An postfaschistischen Weltrettungsphantasien möchte ich mich
nicht beteiligen.
Die Frage ist ohne falsche Nostalgie gestellt.
Davon abgesehen: Vor allem sollte man sich keine allzu großen
Illusionen über die strategischen und allgemein logischen
Fähigkeiten der nationalsozialistischen und militärischen
Führungsmannschaft machen.
Die immerhin den Feldzug in Frankreich hinter sich gebracht hatte.
Vieles lässt sich also nicht mit
Ursache-Wirkung-Verkettungen erklären.
Es braucht nicht unbedingt eine streng militärische Erklärung. Wenn die personelle Lage mir erklärt, warum zwischen Anfang September und Ende Oktober so sehr zugewartet wurde, ist das auch etwas.
Ideologie, persönliche
Rivalitäten und Geltungsdrang dürften oft die entscheidende
Rolle gespielt haben.
Vielleicht ist ja nicht alles rekonstruierbar. Immerhin sollte eine Erklärung möglich sein. Die wird aber wohl doch eher technisch…?
In dieses Bild begrenzter Realitätshaftung passt auch die
hartnäckige Hoffnung, dass das „germanische Brudervolk“ von
der Insel sich schon irgendwann mit dem „Dritten Reich“
arrangieren werde, wenn man es nur lang genug bombardiere.
Einverstanden.
Dass die deutsche Luftwaffe zur
Erfülung keines dieser Ziele in der Lage war
ist im Nachhinein ziemlich klar, aber man konnte ja auch die Kräfte neu konzentrieren. Politisch gesehen war GB immer noch der nächstfolgende Feind, auch wenn es strategisch schon zu weiteren Zielen kam und die Marine Zeit benötigte.
Die Briten hatten es mit den Prioritäten
einfacher: Die „Krauts“ runterholen! Beim Verhältnis der
Marinen war das Reich von Anfang an so weit unterlegen, dass
sich die Überwassereinheiten wohlweißlich kaum aus der
Deutschen Bucht wagten.
Zur Frage gehört auch, ob im Verlaufe des Herbstes '40 für die Marine und die Jäger mit besonderer Berücksichtigung von Seelöwe mehr getan werden konnte.
Bis Ende Oktober 1940, dem Zeitpunkt, um den sich die
Ausgangsfrage drehte, war die Luftschlacht zudem entschieden.
stimmt weitgehend, ist aber kein Grund, GB einfach liegen zu lassen
Das Prinzip des Jäger-Geleitschutzes für Bomber
musste man auf deutscher Seite erst schmerzhaft lernen („the
greatest day“ - 15. August).
Und die Reaktion darauf (in Aufrüstung und Kampfplanung)?
Als man es dann kapiert hatte,
waren nicht mehr allzu viele Bomber übrig, denen man
Geleitschutz hätte bieten können.
Und bis wann wurden diese mit Vorrang nachzurüsten versucht?
Die schwereren deutschen
Bomber waren kaum zu punktuellen Angriffen in der Lage: Für
Terrorangriffe auf Städte einsetzbar, kaum jedoch gegen
kleinflächige Ziele wie militärische oder
Verkehrseinrichtungen.
Dann wäre das Fehlen zusätzlicher Jäger der Hauptgrund für den Stillstand von Seelöwe? War die Rolle der Marine eine Ähnliche?
Zudem war der Ausstoß der britischen Flugzeugfabriken deutlich
größer, was über den kurzen hier betrachteten Zeitraum aber
wohl eine eher untergeordnete Rolle spielt.
Es geht auch um die Ausrichtung der Planung für spätere Kampfhandlungen. Immerhin drohte der Zweifrontenkrieg.
Von ihren
Leistungsmerkmalen her waren die Spitfires die, wenn auch nur
leicht, überlegenen Flugzeuge auf dem Schlachtfeld.
Wie stark wurde deren Produktion vorangetrieben und wie stand es vor allem um die Nachrüstung der Sturzkampfflugzeuge (von Göring zwar nur zu Anfang eingesetzt)?
Eine ausreichende Luftüberlegenheit, um eine Invasion wagen zu
können, war für die Deutschen zu keinem Zeitpunkt des Krieges
auch nur in Reichweite.
Weil die Kräfte meistens anderswo verbraucht wurden.
Deshalb wurde der „Seelöwe“ im August
und September immer wieder verschoben
ist nachvollziehbar
und schließlich ganz
aufgegeben.
ist wenigstens bis zur Lagebeurteilung Ende '40 kaum nachvollziehbar.
Im Verlauf des Oktobers verlor die deutsche
Luftwaffe den Kampf schließlich vollständig.
Waren deren Reserven zu dem Zeitpunkt aufgebraucht, d. h. wurde in den Aufmärschen um Libyen, Griechenland, Albanien und Afrika zu Anfang ganz ohne Luftangriff operiert?
Vielen Dank,
Mike