:

… These …, dass die Demokratie die beste
Friedenssicherungsmaßnahme sei, weil es in der gesamten
Menschheitsgeschichte noch nie einen Krieg zwischen zwei
demokratisch verfassten Staaten gegeben habe.

  • der weil-Satz kann nur richtig sein, wenn man „Demokratie“ auf eine bestimmte konkrete Form festlegt; dann wirds aber schwer, dabei nicht tautologisch zu werden

  • der Schluss vom weil-Satz auf den Hauptsatz ist nur dann korrekt, wenn man die „Friedenssicherung“ auf Konflikte innerhalb dieser Staaten beschränkt, dann ist dieser Schluss aber auch ohne sonderlich großen Informationsgehalt.

  • die These könnte korrekt sein, wenn man sie so versteht, dass die beste Friedenssicherungsmaßnahme das wäre, wenn sich alle Beteiligten auf eine gemeinsame Herrschaftsform und einen Stock gemeinsamer Grundsätze (Volkssourveränität, Gewaltenteilung, Pluralismus, Rechtsstaatlichkeit, wie Du sie ja oben aufgezählt hast) einigen würden, aber dabei ist erstens nicht mitenthalten, dass dies gerade und nur die „Demokratie“ und deren Grundsätze sein müssen (m.E. geht es viel mehr um die Form der Gemeinsamkeit als um den Inhalt des Gemeinsamen), und zweitens bleibt dabei außen vor, dass gerade im Namen von Demokratie und im Kampf für und gegen (bestimmte Formen von) Demokratie (bzw. DIE DEMOKRATIE) alles andere als Frieden gesichert wurde.

Ich finde, diese Punkte zeigen immerhin, dass und wie man die These notwendig konkretisieren muss, damit sie nicht leer oder falsch ist; deshalb muss man sie ja noch lange nicht aufgeben.

Viele Grüße
Franz

Hallo!

Ich glaube schon, dass Dein Punkt angekommen ist. Ich bin aber nicht derselben Ansicht. Ich glaube, dass es ein Moment gibt, das zwischen-demokratische Konflikte abfedert. Und ich glaube, dass dieses Moment über die bloße Lagerbildung hinausgeht.

Beispiel:
Zur Zeit Napoleons standen sich revolutionäre Kräfte (Napoleon und Verbündete, zumindest dem Namen nach „revolutionär“) und reaktionäre Kräfte gegenüber. Letztere wurden in dem Gedanken geeint, die alten Machtstrukturen Europas zu erhalten, eine Hegemonie Frankreichs zu verhindern und die Vorherrschaft der Aristokratie zu sichern. Die Gegner Napoleons bildeten ein Lager und der gemeinsame Feind schweißte sie zusammen. Allerdings gab es darüberhinaus nichts, was die europäischen Monarchien aneinander band. Deswegen gab es innerhalb dieses „Lagers“ zahlreiche Kriege vor und nach Napoleon, während es innerhalb des Lagers der Demokratien keine Kriege gab. (Dein aufgeweiteter Demokratie-Begriff, hilft an dieser Stelle wenig weiter).

Dieser demokratische Kitt fehlt auch in allen anderen ideologischen Lagern: Der Irak führte Krieg gegen den Iran und später gegen Kuwait, obwohl alle Staaten dem muslimischen Lager angehörten. Die UdSSR unterband den Prager Frühling mit militärischer Gewalt, obwohl beide Staaten dem sozialistischen Lager angehörten.

Ich teile allerdings Deine Ansicht, dass das Ausmaß der Kriege im 20. Jahrhundert zu einem Teil auf die allgemeine Wehrpflicht und die damit verbundene Identifikation eines Volkes mit seiner Armee und umgekehrt zurückzuführen ist. Das ist teilweise eine Errungenschaft der Republiken, hängt aber mehr mit dem Nationalismus als mit dem Demokratie-Gedanken zusammen.

Michael