Labello- ja oder nein?

Hi,

nein, Labello macht im Prinzip nicht süchtig.

Jetzt möchte ich da doch noch mal was dazu sagen, da ich zwei Freundinnen hatte, die beide Labello-süchtig waren.

Mal etwas „laienhaft“ (von einem Profi) beschrieben:
Sucht kann entstehen, wenn eine Handlung mit einem positiven Effekt „belohnt“ wird und dieser durch Genuss von Drogen oder anderer Aktivitäten (Spielen, Joggen etc.) erreicht werden kann.

Um mal bei einer „anerkannten“ Sucht zu bleiben: Jemand hat einen schlechten (oder besonders guten) Tag gehabt, trinkt Alkohol, genießt das Gefühl von Wärme, den beginnenden Rausch, die Entspannung. Also empfindet er Alkoholtrinken als angenehm. Daran erinnert er sich, wenn er in einer ähnlichen Situation ist und beginnt, Alkohol systematisch einzusetzen, um sich die gewünschte Gefühlswelt zu schaffen. Nach einer Weile ist es so, dass er überhaupt kein eigenes Wohlgefühl mehr entwickeln kann, ohne Alkohol zu trinken. Das ist ein biochemischer Prozess, den zu erklären hier zu weit führen würde.

Und so ist es mit dem Labello auch. Man hat unangenehm trockene oder gar eingerissene Lippen, benutzt den Labello und sofort entspannt sich das unangenehme Gefühl von Trockenheit. Und wie hier schon beschrieben wurde ist es tatsächlich so, dass die Lippen irgendwann keine eigene Feuchtigkeit mehr entwickeln, weil der Stoff ja dauernd von Außen zugeführt wird. Mit dem Erfolg, dass der Labello immer häufiger eingesetzt wird.

Und das ist durchaus mit Sucht vergleichbar.

Und mit dem Alkohol ist es wie mit dem Labello: manche bleiben drauf hängen, andere können damit im vernünftigem Rahmen umgehen.

Meine beiden Freundinnen hatten in jeder Jackentasche, jeder Handtasche, jedem Zimmer der Wohnung ein bis mehrere Labellos rumliegen und wenn sie mal keinen griffbereit hatten wurden sie fahrig und nervös und alles musste so lange zurückstehen, bis sie sich wieder die Lippen einschmieren konnten. Wie ein Alkoholiker. Und das ist kein Witz.

Sonntagsgruß,

Anja

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