Bin weitgehend einverstanden
Hallo
Hallo Rainer
Deine Meinung ist in der Sache der meinigen sehr nahe. Du scheinst aber das Prinzip zu vertreten, ein Präventivkrieg sei nicht möglich. Ich halte ihn demgegenüber (wenigstens in den Köpfen des OKW) nicht für unmöglich, wenngleich vieles dagegen spricht. Es geht vor allem um die Frage, warum Hitler, in der Zeit, bevor er sich in seinen Lagebesprechungen vom 5. und 18.12. Barbarossa zuneigte, so wenig militärisch relevante Attacken gegen GB unternahm - natürlich kann man sagen, der Plan Barbarossa habe bereits existiert oder mutmassen, er habe bereits vorher für Hitler Priorität gehabt. Das ist längerfristig gesehen sogar plausibel. Aber in den zwei Monaten, um die es mir geht, war kaum Priorität für Barbarossa gewachsen.
Man spricht so gerne von der Lufthoheit über GB. Ich bin kein Profi, aber warum nicht mal ein Teilgebiet erobern und dort eine kleinere Invasion versuchen - inkl. Lufthoheit über dieses Teilgebiet (Schottland oder ein Teil davon z. B.)
http://de.wikipedia.org/wiki/Albion
danke
Der Krieg gegen Russland war vorprogrammiert, ob Russland
offensive oder defensive Aufstellung hatte war so ziemlich
egal.
Damit es ein für alle Mal klar ist: Ja, das halte ich für möglich. In der Perspektive von 3-4 Jahren seit '39 war das Hitlers Absicht.
Und aus Vorsichtsmassnahmen gegen einen deutschen
Angriff, der dem russischen Geheimdienst sicher nicht
entgangen war, russische Angriffsabsichten zu zimmern, ist
etwas sehr nebulöses und auch durch wenig bis nichts bewiesen.
Hier ist schon Zweifel angebracht. Was die Russen wirklich wollten, weiss in Westeuropa bis heute kaum einer; die vernünftige Frage kann sich stellen, was die Deutschen darunter wirklich (!) verstanden oder verstehen konnten - wobei ich zugebe, dass sie ihrer eigenen Propaganda stets gerne Glauben schenkten. War es möglich, die „gezimmerten“ Angriffsabsichten auch ohne Propagandabrille für tatsächliche zu halten, oder wäre das für jeden Feldherrn mit den (ungefähren) Kenntnissen der Deutschen (die ich nicht genau einschätzen kann) undenkbar gewesen - das halte ich beides für nicht ganz unmöglich angesichts der Nachrichtenflut. Es wäre überdies immerhin möglich, dass die Briten an Nachrichten über russische Angriffspläne ihre Freude gehabt hätten und die Deutschen dahingehend manipuliert haben - nur, um es nochmals zu betonen, auch mir entzieht sich jede Kenntnis darüber. Es wäre aber ein äusserst schwaches Argument, wenn man ausgerechnet in Bezug auf den Herbst '40 sagen würde, Hitler sei halt dreimal mehr als sonst verrückt und habe ja „ohnehin schon immer“ etwas anderes im Sinn gehabt als GB - was ja nicht zwingend falsch ist.
Was Propaganda angeht, so besitze ich einiges aus der
damaligen Zeit, aber wenn da etwa 2000 Gewehre einfach so auf
dem Waldboden liegen als Beweis für russische
Angriffsabsichten, oder Bilder von 100 Lkw, teilweise mit
geöffneten Türen und ein Bild mit drei Geschützen/Haubitzen
als Beweis für die Bevorratung, einschliesslich
Angriffsabsicht direkt hinter der Grenze zu zeigen, ist
Volksverdummung.
Was im Krieg ein Problem darstellt, weil das Volk (egal mit welchen Medien) der Möglichkeit beraubt ist, sich ein gerechtes Bild zu machen. Ein halbes Jahr vor Juni '41 stellte sich diese hier aufgeworfene Frage noch nicht, denn D war für den Krieg gegen Russland wohl nicht genügend gerüstet (obgleich im Dezember auch von einem sofortigen Auslösen von Barbarossa die Rede gewesen sein soll, was die Präventivkriegsthese ja auch nicht gerade stützt).
Wenn Du etwas zu den Informationen weisst, die der deutschen Führung im Juni '41 (oder vorher) bekannt waren, so ist das allemal wissenswert.
es aber ein paar Probleme um die russischen Grenzbefestigungen
zu durchbrechen.
Die ja defensiv sind und somit keine weitere Rolle für die
Debatte spielen
Wenn ich Grenzbefestigungen anlege, die wie gesagt defensiv
sind, erübrigt sich jede Diskussion über Präventivkrieg.
Nein, sondern die Diskussion, ob diese Befestigungen defensiv seien. Die Aufstellung der Armee kann äusserst offensiv sein und trotzdem an der eigenen Grenze starke Befestigungen vorsehen, etwa für Rückzug nach einem Angriff oder Rückendeckung während eines solchen.
Wohl kaum, die Grenzbefestigungen mussten in jedem Fall
bleiben.
Als Verschleierung des unmittelbar bevorstehenden russischen
Angriffs?
Nein eben als Befestigungen, die nützen ja auch einer Angriffsarmee, wenngleich sie selber unbestrittenermassen ganz klar Defensivanlagen sind.
Der sollte ja im Juli oder August oder sonst wann
stattfinden.
Natürlich nicht bekannt, aber vielleicht fiel nicht nur das Volk, sondern auch die Führung zeitweise einer Desinformation zum Opfer, die nicht allein aus ihrer eigenen Küche stammte.
Gruss
Rainer